Was hat Kritik mit Physik zu tun? Es ist die Nähe zur Realität. Die Physik fordert das realitätsnahe Denken, die freie Wirtschaft verlangt konkrete Entscheidungen und Einsicht in die Folgen. So entsteht ein unorthodoxer Blick aus der Distanz und genau das ist notwendig, um neue Impulse zu setzen, denn das ist das Ziel. Rob Kenius will etwas bewegen, um so mehr, je schneller sich die Lage der Welt und der Umwelt zuspitzt.
Artikel auf Telepolis, KenFMund Rubikon und das Interview auf NeoViso.tvzeigen Resonanz in den progressiven Internet-Medien, doch als Selbständiger verlässt man sich nicht ausschließlich auf andere. Die Webseite kritlit.de bringt umfangreiche Texte, die ständig ergänzt, bearbeitet, teilweise gelöscht und neu gestaltet werden. Darum erscheint kritlit.de auf dem Titel des Buches, es ist die Visitenkarte des Autors.
Die kluge Frau Frings, die im Buch ebenfalls zu Wort kommt, könnte genau so gut Brings oder Dingens heißen, sie ist eine Erfindung. Frau Frings ist eine kritische Leserin, die das Recht hat, in die Entstehung des Textes einzugreifen, teils, um das Schlimmste zu verhindern, teils, um weibliche Realitätsnähe einzubringen. Etwaige Ähnlichkeiten zu lebenden Personen sind nicht zufällig, sondern beabsichtigt.
1. Was ist Geld?
1.01 An der Kasse im Supermarkt
Wir bezahlen im Supermarkt mit Geldscheinen und bekommen Münzen zurück. Andere bezahlen mit Kreditkarte und lassen sich von der Kassiererin zusätzlich zweihundert Euro in Form großer Geldscheinen auszahlen. Ein Kind, das diesen Vorgang beobachtet, kann ihn unmöglich verstehen, wie sollen wir ihm das erklären?
Es wird hier mit Geld bezahlt. Geld sind einmal die Scheine, auf denen deutlich eine Zahl draufsteht, welche den Betrag angibt. Aber ein Schein, auf dem 50 steht, ist hundert mal soviel wert wie eine Münze, auf der ebenfalls 50 steht. Gut, das ist einfach, die Währung hat zwei Einheiten: Euro und Cent. Aber wieso zahlt die Kassiererin zweihundert Euro an eine Kundschaft mit Bankkarte, während sie bei anderen Geld kassiert? Wo und was ist da das Geld und wo kommt es her?
Beim Bezahlen mit Karte ist Geld weder Münze noch Schein, sondern eine Zahl auf dem Kontound diese Zahl ist flexibel. Es wird abgebucht. Der Kaufbetrag wird vom Konto abgezogen. Und wenn die Kassiererin im Supermarkt zweihundert Euro mehr abbucht, dann verhält sie sich wie eine Bankkassiererin. (Sie wird aber nicht so bezahlt.) Und es wird kompliziert mit der Frage, was Geld denn nun ist.
Die erste und einfachste Antwort auf diese Frage ist folgende: Geld ist immer eine Zahl. Egal, ob Münze, Schein oder Konto, es kommt auf die Zahl an, die den Betrag angibt.
An dieser Stelle meldet sich die schlaue Frau Frings zu Wort: Mal langsam, Rob, Geld ist doch eine ganz besondere Zahl! Wenn ich Geld habe, kann ich kaufen, was ich will: Kleider, Schmuck, Kosmetik, ich kann fein essen gehen, Urlaub machen, einfach alles. Aber Zahlen allein sind so öde wie Mathematik.
Antwort: Hallo Frau Frings, nett, dass du das jetzt erwähnt hast. Kaufen macht Freude, es gehört zum Geld dazu und macht es so beliebt. Du kannst mit Geld aber nicht nur kaufen, du kannst zur Bank gehen und ein Konto anlegen oder das Geld einem Bettler in den Hut schmeißen. Egal, was du damit machst, es kommt auf die Zahl an.
Frau Frings hat gut aufgepasst und wendet ein: Wenn ich es einem Bettler gebe, kommt es mir gar nicht darauf an, ob ein Euro oder zwei. Die Zahl ist mir schnuppe. Ich werfe eine Münze in den Plastikbecher und der Kerl nickt schläfrig mit dem Kopf oder er krault seinen Hund.
Antwort: Das mit dem Bettler ist doch ein Sonderfall und es gilt nur für dich. Der Bettler nämlich zählt nachher genau, wie viel er bekommen hat. Und du achtest auch auf die Preise beim Einkaufen. Das sind Zahlen. Es gibt Fälle wo für den einen ein Geldbetrag klein ist und für den anderen ist er groß. Stell dir vor du wärst Milliardärin, dann interessieren dich tausend Euro kaum.
Frau Frings nickt begeistert und meint: Aber immer, ich stelle mir das so vor, dass du mir ein Bündel mit tausend Euro zusteckst und ich nicke nur zerstreut mit dem Kopf wie 'ne Bettlerin kurz vor dem Eindösen.
Antwort: Oder du sagst, behalte dein Geld, es ist mir jetzt lästig, es einzustecken.
Zahlenkönnen sehr groß und sehr klein sein; es kommt auf die Relationen an. Und solche Relationen kleiner und großer Geldbeträge teilen die Menschen sehr krass in Arm und Reich.
1.02 Polarisation zwischen Arm und Reich
An Geld ist kein Mangel, wenigstens für diejenigen, die in der obersten Klasse mitspielen. Und die Zahlen, die Geld beziffern, werden ständig länger. Millionen sind kaum noch interessant, es geht um Milliarden und auch schon um Billionen. Inzwischen haben drei Digital-Firmen einen Aktienwert von mehr als einer Billion Dollar: Apple, Microsoft und Amazon. Google kann im Ranking nicht weit dahinter liegen. In Ziffern sehen drei Billionen so aus:
3.000.000.000.000 $
Geld ist also genug da. Nur die Verteilung ist extrem. Es gibt einen wahnsinnigen Überschuss an finanziellen Mitteln in Form von Geld, Aktienbesitz und Immobilien in den Händen einer kleinen Schicht. Und die Mehrheit der Bevölkerung hat Probleme wegen der stagnierenden Einkommen, der steigenden Mieten und es gibt wenig Chancen, durch Eigeninitiative die Lage zu verbessern.
Die einen haben Probleme, ihren Geldüberfluss vernünftig zu disponieren, die anderen haben das Problem, dass sie wegen finanzieller und gesellschaftlicher Schranken nicht zum Zuge kommen und dass ihre Kinder und Enkel sich nicht voll entfalten können.
Der Geldüberflussist, grob gesagt, ein Ergebnis der Methode, wie Geld erzeugt und in Verkehr gebracht wird. Zusätzlich gibt es einen Mechanismus, der die Umverteilung von unten nach oben bewirkt. Am unteren Ende der Gesellschaft ist die Gefahr für einen Abstieg in den Billiglohn-Sektor enorm gestiegen und für Konzerne gibt es immer mehr Möglichkeiten, billigste Arbeitskräfte im In- und Ausland anzuheuern.
Man kann diesem Vorgang mit dem Begriff Polarisation beschreiben. Unsere Gesellschaft ist polarisiert. Das bedeutet, die beiden Extreme Arm und Reich werden nach Plus und nach Minus hin auseinandergezogen, also zu den Polen hin verstärkt, und das eine Extrem bedingt dabei das andere. Um die Polarisation zu beseitigen, genügt es nicht, an dem einen oder dem anderen Ende ein wenig abzumildern, sondern es muss an beiden Polen sehr viel geschehen. Man muss Armut und Reichtum gleichzeitig bekämpfenund in der Mitte der Gesellschaft die weitere Umverteilung von unten nach oben verhindern.
Das haben die Staaten und ihre Politiker seit mehr als zwanzig Jahren versäumt und bis heute haben sie kein Konzept, den Trend umzudrehen. Oder, wenn sie ein Konzept haben, sind sie nicht gewillt oder nicht in der Lage, es durchzusetzen. Dabei gibt es eine Reihe von Maßnahmen, die sofort einsetzbar sind:
Eine satte Erbschaftssteuerwürde verhindern, dass Vermögen ohne Leistung auf Familienmitglieder übergehen, nur weil sie Verwandte sind. Ein Mindestlohn existiert bereits, sollte aber erhöht und differenziert werden. Es gibt andere, vergleichbare Stellschrauben, zum Beispiel eine Mindestgebühr für Paketsendungen, von der ein fester Betrag an diejenigen geht, die das Paket an die Haustür bringen.
Die schlaue Frau Frings hat hier einen Einwand: Mir scheint, du willst etwas über soziale Gerechtigkeit los werden. Aber die Schüler, die protestieren, reden von Klimawandel und Umweltschutz und richten sich damit direkt an die Politiker. Antwort: Sie sind nicht die einzigen, die protestieren. Die Gelbwesten in Frankreich aber kritisieren finanzielle Verhältnisse. Warum die Umweltpolitik stecken geblieben ist, das liegt daran dass die Finanzwirtschaft sich durchgesetzt hat und nicht die Wissenschaft mit ihren Warnungen.
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