Berücksichtigt man, dass Datenträger ohnehin praktisch jederzeit ausfallen können, stellt das zusätzlich Risiko durch Verschlüsselung keine qualitative Veränderung des Risikos dar. Ein Backup ist ohnehin notwendig! 3Deshalb verkürzt sich die Frage meiner Meinung nach darauf, ob man auch die Sicherheitskopien verschlüsselt. Das hängt entscheidend von der persönlichen Bedrohungslage ab. Ist die größte Gefahr, dass ein Laptop mit Mandantendaten verloren geht, dürfte es durchaus erwägenswert sein, das Backup unverschlüsselt an einem sicheren Ort aufzubewahren. Muss man hingegen damit rechnen, dass ein hochgerüsteter Geheimdienst seine besten Leute auf die Mandanten- / Patientengeheimnisse angesetzt hat, dann bringt es recht wenig, zwar den Laptop zu verschlüsseln, das Backup aber unverschlüsselt in der Kanzlei / Praxis aufzubewahren. Weiter ist die Bedeutung der Integrität der Daten in die Überlegung einzustellen: Liegen Daten einzig in elektronischer Form vor bzw. lassen sie sich nur sehr schwer rekonstruieren, mag das eher dafür sprechen, ein unverschlüsseltes Backup anzulegen. Wer das Leben seiner Kinder ausschließlich mit der Digitalkamera dokumentiert hat und sich die Bilder ausschließlich auf dem Tablet angesehen hat, wird den Totalverlust der Daten infolge eines geklauten Laptops und eines unlesbaren Backups wohl schwerer verkraften als die Gefahr, dass ein Einbrecher die Backupfestplatte klaut und sich an den Urlaubsfotos ergötzt bzw. ein Geheimdienst sich die Fotos verschafft.
Gute Passwörter erstellt man, indem man sich einen langen Satz merkt und die Anfangsbuchstaben der Worte als Passwort verwendet, z. B.: „GPem,imselSmudAdWaPv,z.B.:“
Sichere Verschlüsselung setzt voraus, dass man mit sicheren Passwörtern arbeitet. Der einfachste Angriff auf jede Art von Verschlüsselung ist der sog. Brute-Force-Angriff – also ein Angriff mit brutaler Gewalt. Dabei werden der Reihe nach sämtliche Passwörter / Schlüssel durchprobiert. Selbst mit durchschnittlichen Laptops lassen sich in Sekunden oder Minuten mehrere Wörterbücher durchprobieren. Deshalb verbietet sich somit jedes Wort, das in irgendeinemWörterbuch gefunden werden kann. Insbesondere verbieten sich Namen jeder Art!
Ein sicheres Passwort sieht nach Zufallszeichen aus und mischt Buchstaben (Groß- und Kleinschreibung), Zahlen und Sonderzeichen. Ein solches Passwort wird man in keinem Wörterbuch finden und letztlich nur durch Durchprobieren aller Kombinationen knacken können. Ist ein solches Passwort zudem lang genug, dann kann man davon ausgehen, dass es „unknackbar“ ist. Der Nachteil ist, dass sich Passwörter wie „v>_.z27q7z#*gNPY“ nur recht schwer merken lassen … Es gibt allerdings einen einfachen Trick, lange und gut merkbare Passworte zu erstellen. Dazu bildet man zunächst einen Merksatz oder mehrere Merksätze. Etwa: „Es gibt allerdings einen einfachen Trick, lange und gut merkbare Passworte zu erstellen. Dazu bildet man zunächst einen Merksatz oder mehrere Merksätze.“ Setzt man das Passwort nun aus den Anfangsbuchstaben zusammen, erhält man: „EgaeeT,lugmPze.DbmzeMomM.“ Ersetzt man jetzt noch einzelne Buchstaben durch Zahlen und Sonderzeichen, könnte man „Ega1e#,l&gmP7e.Dbmz1M0mM.“ erhalten.
Verschlüsselungstechniken
Bevor ich die einzelnen Methoden beschreibe, um Informationen zu verschlüsseln, will ich im Folgenden ganz knapp ein paar technische Grundlagen erläutern. Grundsätzlich kann man bei Verschlüsselungsverfahren zwischen symmetrischen und asymmetrischen Verfahren unterscheiden. Bei symmetrischen Verfahren wird die Information mit dem gleichen Schlüssel / Passwort verschlüsselt und entschlüsselt. Bei asymmetrischen Verfahren gibt es zwei Schüssel: einen öffentlichen zum Verschlüsseln und einen geheimen / privaten zum Entschlüsseln.
Symmetrische Verschlüsselung
Symmetrische Verschlüsslungsverfahren benutzen das gleiche Passwort zum Ver- und Entschlüsseln. Soll das Passwort von anderen (etwa einem Kommunikationspartner) verwendet werden, muss man es sicher austauschen können.
Bei symmetrischen Verschlüsselungsverfahren wird die Information mit Hilfe des gleichen Schlüssels / Passwortes ver- und entschlüsselt.
Ein sehr einfaches Verfahren funktioniert etwa so, dass jedem Buchstaben eine Zahl zugewiesen wird – also A = 1, B = 2 usw. bis Z = 26. Nun addiert man jeweils einen Buchstaben der Nachricht zu einem Buchstaben des Passworts. Ist die „verschlüsselte“ Zahl größer als 26, zieht man 26 hiervon ab.
D 4 |
A 1 |
S 19 |
I 9 |
S 19 |
T 20 |
E 5 |
I 9 |
N 14 |
T 20 |
E 5 |
S 19 |
T 20 |
P 16 |
A 1 |
S 19 |
S 19 |
W 23 |
O 15 |
R 18 |
T 20 |
P 16 |
A 1 |
S 19 |
S 19 |
W 23 |
20 |
2 |
38/12 |
28/2 |
42/16 |
35/9 |
23 |
29/3 |
30/4 |
21 |
24 |
38/12 |
43/17 |
T |
B |
L |
B |
P |
I |
W |
C |
D |
U |
X |
L |
Q |
Zum Entschlüsseln muss nun von der verschlüsselten Nachricht das Passwort „abgezogen“ werden. Erhält man eine negative Zahl, muss 26 hinzuaddiert werden.
T 20 |
B 2 |
L 12 |
B 2 |
P 16 |
I 9 |
W 23 |
C 3 |
D 4 |
U 21 |
X 24 |
L 12 |
Q 17 |
P 16 |
A 1 |
S 19 |
S 19 |
W 23 |
O 15 |
R 18 |
T 20 |
P 16 |
A 1 |
S 19 |
S 19 |
W 23 |
4 |
1 |
-7/ 19 |
-17/ 9 |
-7/ 9 |
-6/ 20 |
5 |
-17/ 9 |
-12/ 14 |
20 |
5 |
-7/ 19 |
-6/ 20 |
D |
A |
S |
I |
S |
T |
E |
I |
N |
T |
E |
S |
T |
Moderne symmetrische Verschlüsselungsverfahren sind natürlich sehr viel komplexer. 4
Symmetrische Verschlüsselungsverfahren eignen sich hervorragend, um eigene Daten zu sichern. Solange man sich an das Passwort erinnert bzw. über den Schlüssel verfügt, kommt man an die Daten heran. Unproblematisch ist ein solches Verfahren außerdem, wenn man das Passwort und / oder den Schlüssel sicher austauschen kann. Wer etwa in einer sicheren Umgebung – also einer solchen, in der man nicht damit rechnen muss, abgehört oder beobachtet zu werden – ein Passwort / einen Schlüssel austauschen kann, muss sich über die komplizierte asymmetrische Verschlüsselung keinen Gedanken machen … Das kann etwa sinnvoll sein, wenn man mit einem Mandanten / Patienten / Klienten in den eigenen Kanzlei- / Praxis- / Büroräumen besprechen kann, wie man die weitere Kommunikation per E-Mail absichert. Bei dieser Gelegenheit kann man dann auch ein gemeinsames Passwort vereinbaren.
Häufig besteht eine solche Möglichkeit aber nicht. Dann stellt sich das grundsätzliche Problem, wie man das Passwort so austauscht, dass es nicht abgefangen werden kann. Hier muss man wieder sehr genau das eigene Bedrohungsszenario analysieren. Will man lediglich sicherstellen, dass eine E-Mail während des Transports nicht gelesen werden kann und vertrauliche Informationen nicht ungesichert auf dem Mailserver lagern, kann es vertretbar sein, das Passwort über eine SMS oder einen Brief auszutauschen. Das ist selbstverständlich keine Option, wenn man damit rechnen muss, dass das Telefon abgehört und Briefe überwacht werden.
Ein weiteres praktisches Problem bei einer symmetrischen Verschlüsselung ist, dass man sinnvollerweise für jeden Mandanten / Klienten / Patienten ein eigenes Passwort vereinbaren sollte. Damit stellt sich das Problem, eine Vielzahl von Passwörtern verwalten zu müssen. Das gleiche Problem stellt sich für den Kommunikationspartner. Dieser mag zwar noch in der Lage sein, sich seine eigenen wichtigsten Passwörter zu merken. Bei dem Passwort für die Kommunikation mit dem Anwalt / Arzt / Pfarrer muss man aber fast damit rechnen, dass dieses auf irgendeinem Zettel landen wird.
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