Bonaventura wühlt die schlanke Hand in das dunkel lockige Haar und starrt immer zornmutiger auf die kaum halb vollendete Arbeit nieder.
»Unerträglich ist solch eine Schinderei! Unerträglich!«
Ach, daß er diesen ganzen Trödel von sich werfen, daß er die Zwangsjacke aus doppeltem Tuch von den Schultern reißen und sich voll glückseligen Behagens in die Flagge der Freiheit wickeln könnte! —
Geld! — viel Geld! — Wer verrät ihm die Zauberformel zu einem Sesam, in welchem rotglühend die berauschenden Werte des Lebens lagern?
Ein tiefes Aufatmen.
Wer kennt die Worte, die kurzen, wenigen, welche es zu flüstern gilt, will man mit einem einzigen Griff solch ein Glück an sich reißen?
Seit wenigen Tagen kennt er es. — Da sind ihm, dem Verblendeten, welchen eine hoffnungslose Schwärmerei so töricht in Banden schlug, die Augen aufgegangen.
Die holde Muse mit den Veilchenaugen, welche so ernst mit der kleinen Hand den Dornenweg der Pflicht und Arbeit weist, ist wie ein Schatten vor der Sonne zerronnen, als eine goldschimmernde Frauengestalt ihm in den Weg tritt und mit den klugen, kühlen, berechnenden Augen ihr Füllhorn hebt und sagt: »Komm zu mir, ich bin das Glück!«
Ja, er will kommen. Er wird die kleine Hand, aus welcher der Goldregen herabflimmert, fassen und festhalten; er wird sagen: »Ich liebe dich! Sei mein!«
Dann hat er die Zauberformel gesprochen, welche den Sesam öffnet, dann wird er die rauhe, stürmische Welt, darinnen der Exerzierplatz und die staubige Schulstubenluft der Kriegsakademie die Hauptrolle spielen, weit hinter sich lassen und wird mit Jubel und Jauchzen in die glühende Flimmerpracht des ungestörten Genußlebens hineinstürmen. Jeder Mensch ist seines Glückes Schmied! Wehe dem, welcher nicht zuschlägt, wenn er Hammer ist, welcher nicht das rote Gold zu einem Ringe schweißt, solange es noch Zeit ist!
Ein Narr, welcher im Schweiß seines Angesichts den Pflug zieht, wenn er in Karossen fahren kann; ein Tor, welcher sich von sentimental veralteten Ansichten, von dem beeinflußten Gewissen und hochtrabenden Redensarten über den Segen der Arbeit bezwingen läßt! — Wer hilft solch einem Lasttier jemals empor? Wer richtet den Besiegten, welcher sich feige von seinem Gewissen in den Staub zwingen ließ, jemals wieder auf?
Vae victis! — Er wird ernten, was er sich selber säte, — Dornen und Nesseln, wo sein Lebensacker sonst wohl Frucht und Korn in schwellender Fülle getragen!
Bonaventura springt hoch empor und reckt und dehnt die Arme, wie ein Mensch, welcher unsichtbare Ketten von sich abschüttelt.
Nein! er will nicht zu den Besiegten gehören, über welchen ein volles Menschenleben lang das trostlose »Vae!« gellt!
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