Neves Lippen formten sich zu einem überheblichen Lächeln. Diese sexuelle Gier in Sams Augen zu sehen und gleichzeitig zu spüren, dass ihr Schritt immer heißer und feuchter wurde, ließ Neve selbstgefällig grinsen.
Die Frauen blickten sich nur in die Augen. Sie sagten kein Wort und schwiegen sich an. Nur das Band, das sie miteinander verband, war das einzige was auszumachen war. Sie verstanden sich ohne Worte. Sie steigerten sich gegenseitig in ihren Gefühlen, ohne ein Wort zu verlieren oder sich auch nur einen einzigen Zentimeter zu bewegen. Sie schauten sich an und sahen dabei zu, wie die Gier der anderen ins unermessliche wuchs.
Jetzt war es nicht nur Sam, die schwer atmete. Neve folgte ihr. Sie spürte, dass sie vor lauter Sehnsucht richtig aufgeregt wurde. In ihrem ganzen Körper kribbelte es. Sie wusste, dass nur Sam alleine diesen körperlichen Zustand in ihr hervorrufen konnte. Keine andere Frau der Welt, nahm sie jemals mit auf so einen aufregenden Trip, den sie nur mit austauschenden Blicken starteten.
»Das hier, Sam, ist das einzige was ich bis an mein Lebensende spüren will. Das und nichts anderes«, keuchte Neve schwer. Ehe Sam über die Tragweite der Worte nachdenken konnte, spürte sie, wie Neve ihre Hand flink bewegte und zwei Finger gleichzeitig in sie hineinführte. Empfangend bäumte sich Sam auf. Ihre Augen schlossen sich. Verlangend biss sie sich auf die Unterlippe. Ein lustvolles Stöhnen entstand in ihrer Kehle.
»Mummy?« Erschrocken rissen Neve und Sam gleichzeitig die Augen auf. Beide hörten für einen kurzen Augenblick zu atmen auf.
Panisch und peinlich berührt, riss Neve ihren Kopf zurück. Hektisch blickte sie zur Schlafzimmertür, in der Precious völlig verschlafen stand. Ihre Kuscheldecke fest in der einen Hand geklammert.
Neve blickte an ihr entlang. Sofort sah sie den Grund, weshalb ihre Tochter ihr diesen wunderschönen Augenblick zunichte machte.
»Alles gut mein Schatz, Mummy kommt. Es ist alles ok«, versucht sie Precious von der Peinlichkeit einer unkontrollierten Blase im Schlaf abzubringen. Das ist schon lange nicht mehr passiert. Nur hin und wieder waren einige Träume der kleinen Maus so real, dass sie Wirklichkeit und Traum einfach noch nicht unterscheiden konnte. Sie hörte noch nicht die Warnsignale, die ihr Körper ihr sandte. Somit kam es hin und wieder doch noch dazu, dass sie einnässte. Ihr war das immer peinlicher als ihrer Mutter. Die machte sich nichts daraus. Zwar zerschnitt Precious damit einen wundervollen sexuellen Akt, den sie sich mit Sam so schön ausgemalt hatte, aber Precious ging vor.
Wehmütig blickte sie zu Sam zurück.
»Sorry Schatz.« Sie entzog sich ihrer Frau, die das mit einem jammernden und frustrierten Laut quittierte.
***
»Ich wünsche dir ganz viel Spaß in der Schule«. Nach einem liebevollen Kuss, flitzt Precious noch einmal zur Toilette.
»Eines frage ich mich schon seit geraumer Zeit«, wirft Sam zischend in die Küche. Sie stützt sich an der Arbeitsplatte ab.
»Wie fühlt es sich eigentlich an, solche unechten Torpedo Titten in den Händen zu halten?«, grunzt sie böswillig und macht eine abwertende Kopfbewegung zu Jill.
»Sam!«, ermahnt Neve ihre Frau scharf. Bevor sie allerdings mit ihr schimpfen kann, reißt sich Jill vom Türrahmen. Ihre Schuhe treten hart auf den Küchenfließen auf, als sie mit schnellen Schritten auf Sam zugeht. Sie greift sich an die Bluse und reißt diese plötzlich auseinander. Ehe Sam überhaupt nachdenken kann, packt Jill ihre Hände und presst diese mitten auf ihren Busen.
»Und?«, keift sie wütend. Geschockt reißt Sam die Augen auf. Ihr Mund öffnet sich wortlos. Starr blickt sie auf ihre Hände, die mitten auf Jills Brüsten liegen. Sie vergisst zu atmen.
Ein kurzes Prusten dringt durch die Küche, bis sich Neve zurückhaltend räuspert.
»Und Sam? Wie fühlt es sich an, solche unechten Torpedo Titten in den Händen zu halten?«, wiederholt Jill beißend Sams Worte.
Ohne auf eine Antwort der Südländerin zu warten, dreht sich Jill um, beginnt den ersten Druckknopf der Bluse zu schließen und verlässt die Küche.
»Schönen Tag noch«, wirft sie keifend zurück.
Neve braucht ein paar Schreckmomente bis sie sich gefangen hat. Vorsichtig tritt sie an Sams Seite. Die steht noch immer mit ausgestreckten Händen und offenem Mund an der Stelle, an der Jill sie stehen gelassen hat.
»Bis heute Abend, Schatz. Ich liebe dich«, flüstert sie, als sie ihrer Frau einen Abschiedskuss auf den Kopf gibt.
Auf dem Weg aus der Küche und dem Haus, muss sie sich gewaltig zusammenreißen, um nicht laut zu lachen.
Als sie dann aber neben Jill im Auto sitzt und sieht, dass sie noch dabei ist die letzten Knöpfe zu schließen, prustet sie los. Verwirrt blickt ihre Kollegin zu ihr hinüber. Schuldgefühle keimen in ihr auf.
»Entschuldigung, aber mir gehen Sams Eifersuchtsattacken und Spitzen allmählich auf die Nerven.«
Lachend schlägt sich Neve auf die Schenkel. Beschwichtigend wedelt sie mit einer Hand in Jills Richtung.
»Alles gut, mach dir keine Sorgen. Besser hätte ich Sam auch nicht zum Schweigen bringen können. Die wird jetzt den Rest des Tages daran zu knabbern haben, diesen Brocken zu schlucken.« Sie blickt gackernd zu ihrer Kollegin.
»Du hast echt Eier in der Hose.« Jill weiß nicht so recht, ob sie ebenfalls lachen soll oder nicht. Sie braucht noch ein paar Momente, bis sich ein zurückhaltendes Lächeln auf ihren Lippen bildet.
»Ich glaube, Sam ist erst mit sich zufrieden, wenn sie jemanden hat, auf den sie sich stürzen kann. Noch vor drei Jahren war es Jessica. Bis zur Hochzeit von ihr und Laura, machte Sam ihr das Leben zur Hölle. Das Eis zwischen ihnen brach erst, als sie Jessicas Ehegelöbnis hörte. Ich habe Sam noch nie zuvor mit so viel Gefühl weinen gesehen, wie zu dem Zeitpunkt. Es war, als wenn Jessica nicht nur Laura ihre Liebe schwor, sondern auch Sam mit diesen Worten erreichte. Keine Ahnung was danach passierte, aber seitdem sind die beiden ein Herz und eine Seele. Sie hängen wie Glucken aufeinander. Da Sam Jessica als Zielschiebe verloren hat, braucht sie jetzt ein neues Opfer.« Jill blickt zu Neve hinüber und schnaubt ein kurzes »Super«. Unschuldig zieht ihre Kollegin die Schultern hoch.
Wie jeden Tag, kann es sich Neve nicht nehmen lassen, einen flüchtigen Blick zu Nortons Büro zu werfen, als Jill und sie das Großraumbüro der FBI Zentrale betreten. Weil sich eigentlich nie einer richtig um die Ankunft der Kolleginnen kümmert, sieht nur Jill, dass sich jeden Morgen ein Lächeln der Genugtuung auf Neves Lippen bildet. Dieses verschwindet aber ebenso schnell, wie es sich gebildet hat.
»Hach ja«, jauchzt sie vergnügt, als sie sich an ihren Schreibtisch setzt.
Es kommt ihr vor, als wenn es erst gestern gewesen wäre, als Sam zwei Wochen nach ihrer Rückkehr mit einem Handy neben ihr stand und ihr dieses reichte.
»Für dich, Matt.« Erstaunt zog Neve eine Augenbraue hoch, nahm das Handy und fuhr sich fahrig mit einer Hand durch die Haare. Sie war nicht sauer, sondern nervös. Was will Matt? Er hat sich einige Tage nicht blicken lassen. Auch kam keine Nachricht von ihm. Er fuhr damals mit Norton vom Grundstück und war nicht mehr auszumachen. Frisco schien ihn verschluckt zu haben. Selbst sein Handy war aus.
»Ja?« Neve bemerkte, dass ihre Stimme etwas zitterte. Sam beobachtete sie. Scharf aber besorgt. Im nächsten Moment atmete Neve erleichtert aus.
»Ach so, äh ja, lass mich kurz überlegen.« Auch wenn sie nach diesen Worten etwas ruhiger wirkte, fuhr sie sich noch einmal durch die Haare, legte den Kopf in den Nacken und starrte zur Decke hinauf.
»Ok.« Sam konnte beobachten, wie sich Neves Gesichtszüge verhärteten. Ihre Falten vertieften sich.
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