Was folgt, ist ein eleganter Abgang mit Rückzieher, der Kleine-Große weiß, dass Papi etwas Schlimmes zu der Frau gesagt hat, und lacht.
Ja… wie der Vater, so der Sohn.
Zeit, die Gesundheitsnation mit den eigenen Waffen zu schlagen: So gingen wir einmal zu viert auf den Spielplatz. Auf meiner linken Schulter saß das Trickfilm-Teufelchen, auf der rechten das Engelchen, an der Hand hatte ich das Bengelchen. Billiges Wortspiel, ich weiß.
In der anderen Hand eine farbige Plastiktüte, die ich noch kurz zuvor mit den süßesten im Einkaufszentrum erhältlichen wirklichen Süßigkeiten gefüllt hatte.
Wichtigste Auswahlkriterien: kein Zahnmännchen und viele Farben.
Der mitgeführte kleine Egozentriker glaubte schon, alles wäre für ihn bestimmt. Er sah sich drei Kilogramm Süßigkeiten auf einmal verputzen, er sah seine Hände, die über den gefüllten Bauch strichen wie im Schlaraffenland.
Es war soweit. Ich setzte mich auf eine Sitzbank und rief in die Menge: «Gratis Bonbons und Schokolade für alle!»
Was würde geschehen?
Jegliche Prävention war vergessen, die Freud’sche Oralphase folgte. Eine wildgewordene Meute aus Kindern und Elternteilen rannte auf mich zu. Alle fuchtelten wild um sich und hielten ihre Hände hin. Sie wollten etwas von den bunten Bonbons abbekommen.
Endlich! Die Vorbildfunktion war aufgelöst, alle waren gleich. Ich musste beinahe weinen vor Rührung. Das Engelchen auf meiner Schulter war verschwunden.
«Warum tun Sie das?», fragte ein Mann.
«Einfach so.»
«Vielen Dank im Namen von uns allen.»
Keiner fragte sich, ob die Bonbons vergiftet und gesund waren. Alle wollten einen Teil dieses kostenlosen Kuchens abbekommen.
Sebi fragte sich mit seinen drei Jahren, was Papi mit der Aktion erreichen wollte.
Die zähnefletschende und knurpsende Meute hatte sich aufgelöst. Erinnerungen an «das Parfum».
Am Abend würde sicher ein Elternteil auf dem Internet irgendwelche Foren konsultieren: «Hilfe! Ein Unbekannter mit Kind hat heute allen kostenlose Süßigkeiten verteilt. Ich habe es zugelassen! Bin ich fähig, mein Kind zu schützen?»
Dann werden Hunderte von Besserwissern Antworten bereithalten. Einige davon wird das Elternteil (hier bewusst neutral gehalten) nicht verstehen: «Vermuten Sie einen Kausalzusammenhang zwischen Schokolade und Pädophilie?»
Ein gut gemeinter Rat einer Esoterikerin könnte auch zu finden sein: «Räumen Sie mit allen Klischees auf, es gibt auch gute Menschen! Jesus weilt unter uns!!!»
Am Abend die Szene am Küchentisch: Alle versuchen, ihre natürlich angeborenen Schnalzgeräusche und den Speichelfluss in der Kauzone möglichst zu vertuschen, um ein anständiges Vorbild zu sein.
Mäxchen stellt die alles entscheidende Frage: «Ist der Mann jetzt böse, der mir einen Schokoriegel geschenkt hat?»
Und der Vater müsste eine Antwort bereithalten.
Mäxchen wartet.
«Ja, nicht direkt, aber er kann böse sein.»
«Wie böse?»
«Einfach böse. Er kann dir etwas antun.»
«Aber du hast doch auch einen Gummibären von ihm gegessen.»
Der Vater schweigt, die Mutter mischt sich ein: «Ja, aber es gibt einen Unterschied.»
«Aha.»
Die Fragerei wird endlos weitergehen. Die subtilen ausweichenden Antworten der Eltern werden der direkten Frage des Sohnes nicht gerecht.
Man darf doch vor dem Kind nicht alles sagen! Was erzählt es sonst morgen den anderen?
Dabei könnte der Vater mit einem Satz erreichen, dass Mäxchen nie wieder etwas von einem Unbekannten annehmen wird: «Er wird dich mit Süßigkeiten in einen Wald locken, die Tür von innen her verriegeln, du wirst keine Chance haben, er wird dich festhalten. Und du wirst uns und deine Spielsachen nie wieder sehen.»
Das ist Aufklärung.
«Wie sarkastisch», sagt der Alte neben mir auf dem Spielpatz.
«Gar nicht», entgegne ich.
Ich habe alles laut gesagt. Schön. Die Menge zu meiner Rechten und auch Linken stempelt mit ihren Blicken augenblicklich ein Brandmal – nennen wir es etwas altmodisch «Telefax» - auf den Oberarm. Text: «ewiger Stänkerer. Stopp. Keinen Deut besser. Stopp. Großkotziges Möchtegern-Jesus-Double. Stopp. Ausschaffen.»
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