Robert Silverberg - Über den Wassern

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Über den Wassern: краткое содержание, описание и аннотация

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Auf der Wasserwelt Hydros leben seit Generationen Siedler von der Erde friedlich nebeneinander mit den amphibischen Eingeborenen des Planeten. Als eines Tages ein Fischer ein paar von den intelligenten Fischen im Meer tötet, haben die Menschen ihr Siedlungsrecht verwirkt. Sie müssen ihre kleinen schwimmenden Inseln, die ihnen längst zur Heimat geworden sind, verlassen und sind gezwungen, ein geheimnisvolles dunkles Land zu sucher, das vielleicht nur in den Sagen existiert.

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Kinverson tauchte von irgendwo auf und schleppte ein Ding heran, das aussah wie ein schweres Faß, in Reifen aus Algenfasern gebunden. »Hilf mir mal dabei, Doc, bitte!«

»Wohin willst du denn damit?«

»Zur Brücke. Es ist ein Sonar.«

Die Tonne — oder was immer es war — war für Kinverson allein beinahe zu schwer. Lawler faßte an einem verknoteten Strick mit an, der auf seiner Seite von dem Ding hing. Zusammen gelang es ihnen, den Kessel übers Deck zur Brücke zu schleppen. Dort stieß Delagard zu ihnen, und zu dritt hievten sie ihn nach oben.

»Verdammte Rammerhörner«, knurrte Kinverson. »Hab ich’s doch gewußt, daß die früher oder später aufkreuzen würden.«

Von drunten dröhnte ein neuer Aufprall, und Lawler sah, wie das zuckende blaue Licht vom Schiffsrumpf abprallte und in die andere Richtung davonschoß.

Von allen seltsamen Geschöpfen, die das Meer bisher gegen sie ausgesandt hatte, erschienen Lawler diese hier, die sich blindlings gegen sie rammten, am schrecklichsten. Andere konnte man zertreten, andere ins Wasser zurückstoßen, sorgsam auf verdächtig aussehende ›Netze‹ achten. Doch was sollte man gegen diese Spieße tun, die von unten nachts heranfuhren, diese gewaltigen Tiere, die es darauf anlegten, dein Schiff zu versenken, und die dazu auch durchaus in der Lage waren?

»Sind die wirklich stark genug, den Rumpf zu durchdringen?« fragte er Delagard.

»Es soll passiert sein. Ach, Himmel… Himmel!«

Kinversons gewaltige Gestalt ragte dunkel vor dem Mondlicht über dem großen Kessel auf. Er hatte ihn inzwischen vorn auf der Brücke in Stellung gebracht. Dann hatte er einen langen stoffumwickelten Stock von der Kesselwand losgebunden, und den packte er nun mit beiden Fäusten und ließ ihn auf den trommelähnlichen Boden der Tonne niedersausen. Ein lautes Dröhnen donnerte auf das Wasser hinab.

Und Kinverson schlug wieder und wieder und wieder zu.

»Was macht er denn da?« schrie Lawler.

»Er sendet ein Gegensonar. Rammerhörner sind blind. Sie orientieren sich ganz und gar durch Schallwellen, deren Echos sie von ihrem Ziel auffangen. Und Gabe bringt jetzt ihren Richtungssinn durcheinander.«

Kinverson schlug mit sagenhafter Wut und Energie auf seine Trommel. Die Luft bebte von dem Gedröhn. Aber konnte das das Wasser durchdringen? Anscheinend ja. Drunten schossen die Rammerhörner zwischen den Schiffen noch schneller herum, so daß die grellblauen Lichtspuren ihrer Bewegungen kompliz ierte Schlingenmuster bildeten. Doch diese Muster wurden wirr. Eine chaotische Verwirrung schien in den Bewegungen der Tiere einzutreten, während Kinverson weiter auf die Pauke einhieb. Sie schossen in wilden Zuckungen durchs Wasser, brachen ab und zu an die Oberfläche, flogen durch die Luft und platschten mit gewaltigem Spritzen wieder zurück. Einer prallte gegen das Schiff, doch es war nur ein leichter streifender Schlag. Ihr kreischendes Pfeifen wurde arhythmisch und diskordant. Kinverson hielt einen Moment lang inne, als werde er müde, und es sah schon beinahe so aus, als würden sich die Rammer neu formieren können. Doch dann nahm er sein Schlagen mit noch größerer Wut als vorher wieder auf, und er trommelte und trommelte mit dem Knüppel unablässig drauf los. Plötzlich gab es drunten ein gewaltiges Rauschen, und zwei riesige Angreifer sprangen gleichzeitig aus den Fluten. Im Lichtschein der übrigen Rammer sah Lawler, daß das Horn des einen in die Kiemen des anderen eingedrungen war, ja effektiv tief in den Schädel gebohrt war. Und dann fielen die riesigen Tiere, noch immer so gräßlich aneinander hängend, ins Wasser zurück und begannen zu sinken. Ihr Abstieg in die Tiefen ließ sich durch die Leuchtspur eine kurze Weile verfolgen, die sie hinter sich zurückließen. Dann waren sie nicht mehr zu sehen.

Kinverson versetzte der Trommel drei letzte gedehnte Schläge — Wumm — Wumm — Wuuumm — und ließ den Arm sinken.

»Dag? Dag, wo zum Teufel, steckst du?« fragte Delagards Stimme aus der Dunkelheit. »Ruf die Flotte der Reihe nach an. Frag nach, ob es — Gottsollschützen — irgendwo ein Leck gibt.«

Inzwischen war alles auf dem Wasser wieder dunkel und ruhig. Aber als Lawler dann die Augen schloß, kam es ihm vor, als zuckten unter seinen Lidern blaue Blitze auf und ab.

* * *

Die nächste Flutwelle war die bisher stärkste. Und sie brach zwei Tage früher über sie herein, als sie erwartet hatten; wahrscheinlich weil Onyos Felk sich in seinen Berechnungen geirrt hatte. Und die Flutwelle traf auf sie mit grandiosem Eifer und geradezu jauchzender Bösartigkeit, während sie in einer Flaute in trägem Gewässer tümpelten und von dem grauen Tang ein seltsam verführerisches Duftgemisch in die Luft aufstieg. Die WOGE erwischte sie breitseits. Lawler war unter Deck und arbeitete an der Inventarliste seiner medizinischen Vorräte. Zunächst glaubte er, die Rammer seien zurückgekehrt, so heftig war der Aufprall. Doch nein, nein, das war etwas ganz anderes als der punktuelle Stoß eines Rammerhorns; es war mehr wie eine Riesenhand, die flach gegen das Schiff prallte und es rückwärts auf seinem Kurs zurückfegte. Lawler hörte, wie das Magnetron anlief, und wartete auf die Empfindung des Abhebens, auf die plötzliche Stille, die bedeutete, daß sie auf dem Verdrängungsfeld über der grimmigen WOGE schwebten. Doch es kam keine Stille, und Lawler mußte sich blitzschnell verzweifelt an seine Kojenkante klammern, als das Schiff sich bestürzend steil aufrichtete. Er wurde gegen den Spant geschleudert, und alles stürzte von seinen Borden, rutschte in einem wirren Haufen ganz plötzlich über den Boden und türmte sich in einem heillosen Durcheinander an der anderen Kabinenwand auf.

War es das nun? Die WOGE? Endlich? Und würden sie das durchstehen können?

Er klammerte sich fest und wartete. Das Schiff sackte zurück, knallte mit einem kolossal lauten Krachen in das Wellental, das die Flutwoge hinter sich zurückgelassen hatte, und dann taumelte es zur anderen Seite, und alles, was von den Borden gefallen war, rutschte wieder in die andere Ecke der Kabine. Dann richtete sich das Schiff wieder auf Kiel. Alles war still. Lawler hob den Gott aus Ägypten und das griechische Tonfragment auf und legte sie wieder an ihren Platz.

Kam noch mehr? Ein zweiter Schwall?

Nein. Alles still, alles stabil.

Sinken wir etwa?

Ja, offenbar jetzt. Vorsichtig hangelte Lawler sich aus seiner Kabine und lauschte. Delagard brüllte droben irgend etwas. Alles in Ordnung, sagte er. Ein schwerer deftiger Stoß, aber alles in Ordnung.

Die Wucht der mächtigen Flutwelle hatte sie in ihrem Sog mitgerissen, sie vom Kurs abgebracht und sie eine halbe Tagesreise nach Osten abgetrieben. Aber wie durch ein Wunder waren alle sechs Schiffe wie eine geschlossene Einheit davongetrieben. Und da schwammen sie nun, zwar nicht mehr in Formation, aber dennoch in Sichtweite zueinander, träge auf dem wieder glatten Meer. Es dauerte eine ganze Stunde, bis die ursprüngliche Keilformation wieder hergestellt war, und sechs weitere Stunden, bis sie die vorherige Position wieder erreichten. Gar keine schlechte Leistung, wirklich. Sie fuhren weiter.

5

Die Clavicula von Nimber Tanamind schien anständig zu verheilen. Lawler mußte nicht noch einmal zur Sorve Goddess hinüberpaddeln, um den Bruch zu überprüfen, da nichts von dem, was Salai, Nimbers Eheweib, ihm über seinen Zustand berichtete, auf Komplikationen hinwies. Er erklärte ihr also nur, wie sie die Verbände wechseln müsse und worauf sie im Umfeld der Fraktur achten solle.

Martin Yanez von der Three Moons rief rüber und sagte, der alte Sweyner, der Glasbläser, sei im Gesicht von einem schnellfliegenden Hexenfisch verletzt worden, und nun sei sein Genick so versteift, daß er den Kopf nicht mehr geradehalten könne. Lawler erklärte Yanez, was er dagegen tun solle. Von der Hydra Cross, dem Schiff der Schwesternschaft, kam eine ungewöhnliche Anfrage: Schwester Boda klagte über stechende Schmerzen in der linken Brust. Es würde wenig Zweck gehabt haben, hinüberzufahren und sie zu untersuchen. Er wußte, daß die Schwestern so etwas nicht erlauben würden. Er schlug als Medikation Schmerzmittel vor und ersuchte, sie möchten ihn nach der nächsten Menstruation der Schwester wieder anrufen. Das war das letzte, was er von der schmerzenden Brust der Schwester Boda hörte.

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