Die Fahrerin steigt aus, schließt die Tür und steuert auf das Schulgebäude zu. Sie muss auf direktem Weg am Pick Up von Sam und Laura vorbei..
»Du oder ich?«, haucht Laura flüsternd in das Ohr ihrer Freundin. Die reagiert nicht. Sie verfolgt noch immer jeden Schritt der Mercedesfahrerin. Ihre Augen weiten sich begeistert, als die Frau an ihnen vorbeiläuft.
»Heißer Wagen schöne Frau, sie haben Geschmack«, ruft sie ihr zu.
»Danke«, murmelt die Fahrerin und wühlt in ihrer Handtasche, als wenn sich dort ein unendliches schwarzes Loch befinden würde. So kleine Taschen können aber auch unglaublich groß sein.
»Ok, du«, stöhnt Laura geschlagen.Sie blickt der Frau ebenfalls hinterher, die ihren Weg zum Schulgebäude fortsetzt. Fast hat es den Anschein, als wenn sie sich von nichts und niemanden aufhalten lassen würde.
Laura stupst Sam in die Seite und richtet deren Aufmerksamkeit auf eine große Tasche, die die Frau bei sich trägt.
»Die ist Lehrerin, willst du wirklich immer noch?«, lacht sie gehässig. Sie scheint aber noch immer nicht bei ihrer Freundin anzukommen, weil diese ohne ein Wort von der Ladefläche springt, der offensichtlichen Lehrerin folgt und sich unterwegs eine Zigarette anzündet.
»Ich habe sie hier noch nie gesehen. Welche Klasse unterrichten sie?«, fragt sie unaufgefordert und läuft ungebeten neben der Frau her. Als wenn sie die Frage nicht gehört hätte, läuft die Frau einfach weiter, was Sam als recht unfreundlich einstuft. Provokant stellt sie sich der Frau in den Weg und blickt sie auffordernd an.
»Ich bitte freundlich um eine Antwort auf meine gestellte Frage«, säuselt sie ungewöhnlich höflich und lächelt die Frau an. Diese hebt ihren Blick und sieht Sam das erste Mal direkt an. Sie schaut sie mit ihren blaugrünen Augen über den Rand der hellblauen Sonnenbrille an. Sam glaubt für einen kurzen Moment, ein kleines Funkeln in ihren Augen gesehen zu haben. Oder war es doch eher ein schnelles und kurzes Augenbrauenzucken? Sie weiß es nicht und kann sich auch nicht mit dieser Sachlage auseinandersetzen, als die Frau nach der Zigarette in ihrem Mund greift, ihr brutal von den Lippen reißt und mit einer Fußbewegung auf dem Boden austritt.
Sofort dringt ein lautes Raunen über den Parkplatz, das eindeutig von Laura kommt, die diese Situation leise und zurückhaltend beobachtet. Sam kann nicht glauben kann, was hier passiert ist. Wut steigt in ihr auf, während sie fassungslos auf die zertretene Zigarette blickt.
»Hast du ein Problem?«, faucht die Mercedesfahrerin mit einer hellen, aber dominanten Stimme.
Sam hebt den Kopf, blickt der Frau direkt in die Augen und will gerade Luft holen, um sie wie eine Milbe zusammenzustauchen. Denn niemand wagt es so mit ihr umzugehen, niemand! Auch nicht so eine hinreißende und wunderschöne Frau wie die, die ihr im Augenblick gegenübersteht.
Sie will zum ersten verbalen Angriff ansetzen, als plötzlich ein Bild vor ihrem inneren Auge auftaucht. Sie sieht sich selbst in einem kleinen Raum stehen, der in einem merkwürdigen Rotlicht getaucht ist. Die Mercedesbesitzerin hat ihr Gesicht in ihren Händen. Sie küsst Sam zärtlich, aber zugleich unglaublich gierig.
Wie bei einem Filmriss ist das Bild plötzlich verschwunden. Mit offenem Mund und geweiteten Augen steht Sam der Fahrerin erschrocken gegenüber. Fassungslos starrt sie sie an. Diese reagiert nicht darauf und murmelt nur irgendwas von »Ich hoffe, dass ich nicht in deiner Klasse unterrichte« und setzt ihren Weg zum Schulgebäude fort. Gekonnt lässt sie Sam stehen.
Sofort ist Laura an der Seite ihrer Freundin. Mit großen Augen schaut sie sie an. Sam steht noch immer wie eine Salzsäule da und blickt der Frau hinterher.
»Scheiße Sam, was war das denn? Wieso hast du sie nicht fertig gemacht?«, bombardiert Laura ihre Freundin mit Fragen und blickt bestätigend auf die letzten Überreste der Zigarette. Sam starrt der Fahrerin hingegen noch immer hinterher und murmelt irgendwas von »Die muss ich haben.«. Laura schaut der Frau ebenfalls nach und schüttelt mit dem Kopf.
»Lass die Finger von ihr. Die ist Lehrerin und mindestens zehn Jahre älter. Sie passt überhaupt nicht in dein Beuteschema«, verwirft sie Sams Aussage und blickt zum Schulgebäude, in dem die Frau mittlerweile verschwunden ist.
»Außerdem stimmt irgendwas nicht mit ihr. Sie ist mir etwas zu tough«, murmelt sie.
»Es ist mir scheiß egal wer sie ist und wie tough sie ist. Ich will sie und die ganzen Hindernisse machen das Ganze nur noch interessanter«, grinst Sam und läuft zu ihrem Pick Up zurück.
Argwöhnisch blickt Laura ihr hinterher. Sams helle kakaobraune Haut, verleiht ihr einen exotischen Touch, wobei sofort ihre braunen Augen auffallen. Ihre schwarzen langen Haare sind zu einem straffen Pferdeschwanz gebunden.Lediglich zwei Strähnen hängen an den Seiten heraus.
Sams Augen drücken einerseits unfassbare Aggressivität aus, anderseits sind sie zugleich unglaublich warm. Passend zu ihren ausdrucksstarken Augen, umschließt eine dicke Kette ihren schon fast zierlichen Hals. Dog Tags hängen über dem schwarz-roten Top an ihrer Brust herunter. Auffallend ist ihre Armyhose, die offen über der Hüfte sitzt und den Blick auf einen schwarzen Stringtanga freigibt. Mit dem Piercing an der rechten Augenbraue, den drei Ringen an jeder Hand und den dünnen Lederarmbändern an ihren Handgelenken, macht sie einen recht maskulinen Eindruck, was aber durch ihre schlanke Figur und die weichen Gesichtszüge wieder ausgeglichen wird.
Bei dem Anblick ihrer Freundin huscht Laura ein undefinierbares Grinsen über das Gesicht. Sofort steht sie hinter ihr, als diese die Ladeklappe des Pick Ups schließt.
»Ok, machen wir einen Deal. Was meinst du wie lange du brauchst?«, fragt sie leise.
»Drei Tage«, antwortet Sam. Überrascht zieht Laura die Augenbrauen hoch.
»Drei Tage? Du warst schon mal besser, aber gut. Wenn du es nicht schaffst, schnappe ich sie mir, abgemacht?« Sie schiebt Sams Haare zur Seite und beginnt an ihrem Hals zu knabbern. Sam schließt die Augen und spürt, dass Lauras Hand nach vorne wandert. Ohne Umwege gleitet diese zuerst in die Hose und dann in den Tanga.
»Abgemacht, aber…,«, pustet Sam schwer unter den Berührungen und dreht sich zu Laura um.
»du wirst sie nicht kriegen, dafür werde ich schon sorgen« grinst sie dreist. Auffordernd küsst sie ihre Freundin, bis beide einen eindeutigen Pfiff über den Parkplatz hören können. Sam löst sich von Laura und blickt in die Richtung, aus die der Pfiff kam. Sie sieht einen von den Footballjungs, der eindeutig gierig zu ihnen herübergafft.
»Halt deine beschissene Klappe, sonst stopfe ich sie dir und schlage dir deine scheiß Grütze aus deinem verfuckten Schädel, du verdammte Sau!!«Brüllend versprüht Sam eine Aggressivität, die sie auf ungesunde Art und Weise zu dem Typen wirft. Eingeschüchtert zieht der sofort seinen Kopf ein und sucht das Weite.
Eine halbe Stunde später sitzt sie auf ihrem Tisch im Klassenraum. Sie beachtet kaum die um sie versammelte Schülertraube, die sich lediglich bei ihr einschleimen, damit Sam ihnen nicht bei der nächstbesten Gelegenheit die Fresse poliert. Der einzige Mensch dem sie auf dieser Schule vertraut, ist Laura. Und die sitzt einen Tisch vor ihr und kippelt leichtfertig mit dem Stuhl. Laut schmatzend kaut sie auf einem Kaugummi herum.
Während die Schüler irgendwelche uninteressanten Geschichten erzählen, bemerkt Sam als einzige,dass die Tür zum Klassenzimmer geöffnet wird und die Mercedesbesitzerin den Raum betritt.
»Ach nein, wen haben wir denn da?«, kichert sie bissig und klatscht Laura gegen den Hinterkopf, damit die ihre Aufmerksamkeit ebenfalls der Lehrerin widmet.
»Na das kann ja heiter werden«, stöhnt diese genervt. Mit Sam zusammen, beobachtet sie die Frau, die ihre Handtasche neben den Lehrerpult auf den Boden stellt. Die Aktentasche legt sie direkt auf das verbrauchte Holz. Sam beugt sich nach vorne und blinzelt durch die Lücken, die ihre Mitschüler um sie herum bilden. Sie beobachtet die neue Lehrerin, die ausdruckslos durch die Klasse blickt, bis sie ihre Konzentration auf die versammelte Traube richtet. Die dort befindlichen Schüler haben sie noch immer nicht bemerkt. Die Lehrerin dreht sich gleichgültig zur Tafel um, nimmt ein Stück Kreide und schreibt mit großen Buchstaben Neve Stewart auf den grünen Untergrund. Dann setzt sie die Kreide waagerecht unter die geschriebenen Wörter und zieht diese quälend langsam unter dem Namen entlang. Sofort ertönt ein lautes Quietschen, das unbarmherzig durch die Klasse schreit. Es fordert sämtliche Schüler dazu auf, sich vor Schmerzen die Ohren zu zuhalten. Alle blicken zur Tafel, wo sich die Lehrerin innerlich zu amüsieren scheint. Es muss ihr einen gewaltigen Spaß gemacht haben, die Kreide quietschend unter ihrem Namen langgezogen zu haben. Denn sie legt die Kreide seelenruhig zurück, dreht sich in die Klasse und blickt die Schüler nüchtern an.
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