Am besten gefiel mir Library. Dort soll es am Billigsten sein.
2 $ für 30 Minuten Internet. Von wegen billig.
Ehe ich weiterfahre, sollte ich noch einkaufen.
Brot, Spüli, Wein und Fleisch oder Fisch und Klopapier.
Viele Waren sind hier teurer als bei uns.
Kartoffelsalat mit Ei 500 gr. 9,76 $. Shrimps 500 gr. gekocht 5,48 $. Wer sagt, ich müsse Kartoffelsalat essen. Shrimps frisch aus Thailand tun es auch.
Auch Wein ist teuer. 3 Liter für 29 $. Darunter gibt es nur Fusel.
Und das muss ja nun auch nicht sein.
Schnell noch etwas Geld wechseln. Die Konditionen sind miserabel. Die Kiwis wissen mit Touristen umzugehen. Warum sollte das hier anders sein, als sonstwo in der Welt.
Die Orte sind klein und übersichtlich. Die Straßenschilder gut zu erkennen. Kurz hinter Whangarei geht es ab durchs hügelige Land zur Küste nach Whananaki.
Kurt meinte, mit einem Tank könne man ca 400 km fahren. Ich bin schon bei 450 km und der Tank zeigt noch immer ¼ voll an.
Gerade mal 20 Kilometer weiter kurz vor Whangarei zeigt der Anzeiger plötzlich nur noch die Hälfte des letzten Viertels an.
Mann o Mann, was machen die Japaner mit mir?
Ich muss zurück zur Hauptstraße, da es an der Küste kein Durchkommen und auch keine Tankstellen gibt.
Bergauf-Anzeige E= empty. Bergab ist noch was drin.
Inzwischen bin ich bei Kilometer 500 mit einem Tank.
Ob ich noch eine Tankstelle erreiche?
Die Hauptstraße führt links zurück nach Whangarei. Dort gibt es Tankstellen, die habe ich gesehen.
Rechts geht es nach Kawakawa.
26 km zurück oder 36 km nach rechts?
Links.
Ich fahre nach links zurück, denn dort hatte ich Tankstellen gesehen.
Was rechts kommt, weiß ich nicht.
Geschafft!
Ich tanke 58 Liter. Der Tank muss wirklich fast leer gewesen sein.
Der Japaner schluckt 10 Liter auf 100 km, obwohl ich mäßig zwischen 80 – 90 kmh fahre, wenn überhaupt. Wahrscheinlich kostet mich das völlig unnötige Hochdach mehr Sprit als normal.
Puh. Zukünftig tanke ich besser nach 400 Kilometern, wie Kurt es empfohlen hat.
Ich will heute noch wieder zurück zur Küste. Weg vom Verkehr.
Nach Oakura.
Mann Gottes, diese Namen. Wer kann sich solche Namen merken. Was kann ich tun, so heißen die Örtchen nun mal. Das sind maorische Namen. Ich muss mich halt daran gewöhnen. Schon bei der Vorbereitung im letzten Jahr hatte ich Schwierigkeiten, mir diese Namen zu merken. Ich habe daher beschlossen, mich von Tag zu Tag vorzubereiten. Die im Führer aufgeführten Highlights bilden den Rahmen der Reiseroute.
Eine schöne Bucht zum Mittagessen ist bald gefunden. Grünblaues Wasser. Klippen und Felsen rundrum. Weißer Sand.
Bier mit Kartoffelsalat. Die Shrimps gibt es am Abend.
Ich stehe im Schatten, mache ein Schläfchen und gehe schwimmen.
Die Karte zeigt ein Sträßchen an der Küste entlang nach Oakura.
Seit ca. 10 km fahre ich auf Schotterpisten.
Dann wird’s zum Feldweg. Ein ausgewaschener, löcheriger Pfad.
Nach ca 30 Minuten mitten in der Pampa ein eisernes Tor:
„Privat Property. Keep out.“
Scheiße. Den ganzen Weg wieder zurück.
Am Nachmittag tuckere ich mit 50-60 Km/h in Richtung Sandy Bay, als ein Vögelchen, etwa ein Star, aber etwas schlanker und kleiner, vor mir die Straße quert. Er stiefelt vor sich hin und macht keine Anstalten, wegzufliegen.
Ein wenig abbremsen. Dann wird er schon.
Nichts da. Er schaut nicht links, nicht rechts. Tapert einfach weiter. Als ich ihn erreiche, quert er gerate mal 1 ½ m vor mir die Straße, gelangt in die rechte Hälfte und tippelt einfach weiter.
Keine Eile.
Alle Zeit der Welt.
Warum hektisch werden.
Schließlich öffnet sich vor mir die Sandy Bay.
Eine traumhafte Bucht.
Ein fast leerer Campingplatz. 18 $. Meckern gilt nicht.
Und nun Shrimps mit Weichbrot und Rotwein.
In Neuseeland ißt man wieder mal, wie in vielen Ländern, nur „Kuchenbrot“.
Mit Delphinen schwimmen
Früh regt sich der Wurm.
Es geht in gemütlichen Schlängelstraßen direkt an der Küste entlang. Wunderschön. Die Natur verzaubert mich. Ich nehme das dankbar an.
Kaum Verkehr.
Die Sonne steht auf und strahlt über herrliche Buchten. Und alle sind leer. Kein Mensch an den Stränden.
Ich will nach Russel. Von dort kann man auf Booten die Bay of Island mit ihren hunderten Inselchen erkunden und, wenn man mag und dafür extra zahlt, mit Delphinen schwimmen.
Die Tagesfahrt ist teuer. Aber heute bitte mal keine Sparflamme.
Wo kann man so etwas schon versuchen.
Ich buche für 128 $ eine volle Tagestour.
Um 9:35 a.m. geht es los. Um 5 p.m. sind wir wieder da.
Kaum eine halbe Stunde unterwegs, dümpeln schon zwei Boote an einem bestimmten Platz.
Delphine!
Und tatsächlich, ein paar Finnen. Blasen und abtauchen.
Es sind noch nicht alle Boote da.
Die Delphine warten, bis alle da sind.
Es tauchen immer mehr auf.
Die Show kann beginnen. Sie umspielen die Boote. Einige springen. Sie spielen eindeutig.
Die Boote umkreisen sie langsam und folgen ihnen dann wieder. Sie werden übrigens nicht angefüttert, sie scheinen das auch von sich aus lustig zu finden.
Unser Boot und ein weiteres lassen Netze ins Wasser. In die springen Eifrige mit Flossen, Maske und Schnorchel bewaffnet hinein. Sie werden im Netz solange durchs Wasser gezogen, bis einige Delphine nahe genug sind. Jetzt senkt sich das Netz und entläßt eine Horde Menschen, die versuchen, mit den Delphinen zu schwimmen und sie vielleicht sogar zu streicheln.
Wie das leider so üblich ist, geht das nicht ohne Gekreische und lautes Rufen ab. Statt mit Schnorchel und Maske unterwasser nach den Delphinen zu suchen, schwimmen sie ziellos hektisch herum.
Schade. Da ich das bereits ahnte, habe ich Abstand genommen, selbst den Versuch zu machen.
So gelingt es auch nur ganz Wenigen, dem einen oder anderen Delphin nahe zu kommen.
Es ist trotzdem ein Schauspiel.
Ich glaube nicht, dass sich die Delphine allzusehr belästigt fühlen, sonst wären sie längst weg und kämen nicht Morgen für Morgen wieder an den bestimmten Platz, an dem die Boote warten.
Bis zu 3 m lange Tiere. Ein Baby dazwischen. Paar-Schwimmen. Buckeln, blasen und abtauchen. Ruhig und schön. Es ist ganz etwas anderes, diese schönen Tiere live zu erleben, als sie im Fernsehen zu sehen. Obwohl mir viele laute Menschen zuwider sind, breitet sich ein Glücksgefühl in mir aus.
Ehe die Menschenmeute allzu müde wird, sammelt das Boot sie wieder ein. Das scheint das Zeichen für die Delphine zu sein, das Spiel zu beenden.
Plötzlich sind sie weg.
Der Katamaran umrundet Inselchen um Inselchen.
Wir erreichen Black Rocks, kahle kleine Inseln, die sich aus Basaltsäulen gebildet haben. Sie ragen nur 10 m aus dem Wasser, reichen aber steile 30 m tief hinab.
Am äußeren Rand der Bucht liegt die felsige Halbinsel Cape Brett, die 1769 von Cook nach dem damaligen Marineminister Lord Piercy Brett benannt wurde.
Die Bucht Bay of Island ist auch geschichtlich interessant: Hier in Waitangi wurde bereits 1840 der vertragliche Grundstein des heutigen Neuseelands zwischen den Maoris und den Europäischen Siedlern gelegt. Die Maoris sind vor ca. 800 Jahren aus Polynesien eingewandert und die Europäischen Siedlern vor ca. 170 Jahren. Beides also keine Ureinwohner. Nachdem man sich natürlich erst mal heftig bekriegt hatte, begriff man wohl schnell, dass es nur ein Miteinander geben könne. Ein Vertrag sollte dieses Miteinander regeln. Und wie das so ist, gab es eine Englische Version, die die Maoris nicht verstanden und eine Maorische, die die Europäer, überwiegend Engländer, nicht lesen konnten. Missverständnisse der absolut unterschiedlichen Kulturen waren und sind die Folge. Man kloppte sich weiter, trotzdem half dieser Vertrag, Grundsätzliches für ein Miteinander zu regeln. Man versucht immerhin, sich nicht gegenseitig umzubringen, sondern sucht friedliche Wege.
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