Robert Silverberg - Über den Wassern

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Über den Wassern: краткое содержание, описание и аннотация

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Auf der Wasserwelt Hydros leben seit Generationen Siedler von der Erde friedlich nebeneinander mit den amphibischen Eingeborenen des Planeten. Als eines Tages ein Fischer ein paar von den intelligenten Fischen im Meer tötet, haben die Menschen ihr Siedlungsrecht verwirkt. Sie müssen ihre kleinen schwimmenden Inseln, die ihnen längst zur Heimat geworden sind, verlassen und sind gezwungen, ein geheimnisvolles dunkles Land zu sucher, das vielleicht nur in den Sagen existiert.

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»Sie ist heute früh gestorben, sehr plötzlich, fiel einfach in ihrem Vaargh um. Marinus hat sie hergebracht. Höchstwahrscheinlich das Herz, aber ich wollte mich vergewissern, und auch du mußt so was irgendwann mal zum erstenmal sehen.« Sein Vater nahm den Kasten mit den chirurgischen Instrumenten. Dann sagte er leise: »Mir hat meine erste Autopsie auch nicht gefallen. Aber so etwas ist nun einmal nötig, Valben. Du mußt wissen, wie eine Leber aussieht, eine Milz, die Lungen, ein Herz, und du kannst das nicht richtig begreifen, nur indem du darüber nachliest. Du mußt den Unterschied erkennen lernen zwischen gesunden Organen und beschädigten. Außerdem — wir bekommen hier nicht allzu viele Leichen, an denen wir arbeiten könnten. Diese Gelegenheit hier — ich darf sie dich einfach nicht verpassen lassen.«

Er wählte ein Skalpell, demonstrierte Valben, wie man es richtig in die Hand nahm, und machte den ersten Schnitt. Dann legte er nach und nach die Geheimnisse bloß, die der tote Körper von Samara Cadrell noch enthielt.

Anfangs war es schlimm, sehr schlimm.

Dann stellte er fest, daß er es ertragen konnte, daß er sich an die Scheußlichkeit gewöhnte, Teil zu sein bei einer derartigen blutigen Entweihung des Heiligtums eines Körpers.

Und nach einiger Zeit faszinierte es ihn sogar, nachdem es ihm gelungen war zu verdrängen, daß das hier vor ihm einmal eine Frau gewesen war, die er Zeit seines Lebens gekannt hatte, und er sah nur noch ein Gefüge innerer Körperorgane von unterschiedlicher Färbung, Textur und Gestalt.

Doch in dieser Nacht, nachdem er sein Studienpensum erfüllt hatte und allein mit Boda Thalheim hinter der Wasserzisterne war und als seine Hände über ihren flachen seidenglatten Bauch glitten, mußte er unablässig daran denken, daß unter dieser bezaubernden festgespannten Trommel weicher Haut gleichfalls nur ein Gefüge innerer Organe von unterschiedlicher Färbung, Textur und Gestalt ruhten, so ziemlich jenen ähnlich, die er am Nachmittag gesehen hatte, diese schimmernden Darmwindungen und all das übrige, und daß diese festen runden Brüste komplizierte Drüsen waren, die sich nur wenig von denen in den schlaffen Brüsten Samara Cadrells unterschieden, die ihm sein Vater vor ein paar Stunden mit geschickten Skalpellschnitten bloßgelegt hatte. Und er zog seine Hände von dem glatten Leib Bodas zurück, als hätte der sich unter seiner Zärtlichkeit in den schlaffen Körper Samaras verwandelt.

»Was ist denn, Val?«

»Ach, nichts. Nichts.«

»Willst du denn nicht?«

»Aber sicher will ich. Aber… ich weiß nicht…«

»Komm, laß mich dir helfen.«

»Ja. Oh, Boda! Oh, ja! Ja!«

Und wenig später klappte alles wunderbar. Aber er fragte sich trotzdem, ob er jemals wieder bei einem Mädchen liegen würde, ohne daß ihn die lebhaften Bilder ihres Pancreas, ihrer Nieren und Eileiter ungewollt und unerwünscht überfallen würden, und es kam ihm der Gedanke, daß der Beruf eines Arztes wahrlich eine recht komplizierte Sache sei.

* * *

Bilder aus vergangenen Tagen. Phantome, Spukerscheinungen, die ihn sein ganzes Leben lang begleiten würden.

* * *

Drei Tage später stieg Lawler in den Frachtraum des Schiffs hinab, um seinen Arzneivorrat zu ergänzen. Er trug nur einen kleinen Wachsstock zur Beleuchtung mit sich. In dem Halbdunkel wäre er beinahe in Kinverson und Sundira hineingelaufen, die zwischen den Packkisten hervorkamen. Sie sahen verschwitzt und zerzaust aus, auch ein wenig verlegen, als sie ihn erblickten, und es konnte kaum Zweifel geben, was sie da unten getrieben hatten.

Kinverson schaute ihm keck direkt in die Augen und sagte: »Morgen, Doc.«

Sundira sagte nichts. Sie schlug nur das klaffende Wickelkleid zusammen, ging mit ausdruckslosem Gesicht vorbei und streifte Lawler nur mit einem kurzen Blick und schaute dann sofort beiseite. Sie schien weniger verlegen zu sein, als daß sie sich vielmehr in eine Hülle von Selbstzufriedenheit zurückzog. Pikiert nickte Lawler, als handelte es sich um eine völlig neutrale Begegnung in einem völlig unverfänglichen Teil des Schiffes, und ging weiter zu dem Winkel des Frachtraums, wo seine Vorräte lagerten.

Es war das erste richtige Indiz, das ihm je begegnet war, daß Kinverson und Thane ein Liebespaar waren, und die Erkenntnis traf ihn tiefer, als er erwartet hätte. Kinversons Rede über das Paarungsverhalten bei den Schleimaalen, den Hexenfischen, erst vor ein paar Tagen war das, fiel ihm wieder ein, und er überlegte, ob das in irgendwie doppeldeutiger, spöttischer Weise auf ihn gezielt hatte. Die Kerle, die am schnellsten fliegen, kriegen sie, die Weiber.

Nein. Nein. Lawler wußte, daß er daheim auf der Insel ausreichend Gelegenheit gehabt hatte, etwas mit Sundira anzufangen. Aber er hatte sich aus Gründen, die ihm damals als vernünftig erschienen waren, anders entschieden.

Also, weshalb war er jetzt dermaßen gekränkt?

Du begehrst sie heftiger, als du dir selbst eingestehen magst, wie?

Ja. Das war es. Und ganz besonders in diesem Augenblick.

Warum? Weil sie was mit einem anderen hat?

Aber, was spielte das schon für eine Rolle. Er begehrte sie. Das wußte er auch vorher schon, aber er hatte nichts unternommen. Vielleicht war jetzt der Moment gekommen, sich einmal etwas intensiver mit der Frage zu beschäftigten, warum er nichts getan hatte.

* * *

Er sah die beiden später an diesem Tag wieder zusammen, am Heck bei der Winschbrücke. Wie es aussah, hatte Kinverson etwas Ungewöhnliches gefangen, und er zeigte es ihr — ganz der stolze Jäger, der mit seiner Beute vor seinem Weibchen prahlt.

»Doc?« rief Kinverson und schob den Kopf über den Rand der Brücke, und er lächelte auf eine Weise, die entweder offene Herzlichkeit, oder aber gedankenlose Herablassung verriet. Lawler konnte nicht erkennen, was von beidem es war. »Komm doch mal eben ’nen Moment rauf, Doc, ja? Wir haben hier was, das dich vielleicht interessiert.«

Sein erster Impuls war, den Kopf zu schütteln und einfach weiterzugehen. Andererseits wollte er den beiden aber nicht die Genugtuung verschaffen, daß er ihnen aus dem Weg gehe. Schließlich, wovor fürchtete er sich? Daß er die Abdrücke von Kinversons Pfoten auf ihrem ganzen Körper demonstriert bekommen sollte? Er befahl sich, kein Trottel zu sein, und kletterte über die kleine Leiter zum Krandeck hinauf.

Kinverson hatte hier alle möglichen Fischfanggeräte in den Planken verschraubt, Gaffeln und Haken und Schnüre und dergleichen. Und hier befanden sich auch die Schleppnetze, die Gharkid für seinen Algenfang benutzte.

In einer gelben Pfütze lag schlaff ein graziöses grünliches Geschöpf, das wie ein Taucher aussah, nur kleiner. Es sah so aus, als hätte Kinverson es soeben an Bord gehievt. Lawler konnte es nicht einordnen; höchstwahrscheinlich ein Säugetier, Lungenatmer, wie so viele andere Bewohner des hydrotischen Ozeans.

»Was habt ihr denn da?« fragte er Kinverson.

»Also ehrlich, Doc, da sind wir uns gar nicht sicher.«

Das Geschöpf hatte eine niedrige flache Stirn und eine verlängerte Schnauze mit stoppligen grauen Borstenhaaren sowie einen schlanken Stromlinienleib, der in einem dreigefächerten Schwanz endete, und hatte einen deutlich hervortretenden Rückgratkamm. Die vorderen Gliedmaßen waren zu flachen Flippern ausgebildet, die denen der Gillies recht ähnlich sahen. Scharfe kurze Krummkrallen traten aus ihnen hervor. Die Augen waren schwarz, rund und schimmerten, und sie waren geöffnet.

Es sah nicht so aus, als atme das Tier. Aber es wirkte auch nicht tot. In den Augen lag ein Ausdruck — von Furcht? Verwirrtheit? Wer hätte es sagen können? Es waren Alienaugen. Doch schienen sie irgendwie besorgt zu sein.

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