„Gleich. Ich schaffe es gleich! Warte noch ein bisschen“!
„Aber... da! Da! Schon wieder... oh, oh, ohhhh!“
So müde wie sie offensichtlich war: Der untere Teil ihres Körpers bewegte sich in perfektem Rhythmus. Ich spürte, wie Welle auf Welle durch ihren wundervollen Körper floss. Ich versank in ihr wie in einem bodenlosen Schacht und plötzlich schrie Amelia auf, als der Schacht sich mit Sperma füllte und überfloss.
Sie griff mit beiden Händen nach mir, hielt mich fest, hielt sich zugleich an mir fest-und versteifte sich.
Nun war ich erschöpft, ausgerungen, alle Kraft war aus mir in sie hineingeflossen, und ich merkte erst jetzt, dass es mir gekommen war, als ich spürte, wie es in sie hineinlief.
„Ich hab`s geschafft. Ich hab`s geschafft… endlich!“
Ihr Mann schien uns zu verdächtigen, und er wäre ein Idiot gewesen, wenn er es nicht getan hätte. Amelia hatte das Bett frisch bezogen und die Schlafzimmerfenster weit geöffnet um den Schweißgeruch und Moschusduft hinauszulassen, aber die Zeichen ihrer Untreue waren wie ein Menetekel an die Wände geschrieben.
Während William Weinstein im Wohnzimmer auf und ab ging, ein gewaltiger Bär mit glänzendem kahlem Kopf, schien er nach dem Zeichen zu suchen wie ein Detektiv nach Fingerabdrücken.
Dummerweise harte ich nur einen kleinen Scotch getrunken. Die meisten Männer, die lange warten mussten, hätten eine halbe Flasche gekippt. Die Biere, die ich draußen am Strand vertilgt hatte waren kein Alibi.
Es war gewissermaßen eine feststehende Regel hier draußen in Hollywood, dass jeder junge Mann, der eine schöne Frau ein paar Stunden lang besuchte, eines von zwei Dingen tat: entweder vögelte er sie, oder er trank so viel Whisky, wie er nur bekommen konnte. Und manchmal tat er beides.
Niemand, aber wirklich niemand, blieb ruhig in einem Sessel sitzen, während ein Bild von einem Mädchen, ein Traumbild, in einem Negligier vor ihm paradiert. Und dieses Negligier, das Amelia schnell angezogen hatte, überließ nichts der Fantasie. Ihre Hinterbacken, zwei dicke Kugeln, bewegten sich kreisförmig, und ihre runden prächtigen Brüste wippten wie Bälle.
Als Amelia sich setzte und das Negligier sich ein wenig öffnete, folgten William Weinsteins Augen meinen Blicken, und er sah, dass ich den enganliegenden Slip seiner Frau anstarrte.
Dann tauchte ein Ausdruck auf Williams Gesicht, der mir nicht gefiel. Sein Lächeln wurde hässlich, ja bizarr als er mir beschrieb, für welche Szene ich einspringen sollte.
„Sie werden mit einem Burschen auf einer Kutsche kämpfen, dann zwischen die Pferde stürzen und auf dem Boden liegenbleiben!“
Gut dachte ich. Und wenn ich mir nicht das Genick bei dem Sturz breche, dann werden mich die Pferde zu Tode trampeln, oder die großen Räder mit den Metallreifen werden mich überfahren. Es gefiel mir nicht; es gefiel mir kein bisschen.
„Sie haben doch Stuntmänner, die auf diesen Trick spezialisiert sind. Ich bin spezialisiert für Kämpfe, für akrobatische Dinge, ich bin außerdem kein Pferdemann.“
„Es werden zurzeit mehr verdammte Western gedreht als irgendwo sonst und zu irgendeiner anderen Zeit. Die Stuntmänner, die ich brauche, haben alle anderswo Verträge und sind nicht verfügbar. Was ist los — haben Sie kalte Füße gekriegt?“
Er nannte eine Summe. Ich zuckte mit den Schultern.
„Nun, ich weiß nicht Recht.“
Er sah seine Frau an, ehe er sprach. „Sie sind wegen eines Jobs hier herausgekommen, nicht wahr? Sie haben einen gekriegt.“
Ich stand auf. Die Muskeln schmerzten mich noch von dem Fick mit Amelia. Vielleicht war ich morgen nicht in Kondition, um mich mit einem Team von Pferden herumzuschlagen, aber ich dachte an das Geld, das ich so dringend brauchte.
„Okay“, sagte ich, „ich bin Ihr Mann.“
Niemand brachte mich zur Tür. Als ich draußen war und auf meinen alten 3er BMW zuging, hörte ich laute Stimmen. Sie stritten sich. William brüllte wie ein Bulle, er nannte sie Hure und Luder und dummes Frauenzimmer, und Amelia schrie genauso laut wie während eines Orgasmus.
Ich schaute über den Strand aufs Meer hinaus und fragte mich, wohin die Sonne verschwunden war. Und ich fragte mich auch, ob ich noch einen anderen Sonnenuntergang erleben würde.
Am nächsten Morgen um zehn Uhr verarzteten sie meine aufgeschlagene Oberlippe und mein geschwollenes Kinn. Wir hatten eine Stunde lang Filmaufnahmen gemacht, und in dieser einen Stunde hatte ich mich geprügelt, während auf der Leinwand dann die eine Stunde zu einer einzigen Minute zusammenschmelzen würde.
Es ging um einen Boxkampf zwischen mir und zwei anderen Cowboys in einem Saloon. Am Anfang hatte ich gekämpft wie ein Stuntmann, ich hatte sie absichtlich nicht getroffen, doch ich hatte es so verdeckt, dass keiner der Kinobesucher es später sehen würde, aber sie hatten wie richtige Boxer zugeschlagen.
Und jedes Mal schrie der Regisseur: „Schnitt!“ — und ich fragte mich, wie es weiterginge. Schließlich hatte ich die Nase voll und legte die beiden Burschen flach auf den Boden. Später, als ich mir mein Gesicht im Spiegel ansah, kam einer der anderen Stuntmänner auf mich zugeschlendert. Er war um die fünfzig und seit fast 30 Jahren beim Film. Wenn er halb so alt gewesen wäre, hätte er mich wahrscheinlich ausgeknockt.
„Tut mir leid, Luca“, entschuldigte er sich.
„Was zum Teufel hattet ihr beiden Burschen vor? Wolltet ihr mich umbringen? Wir machen hier einen Film, wir kämpfen nicht um die Meisterschaft im Schwergewicht!“
„Es war ein Befehl des Produzenten.“
„William Weinstein?“
„Er versprach uns jedem Einhundert Dollar extra, wenn wir dich richtig verprügelten.“
Ich sah, dass er wieder davon schlenderte. Das war es also; das war der Preis, den ich zu zahlen hatte, weil ich Amelia Weinstein einen verpasst hatte. Nicht nur einen.
Die Kutsche war mit sechs Pferden bespannt. Nun kam diese Szene an die Reihe. Ein erfahrener Bursche bediente die Zügel, und neben ihm saß ein anderer Stuntmann mit einer Flinte; er spielte den Begleiter. Auf den Pferden saß bereits ein Dutzend wüst aussehender Kerle, die Outlaws spielten.
Der Hilfsregisseur kam zu mir und erklärte mir, wie er sich diese Szene vorstellte. Ich betrachtete meinen gesprenkelten grauen Hengst und stieg dann in den Sattel.
Der Regisseur stand auf einem Lastwagen mit einer Plattform neben der Kamera und erklärte uns allen die Story. Es war nicht nötig; es war ein Trick, den es seit den Tagen von John Wayne in jedem Western gab, aber er musste wohl seine Rede vom Stapel lassen.
Fünf Minuten später raste die Kutsche über den Sand und ich und die anderen Outlaws hinterher. Wir zogen unsere Pistolen und feuerten ein paar Platzpatronen ab.
Ich ritt mitten unter den anderen, dann blieben sie ein wenig zurück, damit ich allein auf die Kutsche zureiten konnte. Ich presste meine Sporen in die Flanken des Pferdes und sah einen roten Ferrari, der auf der anderen Seite der Kamera fuhr. Ich entdeckte, dass William Weinstein hinter dem Lenkrad saß.
Mein Mut sank, je mehr ich mich der Kutsche näherte. Nach dem Drehbuch sollte ich nach einem Seil greifen, dass von der Kutsche herabhing, mich in die Kutsche hineinziehen und anfangen, mit dem Begleiter zu kämpfen.
Eine Sekunde lang glaubte ich, ich würde es nicht schaffen. Das Seil flog in dem Augenblick hoch, als ich danach griff, und ich sauste aus dem Sattel durch die Luft. Mein Pferd, von meinem Körper befreit, galoppierte davon — und ich hing an einem Fenster.
Was danach geschah, weiß ich bis heute noch nicht. Ich habe keine Erinnerung daran.
Irgendwie gelang es mir, auf die Kutsche zu klettern. Ich kämpfte mit dem Begleiter, knallte ihm eine und sprang dann zwischen die Pferde. Einen Moment lang hing ich in der Luft, dann ließ ich die Zügel los und fiel auf den Boden, hielt den Atem an, und die Kutsche fuhr über mich weg.
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