Spieltipp:
Tun wir, was wir werden wollen!
Egal, was wir tun: Unsere Handlungen verstärken unsere Nervenverbindungen oder schwächen sie ab. Sind die Verbindungen stark, fällt uns ein Verhalten leicht. Sind die Verbindungen schwach, fällt es uns schwer: Wer immer den Aufzug nimmt, empfindet Mühe, wenn er stattdessen mal die Treppe nehmen soll. Entscheidet er sich aber dazu, möglichst immer die Treppe zu nehmen, gewöhnt er sich daran. Und siehe da: Bald fällt das Treppensteigen leicht! Es ist zur Gewohnheit geworden. Jetzt wäre wiederum eine gewisse Anstrengung nötig, auf den Aufzug umzusteigen — ist das nicht was für Faule? Die Routine ist auf „Treppe“ eingestellt, die Haltung dazu verändert. Zweifel? Probieren Sie es aus! (Sie müssen dabei wirklich konsequent handeln — ohne Ausnahmen! Mehr dazu siehe bei den Domino-Steinen 2.1 bis 2.6.)
Dass selbst undenkbare Veränderungen möglich sind, zeigt ein Blick auf Menschen in Notlagen: Verliert etwa ein Rechtshänder seinen rechten Arm, lernt er, mit links zu schreiben. Und das geht! Gehirn sei Dank.
Darum ist des Rätsels Ursache gleichzeitig seine Lösung: Jeder wird zu dem, was er oft genug tut — also zum Streithahn, Faulenzer oder Gigolo, weil er eben oft genug gestritten, gefaulenzt oder Affären gehabt hat. Also tun wir doch einfach, was wir werden wollen und üben uns zum Beispiel in Diplomatie, gehen joggen oder wagen eine Partnerschaft! Tun wir es, ohne lange zu zögern, zu zaudern oder darauf zu warten, dass es eines Tages leichter sein wird! Denn leichter wird eine Veränderung allein dadurch, dass wir damit beginnen. Wir müssen nur darauf vertrauen, dass wir uns an neue Handlungen gewöhnen. Und das werden wir.
Also: Tun Sie, was Sie tun müssen, um so zu sein, wie Sie sein wollen, und um zu erreichen, was Sie erreichen wollen! Wir können alles Mögliche durch Übung lernen — unser ganzes Leben lang: Inline-Skaten, gesunde Ernährung, Französisch sprechen, Nichtrauchen oder richtige Hunde-Erziehung. Sagen Sie sich bitte immer: „Schwierig“ bedeutet meist nur „ungewohnt“!
Auch in der Psychotherapie ist diese Herangehensweise übrigens sehr wichtig: Egal, ob Phobie, Depression oder Schüchternheit – immer müssen wir erst aktiv umlernen, damit sich Verbesserungen einstellen. Vorsicht deshalb, wenn Ihnen manche „Therapeuten“ einreden wollen, dass Sie für zukünftig positive Erfahrungen erst mal die Vergangenheit „aufarbeiten“ oder „Kindheitstraumata offenlegen“ müssen! Sicher: Es kann helfen, zu wissen, wo man herkommt. Aber für Verbesserungen notwendig ist es meist nicht. Im Gegenteil: Fokussieren wir Probleme zu sehr (Verstoß gegen Domino-Prinzip 1.1) übersehen wir leicht Lösungen. Andersherum aber können wir Lösungen finden, obwohl Probleme da sind. Weshalb sie also beachten?
Das Domino-Prinzip:
Alles ist möglich!
Sie sind, was Sie tun — also tun Sie, was Sie sein wollen! Wer A denkt und sagt, aber B tut, spricht leere Worte und baut Luftschlösser. Wer aber tut, was er denkt und sagt, gibt sich die Möglichkeit umzulernen und neue Verknüpfungen im Gehirn herzustellen.
Deswegen beurteilen Verhaltensprofis andere Menschen nach ihren Taten und nicht nach ihren Worten. Und gute Coachs, Trainer, Psychologen und Ärzte halten sich bei Problemen und Veränderungen nicht zu lange mit Ursachenforschung auf, sondern konzentrieren sich auf das aktive Umlernen.
Ihr Erfolg durch diesen Domino-Stein ist nicht weniger als Selbstbestimmung: Sie sind nicht weiter Opfer Ihrer Gedanken und Gefühle, Sie entkommen vielleicht auch einem bisherigen Zwang, ständig nur „reagieren zu müssen“. Indem Sie diesen Domino-Stein legen, sobald Sie in Ihrem Leben ein altes Musterverhalten erkennen, können Sie das Ruder herumreißen und ganz neue Wege beschreiten. Tun Sie, was Sie tun wollen — und wenn es noch so ungewohnt ist, wird es bald gewohnt sein! Malen Sie sich aus, was für ein Mensch Sie sein wollen und handeln Sie kontinuierlich danach. Möglicherweise war Ihnen — wie Rolf — bisher unbegreiflich, warum immer wieder Menschen ein bestimmtes Problem mit Ihnen haben, obwohl Sie sich selbst für tiptop nett halten? Dieser Domino-Stein hilft Ihnen, die Lücke zwischen Ihrem tatsächlichen Verhalten und Ihrer persönlichen Auffassung darüber zu schließen. Sie werden Sie selbst!
1.6 Wir tun, woran wir glauben
Die Ernährungsexperten Uwe (55) und Sven (35) streiten sich in einer TV-Talkshow. Der übergewichtige Uwe hält zunehmendes Körpergewicht mit dem Alter für unvermeidbar, der schlanke Sven für eine Folge falscher Ernährung bei zu wenig Bewegung. Nach der Sendung gönnt sich Uwe einen Schokoriegel, ein Bier und eine Streuselschnecke, während Sven einen mageren Hähnchenspieß verdrückt. Am nächsten Tag steht in der Zeitung, die beiden Experten hätten ihre unterschiedlichen Ansichten praktischerweise gleich als Körper mit sich herumgetragen.
Lydia (44) ist zufrieden. Als verantwortliche Redakteurin der Sendung freut sie sich auf die Quoten. Denn so seltsam sie Uwes Argumente auch fand, so lebendig wurde gestritten — weshalb Millionen von Menschen beim Zappen dabei geblieben sein dürften. Wenn sich Lydia jetzt noch beeilt, schafft sie es heute wieder in ihren Pilates-Kurs. Ein perfekter Tag!
Lydias Schwester Renate (41) hat die Sendung gebannt am Fernseher verfolgt und nebenher genüsslich genascht. Endlich hat ein echter Experte diesen Diätwahn zerpflückt und war sogar selber dick! Er hat erklärt, dass Renate nichts für ihr Übergewicht kann. Hat sie das nicht schon immer gesagt?
Für Peter (58) bricht eine Welt zusammen. Jahrelang hat er ums Überleben seines Handwerksbetriebes gekämpft und geschuftet bis zum Umfallen. Trotz schlechter Konjunktur und schwacher Kaufkraft weniger Kunden. Und nun fällt ihm ausgerechnet sein Sohn in den Rücken: Denn kaum hat Olaf (31) seinen Meisterbrief, will er den Vater verlassen. Schlimmer noch: Er will sich einem Franchise-System anschließen! Wegen der guten Marke, der Fortbildungskurse und der optimistischen Stimmung, wegen der hohen Gewinn-Spanne und der besseren Zukunftsaussichten. Peter grübelt: Warum so ein neumodischer Kram? Hat er doch auch nicht gebraucht!
Achtung, Stolperstein:
Wir sehen, was wir kennen
Wer von diesen Menschen hat eigentlich Recht? Die Antwort klingt ziemlich nüchtern: Ob jemand Recht hat, erkennen wir an Erfolg oder Misserfolg. Denn wenn eine Ansicht richtig ist, führt sie zu den richtigen Handlungen, die dann wiederum oft zum gewünschten Ergebnis führen. Falsche Ansichten hingegen führen meist zum Misserfolg. Warum aber sehen viele Leute nicht, wie offensichtlich sie manchmal Unrecht haben? Weil nicht sein kann, was nicht sein darf.
Wir alle erleben beim täglichen Domino-Spiel die unterschiedlichsten Situationen. Ob uns diese Nutzen bringen oder nicht, hängt meist davon ab, was wir daraus machen. Doch um das Richtige tun zu können, müssen wir die Situationen erst richtig interpretieren. Diese Interpretation wiederum ist abhängig von unseren Erfahrungen und unserem Wissen über die Welt. Wenn zum Beispiel ein Betriebspsychologe, ein Arbeitsmediziner und ein Koch eine Großküche besichtigen, fallen jedem unterschiedliche Dinge auf. Der eine bemerkt den Umgangston zwischen den Mitarbeitern, der andere die Fliegen am Fenster, der dritte den unpraktischen Herd. Warum? Weil jeder im Leben mit unterschiedlichen Informationen gefüttert wurde.
Wir glauben an das, wovon wir denken, was richtig ist, weil wir denken, dass es richtig sei
Wenn der Input in unseren Gehirn-Computer aber verschieden ist und unser Gehirn Muster wiedererkennen soll, nimmt das Gehirn bald vor allem das wahr, was es bereits kennt. Alternative Erkenntnisse klammert es gerne aus, obwohl die Welt eine Fülle verschiedener Ansichten und Lösungen bereit hält. In der Folge machen wir Erfahrungen, die genau das bestätigen, was wir bereits wissen, die wiederum als sogenannte Referenz-Erfahrungen weiteren Erfahrungen dienen: „Küche eins hat Fliegen. Küche zwei? Wahrscheinlich auch. Küche drei? Mit Sicherheit!“ Und mit der Zeit bilden sich unsere individuelle Weltsicht und Überzeugungen: „Küchen haben Hygienemängel!“
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