Am Sonntag soll es früh losgehen.
Hoffentlich schlafen die Neuseeländer noch, denn ich muss durch Auckland nach Norden.
Nun zeigt sich, dass die japanischen Camper „Holzklasse“ sind. Diese Toyotas sind weitgehend unverkleidet. Das Blech klappert, die Einbauten quietschen und sind unpraktisch. Starrachse und Blattfedern hinten. Hinterradantrieb. VW baut sowas schon lange nicht mehr.
Kurt meinte: VW Busse spielen in einer anderen Liga. Wohl wahr!
Nach Norden
Wer zur Hühnerzeit ins Bett geht, kann auch früh raus. Es geht nach Norden, die SH 1 hoch. 4 spurige Autobahn.
Die Neuseeländer, die sich selbst Kiwis, nach dem Nationaltier, nennen, sind leider auch schon unterwegs. Und das sonntags.
Nördlich vor Orwega mündet die Autobahn in eine normale Asphaltstraße. Ich bin zwar schon einigermaßen wach, fahre aber erst mal raus zur Bucht.
Die Anspannung der ersten Fahrt lässt nach. Die Sonne strahlt. So kann es bleiben.
Und dann passiert es.
Raus aus der Bucht zur Straße zurück und rechts ab auf die rechte Fahrbahn.
Mir kommt direkt auf der gleichen Fahrbahn ein Auto entgegen. Vollgas und rüber auf die linke Fahrbahn.
Puh, das war knapp, sehr knapp.
Adrenalin fließt.
Mir wird ganz heiß. Hier wird links gefahren, du alter Trottel.
Allein die Vorstellung: Wegen Trotteligkeit einen Frontal-Zusammenstoß. Totalschaden. Krankenhaus. Reise schon wieder zu Ende.
Nicht auszudenken.
Erst mal an der nächsten Möglichkeit anhalten.
Ausschnaufen.
Nie, nie wieder. Der Schreck sitzt tief und wird mir hoffentlich helfen, nicht wieder den gleichen Fehler zu machen.
Kurz hinter Wellford zweigt eine Nebenstraße rechts ab. Sie führt nach Mangawhai direkt ans Meer. Dort gibt es herrliche Sandstrände und einen Klippenwanderpfad.
Nach dem vielen Sitzen im Flieger und im Auto endlich wieder laufen. Mein erster DOC Campingplatz. Er liegt hoch über der Bucht in einem großen Wiesenareal. DOC heißt: Department of Conservation. Die organisieren an den schönsten Stellen Neuseelands Campgrounds, die sich auf das Nötigste beschränken, wie Bioklo, manchmal Wasser, kein Strom, aber immer schöne und saubere Plätze. Keine Betreuung, keine Camping-Atmosphäre. Hier campen Reisende und Wanderer. Keine Camping-Menschen, die irgendwo hinfahren und dort bleiben. Das „Schrebergartenfeeling“ kommt hier nicht auf.
Man nimmt sich am Eingang eine Anmeldung, füllt sie aus und steckt eine Registratur-Nummer und Geld in eine Plastiktüte und wirft diese in einen diebstahlsicheren Behälter. Einen Registrationsabschnitt steckt man hinter die Scheibe, so dass evtl. kontrolliert werden kann, ob man die wirklich günstige Gebühr auch bezahlt hat. 6 oder 10 $, je nach Ausstattung des Platzes. Genau das Richtige für mich, der ich Campingplätze eigentlich nicht leiden kann.
Ein perfekt gepflegter Pfad führt weg vom Strand und schlängelt sich hoch in die Klippen.
Auf und nieder. Immer höher.
2 Stunden hin und 2 Stunden zurück. Herrlich, aber für einen Ungeübten, auch des langen Winters wegen, nicht ganz ohne. Ich habe immer noch die Folgen der jetlag in den Knochen. Beim Ausblick auf Bucht und Meer, vergesse ich alles und staune nur, wie schön das ist.
Das Wetter spielt mit. Nicht zu warm, nicht zu kalt. Gerade richtig, um zu wandern. Wer weiß, wie lange es sich hält. Genießen, schwimmen und innerlich endlich ankommen. Das Flugzeug ist schneller als die Seele. Die braucht Zeit, sich an Veränderungen anzupassen. Schon deshalb sind wir nur ungern geflogen. Das Reisen mit dem Auto macht es problemlos möglich, die sich verändernden Menschen und Länder nachzuvollziehen.
Wäsche waschen, ein Schläfchen, Tomatensalat mit Knoblauch und Schafskäse.
Obwohl die Sonne nicht durchgehend scheint, zeigt sich bereits ein leichter Sonnenbrand. Die Strahlungsintensität ist hier eine andere. Meine Sonnencreme mit Faktor 30 mit Aloe Vera hilft.
Ich war darauf vorbereitet.
7 Uhr früh bei Ebbe. Die Sonne kommt.
Auf Nebenwegen erreiche ich Whangarei. Ein kleines, nettes Städtchen. Dort will ich eine preapaid Telefonkarte kaufen, so daß ich für Kurt bzw. in dringenden Fällen für meine Kinder erreichbar bin und notfalls auch in Neuseeland ohne die blöden Rouming Gebühren telefonieren kann.
Das stellt sich als nicht so einfach heraus.
Gleich beim Ortseingang entdecke ich ein Postoffice.
> I would like to buy a preapaid card. <
Die pummelige Dame hinter dem Schalter schnattert los. Ich verstehe kein Wort. Nach ein paar Minuten habe ich immerhin so viel verstanden, dass es mehrere Anbieter gibt. Ich soll wählen.
> Vodafone
> realy ?<
> oh…< und wieder schnattert sie los und zeigt auf mehrere Nummern. Offensichtlich hat jeder Anbieter eine eigene Nummer. Ich zeige auf irgend eine.
> Give me your telefon, please. Oh, its a very old modell! <
Na und? Das Ding ist gerade mal 10 Jahre alt, Steinzeit für Telefonfetischisten.
Sie tippt sich durchs Menue.
> This simcart is for Vodafone <
So´n Quatsch. Die loggt sich sonstwo ein.
Außerdem will ich doch eine Karte aus Neuseeland.
Dann eben Vodafone.
> How much you want? You can chose from 10 to 100 $. <
> Thirty dollar <
Sie knöpft mir 30 $ ab und sagt vieles, was ich wieder nicht verstehe. Schließlich schreibt sie auf: Go to a vodafone shop in town. Die müssen die Simkarte freischalten für Neuseeland.
Wieso das denn?
Alte Simkarte raus, neue rein.
Was soll das mit der Freischaltung meiner eigenen Karte?
> What about the preapaid card? <
Sie bleibt dabei. > Go to Vodafone. <
> Have I to come back to you? <
> No <
Na denn. 30 $ und keine preapaid Karte.
Die Kiwis sind ungeheuer freundlich. Wen auch immer ich frage, zeigt mir den Weg und schnattert. So finde ich den Shop schnell.
Und wieder hämmert der Dialekt auf mich ein.
Ich wollte doch nur eine preapaid Karte. Reinstecken und los.
Nichts da.
Madam tippt auf ihrem Computer und auf meinem Telefon herum.
> You have to buy a preapaid cart. Cost you 30 $. <
Ach was?
> I payed already 30 $. <
> The cart cost 30 $ and than you can phone for 30 $. <
Werde ich mich mit ihr herumschlagen? Also zahle ich noch mal 30 $.
Der Dialekt schlägt wieder zu.
> You want international or only Neuseeland? <
> International <
Es könnte ja sein, dass die Kinder mich dringend erreichen müssen.
> This cost more <
Na dann!
Ich verstehe, dass sie nun 50 $ geladen hat.
Ich kann aber nur für 30$ telefonieren
Und Freiminuten gibt sie mir.
Wie nett.
> The price for the minute is very cheep. <
> realy? <
Ist doch eh wurscht.
Mach hinne, Madam, zeig mir, ob das Ding nun endlich funktioniert. Alles sehr freundlich, aber verwirrend.
Warum, in Gottes Namen, tut man nicht einfach eine andere Karte rein und fertig.
Halleluja, es tut!
Nun muss ich einen Internetzugang finden, um meinen Kindern und Kurt die neue Nummer mitteilen zu können.
Ich gehe fragen.
Ein Reisebüromensch springt hinter seinem Schalter auf. Schnappt mich am Ellenbogen, schiebt mich vor die Tür und erklärt, wo ich überall hin gehen könnte.
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