Aus der Beobachtung vom Umgang mit dem Geld kann man vier Kriterien abstrahieren, die immer vorhanden sind. Zahl, Währungseinheit, Beweglichkeit und Akzeptanz.Man kann aber, wenn man will, weitere Behauptungen über das Geld aufstellen:
Geld ist braun,
Geld ist Macht,
Geld ist flüssig,
Geld ist die Ursache allen Übels.
Das sind Äußerlichkeiten und Ansichten oder auch tiefere Einsichten, sie widersprechen nicht der Definition. Philosophisch gesehen lässt sich jede Definition in Frage stellen. Die Aussage also, dass sich etwas nicht definieren lässt, ist immer möglich.
Die fünfte anderslautende Behauptung über Geld beruht auf einem kleinen Irrtum: Geld ist eine Ware.
Das stimmt beinahe, weil Geld auf dem Markt wie eine Ware den Besitzer wechselt, aber es unterscheidet sich von allen Waren dadurch, dass es keinen eigenen Wert besitzt, sondern einen Wert nur symbolisiert. Geld hat immer einen Tauschwert, aber schon lange nicht mehr einen entsprechenden Warenwert, selbst dann nicht, wenn das Geld als Münze noch einen Metallwert hat oder als fälschungssicherer Geldschein viel Geld kostet. In beiden Fällen ist der Warenwert von Münzen und Scheinen nicht gleich dem Tauschwert. Geld ist also keine Ware, wird aber im Warenverkehr als Tauschmittel gegen alle wirklichen Waren eingetauscht.
Die Begriffe Geldhandel und Geldmarktsind deshalb etwas ungenau. Geld wird mit Zinsen ja nicht bezahlt, also es wird nicht gekauft oder verkauft, sondern es wird eine Dienstleistung oder ein Risiko mit Zinsen honoriert. Man kann diesen Vorgang als Handel bezeichnen, meint damit aber etwas anderes als beim Handel mit Kartoffeln, Drogen oder Aktien.
Wir bleiben also bei unserer abstrakten Definition: Geld ist eine Zahl, welche den Betrag in einer Währungseinheit angibt. Es wird weiter gereicht oder informell übermittelt und beide Seiten der Transaktion akzeptieren den Wert in gleicher Höhe, ohne über den Wert zu verhandeln. Verhandelt wird nur über die Zahl.
Geld ist an erster Stelle eine Zahl.
Die schlaue Frau Frings hat nur mit dem Kopf genickt. Das macht Mut, weiter zu gehen.
1.05 Das Glück, mit Zahlen zu zählen
In diesem Technischen Zeitalter vergessen wir oft, dass es schon lange vor der Zeit der Motorisierung geniale Erfindungen gegeben hat, die völlig anonymgeblieben sind. Auf die Idee, sich eine Idee patentieren zu lassen, kommt nicht jeder. Der Karrenbauer, der das erste Rad auf eine Achse gesteckt und an eine Kiste montiert hat, begnügte sich vielleicht damit, seine Erfindung anderen vorzuführen und war stolz, wenn jemand es ihm nach gemacht hat. Heute wird alles patentiert, was nachweisbar noch nicht patentiert ist, um damit viel Geld zu verdienen.
Die Erfindungen in vorhistorischer Zeit sind, obwohl die Erfinder unbekannt sind, weder unbedeutend noch selbstverständlich.
Auf dem amerikanischen Kontinent gab es, bevor die Europäer dort auftauchten und fast alles zerstört haben, mehrere Hochkulturen. Aber in keiner dieser Kulturen gab es Räder. Deshalb gab es auch keine Wagen, keine Flaschenzüge und keine Mühlen.
Es ist erstaunlich, wie die mittelamerikanischen Mayaohne Wagen, ohne Flaschenzug, aber auch ohne Pferde und Elefanten, ihre Steine transportiert und die Gebäude errichtet haben. Genau so hat es große Kulturen gegeben, die Geld nicht kannten und sich mit dem Tausch von Waren begnügen mussten.
Die Grundvoraussetzung dafür, dass Geld so handlich ist und digital übermittelt werden kann, ist ein geeignetes Zahlensystem. Unser dekadisches System und seine Ziffern sind vor knapp 1500 Jahren in Indien entstanden. Genauer gesagt handelt es sich dabei um ein positionelles dekadisches System.
Dass die Basis eines Zahlensystems die 10 ist, kann man leicht nachvollziehen, weil der Mensch ja zehn Finger hat. Die Genialität der Erfindung liegt darin, dass die erste Zahl im dekadischen System nicht eins sondern null ist und dass die 10 als zweistellige Zahl geschrieben wird.
Hat man erst einmal ein einstelliges Zeichen für Zehn bestimmt, was naheliegend ist, wie bei den römischen Zahlen das X,dann ist es schon zu spät. Man schreibt dann zehn als X und erst die 11 als zweistellige Zahl, römisch XI.
Zum dekadischen System gehört, dass die Null eine echte Zahl ist und nicht das Fehlen einer Sache oder das Fehlen einer Zahl. Wenn die Zehn aus 1 und 0 besteht, dann kann man das System mit 10, 100, 1000 immer weiter ausbauen. Entscheidend ist das positionelle Prinzip. Es ordnet jeder Ziffer durch ihre Stellung in der Reihenfolge eine Potenz der Grundzahl zu. Beginnend von hinten kommen erst die Einer, dann die Zehner, dann die Hunderter, dann die Tausender.
Mit Zahlen in einem positionellen System kann man dann richtig flott rechnen: Addieren und subtrahieren, multiplizieren und dividieren. Und wer weiß wie, kann sogar Quadratwurzeln ziehen.
Diese Erfindung der Inder ist so dynamisch, dass sich nicht nur das von ihnen erfundene positionelle dekadische System, sondern auch die damit verbundenen Ziffern, also die Ziffern, 0, 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9,auf der ganzen Welt, über alle Sprachbarrieren hinweg in ihrer markanten schriftlichen Form, verbreitet haben.
Das positionelle dekadische System hat sich wahrscheinlich aus Handzeichenentwickelt, die man auf Märkten und in Basaren beim Handel benutzte. Das ist besonders vorteilhaft, wenn man sich sprachlich nicht verständigen kann. Wenn man dann versucht, möglichst einfach Zahlen mit nur einer Hand, statt mit zwei Händen, darzustellen, kommt man auf Handzeichen, denen die indisch-arabischen Ziffern sehr ähnlich sind. Diese Entwicklung wird anhand von Fotos auf kritlit.de sehr ausführlich erklärt: kritlit.de/zahlen/zaeh.html
Vom positionellen dekadischen System zum dualen System der digitalen Welt ist dann für Mathematiker nur ein kleiner Schritt. Es ist die maximale Vereinfachung. Damit können elektronische Systeme rechnen, die nur Null und Eins unterscheiden.
Zahlen sind der Gipfel der Abstraktion und trotzdem jedem verständlich. Deshalb könnte Geld, das in Zahlen ausgedrückt wird, ebenso verständlich sein. Das wird aber dadurch erschwert, dass man für Geld alles eintauschen oder kaufenkann und sich im Kopf immer alle möglichen Dinge ins Bewusstsein schieben, die man für Geld haben kann oder haben könnte, wenn man genug Geld hätte: Autos, Häuser, Yachten, Weltreisen und ein sorgenloses Leben.
Das abstrakte Geld ist äußerst praktisch. Es wird repräsentiert durch Münzen und Geldscheine, oder einfach Zahlen auf einem Konto, es ist beweglich und einfach zu zählen. Man braucht dazu keine Waage, keinen Messbecher und keinen Zollstock. Voraussetzung ist, dass man das dekadische Zahlensystem beherrscht.
Bei einer Münze, auf der die Zahl 5 eingeprägt ist, gehören die Zahl und das Zahlungsmittel unmittelbar zusammen. Wenn Münzen und Geldscheine, aber auch Geld- und Kreditkarten alle Eigenschaften, einschließlich der Akzeptanz, besitzen, können sie die Funktion des Geldes voll übernehmen.
Schon längst ist nicht einmal ein Zahlungsmittel mehr nötig, um Geld zu realisieren. Es genügt, dass beide Seiten bei der Bewegung des Geldes die Buchung der Zahl in der genannten Währung akzeptieren. Dann erfüllt auch die informative Buchung der Zahl auf einem digitalen Speicherplatz, die Funktion des Geldes.
1.06 Bitcoin-Krypto-Blockchain-Geld
Geld kann viele Formen annehmen. Die Leichtigkeit, mit der es in Form digitaler Zahlen dargestellt, verbreitet und generiert wird, ist einer der Gründe für den Geldüberfluss. Dass die riesige Geldmenge viele, die das erkennen, nicht erfreut, sondern stört, ist naheliegend und wird später ausführlich erläutert.
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