Bis zu diesem Zeitpunkt war aber noch kein Mensch in einem Ballon gefahren. Als König Ludwig XVI. die Brüder Montgolfier in den Schlossgarten von Versailles berief, um sich deren Erfindung vorführen zu lassen, traf sich dort halb Paris, um dieses außergewöhnliche Schauspiel miterleben zu können. Nachdem man aber eine menschliche Besatzung als zu gefährlich erachtete, überließ man zunächst Tieren das vermeintliche Risiko - einem Hahn, einer Ente und einem Hammel, die dann gemeinsam die erste, 8 Minuten dauernde Fahrt in die Tat umsetzten.

Start einer Montgolfière, 1783(1)
Nach diesem durchschlagenden Erfolg nahmen die Montgolfiers jetzt auch einen größeren Ballon zur Beförderung von Menschen in Angriff. Der König bestand jedoch darauf, dass als Passagiere nur zum Tode verurteilte Gefangene in Frage kämen. Aber letztendlich konnte man ihn doch davon überzeugen, dass keinesfalls Strafgefangene diesen Ruhm ernten dürften. Im November 1783 stiegen schließlich unter dem Anblick tausender Neugieriger ein Adeliger und ein Offizier in den ringförmigen Korb der Mongolfière. Aus einem riesigen, ofenartigen Gemäuer entstieg heißer, qualmender Rauch und befeuerte so lange den 22 m hohen, blau-goldenen Ballon, bis dieser erhaben in die Lüfte abhob. Nach 25 Minuten und acht Kilometer Fahrt kamen die beiden Draufgänger dann unter den Augen einer staunenden Bevölkerung wieder sanft auf die Erde zurück.

Aufstieg der Charlière, 1783
Library of Congress (2)
Nur 10 Tage später hatte es auch Professor Charles geschafft. Unter dem Jubel von 300.000 Menschen entschwebten vor dem Pariser Tuilerienpalast er und ein Kollege in ihrem Gasballon lautlos in die Luft. Die Produktion des benötigten Wasserstoffgases aus Eisenspänen und Schwefelsäure hatte zuvor fast drei Tage gedauert. Nach einer 2 ½-stündigen Ballonfahrt kamen sie, nachdem sie in einer Höhe von rund 450 Metern eine Strecke von 36 km zurückgelegt hatten, wieder glücklich und unversehrt am Boden an. Im Anschluss daran stieg Charles noch einmal ohne Begleitung auf.
Im Folgejahr führten die Brüder Montgolfier noch einen weiteren, größeren Versuch durch. Unter den jetzt sieben Passagieren befand sich nun auch Joseph, der damit seinen ersten und einzigen Aufstieg unternahm. Danach verloren die Montgolfiers ihre Motivation an der Ballonfahrerei, denn damaliges Ballonmaterial hatte so seine Tücken. So bestand das Hüllenmaterial der Montgolfieren aus leinenverstärktem Papier und war extrem feuergefährdet. Und da man in dieser Zeit noch den Auftrieb mit Hilfe eines qualmenden Strohfeuers erzeugte, ist so mancher Ballon ein spektakuläres Opfer der Flammen geworden.
Auch andere begeisterte Himmelsstürmer beschäftigten sich damals mit solcherlei Ballonen, doch mit der Zeit ließ auch deren Interesse immer weiter nach.
Erst nach 150 Jahren besannen sich Wissenschaftler wieder auf die Ballonfahrt, als sie damit begannen, mit Gasballonen den Luftraum zu ergründen. 1931schaffte der schweizer Physiker Auguste Piccardin einem Gasballon zur Messung der kosmischen Höhenstrahlung den ersten Höhenrekord von annähernd 16 Kilometer, den er später noch auf 23 Kilometer steigern konnte.
Augustes Enkel Bertrand Piccardgelang 1999in Begleitung des Engländers Brian Jones mit seinem ‚Breitling Orbiter 3‘ die erste Erdumrundung in einer Art Zwitterballon, einem mit Heliumgas gefüllten und zusätzlich mit Heißluft betriebenen Ballon. Sie waren 20 Tage lang in den Jetstreams, den in der oberen Troposphäre vorkommenden Starkwinden von bis zu 650 km/h, unterwegs und legten dabei eine Strecke von 45.000 Kilometer zurück.
Der österreichische Extremsportler Felix Baumgartnererreichte 2012in einem Heliumballon die Weltrekordhöhe von 38.969,4 m – bis er absprang und mit Überschallgeschwindigkeit im freien Fall der Erde entgegenraste.
Auch in der Klimaforschung und zum Erfassen von Wetterdaten schweben heute jeden Tag hunderte von Gasballonen rund um den Globus in die Stratosphäre.
Die Alternative zu den Ballonen waren Fluggeräte, die trotz ihres Eigengewichts durch den Auftrieb an ihren Tragflächen in der Luft gehalten werden konnten. Richtungsweisende Erkenntnisse hierfür schuf der englische Ingenieur Sir George Cayley, der nach ausgiebigen Studien zunächst herausfand, dass es für den Menschen nicht möglich sei, mit Federflügel ausgestattet aus eigener Muskelkraft fliegen zu können. 1799formulierte er in einer Abhandlung zwei wichtige Grundelemente der Aerodynamik: den Auftrieb und den Widerstand an einer Fläche. Nach weiteren zehn Jahren veröffentlichte Cayley eine wissenschaftliche Arbeit, in der er erstmals beschrieb, dass die Querstabilität eines Flugkörpers durch eine leichte positive V-Stellung der Tragflächen zu erreichen sei, die Längsstabilität durch die Installation eines ‚Höhenleitwerks‘ und die Richtungsstabilität durch die Verwendung eines ‚Seitenleitwerks‘. Außerdem fand er heraus, dass gewölbte Flügelprofile bedeutend mehr Auftrieb erzeugen als ebene Flächen.
Sir George Cayley‘s Lenkbarer Fallschirm (105)
Cayley hatte schon viele Versuche mit selbst konstruierten Gleitflugzeugen unternommen, bis er 1853 im Alter von 80 Jahren seinen letzten Drachengleiter baute. Der Überlieferung nach musste als Pilot sein nicht gerade begeisterter Kutscher herhalten, der damit 130 m weit geflogen sein soll. Er überstand den Flug zwar ohne Blessuren, reichte aber anschließend sofort seine Kündigung ein.
Oft als ‚Vater der Aerodynamik‘ bezeichnet, machte Sir George Cayley mit der Veröffentlichung seiner Theorien seine Erfahrungen für jedermann zugänglich, sodass nachfolgende Luftfahrt-Pioniere darauf aufbauen konnten.
Einer dieser Pioniere war der 1848 in der Nähe von Greifswald im Königreich Preußen geborene Otto Lilienthal. Nach heutigem Wissensstand war er der erste Mensch, der nachweislich erfolgreiche Gleitflüge durchführte.
Schon in jungen Jahren widmete sich Otto dem Studium des Vogelflugs und experimentierte zusammen mit seinem Bruder Gustav mit diversen Fluggeräten. Nach seinem Studium arbeitete Lilienthal als Maschinenbauingenieur und gründete in Berlin eine eigene Firma zur Herstellung von Dampfmaschinen und Dampfkessel. Mit diesen Produkten verdiente er sich das Geld für den Bau seiner späteren Gleitflugzeuge. Im Alter von 26 Jahren führte Lilienthal unterstützt von seinem Bruder systematische Messungen zum Auftrieb an ebenen und gewölbten Flächen durch und bestätigte so die Aussagen Cayleys, dass die geschwungene Flügelform der Vögel die günstigsten Widerstandswerte bei größtmöglichem Auftrieb liefert. Die aus zahlreichen Versuchen gewonnenen Erkenntnisse publizierte er 1889 in seinem Buch ‚Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst‘. Dieses bahnbrechende Werk beinhaltete bereits die physikalischen Grundlagen des Fliegens und wird heute als die wichtigste Veröffentlichung aus der Frühzeit der Luftfahrt angesehen.
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