Er:Also, wenn deine Mutter nicht eine gute Seele ist… trotz ihrer neunzig vergisst sie nie auf unser wöchentliches Henderl…
Sie:Ein Butterhenderl vom Biobauern…
Er:Ja, ja, auch wenn du nie kochen gelernt hast, Gerda… deine Mutter hat in dieser Hinsicht wieder vieles gut gemacht.
Sie:Was gibt´s denn Neues in der Firma?
Er:Frag´ mich lieber nicht. Mich geht schon alles an. Die Jungen tun so, als ob man schon nimmer da wär´. Dabei könnte ich noch Bäume ausreißen.
Sie:Sicher, Erwin. Einen ganzen Wald…
Er:Aber die zwei Jahr derpack ich auch noch.
Sie:Der Markus hat vorher angerufen.
Er:Geh´! Und wie geht’s ihm? Und warum rührt sich die Daniela nie?
Sie:Weißt eh, die renovieren doch gerade ihre Wohnung …
Er:Sie und ihr komischer Tschirokäs… Weißt, was du wieder einmal machst, Gerda? Am Sonntag ladest alle zu einer Jausen ein… so wie früher einmal.
Sie:Das wär´ gar keine schlechte Idee, Erwin.
Er:Wir verlieren ja den ganzen Kontakt zu den Kindern. Den einzigen Kontakt, den wir noch haben, ist der zu deiner Mutter und zu ihren Hendeln.
Sie:Und, schmeckt´s dir?
Er:Ja… ausgezeichnet… kannst mir gern noch ein Bügerl geben…und vielleicht noch ein Löfferl Reis… danke, Gerda.
Sie:Im Fernsehen ist heute der „Tatort“… schaust mit?
Er:Hoffentlich ist es keine Wiederholung.
Sie:Ich schau´ ihn mir trotzdem an.
Er:Was war sonst noch los?
Sie:Gehäkelt hab´ ich…
Er:Bravo… da komm´st wenigstens auf andere Gedanken. Du, aus dem Kinderzimmer könnten wir auch was anderes machen. Ewig geht das nicht so weiter, dass du stundenlang drinnen sitzt und dir vorstellst, dass noch da sind.
Sie:Und was? Eine Sauna?
Er:Ich hab´ eine bessere Idee! Wir stellen eine Tiefkühltruhe hinein. Dann brauchst nicht jeden Tag einkaufen rennen mit deine Hühneraugen und wir könnten alles Mögliche einfrieren.
Sie:Ein Henderl zum Beispiel. Weißt eh, was nächste Woche am 13. ist?
Er:Hat eines von den Kindern Geburtstag?
Sie:Aber nein Erwin, am 13. ist doch unser 30. Hochzeitstag!
Er:Unglaublich! 30 Jahr´ ist das schon her? Gell, Gerda, schnell geht das? Oft glaub´ ich, dass es erst gestern war, wie ich dich zum ersten Rendezvous von deiner Mutter abgeholt hab´… ins Kino sind wir gegangen. Vorher hat es ein Henderl gegeben.
Sie:Pst! Der „Tatort“ fängt gleich an.
Er:Ui, jetzt drückt´s mich… hätt´ ich doch nicht die fette Haut essen sollen. Hast vielleicht ein Samarin?
Sie:Diesmal ist der „Tatort“ keine Wiederholung.
Er:Weißt was, ich leg´ mich trotzdem nieder. Nein, nein, schau nur zu, Gerda … ich hab´ Sodbrennen.
5. Szene
Erist 70, Sie65 Jahre alt
Sie:Das Essen ist fertig, Erwin.
Er:Du danke, ich hab´ keinen Hunger.
Sie:Schau, was ich dir gemacht hab´.
Er:Ein Henderl? Du hast für mich ein Henderl… stellst dich extra her und…
Sie:Sogar ein Butterhendl vom Biobauern…
Er:Kannst dich noch erinnern, wie deine selige Mutter uns jede Woche eines geschickt hat?
Sie:Möchtest lieber ein Bügerl oder die Brust?
Er:Egal, aber schneid´ es mir gleich zusammen … wenn möglich nur das weiße Fleischerl… ich sollt ja nimmer… aber wenn du dir soviel Mühe machst.
Sie:Na und? Schmeckt es dir, Erwin?
Er:Ausgezeichnet… ganz weich und knusprig… obwohl´s deine Mutter ein bisserl g´schmackiger gemacht hat.
Sie:Die Daniela hat heute angerufen…
Er:Geht´s ihr und dem Tschirokäsen eh gut? Und hat´s dir was von unserem Enkerl erzählt?
Sie:Der Florian geht schon in den Kindergarten..
Er:Da sind´s halt noch lieb, wenn´s klein sind…
Sie:Und der Markus kommt am Wochenende zu uns
Er:Na geh!
Sie:Seit er geschieden ist, macht ihm ja keiner mehr die Wäsch´…
Er:Muss denn dauernd der Fernseher rennen, Mama?
Sie:Der „Tatort“ fangt gleich an.
Er:Na, wenn der „Tatort“ ist … du, der ist auch schon hundert Jahr´ im Fernsehen… Zu meinem Glück hab´ ich ihn ja meistens versäumt…
Sie:So wie du vieles versäumt hast, Erwin. So vieles, was wichtig gewesen wär´. Wie zum Beispiel die Kinder…
Er:Die Kinder? Die haben uns nie richtig gehört. Ein paar Jahr´ haben´s uns geborgt von ihrem Leben.
Sie:Ich würde jetzt gern fernsehen.
Er:Komisch…bei der Folge weiß ich gar nimmer, wer der Mörder ist…
Sie:Weil es keine Wiederholung ist.
Er:Dann schau´ ich auch zu. Du, Mama… der Schauspieler dort… siehst ihn? Na, den dort, der im Liegestuhl liegt…? Weber oder so ähnlich heißt er… Kannst dich an den noch erinnern? Der war doch früher im „Tatort“ immer der junge Assistent vom Kommissar… und weißt, was er heute spielt? Einen Großvater spielt er…
Sie:Ja, jetzt ist er ein Opa … ein Opa mit schneeweiße Haar´… so wie du!
Wie bereits seit vielen Jahren beenden Viktoria Pawelka, eine mollige Endvierzigerin, und ihr athletisch gebauter Ehemann Max, ihren traditionellen Saunatag nach drei Aufgüssen und einer Massage mit dem Besuch des Restaurants, wo sich die beiden in den Vitrinen einer reichen Auswahl von Torten, Cremeschnitten, Lachskaviarbrötchen und weiteren Köstlichkeiten ausgeliefert sehen.
Viktoria:Mmmm… Schau´ doch, Max! Diese delikaten Himbeertörtchen… da nehm´ ich mir eines davon und dazu noch eine von diesen köstlichen Maronischnitten …
Max:Fräulein, bringen Sie uns bitte zwei Glas frisch gepressten Karottenfenchelsaft und zweimal Blattsalat mit gegrilltem Putenstreifen.
Viktoria:Nur einmal , Fräulein, den Saft und den Salat! Nur für meinen Mann!
Max:Viktoria!
Viktoria:Spiel´ da nicht den Moralapostel, Max! Dieses winzige Himbeertörtchen wird das Kraut auch nicht mehr fett machen.
Max:Das Kraut nicht, aber dich , Viktoria! Außerdem bleibt es ja nicht bei diesem einem. Ich kenn´ dich doch! Wenn du erst einmal angefangen hast, bist du durch nichts mehr zu bremsen …
Viktoria:Das brauche ich mir von dir wirklich nicht sagen zu lassen! Außerdem gibt es viel Dickere als mich.
Max:Vielleicht haben die hier auch etwas für Diabetiker?
Viktoria:Ich bin nicht krank, sondern nur ein bisserl mollig.
Max:Dann verzichte wenigstens auf das Schlagobers.
Viktoria:Einverstanden, mein Lieber! Ich nehm´ also kein Schlagobers in meinen Capuccino, dafür aber…
Max:Sehr brav, Viktoria!
Viktoria:…dafür aber zwei Himbeertörtchen. Wenn ich noch länger damit warte, fressen die mir das letzte auch noch weg.
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