An der Tür des Konstrukteurs Klapaucius klopfte es. Er öffnete, steckte den Kopf heraus und erblickte eine bauchige Maschine auf vier Beinen.
„Wer bist du, und was willst du?“
„Ich bin die Maschine zur Erfüllung aller Wünsche, und hergeschickt hat mich Trurl, dein Freund und großer Kollege, ich bin sein Geschenk.“
„Ein Geschenk?“ sagte Klapaucius, der recht gemischte Gefühle für Trurl hegte und dem besonders mißfiel, daß die Maschine Trurl als „großen Kollegen“ bezeichnet hatte. „Na schön“, versetzte er nach kurzer Überlegung, „kannst kommen.“
Er befahl ihr, sich neben den Ofen in die Ecke zu stellen und ging wieder, scheinbar ohne sie zu beachten, an seine Arbeit. Er baute an einer kugelförmigen Maschine auf drei Beinen. Sie war fast fertig, und er war gerade dabei, sie zu polieren. Eine Weile später meldete sich die Maschine zur Erfüllung aller Wünsche wieder:
„Ich möchte an meie Anwesenheit erinnern.“
„Ich habe dich nicht vergessen“, sagte Klapaucius und fuhr in seiner Arbeit fort. Eine Weile später sprach die Maschine von neuem: „Darf man erfahren, was du tust?“
„Bist du eine Maschine zur Erfüllung von Wünschen oder eine Maschine zum Fragenstellen?“ fragte Klapaucius und fügte noch hinzu: „Blaue Farbe brauche ich.“
„Ich weiß nicht, ob ich gerade die Nuance habe, die du brauchst“, erwiderte die Maschine und schob ihm eine Büchse Farbe durch die Klappe im Bauch hin. Klapaucius machte sie auf, tauchte stumm seinen Pinsel hinein und fing an zu malen. Bis zum Abend verlangte er noch Schmirgel, Karborund, einen Bohrer und weiße Farbe sowie Schrauben, und jedesmal gab ihm die Maschine gleich, was er sich wünschte. Gegen Abend bedeckte er mit einer Plane die Vorrichtung, stärkte sich, setzte sich auf einen Hocker vor die Maschine und sagte: „Wollen mal sehen, was du kannst. Du behauptest, du könntest alles machen?“
„Alles nicht, aber verschiedene Dinge ja“, erwiderte die Maschine bescheiden. „Warst du nicht mit den Farben, mit den Schrauben und mit dem Bohrer zufrieden?“
„Freilich, freilich!“ erwiderte Klapaucius. „Aber nun verlange ich von dir etwas viel Schwierigeres. Tust du es nicht, schicke ich dich mit dem entsprechenden Dankeswort und einem Gutachten an deinen Herrn zurück.“
„Was ist es denn?“ fragte die Maschine und trat neugierig von einem Bein aufs andere.
„Na, ein Trurl“, erklärte Klapaucius. „Du sollst mir einen Trurl machen, genauso einen wie der richtige. So daß man einen nicht vom anderen unterscheiden kann!“
Die Maschine brummte, summte, rauschte und sagte dann: „Gut, ich mache dir einen Trurl, aber geh behutsam mit ihm um, denn er ist ein sehr großer Konstrukteur!“
„Ah, natürlich, sei unbesorgt“, sagte Klapaucius. „Nun wo ist denn dieser Trurl?“
„Wie? So schnell? Das ist keine Kleinigkeit“, sagte die Maschine. „Es dauert eine Weile. So ein Trurl — das ist keine Schraube und kein Lack!“
Dennoch trompetete und klingelte sie erstaunlich schnell, eine ziemlich große Tür öffnete sich in ihrem Bauch, und aus dem dunklen Verlies trat Trurl heraus. Klapaucius erhob sich, ging um ihn herum, betrachtete ihn aus der Nähe, tastete und klopfte ihn genau ab, aber es bestand kein Zweifel — er hatte Trurl vor sich, der dem Original wie ein Tropfen dem anderen glich. Trurl, der aus dem Bauch der Maschine gekrochen war, blinzelte im Licht, aber sonst verhielt er sich ganz normal.
„Trurl, wie geht's?“ sagte Klapaucius.
„Wie geht es dir, Klapaucius? Aber wie bin ich eigentlich hierhergekommen?“ erwiderte Trurl und staunte.
„Na eben so, du kamst einfach vorbei… Ich habe dich lange nicht gesehen. Wie gefällt es dir hier?“
„Nicht schlecht, nicht schlecht… Was hast du da unter der Plane?“
„Ach, nichts Besonderes. Möchtest du nicht Platz nehmen?“
„I wo, mir kommt es vor, daß es schon spät ist. Draußen ist es dunkel, ich muß wohl nach Hause.“
„Nicht so schnell, nicht gleich!“ protestierte Klapaucius.
„Komm erst in den Keller, du wirst dann sehen, wie interessant es wird…“
„Hast du denn etwas Besonderes im Keller?“
„Vorläufig noch nichts, aber gleich werde ich es haben. Komm, komm.“
Klapaucius klopfte Trurl begütigend auf die Schulter und führte ihn in den Keller, dort stellte er ihm ein Bein, und als Trurl der Länge nach hinfiel, fesselte er ihn und begann ihn dann mit einer dicken Stange nach allen Regeln der Kunst zu verprügeln. Trurl brüllte aus Leibeskräften, schrie um Hilfe, fluchte wechselnd und flehte um Erbarmen, doch es half nichts — die Nacht war finster und kein Mensch in der Nähe, Klapaucius prügelte jedoch weiter, daß es nur so krachte.
„Oh! Au! Warum prügelst du mich so?“ rief Trurl und versuchte, den Schlägen auszuweichen.
„Weil es mir Vergnügen bereitet“, erklärte Klapaucius und holte von neuem aus. „Das hast du noch nicht ausprobiert, Trurl!“
Und er traf ihn auf den Kopf, daß der wie ein Faß dröhnte.
„Du läßt mich sofort los, sonst gehe ich zum König und sage ihm, was du mit mir angestellt hast, er sperrt dich ins Gefängnis!“ schrie Trurl.
„Gar nichts wird er mir tun. Und weißt du, weshalb nicht?“ fragte Klapaucius und setzte sich auf die Bank.
„Ich weiß es nicht“, sagte Trurl, der froh war, daß in der Prügelei eine Pause eintrat.
„Du bist nämlich nicht der richtige Trurl. Der ist zu Hause, hat eine Maschine zur Erfüllung aller Wünsche gebaut und sie mir als Geschenk geschickt, und ich habe sie auf die Probe stellen wollen und habe ihr befohlen, dich zu konstruieren. Jetzt werde ich dir den Kopf abdrehen, ihn unter mein Bett stellen und ihn als Stiefelknecht benutzen!“
„Du bist ein Ungeheuer! Warum willst du es tun?“
„Ich habe es dir schon gesagt: Weil es mir Vergnügen bereitet. So, jetzt habe ich das leere Geschwätz satt!“
Mit diesen Worten ergriff Klapaucius beidhändig den Stock, und Trurl schrie: „Hör auf! Hör auf! Ich will dir etwas Wichtiges sagen!“
„Da bin ich aber neugierig, was das sein könnte, das mich davon abhielte, deinen Kopf als Stiefelknecht zu benutzen“, erwiderte Klapaucius, hörte jedoch auf, ihn zu schlagen. Hierauf rief Trurl: „Ich bin ja kein von der Maschine gemachter Trurl! Ich bin der echte Trurl, der echteste von der Welt, und ich wollte nur erfahren, was du da so lange treibst, nachdem du dich in deinen vier Wänden eingeschlossen hast! Ich habe also die Maschine gebaut, habe mich in ihrem Bauch versteckt und habe mich in dein Haus tragen lassen, unter dem Vorwand, sie sei für dich ein Geschenk!“
„Ich bitte dich, was hast du dir da für eine Geschichte ausgedacht, und so auf die Schnelle!“ sagte Klapaucius, erhob sich und preßte das dickere Ende des Stockes fester in die Hand. „Du brauchst dir keine Mühe zu machen, deine Lügen durchschaue ich. Du bist ein Trurl, den die Maschine gemacht hat, sie erfüllt alle Wünsche, ich habe von ihr Schrauben und Farbe bekommen, auch blaue Farbe sowie Bohrer und andere Dinge. Wenn sie das geschafft hat, dann konnte sie auch dich machen, mein Lieber!“
„Ich hielt das alles in ihrem Bauch bereit!“ rief Trurl. „Es war nicht schwer vorauszusehen, was du bei deiner Arbeit brauchen würdest! Ich schwöre dir, ich sage die Wahrheit!“
„Wäre das die Wahrheit, dann bedeutete sie, daß mein Freund, der große Konstrukteur Trurl, ein gewöhnlicher Betrüger ist, und das werde ich nie glauben!“ erwiderte Klapaucius. „Da, da!“
Und er versetzte ihm einen Schlag vom Ohr bis über den Rücken.
„Dies für die Verleumdungen, die du für meinen Freund Trurl hast. — Da, noch einmal!“
Und er verpaßte ihm eins von der anderen Seite. Dann schlug er ihn noch, walkte ihn durch und prügelte, bis er müde wurde.
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