Roland Possin - Tagebuch eines Geschichtenerzählers

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Tagebuch eines Geschichtenerzählers: краткое содержание, описание и аннотация

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Der Weltenbummler und Halb-Indianer Ben lebt nach dem Tod seiner Mutter in Lübeck und betreibt dort ein Antiquariat. Sein Leben scheint für seine Verhältnisse in normale Bahnen zu laufen, bis er Mike kennenlernt. Mike ist von Beruf Geschichtenerzähler und zwar ein ganz besonderer seiner Spezi, denn er heilt mit seinen Geschichten die Seele der Menschen.
Als sich Ben darauf einlässt, in die Lehre des verschrobenen Mannes zu gehen, ahnt er nicht, dass sein Leben eine dramatische Wendung bekommen wird …

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Damit du mich ein bisschen kennenlernst erzähle ich dir, was bisher in meinem Leben geschah.

Ich bin vor neunundzwanzig Jahren in Lübeck auf die Welt gekommen, unerwünscht. In mir fließt indianisches Blut. Meinen Vater habe ich nie kennengelernt. Er ist Lakota-Indianer und war als Soldat in Deutschland stationiert, als Mutter ihn 1970 traf. Sie hatte, was selten vorkam, Lübeck verlassen und eine Geschäftspartnerin in Heidelberg besucht. Diese lud sie ein, zu einem Tag der offenen Tür in einer US-Kaserne zu gehen, da ihr Mann dort beruflich zu tun hatte. Die Geschichte der Beziehung meiner Eltern ist sehr kurz. Es gab nur eine gemeinsame Nacht in einem Hotel, in der ich gezeugt wurde. Mein Vater wurde kurze Zeit später nach Vietnam abberufen. Er ließ seinen One-Night-Stand geschwängert zurück. Mutter erzählte mir, dass sie nach ein paar Jahren einen Brief von ihm bekommen hatte, worin stand, dass er zurück in die USA, ins Reservat gegangen war. Das war es dann auch schon. Mein Vater hat nie erfahren, dass er einen Sohn in Deutschland gezeugt hat. Ich blieb das einzige Kind meiner Mutter. Sie ist nie eine feste Beziehung eingegangen, das hätte wohl auch kein Mann ausgehalten. Aufgewachsen bin ich gut situiert in einer großen Villa. Meine Mutter war Geschäftsfrau. Sie führte ein großes Keramik-Unternehmen, dass sie von ihren Eltern geerbt hatte. Da sie als alleinige Geschäftsinhaberin mit viel wichtigeren Dingen beschäftigt war, als sich um ihren Sohn zu kümmern, hat sie die Erziehung an eine Frau übergeben, die mit in unserem Haus wohnte. Liesi hatte den Auftrag, mir Anstand und Ordnung beizubringen. Um ganz ehrlich zu sein, so sehr sie sich auch bemühte, ihren Job gut zu machen, unterm Strich gesehen hat sie restlos versagt. Mutter schickte mich aufs Gymnasium, mit der Hoffnung, dass ich irgendwann mal die Firma übernehmen würde. Ich versuchte die Schule so gut es ging hinzubekommen und den Ansprüchen meiner Mutter gerecht zu werden. Erfüllte aber die Auflagen der Lehrer nicht. Viele Schwänzzeiten und so, du weißt. Ich bin Zeit meines Lebens nie den Erwartungen meiner Mitmenschen gerecht geworden. An erster Stelle denen meiner Mutter, ein anständiger, guter, sauberer, braver Sohn zu sein. Dann denen meiner Anstandsdame Liesi, deren oberstes Anliegen es war, mir Manieren beizubringen. Meine Lehrer hofften bis zuletzt, dass ich das Talent, das sie in mir zu sehen meinten, endlich auch zutage befördere, verbunden mit einem emsigen Fleiß. Auch daraus wurde nichts. Und zu guter Letzt glaubten die Mädchen, die mit mir anbändelten, in mir einen pflegeleichten, verständnisvollen, Indian-Lover zu finden. Den Gefallen konnte ich ihnen leider ich tun.

Meine Karriere habe ich mir schon während der Schulzeit vermasselt. Jemand der sich permanent gleitende Arbeitszeiten gönnt, anstatt in die Schule zu gehen, hat auf der ersten Sprosse der Karriereleiter nichts verloren. Jahr für Jahr bin ich durch die Schulzeit gewandert, ohne, dass mich irgendetwas davon interessierte. Irgendwann waren die Lehrer es überdrüssig, mich in ihrer Gegenwart zu erdulden. Nach der zwölften Klasse wurde ich rausgeschmissen, wegen zu hoher Fehlzeiten, so die offizielle Version. Jemand, der regelmäßig schwänzte und sich nicht am Unterricht beteiligte störte einfach im System. Sie sind mir mit dem Rausschmiss nur zuvor gekommen, ich wäre auch so gegangen. Meiner Mutter erklärte ich, dass ich nicht vorhatte, die Klasse an einer anderen Schule zu wiederholen, geschweige denn zu studieren. Ich machte ihr klar, dass ich auch nicht beabsichtige, ihr Imperium zu übernehmen. Für sie brach damit eine Welt zusammen. Es war das erste Mal überhaupt, dass ich bei ihr eine gefühlsmäßige Regung wahrnahm. Sie drohte mir mit zitternden Händen, mich rauszuschmeißen und zu enterben, aber damit konnte sie mir nichts anhaben. Im Gegenteil, alles, was ihr so wertvoll war, Ansehen, Macht, Reichtum, all das interessierte mich nicht die Bohne. Im Gegenteil, es ekelte mich regelrecht an. Ich packte meine Siebensachen, schnappte mir meine Trommel und machte mich aus dem Staub, einfach so. Wir sollten uns nie wieder sehen. Das war 1988. Ich bin dann in der Welt umhergereist und habe mich in Südeuropa, Marokko, Sri Lanka und anderswo mit Gelegenheitsjobs und Trommeln über Wasser gehalten. Die letzten Monate lebte ich in Israel, im Mea Scharim, im orthodoxen Viertel Jerusalems. Dort habe ich vorige Woche einen Brief von ihrem Nachlassverwalter bekommen. Darin stand kurz und bündig, dass sie gestorben sei und dass die Beerdigung unmittelbar bevor stehe. Gestern wurde dann das Testament eröffnet. So erfuhr ich, dass es das Imperium meiner Mutter nicht mehr gab. Die sinkende Wirtschaftskonjunktur hatte der Firma den Todesstoß versetzt. Nachdem ihr Lebenstraum bankrott gegangen war, musste sie alles was ihr so wertvoll war verkaufen. Nur noch das Haus und ein paar Möbel sind davon übrig geblieben. Ich bin als alleiniger Erbe eingesetzt worden. Ich denke, ich werde das Haus verkaufen, das Geld irgendeinem Bettler in der Fußgängerzone schenken und mich wieder aus dem Staub machen.

November 1999

Hey, da bin ich wieder. Das Haus meiner Mutter ist mittlerweile verkauft. Ich habe das Geld nun doch nicht einem Bettler gegeben, sondern selbst behalten. Wäre ja auch irgendwie blöd gewesen, das ganze Geld zu verschenken. Ich bin auch nicht fort aus Lübeck. Ich bin es einfach leid, in der Weltgeschichte umher zu gondeln. All die Jahre, in denen ich unterwegs war, hatte ich gehofft, endlich zur Ruhe zu kommen und mich zu finden, den Menschen, der ich wirklich bin. Ich habe ihn nie gefunden. Jetzt hoffe ich, hier, an dem Ort meiner verlorenen Kindheit mehr über mich zu erfahren, wer ich wirklich bin. In einer Anzeige habe ich vor zwei Monaten gelesen, dass ein Typ aus Altersgründen ein kleines Antiquariat in gute Hände abgeben will. Komisch. Ich, der ich so wenig mit Büchern zu tun habe, sondern Musik als meine Kraftinspiration ansehe, bin da hin und habe mir diesen Laden mal angesehen. Dieser dunkle, langgezogene Raum, an dessen Wänden sich alte, verstaubte Bücher türmen, hat es mir angetan. Dazu dann der alte Mann, dessen Herz so an den Büchern hing und der den lustigen Namen Balthasar Brenzel trug. Ich habe das einfach mal gemacht und ihm für sein Geschäft die Hälfte meiner Erbschaft gegeben. Mit dem Rest kann ich noch ein paar Jahre über die Runden kommen, auch wenn es mit dem Verkauf von Büchern mal nicht so läuft.

Der Laden hat ein Hinterzimmer, das vorher als Abstellraum diente. Das ist jetzt mein Zuhause geworden. Eine Matratze als Schlafplatz, ein mit Holz betriebener Ofen, auf dem ich auch kochen kann und meine Trommel, das ist mein neues Heim. Im Flur, der zu weiteren, sich oben im Haus befindenden Wohnungen führt, ist die Toilette und ein kleines Waschbecken. Wenn ich daran denke, in was für Verschlägen ich auf Sri Lanka oder in Marokko gelebt habe, ist das hier der wahre Luxus. Wenn du jetzt denkst, dass ich ein Asket bin, so täuschst du dich gewaltig. Ich habe mir eine Musikanlage gegönnt, die im Verkaufsraum aufgebaut ist. Tja, und dann habe ich mir noch einen alten Ford Escort gezogen. Der wird mich von nun an überall hin begleiten. Wir werden sehen, was aus dem Abenteuer „back to the roots“ wird.

Dezember 1999

Nachdem ich in den ersten Wochen in meinem neuen Zuhause Aufwind hatte, fühle ich mich in letzter Zeit ausgelaugt und kraftlos. So ein Scheiß Durchhänger! Immer wieder muss ich an die Schatten meiner Kindheit denken. Weißt du, ich war in der Grundschule ein Aussätziger, wegen meiner Hautfarbe und meiner besonderen Art, wurde oft von meinen Mitschülern gehänselt und verprügelt. Und was das Schlimme war, ich konnte mich einfach nicht wehren. Tag für Tag haben sie mich gequält. Ich habe mich so geschämt, der zu sein, der ich bin. Ich wünschte mir, eine weiße Haut und ganz normal zu sein, so wie alle anderen. Wie oft habe ich morgens in den Spiegel geschaut und gehofft, dass ich über Nacht meine Farbe verloren hätte, aber nichts! Ich hatte keinen Vater der mich vor den anderen beschützen konnte und ich hatte keine Mutter, die mich, wenn es mir schlecht ging, in den Arm nahm und tröstete. Ich war allein auf mich gestellt. Als ich ihr davon erzählte, wie schwer es für mich in der Schule ist und dass ich am liebsten nicht mehr dort hingehen wollte, hat sie nur geantwortet, dass ich noch härter an mir arbeiten solle. Wenn ich erst mal sehr gute Leistungen im Unterricht bringe, würden mich meine Mitschüler schon in Ruhe lassen. Kannst du dir vorstellen, dass meine Mutter mich in meiner Kindheit nicht ein einziges Mal in den Arm genommen hat? Nicht ein einziges Mal, ich schwöre es dir! Wie sehr hätte ich doch den Schutz eines Vaters und die Zärtlichkeit einer Mutter gebraucht. Es gab sie nicht! Ich schämte mich dafür, auf der Welt zu sein. Und es war keiner da, der zu mir stand, der mir helfen konnte. Aber ich bin da irgendwie durchgegangen. Ich zog mich ganz in mich zurück und legte mir einen Panzer zu, durch den keiner durchdringen konnte, bis zum heutigen Tag. Ich schwor mir, nie wieder Schwäche zu zeigen, keine Träne zu vergießen und ich wollte mich nicht mehr für mich schämen, sondern stark sein.

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