»Sagen Sie mal, Müller, das stinkt doch!«, stellte Hebestreit fest. Müller nickte langsam und sah seinen Chef fragend an.
»Na da ist doch was faul!«, setzte Hebestreit wieder an. »Der Kranich stammt aus dem Haus, stand vermutlich im Flur, den hat der Täter also dann ja zufällig gefunden und benutzt, um die Frau zu erschlagen. Komisch. Und dann wischt er Fingerabdrücke ab. Trug also keine Handschuhe. Auch komisch. Die Terrassentür ist doch offensichtlich von innen eingeschlagen worden, schauen Sie doch nur mal, wo und wie die Splitter liegen! Und dieses so offensichtliche arrangierte Durchwühlen der Schränke hier, das stinkt doch alles!«
»Ja, da ist was dran. Ich habe mich auch schon gefragt, warum der Täter im Wohnzimmer einsteigt und dann in den Flur geht. Denn nur dort kann er den Kranich genommen haben und dann auf dem Weg zurück ins Wohnzimmer hat er die Frau erschlagen, von hinten ...«
»Genau. Müller, hier will uns einer einen Bären aufbinden«, stellte Hebestreit fest.
»Kommissar Hebestreit, der Ehemann ist da!«, rief einer der Polizisten in der Absperrung vor dem Haus.
»Was ist hier los? Was ist passiert? Was ist mit Heidrun? Wo ist meine Frau?« Der Ehemann war sichtlich erregt und besorgt.
»Kommen Sie Herr Köpke, ich erkläre Ihnen alles. Ich bin Kommissar Hebestreit und leite hier die Ermittlungen!« In der Küche eröffnete Hebestreit dem Mann dann, was sie vorgefunden hatten. Die Details bezüglich der Annahme eines vorgetäuschten Einbruchs ließ er zunächst weg, denn natürlich war der Ehemann einer der Verdächtigen, wenn nicht sogar zunächst der Hauptverdächtige.
»Wo waren Sie heute mittag zwischen zwölf und ein Uhr?«, fragte Hebestreit ihn, nachdem er ihm sein Beileid ausgesprochen hatte. Man musste das Eisen schmieden, solange es heiß war!
»Verdächtigen Sie mich?«
»Routinefragen.«
»Also ich bin gegen zwölf Uhr gefahren. In die Firma, ich musste da noch was holen, danach war ich bei einem Freund!«
»Hat Sie in der Firma jemand gesehen, Herr Köpke?«
»Nein, natürlich nicht, da ist heute niemand, es ist ja Sonntag. Oh mein Gott, Heidrun ...«, schluchzte er.
»Und Ihr Freund? Der kann doch bezeugen, dass Sie bei ihm waren? Wann waren Sie dort?«
»So gegen viertel vor eins etwa!«
»Ok. Geben Sie dem Kollegen hier den Namen und die Anschrift und wir nehmen dann Ihre Aussage hier auf«, sagte Hebestreit und Müller notierte die Daten, die Köpke ihm gab.
Ich hatte, nachdem Harald gegangen war, aufgeräumt, gespült und noch schnell das blutige Tuch und den restlichen Schmuck entsorgt. Beides hatte seine Dienste getan. Dann klingelte es und die Polizei stand vor der Tür. Ein Kriminalbeamter, Müller.
»Wir untersuchen gerade einen Fall und da stellt sich die Frage, ob ein Harald Köpke heute bei Ihnen war!«, fragte Müller, nachdem ich ihn herein gebeten hatte.
»Harald? Ist ihm was passiert?«, fragte ich mit gespielter Sorge.
»Nein, antworten Sie bitte auf meine Frage!«
»Nein, Harald war heute nicht hier. Ich habe ihn am Freitag in der Firma zuletzt gesehen. Was ist denn passiert um Gottes Willen?«, fragte ich.
»Seine Frau ist ermordet worden und er hat angegeben, er sei bei Ihnen gewesen zur fraglichen Zeit!«
»Heute?«
»Ja«
»Oh Gott!«
»Wo waren Sie denn heute mittag zwischen zwölf und eins?«, fragte mich Müller.
»Ich? Verdächtigen Sie mich?«, rief ich erstaunt aus.
»Nein, das sind nur Routinefragen.«
»Ich war unterwegs und so um 12.30 Uhr wieder zu Hause«, sagte ich.
»Haben Sie dafür einen Zeugen?«
»Nein, ich war mit dem Wagen unterwegs ... Allein ... Moment, ich glaube ... ja genau, ich war tanken, das war so etwa um die Zeit. Vielleicht habe ich die Quittung noch!«, log ich. Ich kramte im Mülleimer und zog eine zusammengeknüllte Tankquittung hervor.
»Gut, das ist doch gut. Das hilft uns. Was fahren Sie für einen Wagen?«
»Volvo Kombi«, sagte ich und nannte noch das Kennzeichen. »Steht vor der Tür«.
Müller ging mit mir hinunter und überzeugte sich durch Anstellen der Zündung, dass die Tanknadel »voll« anzeigte. Dann verabschiedete er sich schnell.
Das lief alles wie geschmiert, ich war stolz auf mich.
»Chef, wir müssen reden«, sagte Müller, als er wieder am Tatort war. Er erklärte Hebestreit, was ich ausgesagt hatte und dass ich eine Tankquittung hatte. Er habe das bei der Tankstelle überprüft, es sei eindeutig mein Wagen auf dem Überwachungsvideo zu erkennen. Der Fahrer war zwar nur undeutlich zu sehen mit seiner Mütze und dem Rücken zur Kamera, aber das passte schon alles. Die Quittung war von 12 Uhr 12 und so schied ich für die Tat völlig aus.
Hebestreit konfrontierte Harald mit meiner Aussage und für ihn brach eine Welt zusammen. Wie konnte ich ihm so etwas antun? Wie konnte ich leugnen, dass er bei mir war? Ich war doch sein Kompagnon in der Firma und sein Freund!
Hebestreit ließ Harald Köpkes Wagen durchsuchen und man fand tatsächlich einen Ring und einen kleinen Anhänger zwischen den Sitzen. Beides gehörte offenbar seiner Frau.
Ein Beamter der Spurensicherung sprühte Haralds Kleidung mit Luminol ein, wodurch selbst winzigste Blutspuren sichtbar wurden. Und - Bingo - man fand auf seinem Jackenärmel Blut!
Meine akribische Arbeit und Vorbereitung hatten die volle Wirkung entfaltet! Ich hatte ja extra ein bisschen Schmuck von Heidrun mitgenommen und ihr Blut auf seiner Jacke verfehlte seine Wirkung auch nicht!
Die Beweise und Indizien gegen ihn waren erdrückend. Harald brach zusammen. Jetzt wusste er, was hier lief, aber ihm würde kein Mensch je glauben.
Die einzigen Beweise dafür, dass ich Firmengelder veruntreut hatte, hatte mir Harald selbst noch, ohne es zu ahnen, gutgläubig aus der Firma mitgebracht. Dafür, dass ich Heidrun gepimpert hatte, gab es sowieso keinen Beweis, dafür hatte schon Heidrun im eigenen Interesse selbst gesorgt.
Den Schmuck und den zweiten Autoschlüssel von Harald warf ich in den Fluss. Aber die Papiere aus der Firma, das blutige Tuch, die Schmuckschatulle und meine Klamotten voller Blut von heute mittag brannten wundervoll ...
Конец ознакомительного фрагмента.
Текст предоставлен ООО «ЛитРес».
Прочитайте эту книгу целиком, купив полную легальную версию на ЛитРес.
Безопасно оплатить книгу можно банковской картой Visa, MasterCard, Maestro, со счета мобильного телефона, с платежного терминала, в салоне МТС или Связной, через PayPal, WebMoney, Яндекс.Деньги, QIWI Кошелек, бонусными картами или другим удобным Вам способом.