1 ...7 8 9 11 12 13 ...27 „Ist ja gut, Luca. Ganz ruhig!“, fällt sein Manager ihm ins Wort. So langsam scheint Joey aufzugehen, wie fertig sein Geschäftspartner tatsächlich ist. „Nimm‘ dir ein paar Tage. Aber lass mich zu dir kommen, ja? Ich möchte nicht, dass du alleine im Hotel rumsitzt und Trübsal bläst.“
„Ich bin hier privat untergebracht“, murmelt Luca müde. Die Gespräche mit Joey ermüden ihn immer. Kein Wunder, dass er sich davor am liebsten drückt.
„Wo bist du denn überhaupt?“, hakt Joey nach.
„Ich … Joey sei mir nicht böse, aber ich möchte nicht, dass du hierher kommst. Ich ruf‘ dich bald wieder an, ja?“
„NEIN!“, brüllt Joey erbost. „Das kannst du doch nicht machen! Luca! Sag‘ mir wo du bist! Du kannst mich nicht einfach so aus deinem Leben ausschließen.“
Kann ich doch ! beschließt Luca und mit einem „Bis bald“ beendet er das Gespräch. Anschließend schaltet er sein Handy aus. Er kommt sich ziemlich schäbig vor, doch gegen Joeys entnervend zähe Art kommt Luca auf Dauer nicht an. Er ist sich sicher, dass sein Manager höchstens einen Tag vor Ort sein müsste und der Heiler Luca Denero wäre eingenordet und auf Linie gebracht.
Nein , denkt Luca entschieden. Ich brauche mehr Zeit! Und die werde ich mir nehmen. Es geht hier um mein Leben, meine Gesundheit, meine Seele. Ich brech‘ zusammen, sollte ich jetzt wieder nach Hause fahren müssen. Außerdem ist da dieser Typ mit den eigenartigen Augen. Den will ich näher kennen lernen.
Bei dem Gedanken an Jackson und seine eigenwillige Art sein Leben zu meistern geht es Luca direkt besser und er lächelt leise vor sich hin.
Nach seiner Rückkehr am späten Nachmittag war Jackson mit einem „Muss dringend duschen“ ins Bad geeilt. Das heiße Wasser hatte seinen beanspruchten Muskeln gut getan. Jetzt fühlt er sich wie neu geboren. Ausgepowert, doch dadurch auch sehr lebendig. Andere gehen trainieren, ich stemme Getränkekästen , schmunzelt er in Gedanken.
Lächelnd lehnt er im Türrahmen zur Küche; die Arme vor der Brust verschränkt. Im Hintergrund dudelt leise das Radio. Luca hat seine Rückkehr aus dem Badezimmer noch nicht bemerkt. Barfuß steht er vor dem Herd und rührt konzentriert irgendeine Sauce zusammen. Und er sieht dabei sowas von sexy aus. Eine ausgebleichte Jeans hängt gewollt lässig auf seinen schmalen Hüften. Dazu trägt er lediglich ein schwarzes enges Shirt. Ein rotkariertes Baumwollhemd war ihm wohl zu warm, so dass er es schließlich locker um seine Hüften geschlungen hat. Zwei dunkle Haarsträhnen haben sich aus dem Band im Nacken gelöst und hängen ihm reizvoll über die Wangenknochen.
Jackson kann sich gar nicht satt sehen. Lucas Anblick fesselt seine Aufmerksamkeit. Doch schließlich macht er sich bemerkbar.
„Naa …“, spricht er den hübschen Koch an, nur um nach einer kleinen Pause ironisch „… Jesus“ hinzuzufügen.
Luca verdreht genervt die Augen.
„Absinth war also schon bei dir!“, stellt er trocken fest.
„Na klar war der bei mir. Du bist vielleicht gut. Erschütterst das Weltbild meines kleinen Freundes und wunderst dich dann, dass er mir alles erzählt.“
Luca schnaubt abwehrend. „Ich hab‘ nicht behauptet, dass ich mich über sein Verhalten wundere.“
Vorsichtig würzt er die Sauce nach. Schnuppernd tritt Jackson langsam näher. Schließlich steht er direkt hinter Luca und legt vertraulich sein Kinn auf dessen Schulter.
„Das riecht toll“, flüstert er seinem Untermieter zu. „Lädst du mich ein?“
Jetzt legen sich seine Hände vorsichtig auf Lucas Hüften. Dessen Herz klopft schneller; sein Atem geht tiefer. „Natürlich!“, presst er hervor und seine Stimme kratzt belegt. Schnell räuspert er sich.
Jackson schließt ihn einmal kurz in die Arme und drückt Luca gegen seine Brust.
„Baggerst du mich gerade an?“, stößt Luca nervös hervor.
„Und wenn es so wäre?“, entgegnet Jackson herausfordernd. „Schlimm?“
Luca zuckt verlegen einmal mit den Schultern. Konzentriert rührt er in der Gemüsepfanne, um bloß nicht aufblicken zu müssen.
Jackson klopft ihm einmal auf die Brust und lässt sein Opfer schließlich frei. Ich krieg‘ dich schon noch , denkt er zufrieden. Doch laut erklärt er: „Ich freu‘ mich doch nur! Super Idee von dir zu kochen! Ich hab‘ nämlich richtig Hunger!“
Während er redet, kramt Jacks in den Schränken nach zwei Tellern.
Lautlos pustet Luca eine freche Haarsträhne weg. Jacksons Verhalten heizt ihm mächtig ein. Nach seiner ewig langen Zeit der Abstinenz fühlt er sich ziemlich unbeholfen.
„Wir können!“, bemerkt er, während er die Herdplatten abdreht.
Kaum sitzen sie am Tisch, klingelt es. Grinsend erhebt sich Luca, um die Türe zu öffnen.
Doch Jackson greift schnell nach seinem Handgelenk. „Lass!“, raunt er und greift nach seiner Gabel.
„Aber er hat doch bestimmt Hunger“, wendet Luca mitleidig ein.
Jacks blickt ihm tief in die Augen. „Nein!“, befiehlt er nachdrücklich. „Ich will ihn jetzt nicht sehen. Setz‘ dich bitte wieder hin!“
Erstaunt sinkt Luca zurück auf seinen Platz. „Wenn du meinst“, wendet er zweifelnd ein.
„Der verhungert schon nicht“, grinst Jackson. „Ich möchte alleine mit dir sein. Dafür hat Abs bestimmt Verständnis.“
Bestimmt , denkt Luca ironisch.
„Wie kommt er eigentlich zu seinem Spitznamen?“, fragt er und versucht, das zweite Klingeln zu ignorieren.
Jackson lacht, während er sich begeistert das Gemüse in den Mund stopft.
„Durch seinen Nachnamen. Er heißt Johannes Wermuth. War doch klar, dass irgendeiner in der Schule mal auf den Trichter mit dem Absinth kam.“
„Johannes Wermuth“, lässt sich Luca den Namen auf der Zunge zergehen. „Hört sich ziemlich aristokratisch an.“
Jackson kichert in sich hinein. „Wenn, dann handelt es sich bei seiner Familie um verarmten Adel.“
Auch Luca lacht, während er erleichtert registriert, dass sich schnelle Schritte im Treppenhaus entfernen.
„Und jetzt erklär‘ mir doch mal, wo dein Problem liegt!“, fordert Jackson seinen Mieter auf, während sein ruhiger Blick aus diesen irritierenden Augen auf Luca ruht.
Ein Seufzen kann dieser sich nicht verkneifen, doch dann erzählt er ein weiteres Mal von der Situation, in der er sich befindet. Doch dieses Mal ausführlicher. Sein Telefonat mit Joey lässt er ebenfalls nicht aus.
„Und?“, fragt Jackson schließlich. „Wo liegt dein Problem?“
Luca runzelt unwillig die Stirn. „Wie meinst du das? Ich hab‘ dir doch alles erzählt. Hast du mir nicht zugehört?“ Er kommt sich schon vor wie eine Heulsuse, weil er nur noch von Überforderung und Stress redet.
Jackson schiebt seinen leeren Teller beiseite, steht auf und füllt die Kaffeemaschine. Nachdem er seine Zigaretten geholt hat, zündet er sich genüsslich eine an und inhaliert tief.
„Du hast mir erzählt, wie es dir geht und was dazu geführt hat. Jetzt will ich wissen, wo dein Problem liegt, deine Situation zu ändern. Ganz einfach.“
„Ganz einfach!“, murrt Luca vorwurfsvoll. „Ich kann doch nicht einfach so abhauen; zumindest nicht für immer.“
„Warum nicht?“, fragt Jacks und kneift leicht die Augen zu, weil ihm der Qualm ins Gesicht zieht. „Hast du einen Vertrag mit Joey?“
Erregt hebt Luca seine Hände. „Nein, aber da sind die Menschen, die sich Hilfe von mir erhoffen. Die kann ich doch nicht einfach enttäuschen.“
„Warum nicht?“, hakt Jackson stoisch nach.
„Wa … bist du taub? Diese Leute brauchen Hilfe! Viele sind sterbenskrank. Die hab‘ ich dann womöglich auf dem Gewissen.“ Nervös schabt Luca mit seinem Kaffeelöffel über die Tischplatte.
„Was haben denn diese Leute gemacht, als es dich noch nicht in ihrem Leben gab?“, fragt Jackson ernst. „Sind die heulend auf der Straße zusammengebrochen, haben gejammert und gestöhnt ‚Einer muss uns retten! Wo bleibt er nur?‘“
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