Lucy sagte nichts und ließ sie nicht vom Haken.
Joan dachte darüber nach.
Wie all ihre Vorfahren war Joan aus den Tiefen der Zeit hervorgegangen. Doch im Gegensatz zu den meisten von ihnen hatte sie einen Blick in den dunklen Abgrund zu werfen vermocht, der ihr Leben umgab. Sie hatte die Kenntnis erlangt, dass ihre Vorfahren so ganz anders waren als alles in ihrer Welt und dass nichts wie sie bis in die fernste Zukunft zu überleben vermochte. Aber sie wusste auch, dass das Leben weitergehen würde – wenn auch nicht ihr Leben, wenn auch nicht dieses Leben –, so lang die Erde überdauerte und vielleicht sogar noch länger. Und das sollte für jeden genug sein.
»Ja«, sagte sie zu ihrer Tochter und umarmte sie. »Ja, Liebes, ich bin glücklich…«
Lucy bedeutete ihr mit einer Geste zu schweigen. Nun hörte Joan es auch: ein Rascheln, ein leises Weinen. Sie lugten um den Felsen.
Ein kleines Mädchen war im Netz gefangen. Es war nicht älter als fünf, nackt und hatte verfilztes Haar. Es weinte, weil es nicht an den Teller mit würzigem Gemüse herankam, den Joan auf den Boden gestellt hatte.
Joan und Lucy zeigten sich. Das Mädchen wich zurück.
Langsam und gemessenen Schritts gingen sie mit offenen Händen und beruhigenden Worten auf das wilde Kind zu. Sie blieben bei ihm, bis es sich beruhigt hatte. Dann streiften sie ihm vorsichtig das Netz ab.
»Es liegt Größe in dieser Sicht des Lebens… das… aus so einfachen Ursprüngen endlos viele wunderschöne und wunderbare Formen angenommen hat und noch immer annimmt.«
— Charles Darwin, op cit.
Dies ist ein Roman. Ich habe versucht, die großartige Geschichte der Menschheit zu dramatisieren, nicht etwa zu erklären. Ich hoffe, dass meine Geschichte plausibel ist; dennoch sollte dieses Buch nicht wie ein Lehrbuch gelesen werden. Es beruht zu einem Großteil auf hypothetischen Rekonstruktionen der Vergangenheit durch Experten auf diesem Gebiet. In vielen Fällen habe ich mich für das entschieden, was ich für die jeweils plausibelste oder spannendste Idee von mehreren hielt. Doch ein Teil beruht auch auf meiner eigenen wilden Spekulation.
Ich bin Eric Brown sehr dankbar, der das Manuskript wohlwollend kommentiert hat. Die Professoren Jack Cohen und Ian Stewart von der Warwick University haben einen großen Teil ihrer wertvollen Zeit geopfert, um meine laienhaften Mutmaßungen durch fachlichen Rat zu fundieren. Ich stehe außerdem in der Schuld von Simon Spanton für die Unterstützung, die er mir zusätzlich zu seinen Pflichten als Herausgeber gewährt hat. Alle anderen Irrtümer liegen natürlich in meiner alleinigen Verantwortlichkeit.
Stephen Baxter
Great Missenden, Mai 2002
STEPHEN BAXTER
EVOLUTION
Roman
Deutsche Erstausgabe
WILHELM HEYNE VERLAG
MÜNCHEN
HEYNE SCIENCE FICTION & FANTASY
Band 06/6449
Titel der englischen Originalausgabe
EVOLUTION
Deutsche Übersetzung von Martin Gilbert
Das Umschlagbild ist von Dan Dixon
Redaktion: Wolfgang Jeschke
Copyright © 2002 by Stephen Baxter
Copyright © 2004 der deutschen Ausgabe und der Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag, München in der Verlagsgruppe Random House GmbH
http://www.heyne.de
Deutsche Erstausgabe 3/2004
Printed in Germany 2004
Umschlaggestaltung: Nele Schütz Design, München
Satz: Schaber Satz- und Datentechnik, Wels
Druck und Bindung: GGP Media, Pößneck
ISBN 3-453-87546-X
Das Buch
Ihre Geschichte beginnt, als Dinosaurier die Erde beherrschen. Sie überstehen den gnadenlosen Kampf mit anderen Spezies um Nahrung und Territorien. Sie überleben den Einschlag eines gigantischen Asteroiden und erben eine leere Welt. Sie folgen der langsamen Bewegung der Kontinente über die Erde. Sie errichten eine planetenumspannende Zivilisation. Und sie greifen nach den Sternen…
In diesem atemberaubenden, hochspannenden Roman folgt Stephen Baxter dem Strom der menschlichen Evolution, der Millionen von Jahren in der Vergangenheit entspringt und sich weit in die Zukunft ergießt. Ein in der Literatur einzigartiges Panorama – die gesamte Geschichte der Menschheit in einem Buch.
Der Autor
Der Engländer Stephen Baxter, geboren 1957, zählt zu den weltweit bedeutendsten Autoren naturwissenschaftlich-technisch orientierter Science Fiction. Aufgewachsen in Liverpool, studierte er Mathematik und Astronomie und widmete sich dann ganz dem Schreiben. Baxter lebt und arbeitet in Buckinghamshire.