Philip Dick - Der dunkle Schirm

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Der dunkle Schirm: краткое содержание, описание и аннотация

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Am Ende des 20. Jahrhunderts: Amerika ist ein Land der Huren, Junkies und Dealer geworden. Bob Arctor ist ein Geheimagent der Drogenüberwachung, doch mehr und mehr wird auch er ein Opfer des Rauschgifts.
„Es brach mir das Herz, den Roman zu schreiben, es brach mir das Herz, ihn zu lesen … Ich glaube, es ist ein Meisterwerk geworden. Ich glaube, daß es das einzige Meisterwerk ist, das ich jemals schreiben werde …
Die komischen Stellen sind die komischsten, die ich je geschrieben habe, und die traurigen sind die traurigsten, und sie sind beide in ein und demselben Buch!“
Philip K. Dick
„Einer der eigenständigsten amerikanischen Autoren … . der das meiste der europäischen Avantgarde wie Nabelschau in einer Sackgasse erscheinen läßt“
Sunday Times
© Copyright 1977 by Philip K. Dick
Originaltiel: A Scanner Darkly

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»Willst du damit sagen, daß sie die Briefmarken verkauft haben?« fragte Arctor verblüfft. »Aus dem Automaten? Marke für Marke?«

»Nach dem, was ich gehört habe, legten sie jedenfalls die Rolle wieder ein und stellten die Automaten wieder auf, an einer belebten Kreuzung, wo eine Menge Leute vorbeikommen, aber natürlich ein wenig versteckt, so daß er nicht zufällig von einem Postauto aus gesichtet werden konnte. Und dann setzten sie ihn wieder in Betrieb.«

»Es wäre klüger gewesen, den Münzspeicher aufzubrechen«, sagte Barris.

»Also verkauften sie von da an Briefmarken«, sagte Luckman, »so ein paar Wochen lang, eben bis die Maschine vollständig leer war, was ja irgendwann einmal der Fall sein mußte. Aber was, zum Teufel, sollten sie dann damit anfangen? Ich kann mir gut vorstellen, wie Donnas Gehirn während jener Wochen an diesem Problem arbeitete, dieses bauernschlaue Gehirn … sie ist bäuerlicher Abstammung, ihre Familie kommt aus irgendeinem europäischen Land. Kurz und gut, als die Rolle dann aufgebraucht war, da hatte Donna beschlossen, den Automaten auf Softdrinks umzustellen. Eine riskante Sache, denn das sieht das Postministerium nun gar nicht gern. Dafür wandert man für immer in den Knast. «

»Ist das wirklich wahr?« fragte Barris.

»Ist das wirklich wahr?« fragte Luckman.

Barris sagte: »Dieses Mädchen ist asozial. Man sollte sie auf der Stelle verhaften lassen. Begreift ihr überhaupt, daß alle unsere Steuern erhöht worden sind, weil sie diese Briefmarken gestohlen hat?« Es klang jetzt wieder sehr wütend.

»Schreib doch an die Regierung und erzähl’s ihnen«, sagte Luckman. Sein Widerwille gegen Barris ließ sein Gesicht ganz kalt werde. »Und bitte Donna um eine Marke, damit du den Brief damit frankieren kannst; sie wird die bestimmt eine verkaufen.«

»Zum vollen Preis«, sagte Barris ebenso aggressiv.

Die Holos, dachte Arctor, werden Kilometer um Kilometer von solchem Zeug auf ihren teuren Bändern speichern. Nicht Kilometer um Kilometer toter Bänder, sondern Kilometer um Kilometer total ausgeflippter Bänder.

Plötzlich kam ihm der Gedanke, daß – zumindestens für ihn … für wen? … für Fred – nicht das wichtig war, was sich abspielte, während Robert Arctor vor einer Holo-Kamera saß, sondern das, was geschah, während Bob Arctor anderswo war oder schlief und andere Personen sich im Bereich der Aufzeichnungsgeräte aufhielten. Und darum, dachte er, sollte ich jetzt ganz wie geplant einen Abgang machen, sollte diese Jungs hier allein lassen und andere Leute, die ich kenne, zu ihnen rüberschicken. Ich sollte mein Haus von jetzt an superzugänglich machen.

Und dann nahm in seinem Innern ein schrecklicher, häßlicher Gedanke Gestalt an. Angenommen, ich sehe Donna hier drinnen, wenn ich die Bänder durchlaufen lasse – Donna, die mit einem Löffel oder einer Messerklinge ein Fenster öffnet, hereinschlüpft und mein Eigentum zerstört oder stiehlt. Eine andere Donna: meine kleine Donna, wie sie in Wirklichkeit ist, oder wie sie jedenfalls immer dann ist, wenn ich sie nicht sehen kann. Die philosophische »Wenn ein Baum im Walde stürzt«-Nummer. Wie ist Donna, wenn keiner in der Nähe ist und sie beobachtet?

Verwandelt sich, so fragte er sich, dieser sanfte, liebenswerte Zankteufel, dieses super-gutherzige Mädchen dann schlagartig in eine verschlagene, heimtückische Fremde? Werde ich eine Veränderung miterleben, die mir fast den Verstand raubt? Bei Donna oder bei Luckman, bei irgend einem von denen, für die ich etwas empfinde? Nimm nur einmal deine Schoßkatze oder deinen Schoßhund … was mögen die tun, wenn du aus dem Haus bist? Die Katze schnappt sich vielleicht einen Kissenbezug und fängt an, deine ganzen Wertgegenstände hineinzustopfen; die elektrische Uhr, den elektrischen Radiowecker, den Rasierapparat, eben alles, was sie nur einsacken kann, bevor du zurückkommst; während du weg bist, ist sie wie verwandelt, eine ganz andere Katze, die dich beklaut und alles zur Pfandleihe bringt und deine Joints raucht oder an der Decke entlangspaziert oder Ferngespräche mit Unbekannten führt … und Gott weiß was noch. Ein Alptraum, eine verkehrte Welt hinter dem Spiegel, eine Stadt des Schreckens, in der wirklich alles möglich ist und in deren Straße unsägliche Wesenheiten herumkriechen; Donna, die auf allen vieren kriecht und aus den Futternäpfen der Haustiere frißt … wilde psychedelische Trips jeder Art, unauslotbar und abscheulich.

Wahnsinn, dachte er; ebensogut könnte es sein, daß Bob Arctor mitten in der Nacht aus tiefem Schlaf aufsteht und auf solche Trips geht. Vielleicht hat er sexuelle Beziehungen mit der Wand. Oder mysteriöse Freaks tauchen auf, die er nie zuvor gesehen hat, ein ganzer Haufen davon, und sie alle haben eine besondere Art von Köpfen, die sich um 360 Grad drehen lassen, wie die von Eulen. Und die Überwachungsmikrophone werden die total abstrusen, geisteskranken Verschwörerpläne aufzeichnen, die er gemeinsam mit ihnen ausheckt und die vorsehen, das Herrenklo an der nächsten Standard-Tankstelle in die Luft zu jagen, indem man die Toilette mit Plastiksprengstoff füllt – aus gott weiß was für hirnverbrannten Gründen auch immer. Vielleicht passiert diese Art von Zeug jede Nacht, während er zu schlafen glaubt, und ist am Tag aus seiner Erinnerung wie weggewischt.

Bob Arctor, mutmaßte er, mag mehr über sich selbst erfahren, als er zu erfahren bereit ist, mehr als über Donna mit ihrem Lederjäckchen und über Luckman mit seinen modischen Klamotten und sogar über Barris – vielleicht geht Jim Barris ja einfach nur schlafen, wenn keiner in der Nähe ist, und schläft so lange, bis die anderen wiederauftauchen.

Aber daran vermochte er nicht zu glauben. Da war es schon wahrscheinlicher, daß Barris unter dem ganzen Müll in seinem Zimmer – das wie alle anderen Räume des Hauses jetzt erstmals rund um die Uhr überwacht wurde – einen verborgenen Sender hervorzauberte und ein kryptisches Signal an jene Bande von kryptischen Arschlöchern abstrahlte, mit denen er laufend aus irgendeinem Grunde konspirierte, aus denen Leute wie er oder sie halt zu konspirieren pflegten. Vielleicht, überlegte Bob Arctor, bilden sie eine andere Abteilung der Behörden.

Andererseits würden Hank und die Jungs im Hauptquartier nicht allzu glücklich sein, wenn Bob Arctor jetzt, da die Kameras und Monitoren geschickt und unter hohem Kostenaufwand montiert worden waren, sein Haus verließ und nie wieder gesehen ward; nie auf einem der Bänder auftauchte. Er konnte deshalb nicht einfach verschwinden, um seine eigenen Überwachungspläne auf Kosten der ihren durchzuführen. Schließlich waren sie die Geldgeber dieses Projekts.

In dem Drehbuch, das hier verfilmt wurde, würde immer nur er der Starschauspieler sein müssen. Arctor – actor – Schauspieler, dachte er. Bob, der Schauspieler, der gejagt wird; er, der Staatsfeind Nummer eins.

Es heißt, daß man seine eigene Stimme nicht wiedererkennt, wenn man sie zum erstenmal auf Tonband hört. Und wenn man sich selbst auf einem Videoband sieht – oder, wie in diesem Fall, in einem 3-D-Hologramm –, dann erkennt man sich ebensowenig wieder. Man hat sich vorgestellt, ein großer fetter Mann mit schwarzen Haaren zu sein, und statt dessen ist man eine winzige, dünne Frau mit Glatze … kann das so weit gehen? Ich bin sicher, daß ich Bob Arctor erkennen werde, dachte er, und sei es auch nur an den Kleidern, die er trägt, oder durch einen Eliminationsprozeß. Das, was nicht Barris oder Luckman ist und hier wohnt – das muß Bob Arctor sein. Falls es nicht einer der Hunde oder eine der Katzen ist. Ich werde versuchen müssen, mein professionell geschultes Auge immer auf etwas gerichtet zu halten, das aufrecht geht.

»Barris«, sagte er, »ich mach’ mal ‘n Abflug. Vielleicht kann ich ja irgendwo ‘n paar Schnäppchen machen.« Dann tat er so, als erinnere er sich plötzlich daran, daß er im Moment keinen Wagen hatte; er verzog passend zu diesem Gedanken sein Gesicht. »Luckman«, sagte er, »läuft dein Falcon eigentlich wieder richtig?«

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