Er:Aber ich bin ja noch deine Fetzen vom Frühjahr schuldig…
Sie:Dann mach´ halt zum Beispiel mehr Überstunden, Erwin!
Er:Aber Schatzi, dir gehören vom Einbaukasten eh schon sechs Meter und ich hab´ nur noch drei Kleiderbügeln.
Sie:Schrei´ nicht so oder willst, dass die Kinder aufwachen?
Er:Ich mach dir ein faires Angebot: Dreihundert… und da hast noch fünfzig dazu… für so ein durchsichtiges mit Spitzen… ein Necklischee…..geh, sei nicht fad, Schatzi!
Sie:Ende der Diskussion… ich möcht´ jetzt fernseh´n!
Er:Heute ist er ja wieder ganz besonders spannend dein „Tatort“ … ist aber eine Wiederholung… soll ich dir verraten, wer der Mörder ist?
Sie:Nein! Bitte nicht!
Er:Der Autohändler.
2. Szene
Erist 35, Sie30 Jahre alt
Er:Was riech´ ich da? Gibt´s denn heut´ gar keine Pulversuppe?
Sie:Die haben wir gestern gehabt.
Er:Na, dann sicher ein Dosengulasch.
Sie:Du irrst dich wieder, Erwin. Heut´ gibt´s ein Henderl… ein Butterhenderl vom Biobauern.
Er:Ein Henderl? Dann war´st bei deiner Mutter.
Sie:Na und? Hast du was dagegen?
Er:Du, die Besuche bei der musst ein bisserl einschränken. Auch wenn´s jede Wochen ihre alten Viecher mitschickt, wird sie mir deswegen nicht sympathischer.
Sie:Ich kann damit auch den Hund füttern.
Er:Was ist denn heut´ im Fernsehen?
Sie:Der „Tatort“.
Er:Wenn heut´ der „Tatort“ ist, dann bin ich außer Haus!
Sie:Geh´ Erwin, bleib´ doch da… wir könnten zum Beispiel ein Glaserl Rotwein trinken und nachher …
Er: Nachher ? Ich bitt´ dich, lass´ wenigstens du mich in Ruh… mir genügen schon in der Firma die halblustigen Weiber.
Sie:Aber bei denen bist sicher ungemein witzig und charmant. Übrigens: Die Kinder brauchen was zum Anziehen.
Er:Tut mir leid, Gerda! Keinen Cent von mir! Zieh´ halt der Daniela an, was dem Markus nimmer passt. Heutzutag´ ist es ja eh schon wurscht: Kind ist Kind und Hose ist Hose!
Sie:Du bist wirklich ein Geizhals! Aber für deine blöden Schiffsmodelle haust das Geld beim Fenster hinaus. Genier`st dich denn gar nicht, Erwin?
Er:Na, von mir aus: Hundert Euro… aber das war für heuer der letzte. Ihr saugt´s mich ja aus wie Blutegel.
Sie:So geht das nicht mehr weiter!
Er:Was wär´s mit einer Heimarbeit? So wie die Frau Brehoda von Tür sieben.
Sie:Die? Die fädelt Glasperlen auf …. das ist doch völlig intelligenzbefreit…
Er:Genau das Richtige für dich!
Sie:Geh´st jetzt wirklich noch weg, Erwin?
Er:Bingo! Zum Wirten geh´ ich. Und dein Henderl, das kannst dir … aufwärmen. Das richte bitte auch deiner hochverehrten Mutter aus! Und sie soll einmal was anderes zusammen brutzeln wie ihre rachitischen Aasgeier. Eine Stelzen zum Beispiel oder einen Kalbsbraten. Aber die war ja schon immer phantasielos…genauso wie du!
Sie:Und wann wird der gnädige Herr wieder erscheinen?
Er:Ich komm´ erst wieder heim, wenn der depperte „Tatort“ aus ist. Wenn´st ein Pech hast, ist es eh eine Wiederholung … wo der Autohändler der Mörder ist. Gute Unterhaltung!
3. Szene
Erist 45, Sie40 Jahre alt
Er:Was stinkt denn da so penetrant? Verbrenn´st einen Reibfetzen, Gerda?
Sie:Ich wärm´ dir gerade was auf …
Er:Nicht rede weiter … ein Henderl von deiner Mutter! Den Dreck brauchst mir gar nicht servieren.
Sie:Das würde dir aber leid tun … ein Butterhenderl vom Biobauern.
Er:Ich fang´ ja direkt schon zum Gackern an. Soll ich mich umbringen lassen von diesen zähen Methusalems?
Sie:Koste es wenigstens!
ER:Jedes Mal wird mir nachher schlecht.
Sie:Wo gehst denn heute hin, Erwin? Tarockieren?
Er:Du irrst, meine Liebe! Heut´ ist unser Kegelabend, Kartenspielen tun wir erst morgen.
Sie:Übrigens: Der Markus hat ein Nichtgenügend auf die Englischschularbeit kriegt…
Er:Bitte, erzähl´ mir nichts von die G´frieser. Ich hab´ eh selber genug Aufregungen in der Scheißfirma.
Sie:Und die Daniela ist heute erst um zwei Uhr früh heimkommen.
Er:Na und, dann soll´s halt in der Diskothek übernachten dein Fräulein Tochter. Und so lang´ ihr angemalter Tschirokäs nicht auf meinem Fauteuil im Wohnzimmer hockt…
Sie:Im Mai will sie sich mit dem Alexander verloben.
Er:Verloben? Nur über meine Leiche, Gerda! Wie schaust überhaupt du aus? Hast du nichts anderes zum Anzieh´n wie den verschnudelten Kaftan?
Sie:Soll ich dich vielleicht in einem ein Cocktailkleid empfangen?
Er:Und dazu die Lockenwickler und die Fettmaske.
Sie:Das gehört alles zu meiner umfassenden Körperpflege…
Er:Da bin ich im Büro den ganzen Tag über von wirklich attraktiven Damen umgeben und dann daheim: eine Vogelscheuchin! Da treibt´s einen ja förmlich aus dem Haus!
Sie:Was ist jetzt Erwin, soll ich dir das Hendl servieren, oder nicht?
Er:Danke! Ich kauf´ mir lieber beim Wirten eine Geröstete Leber … die ist wenigstens nicht von deiner Mutter.
Sie:Bevor du gehst… ich brauch´ fünfhundert…
Er:Spinnst, Gerda? Möchtest du dir unseren letzten Kontoauszug anschau´n?
Sie:Ich fahr´ morgen mit den Kindern Wintersachen einkaufen.
Er:Logisch, dass sie nicht in Badeschlapfen herumrennen können, aber wenn wir so weiter wirtschaften, haben wir bald überall den Kuckuck drauf picken.
Sie:Und dein Gegenvorschlag?
Er:Geh´ in die Tauschzentrale oder zur Kleiderausgabe von der Caritas.
Sie:Du bist ein blöder Ignorant!
Er:Und wie wird die Gnädigste ihren Abend verbringen? Sicher vor dem Fernseher.
Sie:Geh´ jetzt bitte endlich, Erwin!
Er:Aha … der „Tatort“ ist? Na, da brauch´st du dich wenigstens nicht geistig überanstrengen. Sicher bringen´s eine Wiederholung. Na bitte, was hab´ ich gesagt?
Sie:Ja, ja… wo der Autohändler…
Er:…der Mörder ist. Richtig!
Sie:Wenn du heimkommst, dann bemühe dich, ein bisserl leise zu sein.
Er:Was? Leise soll ich sein? Einen Schmarrn werde ich leise sein! Vielleicht soll ich mich noch in Socken da hereinschleichen? Na, soweit kommt´s noch! Spalier müsstet´s ihr am Gang stehen vor mir, wenn der Ernährer heimkommt. Aber wenn euch was stört, dann stopft´s euch Watte in die Ohrwascheln. Da bin ich schon ang´fressen!
4. Szene
Erist 60, Sie55 Jahre alt
Er:Servus, Gerda…
Sie:Heute kommst aber schon früh nach Haus, Erwin. Ich bin mit dem Kochen noch gar nicht fertig. Ein Henderl kriegst!
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