Das Wunder mit dem Wunderbaren geht über den Verstand hinaus, als ginge es an ihm vorbei und das auf einer Gerade, die der ‘hinterherlaufende’ Verstand zur Asymptote der Näherung des logischen Nachvollzuges mit dem Denkversuch der Errichtung einer ‘Lebensgleichung’ verbindet. Mit der Frage nach dem Wohin beginnen die Unebenheiten mit den Spekulationen nach rechts und nach links, nach dem Rechten und dem Schlechten, dem Schweren und Unmöglichen. Das Leben, wie es kommen und weitergehen wird, lässt sich mit der Formel nicht vorherbestimmen, denn für seinen Gang gibt es viele Möglichkeiten, die sich wie bunte Fächer im Vorbeigehen öffnen, wenn die Beine das Laufen gelernt haben und der Kopf die Richtung und Länge des Weges erkennt.
Für die Welt ist die Geburt die jüngste Knospe, die sich mit dem Atemzug weiter öffnet, aus der der Duft des neuen Lebens entströmt, was den Lungen der Betrachter die süße Luft der neuen großen Hoffnung gibt, dass es die Atemluft der Ankunft des neuen Menschen ist, die Kraft und Mut vermittelt und den Gang auf den Weg mit seinen Hürden und Hindernissen bringt. Denn für die, die die Knospe des Neugeborenen im Herzen tragen, ist der Anfang schwer, dass der tägliche Gang an den Kräften zehrt und den Zweifel am Willen zur Tat aufkommen lässt, der durch Hunger und die vielerlei Entbehrungen genährt wird und sich zum Distelbusch auswächst, an dem vorbeizukommen, ohne gestochen und zerkratzt zu werden, schwierig ist.
Geboren werden neue Hoffnung und neue Kraft zum neuen Gang, ins Leben neu einzutreten mit neuen Köpfen, Händen, neuen Füßen, um die Erfahrung mit neuem Wissen zu weiten. Noch ist es wie ein Spiel, denn das Laufen mit dem Greifen der Dinge ist zum Anfang viel, das dem Lernen den Anstoß gibt um mehr zu laufen, was die ersten Gewichte schiebt. Dem Neuen entgegen, das ist, was auf die Zukunft weist mit den Höhen, Schluchten und Tiefen, die erstiegen, überquert und durchlaufen wurden bis hin zum Grenzpfahl mit dem letzten Atemzug. So ist willkommen die Geburt, damit Menschheit fortbesteht im besseren Verstehen über die Grenzen hinweg und im miteinander Sprechen, dass es Frieden geben muss mit mehr Gerechtigkeit und Toleranz.
Völker fragen die Geschichte ab und finden nicht die Antwort. Es braucht den neuen Menschen, der unbelastet ist von den Dingen der Vergangenheit und aus sich die wahre Botschaft weitergibt. Der Wahrheit gilt das ganze Streben im Denken und im Tun. Es ist die Sauberkeit der Tugend, da will das Leben doch nicht ruhn, denn ohne Fleiß und Mühen verliert sich schnell die Jugend. So liegt versteckt die große Vision in des Menschen Geburt, die Ehrlichkeit im Schaffen zu mehren, damit Menschen der Zukunft mit Hoffnung der besseren Erwartung entgegenblicken und gehen, um am großen Menschenwerk ihren Teil hinzuzutun im neuen Gedanken und ihrer Hände Arbeit, denn das große Werk verlangt die Vollendung nach den Epochen der schlagenden Meißel.
Mit der Geburt nimmt das Menschsein seinen Anfang. Der Mensch stammt aus dem ‘Wunderland’ der permanenten Erneuerung mit den Engrammen der Besonderheit schöpferischer Kräfte. Die Welt ist in Bewegung, und auf die Richtung kommt es an, ob es bergauf zu den Höhen des Lichts der Erkenntnis oder bergab zu den Tiefen der Finsternis der Unkenntlichkeit und des Todes geht. Geburt ist Aufbruch, Aufbruch ist Aufbegehren gegen die Dekadenz mit dem Zerfall der Sitten und den Schwächen der Mutlosigkeit und des Opportunismus in der Verachtung der Menschlichkeit den Armen, Verzweifelten und Verlorenen gegenüber. Die Geburt will den Schlussstrich unter das Schlechte ziehen, will zum Besseren führen mit der Gerechtigkeit, dass Menschen nicht mehr hungern müssen.
Geburt ist Erneuerung des Wagnisses, das Recht aus dem Unrecht herauszuheben und das Licht der Entschuldigung und Versöhnung in die Gemeinschaft hineinzutragen und den Menschen Grund zur Hoffnung eines neuen Lebens zu geben, das sich vom alten durch Ehrlichkeit und Achtung unterscheidet.
Ich bin Samuel, nenn mich Sam, und habe die ersten Schuljahre hinter mir. Ich muss sagen, dass das Leben anders ist, als ich es erwartet habe. Die ersten Jahre der Kindheit waren die besten, denn ich wuchs in einer Familie mit zwei Geschwistern auf, die mir den Schutz der Geborgenheit und genug zu essen gab, dass ich mich nicht zu fürchten hatte. Von den Geschwistern war das Mädchen älter und der Bruder jünger. Wir verstanden uns gut und teilten die Freuden im Spiel und am Mittagstisch und auch die Sorgen, wenn einer gefallen war und sich stärker verletzt hatte, dass die Wunde blutete und von der Mutter gesäubert, desinfiziert und verbunden wurde. Neid, wenn einer mehr als der andere hatte, gab es nicht. Es wurde darauf geachtet, dass die Wahrheit gesagt wurde und einer dem andern vertraute.
Ich heiße Alfeusund bin ein Jahr jünger als Sam und komme aus einer Familie mit vier Kindern, in der der Spargeist darüber wachte, dass keiner dem andern etwas wegaß, was ihm nicht gehörte. Keiner sollte hungern, solange es genug zu essen gab, und keiner sollte sich überessen. Es musste gespart werden, weil der Vater seit über einem halben Jahr keine Arbeit hat und die Mutter mit ihrer Putzarbeit in der Sparkasse das Geld nach Hause bringt, dass es mit der Sozialhilfe bei Einhaltung der strengen Sparsamkeit zum Überleben reicht. Auch in meiner Familie vertraut einer dem andern aufs Wort und steht einer für den andern ein, wenn er in eine Notsituation geraten ist, was das Geldproblem einschließt, wenn einer das Geld nicht pünktlich zurückzahlen kann, das er sich gepumpt hatte.
Samuel:Dann kommst du aus einer guten Familie, in der einer dem andern hilft, wenn es nötig ist. Die Sparsamkeit ist der Hinweis, dass das Geld nicht vom Himmel fällt und schwer erarbeitet werden muss, solange einem der Arbeitsplatz nicht weggenommen wird.
Alfeus:Das sagst du richtig. Mein Vater ist ein fleißiger Mann, dessen Zuverlässigkeit in all den Jahren hoch geachtet wurde. Dass er den Arbeitsplatz verlor, ist nicht seine Schuld. Das alles hat mit dem Kapitalismus zu tun, der Ursache der Umstrukturierung im Betrieb ist. So erklärt es mein Vater jeden Tag, der unter der Verlustsituation leidet, wenig isst und an Körpergewicht verliert.
Samuel:Ich kann dich gut verstehen und deine Familie tut mir leid, weil ihr unverschuldet in die existenzielle Bedrängnis geraten seid, die bis zum Tisch mit dem Essen reicht. Ich hoffe für dich und deine Familie, dass dein Vater bald wieder eine Arbeit findet, die ihn zufrieden stellt und seinen Appetit nach oben bringt.
Alfeus:Für dein Verständnis danke ich dir. Doch sag, wie geht es in der Schule? Ich frage deshalb, weil mich Klassenkameraden hänseln, weil meine Haut nicht weiß und meine Nase nicht so lang und dafür breiter ist.
Samuel:Das tut mir doppelt leid, dass zum Problem mit der erhöhten Sparsamkeit das Schulproblem dazukommt, das doch ein Rassenproblem ist, weil du anders als deine Klassenkameraden aussiehst. Sag, wie verhalten sich die Lehrer?
Alfeus:Die sind soweit in Ordnung bis auf einen jungen Lehrer, der mich Plattnase nennt und damit ein anhaltendes Gelächter in der Klasse auslöst. Er unterrichtet die Muttersprache nach dem Buch, also unpersönlich und langweilig.
Samuel:Der ist doch ein Idiot. Ich meine, wenn er die Muttersprache, die die Sprache der hier lebenden Menschen unterrichtet, dann sollte er den nötigen Respekt vor den Menschen haben und sie mit ihren Namen anreden und nicht mit solch abfälligen Spitznamen belegen, die nicht zum besseren Verständnis miteinander führen.
Alfeus:Das denke ich auch, und dabei fallen die Diktate bei mir besser aus als bei denen mit den schmalen Langnasen. Die anderen Lehrer sind freundlich und erkennen die guten Leistungen an.
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