David Ekwe Ebobisse - Die Weltgesundheitsformel

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Die Welt auf der wir leben ist bekanntermassen recht bedroht. Klimaverschiebungen, Artensterben, schmelzende Polkappen und viele andere beunruhigende Informationen machen uns täglich aufs Neue klar, dass der Mensch nicht einfach ohne Rücksicht auf Verluste agieren kann.
Das Wirtschaftssystem, nach dem dieser Planet organisiert ist, bedingt aber geradezu den Raubbau an der Natur und macht auch vor der Ausbeutung der Menschen an sich nicht Halt. Um langfristig etwas daran zu ändern, müssen die Zusammenhänge und Hintergründe, die all das ermöglichen, was uns letztlich alle betroffen macht und bedrückt, ins Bewusstsein gerückt werden.
Die Reihe Weltgesundheitsformel klärt nicht nur über die globalen Zusammenhänge zwischen dem was wir tun und den sich daraus ergebenden Konsequenzen auf – auch wenn diese für uns unsichtbar am anderen Ende der Welt zutage treten —, sondern weist auch die Wege, die für eine nachhaltige Änderung eingeschlagen werden müssen.
Neben den Grundlagen moderner Wirtschaftssysteme, der globalen Politik und den internationalen Organisationen, die den Welthandel steuern, werden auch geschichtliche Hintergründe vermittelt, die verständlich machen, warum bestimmte Dinge so sind wie sie sind und sich ohne unser Zutun auch nicht ändern.
Lassen Sie sich über all die Dinge aufklären, von denen Sie im Grunde wissen, dass es sie gibt und zu was sie führen, die sich aber so leicht verdrängen lassen, dass man sie schon fast vergessen hat.
Band 1 beschäftigt sich mit unserem Konsumverhalten und dem Preis, den der Rest der Welt dafür bezahlt, dass wir jeden Tag Fleisch essen können, alle halbe Jahr ein neues Handy bekommen und ständig neue Klamotten kaufen.

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Wir leben in einer Welt, in der täglich 40.000 Kinder an vermeidbaren Ursachen wie Hunger und verunreinigtem Trinkwasser sterben. Einer Welt, in der 20 % der Weltbevölkerung über 80 % des Welteinkommens verfügt und 4 Milliarden Menschen von weniger als einem Dollar pro Tag leben. Eine Welt, in der 1 % der Weltbevölkerung etwa 40 % des weltweiten Vermögens hält und 10 Millionen Millionäre ein Vermögen besitzen, das mehr als doppelt so hoch ist, wie das von 90 % der Weltbevölkerung — mittlerweile über 7 Milliarden Menschen. Aber nicht nur die individuellen Ungleichheiten zwischen Arm und Reich, auch die nationalen Ungleichheiten wachsen von Tag zu Tag schneller.

"Der Reichtum der 356 reichsten Leute dieser Erde — sie passen alle zusammen in einen Raum — entspricht dem Jahreseinkommen von 40 % der Menschheit — das sind mehr als zweieinhalb Milliarden Menschen. Die unteren 20 % auf der Einkommensleiter unserer Erde, die wirklich Armen, bekommen nur 1,5 % des Weltbruttosozialprodukts. Ein Rezept für die Katastrophe", empört sich der Ökonom und Zukunftsforscher Jeremy Rifkin, der dafür bekannt ist, offen soziale Missstände in der Welt anzuprangern und immer heftiger auf die extremen Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten zwischen der Nord- und der Südhalbkugel hinzuweisen. (Quelle: ZDF Doku: Der Informationsgesellschaft auf der Spur, von John A. Kantara, 2002) Ungleichheiten, die dazu führen, dass jeder sechste Erdbewohner an einer Tropenkrankheit stirbt, weil er sich selbst die billigsten Medikamente nicht leisten kann und südlich der Sahara allein 600 Millionen Menschen von der Schlafkrankheit betroffen sind — wenn nicht sogar daran sterben, obwohl sie heilbar ist. (Quelle: 1 $ für 1 Leben. Hilfe, Regie: Frédéric Laffont)

"So machen die Länder der Dritten Welt, die 85 % der Weltbevölkerung des Planeten aufweisen, nur 25 % des pharmazeutischen Weltmarktes aus", gibt uns Jean Ziegler in seinem Buch »Die neuen Herrscher der Welt — und ihre globalen Widersacher« zu verstehen.

Während in unserer Wohlstandsgesellschaft jährlich 105.000 Menschen an Herzinfarkten, 7,25 Millionen an koronaren Herzerkrankungen und 647.000 an Darmkrebs zugrunde gehen, weil sie zu fett sind, sich schlecht ernähren, zu viel essen und sich zu wenig bewegen, sterben täglich 40.000 Kinder der 854 Millionen permanent unterernährten Menschen an Hunger, verschmutztem Trinkwasser und den Folgen ihrer Armut. (Quelle http://www.pharmazeutische-zeit ung.de/index.php?id=42851) Kontraste, die deutlicher nicht sein könnten.

Ja. Das ist schon heftig: Die Einen sterben, weil sie zu viel essen, und die anderen, weil sie nichts abbekommen?

Eine traurige Wahrheit, die jeden von uns eigentlich betreffen sollte. Aber die größte Frechheit kommt erst noch:

Die Tiere der Reichen essen das Brot der Armen

Anstatt den Hungernden des Südens etwas zu essen zu geben, verfüttern westliche Fleischproduzenten und Konsumenten kalorienreiches Getreide aus den Ländern des Südens lieber an ihre Nutztiere und machen aus 10-15 Kilogramm Getreide ein Kilogramm Rindfleisch. Dieses eine Kilogramm Fleisch hat gerade mal 2.000 Kalorien, was einer Tagesration entspricht. Die 10 Kilogramm Getreide, die zur Mast der Fleischträger gebraucht werden, haben insgesamt 36.000 Kalorien, wovon sich 12 Menschen einen Tag oder ein Mensch 12 Tage lang ernähren könnten. (Quelle: Sigrid Faltin, Fleischlos glücklich? Und Fisch gibt es auch nicht!)

Also essen die Tiere der Reichen das Brot der Armen?

Ja. Auf diese Kurzformel könnte man es bringen: Wobei man hier nicht mehr von Getreidefutter, sondern eher von einem »Futtermittelkomplex« reden sollte, der nicht etwa nur mit Wachstumshormonen, Antibiotika und anderen giftigen Bestandteilen gestreckt wird und für eine Vielzahl von Krankheiten bei Mensch und Tier verantwortlich ist, sondern auch aus jenen Getreideüberresten besteht, die von Ackerflächen absichtlich gerodeter Urwaldflächen stammen und auf denen nun riesige Soja- und Maisplantagen stehen, die nachhaltig den Boden verseuchen und ein ökologisches Desaster anrichten. (Quelle: Armin Risi, Glücklich leben als Vegetarier)

Und das alles nur wegen eines Stücks Fleisch?

Ja. Aber nicht nur der Regenwald, auch der menschliche Körper leidet an dem gestiegenen Konsum von Tierprodukten. Ein sehr vielschichtiges Thema, auf das wir im Anschluss gerne noch ausführlicher eingehen können.

Super!

Festhalten können wir, dass 50 % der Weltgetreideernte und 90 % der Weltsojaernte für krankmachendes Tierfutter verschwendet werden, um Fleisch, Milch und Eier zu produzieren, die, anstatt die Mägen der Armen zu füllen, die Körper der Reichen krankmachen. Obwohl mittlerweile jeder siebte Erdling, also 8,8 Millionen Menschen an permanenter Unterernährung leiden, es 206 Millionen hungernde Afrikaner, 524 Millionen hungernde Asiaten, 52 Millionen hungernde Latinos und 38 Millionen hungernde Menschen im Nahen Osten gibt, machen wir weiter, als wären wir die Größten, ohne Mitgefühl für das Schicksal anderer zu zeigen — andere, deren Familien unsere Gier nach mehr und dem daraus entstehenden westlichen Imperialismus zum Opfer fallen. Ein weiteres Thema, das es sich genauer zu beleuchten lohnt, um zu verstehen, wie westliche Konzerne ihre Vormachtstellung im Süden dermaßen ausbauen konnten.

Auf jeden Fall. Ich will unbedingt wissen, wie es so weit kommen konnte!

Gut. Nun aber zurück zur verarmten Dritte-Welt-Bevölkerung, die so wenig Geld hat, dass jeder fünfte Mensch, der heute in einem Entwicklungsland lebt und behindert ist, weil er sich weder die notwendige Operation leisten noch eine Prothese kaufen kann.

Ein tägliches Lampedusa

Obwohl der Westen nur 20 % der Weltbevölkerung stellt, konsumiert er heute rund 80 % der vorhandenen Ressourcen, die auf unserem Planeten verfügbar sind. Eine Ungerechtigkeit auf die immer mehr Bewohner der Dritten Welt mit wütenden Protesten reagieren, die der Westen zwar noch ignorieren und niederschlagen kann, doch spätestens dann zu spüren bekommt, wenn die Menschen der Länder des Südens von Perspektivlosigkeit getrieben, versuchen, die »Festung Europa« zu stürmen oder die Grenze zu den USA zu überqueren, um auch ein Stück von dem Kuchen abzubekommen, den wir ihnen wegessen.

Der Westen seinerseits lässt zwar Güter aus der Dritten Welt passieren, geht aber gegen die Invasoren und den nie abreißenden Flüchtlingsstrom mit aller Härte vor, während er eine völkerrechtliche Straftat nach der anderen begeht. Die täglichen Angriffswellen wehrt er nicht nur routiniert ab, sondern schleust die Armen meist genauso illegal wieder zurück, wie sie hergekommen sind. Von ihrer langen, lebensgefährlichen Odyssee geschwächt und demoralisiert, bleibt den Opfern von Staatsterror, Armut und Krieg meist keine andere Möglichkeit, als in ihre Heimatländer zurückzukehren.

Durch Ereignisse wie das Flüchtlingssterben vor Lampedusa nehmen satte Industriestaatler zwar wahr, was gerade vor ihren Küsten geschieht, doch auch wenn noch so viele Opfer vor den Toren Europas stranden, gibt der Westen keinen Platz in seinem Herzen frei, um ihnen Nahrung, Asyl, Mitgefühl und Wohnflächen zu spenden — obwohl alleine in Valencia ungefähr 200.000 Wohnungen leerstehen; spanienweit sind es sogar drei Millionen Wohnungen. Damit werden nur unglaubliche 11 % aller Immobilien vermietet, während der Rest der verarmten Bevölkerung vorenthalten wird. Der Hauptgrund: Immobilienspekulationen, grenzenloser Gier entsprungen. Gebaut wurde hier nämlich in erster Linie für reiche Käufer. Die Quadratmeterpreise steigen bis ins Uferlose. Und selbst jungen Spaniern bleibt letztlich nur die Wahl zwischen Sozialwohnung, Mama und Papa oder eben stiller Besetzung. Den Flüchtlingen jedoch bleibt nur der Rückzug. (Quelle: http://www.auswandern.com/Hausbesetzer-vs-Immobilienspekulant-in-Spanien.1811.0.html+ http://www.auswandern.com/Hausbesetzer-vs-Immobilienspekulant-in-Spanien.1811.0.html#sthash.AlfMyHVA.dpuf)

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