Wissenschaftsfeindlich sind nur diejenigen, die durch Wahrheiten Macht einbüßen. Hierin liegt der Grund dafür, dass die Kirchen über Jahrhunderte hinweg mit rigorosem Machtwillen Wissenschaftler ermordet haben, wenn die Entdeckungen nicht in das klerikale Bild passten. Das ist ein unauslöschlicher Teil der schlimmen Geschichte des Christentums. Schon immer wurden wissenschaftliche Erkenntnisse durch das Glaubensmanagement aktiv bekämpft. Aber man konnte noch nie langfristig den wissenschaftlichen Fortschritt bremsen.
Es ist eine Binsenweisheit, dass man nicht profund über Sachverhalte diskutieren kann, wenn man nicht wenigstens die Basisliteratur gelesen hat. Fast alle Christen, haben die Bibel nie in Gänze gelesen, noch nicht einmal alle heutigen Theologie-Studenten haben diese Minimalpflicht. Ebenso wenig haben die Kreationisten die Fachliteratur über Genetik gelesen. Was ist von einer Überzeugung zu halten, die weder die Pro-, noch die Kontraseite ausreichend kennt?
Die Voraussetzung für Bildung besteht darin, dass man sich bilden will. Wer selbst die eigene Weiterbildung aus Angst vor meinungsverändernden Erkenntnissen ablehnt und lieber seiner gefestigten Meinung folgt, darf das selbstverständlich für sich so entscheiden. Ihm fehlt aber jedes Recht, andere für seine Geisteshaltung gewinnen zu wollen. In der Tat käme ein solcher Versuch einer bewussten Verführung gleich.
Eines ist sicher: Die Kenntnis über die Natur und deren Gesetze schreitet unaufhaltsam voran. Die Wissenschaft legt stündlich mehr zwingende Beweise auf den Tisch. Aus der Sicht der Kreationisten sieht es für den Fortbestand ihrer Vision schon seit vielen Jahrzehnten nicht gut aus. Aber das scheint einen Überzeugten nicht zu stören.
Das von Stephen Hawking entwickelte Gedankengut im Rahmen seiner Studien über schwarze Löcher steht kurz vor dem Beweis, dass der Kosmos ohne jegliche Schöpfung entstanden ist. Wie und wo Leben zuerst auftrat, steht ebenfalls kurz vor der Entschlüsselung. Dass hier auf der Erde der Ursprung allen Lebens zu suchen ist, erweist sich mittlerweile als mögliche Fehleinschätzung. Es wurden Reste von Meteoriten gefunden, die wesentlich älter sind als die Erde, und die Bausteine des irdischen Lebens in Form von Aminosäuren enthalten. Derzeit erforscht man die Emergenz von Eigenschaften, die durch die räumliche Faltung von großen Eiweißmolekülketten entstehen. Darin vermutet man, den Schlüssel zur Entstehung des Lebens zu finden.
Einige Kreationisten beschwören zum Teil schon seltsam anmutende Gedankengebilde herauf. So gibt es die ernsthafte Denkweise, die Erde sei erst ein paar Tausend Jahre alt, und die Entwicklung der Erdgeschichte in vergangenen Zeiten sei viel schneller abgelaufen, als heutzutage wissenschaftlich aufgrund von Messdaten zwingend erklärt wird. Für diese Meinung gibt es nicht den geringsten Beweis. Hiermit soll die unangenehme Tatsache, dass es nachweislich Skelette von Lebewesen gibt, die Millionen Jahre vor der Erscheinung des Menschen bereits ausgestorben sind, erträglich machen. Zwangsläufig stellt man die störenden Datierungsmethoden infrage. Allerdings haben diese Kreise noch keine Darstellung und vor allem keine Formel auf den Tisch der Wissenschaft gelegt, die eine solche Meinung auch nur halbwegs stützen könnte.
In diesem Zusammenhang benutzt man gelegentlich den Behemoth (hebräisch: Ungeheuer) , ein Tier, das im Buch Hiob beschrieben wird. Angedeutet wird dabei, Hiob habe dieses Ungeheuer gesehen, bei genauem Lesen stellt sich aber heraus, dass in der biblischen Erzählung Hiob von Gott über dieses Lebewesen und auch den Leviathan als zwei seiner Schöpfungen informiert wird. Dort steht geschrieben, Behemoth habe einen Schwanz wie eine Zeder. Daraus konstruieren dann Wagemutige tatsächlich die Behauptung, Menschen hätten mit Dinosauriern gleichzeitig gelebt. Behemoth und Leviathan sind zwei Fabelwesen, die das Land bzw. das Wasser beherrschen und - so in den Fabeln prophetisch angekündigt - zur Endzeit gegeneinander kämpfen werden. Dazu gesellt sich in dieser Mythologie noch der Vogel Ziz. Dieser uralte Mythos findet sich in mehreren Kulturkreisen in Vorderasien. Wer solchen Gedanken eher Glauben schenkt als den wissenschaftlichen Erkenntnissen, lebt in einer erschreckend gefangenen Welt, oder er sucht krampfhaft nach Beweisen für die Richtigkeit seines Glaubens, wobei er nach jedem Strohhalm greift. Wie muss ein Mensch vereinnahmt worden sein, der die sichtbare und messbare Realität zugunsten von Glaubensvisionen preisgibt? Wer um Fakten streitet, schließt sich aus jeder ernsthaften Diskussion aus.
Interessant ist, dass es bei den jüdischen Glaubensgruppen den Begriff Kreationisten nicht gibt. Es handelt sich bei der Genesis schließlich um ein rein jüdisches Buch. Die ethnische Nähe zu den AT-Texten ist nirgendwo größer. Im Allgemeinen respektieren die jüdischen Glaubensgruppen und das Oberrabbinat die Ergebnisse der Naturwissenschaften, auch die der Evolution, und betrachten dennoch die Thora in Gänze als ihr Religionsstift. Das ist nur möglich, weil man die Texte symbolisch begreift, nicht wörtlich.
Wissen, die größte Errungenschaft
Die gesamte kulturelle Evolution der Menschheit vom Anbeginn bis heute beruht auf dem Wachstum des Wissens durch Erfahrung und später durch Erkenntnis von Zusammenhängen, aus denen beweisbare Fakten und Regeln gewonnen werden konnten.
Wer diese Fakten negiert, kann sich an einer ernsthaften Diskussion nicht beteiligen.
Und auch: Wer diese Fakten negiert, muss Gegenbeweise liefern, die eine Ablehnung dieser Fakten rechtfertigen, und er muss sich mit seiner Erkenntnis der Probe durch die wissenschaftliche Gegenseite stellen. Eine Meinung reicht nicht aus.
Wissen ist die größte Errungenschaft der Menschheit. Wissen unterscheidet letztlich den Menschen vom Tier.
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