„Selbstverständlich, wenn Sie bitte einen Moment warten“, bittet sie ihn - mit der leeren Kanne verschwindend - um Geduld.
Sich behaglich zurücklehnend, wartet Claude ihre Rückkehr ab und passt dann einen Moment ab, in dem sie sich dem zwei Tische weiter sitzenden Paar zuwendet, um unauffällig die mitgebrachten Aufnahmen aus der Jacke zu ziehen, wobei die gesuchte glücklicherweise zuoberst liegt, was den Vergleich zwischen Bild und Realität beschleunigt. Keine zwanzig Sekunden benötigt er, um eindeutig festzustellen, dass bewusstes Bild tatsächlich an diesem Ort gemacht wurde. Doch wer sind die beiden Asiaten an Brehms Seite, wie kann er mehr über sie herausfinden? Das Foto einfach Cathy oder der Empfangsdame vorlegen, das geht nicht. Also was dann? Erst einmal die Bilder wieder in der Versenkung verschwinden lassend, tüftelt er über Möglichkeiten nach, an die gewünschten Informationen zu kommen. Da ihm nichts Besseres einfällt, wählt er, als Cathy ihm erneut die Tasse nachfüllt, den direkten Weg: „Auch dem Besitzer des Lokals möchte ich übrigens ein Kompliment aussprechen. Glauben Sie mir, ich war schon in vielen chinesischen Restaurants, habe aber selten ein so geschmackvoll eingerichtetes gesehen. Das würde ich Ihrem Chef gerne persönlich sagen. Ist er zufällig da, und wenn ja, könnten Sie ihn zu mir bitten?“ ‚Keine besonders tolle Idee, die du da hast, aber was soll's’, hadert Claude angesichts seiner momentanen Ideenlosigkeit mit sich selber.
Cathy scheint sich jedoch nichts dabei zu denken, denn ihr Bedauern klingt ehrlich: „Oh, das tut mir leid, aber Herr Sung, der Besitzer, ist erst gestern spätabends von einer Reise zurückgekehrt und ist bis jetzt noch nicht erschienen.“
Die wie eine Luftblase zerplatzte vage Hoffnung hinterlässt - er wundert sich selbst - bei Claude keine Spur der Enttäuschung, denn irgendetwas sagt ihm, dass er an die gewünschte Information auch so kommt. Doch hält er sich die Option offen, für alle Fälle: „Macht nichts, ich komme sicherlich wieder, vielleicht besteht ja dann die Möglichkeit dazu.“
„Wir würden uns freuen, Sie wieder als unseren Gast begrüßen zu dürfen“, schmeichelt ihm Cathy mit asiatischer Höflichkeit, die in diesem Fall allerdings keine leere Floskel ist, sondern ehrlich gemeinter Wunsch, wie Claude an ihrer Stimme und in ihren Augen erkennt. Um sich bei ihr in jedem Fall in guter Erinnerung zu halten, bemisst er das Trinkgeld noch ein wenig reichlicher als er dies ohnehin vorhatte, weiß er aus jahrelanger Erfahrung doch nur zu gut, welche Wirkung damit erzielt werden kann, auch wenn er sich andererseits ebenso bewusst ist, welche negativen Langzeitfolgen damit verbunden sein können. Dass er mit seiner Einschätzung richtig lag, beweist die überaus höfliche Art und Weise, mit der sich nicht nur Cathy bei ihm verabschiedet, sondern auch die Dame am Empfang, die ihn - mit dem Wunsch, ihn möglichst bald wieder als Gast begrüßen zu dürfen - mit schützendem Regenschirm zum bestellten Taxi hinausbegleitet, das ihn zu Philipps Wohnung zurückbringen soll.
Конец ознакомительного фрагмента.
Текст предоставлен ООО «ЛитРес».
Прочитайте эту книгу целиком, купив полную легальную версию на ЛитРес.
Безопасно оплатить книгу можно банковской картой Visa, MasterCard, Maestro, со счета мобильного телефона, с платежного терминала, в салоне МТС или Связной, через PayPal, WebMoney, Яндекс.Деньги, QIWI Кошелек, бонусными картами или другим удобным Вам способом.