„Keinen Laut“, raunte ich, aber das war unnötig. Galinda verfügte über eine sehr kurze Schrecksekunde und hatte sich längst wieder gefangen.
„Okay, okay“, sagte sie mit schmeichelnder Stimme und streckte leicht ihren Oberkörper, so dass er mit dem meinen in Kontakt trat und dort einen leisen Schauer auslöste. „Wir können über alles reden. Setzen wir uns doch. Und steck‘ bitte dieses stachlige Ding weg.“
Diesen Gefallen tat ich ihr nicht. Der Dolch blieb an ihrem Hals. Aber es war nicht leicht, in ihrer Gegenwart klaren Kopf zu bewahren. Den schlangengleichen Körper an mich gepresst, zog sie mich zum Diwan und sank, meine schwache Wenigkeit mitziehend, malerisch danieder. Wenigstens schaffte ich es, darauf zu achten, dass sie außer Reichweite der Kordel zur Herbeirufung dienstbarer Mörder blieb. Das allerdings war so ziemlich alles an Vernunft, was ich zustande brachte.
„Mach‘ es Dir bequem“, hauchte sie und ich gehorchte folgsam, wobei die größte Bequemlichkeit ziemlich nahe an ihrem Astralleib zu finden war. Mit einer Hand wischte sie die Medusenhaare aus dem wirklich wunderhübschen Gesicht, mit der anderen öffnete sie ihr Gewand und förderte ein Paar Brüste zutage, für die Theo Wurzinger vermutlich sein gesamtes Hab und Gut gegeben hätte. Ein letztes Mal mahnte mein Verstand den Rest der Broderbund’schen Persönlichkeit zur Vernunft, aber die negative Antwort kam prompt. Der Dolch entglitt meiner Hand, diese glitt dafür in Gegenden, die sich erheblich angenehmer und aufregender anfühlten als das schnöde Mordwerkzeug. Voller Bewunderung nahm ich zur Kenntnis, dass Galinda eine bemerkenswerte Fähigkeit besaß, sich vollständig ihrer Bekleidung zu entledigen, ohne dabei auch nur einen Moment die Beschäftigung mit meinem Körper und seiner Umhüllung zu vernachlässigen. Verzweifelt versuchte ich mich daran zu erinnern, dass ich eigentlich vorgehabt hatte, mir mit Galinda als Geisel den Weg zum Ausgang freizukämpfen und dabei möglichst noch einige Information aus ihr herauszukitzeln. Jetzt kitzelte jemand anders und mein letzter innerer Widerstand brach zusammen wie ein Kartenhaus, das von einer Supernova getroffen wird. Ich brauchte ohnehin meine gesamte Konzentration für das Liebesspiel mit der Centaurierin, die sich als so heißblütig erwies wie sie aussah, lässt man einmal außer Acht, dass Centaurierinnen, wie jeder weiß, kein Blut in den Adern haben, sondern eine grüne breiige Flüssigkeit, die etwas an Guacamole erinnert. Dafür haben sie auch keine Adern, sondern eher eine Art Pipelinesystem. Im Übrigen besitzen sie kein Geschlechtsorgan, was sich zu terrestrischen Formen der Sexualität eignen würde. Das hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht gewusst, was Galinda königlich amüsierte. Der Intensität unserer gegenseitigen Lustbezeugungen tat diese Entdeckung allerdings wenig Abbruch.
Stunden später, so schien es mir wenigstens, erwachte mein Hirn langsam wieder zum Leben. Ich zog das Haupt behutsam unter den Medusenlocken hervor, schaute in die Kobra-Pupillen und fragte:
„Was nun?“
„Weiter“, grinste sie unnachsichtig, und für die nächste Zeit war die Frage damit beantwortet.
Als ich sie das nächste Mal stellte, musste es bereits Abend sein. Diesmal fiel die Antwort anders aus.
„Wenn du willst, kannst du gehen“, sagte Galinda.
„Wie? Ihr lasst mich gehen? Ganz ohne Schießerei?“
„ Ich lasse dich gehen“, betonte sie, „niemand wird dich aufhalten.“
„Gut und schön. Trotzdem wäre es mir lieber, wenn du mich auf die Straße begleiten könntest.“
„Kein Problem. Es wird mir ein Vergnügen sein.“
„Über Key West möchtest du mir nicht zufällig etwas erzählen?“, unternahm ich doch noch einen lahmen Versuch, meiner Mission gerecht zu werden.
„Das“, sagte Galinda, „musst du schon selbst herausfinden. Ich an deiner Stelle würde allerdings die Finger davonlassen.“
„Von einem Detektiv wäre das ein bisschen viel verlangt.“
„Diese Antwort habe ich erwartet. Dann pass’ wenigstens auf dich auf. Es täte mit leid um dich.“
Und ich Trottel glaubte ihr auch noch. Seit dem Zusammentreffen mit dem angeblichen Handelsreisenden auf Murgos ist mir sonnenklar, was ihr Verhalten so drastisch verändert hatte. Ihre Auftraggeber hatten schlicht angeordnet, mich laufen zu lassen, damit ich ein bisschen weiter im Dunkeln herumtappen konnte. Sie sollte mich nur noch bis zum Abend aufhalten, damit ich erst am nächsten Tag weiterkonnte und mein Schatten Gelegenheit hatte, sich an meine Fersen zu heften. Diese Aufgabe hatte sie ziemlich elegant gelöst.
Tatsächlich gelangten wir, ohne jemandem zu begegnen, nach draußen, und Galinda verabschiedete sich so herzlich, wie es unseren Beziehungen der letzten Stunden gemäß war.
„Grüß Theo Wurzinger, wenn du ihn siehst“, rief sie mir schließlich noch zu. Ich halte ihr zugute, dass sie vermutlich zu diesem Zeitpunkt tatsächlich nicht wusste, was ihm widerfahren war.
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