Gleich wird sich Walt seiner neuen Lektüre widmen: Günter Grass, das weite Feld der Wiedervereinigung beschreibend. Eine interessante Konstruktion, diese zwei oder sogar drei Engel über Berlin: Fonty, Hoftaller und sein britisch-schottisches Engelspiegelbild Tallhover. Einer, in der Beschreibungen Fontys mit Schnauzbart, trägt die Gesichtszüge des Autors.
Der Koch des Speisewagens, mit österreichischem Akzent, öffnet die Abteiltür und bietet charmant Kaffee an. Nein, kurz vor 8 Uhr abends ist es Walt zu spät für dieses Genussgift. Er hat heute über Tage sowieso zu sehr gesündigt: drei Tassen mit Koffein! Das ist sehr viel für ihn und putscht ihn jetzt am Abend auf. Deshalb ist er jetzt noch so fit.
Walt wird heute den Flachmann einweihen, den er an Weihnachten von Geraldine geschenkt bekam. Dieses Geschenk war für ihn völlig unverständlich, denn sie stänkerte immer gegen seinen Alkoholgenuss, den sie als 'Sucht', er dagegen als 'Genuss' bewertete. Aber dann schenkt sie ihm doch diesen Flachmann. Aber so unlogisch sind nun einmal Frauen. Walt erinnert das silbrig-edelmetallene Gefäß immer an Jack Nicolson, in 'Easy Rider', mit seinem Arme-wie-Flügel-Schlagen und 'nick-nick' Deklamieren, wenn er einen Schluck nimmt.
Walt hatte das Gefäß zu Hause mit Eigenmarke „Haunshofer Affenschaukel“, dem Gemeinschaftsprojekt von seinem Vater und ihm befüllt: Walt hatte die Zwetschgen geerntet, Maische in Oberbayern hergestellt und sein Vater hatte im Auto alles an die Bergstraße zum Brennen gebracht. 24 Liter Zwetschgenschnaps, Jahrgang 1997, die Hälfte ließ er seinem Vater zurück, an der Bergstraße, den Rest genießt er 2001 immer noch.
Er scheut sich, den Alkoholiker hier öffentlich zu mimen. Wird er sich trauen und den Flachmann auch nach USA mitnehmen? In das Land der Antialkoholiker, oder besser, das Land aller heimlichen Alkoholiker? Dort wo das Trinken von Alkohol in der Öffentlichkeit sogar unter Strafe steht?
Sein Flug geht in vier Tagen: Frankfurt, über LA nach Palm Springs und zurück über Denver, Philadelphia, Washington und New York. Er freut sich auf New York besonders, das letzte Mal war er vor zwanzig Jahren dort.
Walt liest weiter in seinem Buch 'über die weiten Felder' und stolpert über eine interessante Stelle. Grass fällt das Folgende auch auf. „...immerhin ist der Arbeiter und Bauernstaat mit dieser oft minderwertigen Kohle beheizt worden und entsprechend gasig roch es landauf und landab, falls einem Staatswesen ein solch eigenständiger Geruch nachgesagt werden kann“. Schön formuliert, 'gasig' ist ein wunderbares Wort, aber Walt mit seinem Chemiker-Hintergrund hätte wohl doch etwas präziser 'schwefelig' oder noch besser 'schwefelgasig' formulieren wollen. Er weiß sehr gut, was der spätere Nobelpreisträger gemeint hatte, und Erinnerungen an die Berliner Winterinversionswetterlagen steigen in ihm auf. Dann konnte auch die selbständige politische Einheit Berlin-West nicht einen frischen, freiheitlichen Geruch erzeugen und musste die DDR-Kohle in den abertausend Kachelöfen der Altbauwohnungen des damaligen letzten weißen Kreises verheizen.
Andromeda glaubte jetzt mehr zu wissen. Der 'Ich' genannte, Walt, war ein kreativer Chemiker, der sein Berufsleben literarisch verarbeitete.
Dennoch fühlte sie sich frustriert, wie bei einem 'schwefelgasigen Interruptus', und eine erhoffte sexuelle Erfüllung hatte sie diesmal nicht bekommen. War das nicht bei Bruckner auch manchmal so?
Um ihr sexuelles Gleichgewicht zurück zu gewinnen, rief sie mit dem Smartphone Mike an, ihren Call-Boy. Dieser verstand es auf einfühlsame Weise, sie doch noch zu einem Superorgasmus zu bringen, so dass sie danach selig einschlafen konnte. Wie würde sie nur ihr trostloses Singledasein ohne ihn durchstehen?
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