Philip Dick - Der dunkle Schirm

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Der dunkle Schirm: краткое содержание, описание и аннотация

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Am Ende des 20. Jahrhunderts: Amerika ist ein Land der Huren, Junkies und Dealer geworden. Bob Arctor ist ein Geheimagent der Drogenüberwachung, doch mehr und mehr wird auch er ein Opfer des Rauschgifts.
„Es brach mir das Herz, den Roman zu schreiben, es brach mir das Herz, ihn zu lesen … Ich glaube, es ist ein Meisterwerk geworden. Ich glaube, daß es das einzige Meisterwerk ist, das ich jemals schreiben werde …
Die komischen Stellen sind die komischsten, die ich je geschrieben habe, und die traurigen sind die traurigsten, und sie sind beide in ein und demselben Buch!“
Philip K. Dick
„Einer der eigenständigsten amerikanischen Autoren … . der das meiste der europäischen Avantgarde wie Nabelschau in einer Sackgasse erscheinen läßt“
Sunday Times
© Copyright 1977 by Philip K. Dick
Originaltiel: A Scanner Darkly

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Und, dachte er weiter, ich würde gerne jemanden mitnehmen, wenn ich dorthin gehe. Donna vielleicht. Aber wie bittet man darum? Wie bittet man eine Puppe darum, wenn man nicht einmal weiß, wie man an sie rankommen soll? Wenn man schon seit Ewigkeiten ein Auge auf sie geworfen hat und trotzdem immer noch nichts erreicht hat – nicht mal Stufe eins. Wir sollten uns beeilen, dachte er, weil bald alle Frühlingsblumen tot sein werden. Tot und verblüht.

VIII

Auf dem Weg zu Bob Arctors Haus, wo man normalerweise immer einen Haufen Freaks traf, mit denen zusammen man sich antörnen und einen guten Tag machen konnte, bastelte Charles Freck an einem Gag herum, mit dem er den ollen Barris reinlegen wollte, um ihm die Ver­arscherei mit der Galle neulich in Fiddlers Kaffeestube Nummer Drei heimzuzahlen. Während er gekonnt den Radarfallen der Bullen auswich, von denen es in der Stadt nur so wimmelte (neuerdings tarnte die Polizei die Radarwagen, mit denen sie den armen Autofahrern auf die Pelle rückten, als alte, verkommene, in einem stumpfen Braun gespritzte VW-Busse, die von bärtigen Freaks gesteuert wurden; wenn er einen solchen VW-Bus sah, verlangsamte er die Geschwindigkeit), spulte er in seinem Kopf eine Phantasienummer ab – eine Vorschau auf die große Verarschung, die er gleich starten würde:

FRECK: (beiläufig) Ich hab’ mir heute ‘nen Methedrin-Kolben gekauft.

BARRIS: ( mit einem ganz gemeinen Gesichtsausdruck) Methedrin gehört zur Gruppe der Amphetamine, wie Speed; es ist eine kristalline Substanz, die synthetisch in einem Labor hergestellt wird. Demnach ist es also nicht organisch, wie etwa Pot. So etwas wie einen Methedrin-Kolben gibt es nicht. Bist du dir sicher, daß die dir nicht einen Maiskolben angedreht haben?

FRECK: (elegant die Pointe anbringend) Ich meine, ich hab’ vierzigtausend Dollar von einem alten Onkel geerbt und bin damit zu so einem Macker gegangen, der heimlich in seiner Garage Methedrin herstellt. Ich meine, der hat da so eine Art chemisches Labor. Und von dem hab’ ich einen Kolben und die ganzen anderen Geräte gekauft, die man sonst noch dazu braucht. Kolben im Sinne von –

Er konnte die Pointe jetzt noch nicht ganz richtig ausformulieren, denn schließlich mußte er sich beim Fahren ja auch auf die Wagen um ihn herum und auf die Ampeln konzentrieren; aber er war sich sicher, daß er es schaffen würde, Barris supergut eins reinzuwürgen, wenn er erst einmal zu Bobs Haus kam. Und je mehr Leute da waren, desto begieriger würde Barris nach dem Köder schnappen, den er ihm hinzuwerfen gedachte. Und hinterher würde Barris in aller Augen als absolutes Riesenarschloch dastehen. Auf diese Weise würde er ihm die Verarschung von neulich doppelt und dreifach heimzahlen, weil Barris es noch mehr als alle anderen nicht ertragen konnte, wenn man auf seine Kosten einen Gag machte.

Als er vorbeifuhr, sah er, daß Barris draußen war und an Bob Arctors Wagen arbeitete. Die Motorhaube stand offen, und Arctor und Barris beugten sich gemeinsam über den Motor. Neben ihnen lag ein Stapel Werkzeuge.

»Hey, Leute«, sagte Freck, während er die Tür zuknallte und beiläufig zu den beiden hinüberschlenderte. »Barris«, fuhr er dann ganz cool und direkt fort und legte Barris die Hand auf die Schulter, um seine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.

»Später«, knurrte Barris. Er trug seinen Mechanikeroverall, dessen ohnehin schon schmutziger Stoff jetzt über und über mit Motoröl und anderem Schmier bedeckt war.

Freck sagte: »Ich hab’ mir heute einen Methedrin-Kolben gekauft.«

Ungeduldig und mit finsterem Blick sagte Barris: »Wie groß?«

»Was meinst du damit –«

»Ich möchte wissen, wie groß der Kolben ist.«

»Nun … äh …«, sagte Freck, während er fieberhaft überlegte, wie er jetzt weitermachen sollte.

»Wieviel hast du dafür bezahlt?« erkundigte sich Arctor, der von der ganzen Wagenrepariererei nicht weniger ölverschmiert war als Barris. Die beiden hatten den Vergaser, den Luftfilter, die Schläuche und alle möglichen anderen Teile abmontiert.

Freck sagte: »Ungefähr zehn Eier.«

»Jim hätte ihn dir billiger besorgen können«, sagte Arctor und machte sich wieder an die Arbeit. »Nicht wahr, Jim?«

»Im Moment kriegt man Methedrin-Kolben doch praktisch nachgeschmissen«, sagte Barris.

»Aber es ist nicht nur ein Kolben, sondern eine ganze Garage voller Geräte!« protestierte Freck. »Eine chemische Fabrik! Die spuckt pro Tag eine Million Tabs aus – mit automatischer Pillenabfüllung und allem. Mit allem!«

»Und das alles zusammen hat nur zehn Dollar gekostet?« sagte Barris und grinste breit.

»Wo steht denn diese sagenhafte chemische Fabrik?« erkundigte sich Arctor.

»Nicht hier in der Nähe«, sagte Freck unbehaglich. « Ach, Scheiße, Jungs.«

Barris hielt in seiner Arbeit inne – er legte beim Arbeiten oft Pausen ein, egal, ob jemand sich mit ihm unterhielt oder nicht – und sagte: »Weißt du, Freck, wenn du viel Meth einwirfst oder schießt, dann fängst du an, wie Donald Duck zu reden.«

»Und?« sagte Freck.

»Dann kann dich keiner mehr verstehen«, sagte Barris.

Arctor sagte: »Was hast du gerade gesagt, Barris? Ich kann dich nicht mehr verstehen. «

Barris verstellte seine Stimme und ließ sie wie die Donald Ducks klingen, wobei sein Gesicht vor Vergnügen zu tanzen schien. Freck und Arctor grinsten und genossen die Nummer. Barris konnte schier kein Ende finden, und schließlich wies er laut quakend auf den Vergaser.

»Was ist mit dem Vergaser?« erkundigte sich Arctor, jetzt nicht mehr lächelnd.

Mit normaler Stimme, aber immer noch breit grinsend, sagte Barris: »Der Choke ist verbogen. Eigentlich müßte ein ganz neuer Vergaser rein. Andernfalls könnte es dir passieren, daß der Choke plötzlich die Benzinzufuhr dichtmacht, während du den Freeway entlangfährst, und dann stehst du plötzlich dumm da, weil dir der Motor abgesoffen ist und dir irgend so ‘n Arschloch hinten draufknallt. Und wenn da nicht bald was dran gemacht wird, läuft außerdem möglicherweise noch reines Benzin an den Zylinderwänden runter und wäscht den Schmierfilm weg, so daß die Zylinder angegriffen werden und Dauerschäden entstehen. Und dann wirst du sie neu ausbohren lassen müssen.«

»Wieso ist der Choke verbogen?« fragte Arctor.

Achselzuckend machte sich Barris wieder daran, den Vergaser auseinanderzunehmen; er antwortete nicht.

Er überließ es Arctor und Charles Freck, die keine Ahnung von Motoren hatten – und von komplizierten Reparaturen wie dieser hier erst recht nicht –, selbst eine Erklärung zu finden.

In diesem Augenblick kam Luckman aus dem Haus. Er trug ein irre scharfes Hemd, hauteng geschnittene Levis und eine Sonnenbrille und hatte ein Buch unter dem Arm. »Ich hab’ gerade angerufen«, sagte er, »und jetzt prüfen sie nach, wie tief dich ein neuer Vergaser in die Miesen bringen wird. Sie wollen gleich zurückrufen, darum hab ich die Vordertür offengelassen.«

Barris sagte: »Du könntest doch gleich einen Vergaser mit doppelter Leistungsstärke einbauen lassen, wenn du schon einmal dabei bist. Natürlich müßte dann zugleich auch ein neuer Verteiler rein. Wir könnten bestimmt irgendwo ganz billig einen gebrauchten kriegen.«

»Der Motor würde im Leerlauf auf viel zu hohe Touren kommen«, sagte Luckman, »wenn man einen Rochester-Vergaser oder was anderes in der Art nimmt – daran hattest du doch gedacht, oder? Und er würde nicht richtig schalten. Er würde nicht hochschalten.«

»Man könnte die Einspritzdüsen durch kleinere ersetzen«, sagte Barris, »das würd’ das ausgleichen. Und er könnte die UpM auf einem Drehzahlmesser beobachten, damit er den Motor nicht überdreht. Er würde am Drehzahlmesser ablesen können, wenn der Wagen nicht hochschaltet. Wenn die Automatik nicht von selber hochschaltet, läßt sich das je auch bewerkstelligen, indem man den Fuß vom Gaspedal nimmt. Ich weiß sogar, woher wir einen Drehzahlmesser kriegen könnten. Ich hab’ nämlich einen.«

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