Thomas Hettche - Pfaueninsel

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Eine Insel außerhalb der Zeit.
Die Pfaueninsel in der Havel ist ein künstliches Paradies. In seinem opulenten, kundigen und anrührenden Roman erzählt Thomas Hettche von dessen Blüte, Reife und Verfall aus der Perspektive des kleinwüchsigen Schlossfräuleins Marie, in deren Lebenslauf sich die Geschichte eines ganzen Jahrhunderts verdichtet.
Es mutet an wie ein modernes Märchen, denn es beginnt mit einer Königin, die einen Zwerg trifft und sich fürchterlich erschrickt. Kaum acht Wochen nach dieser Begegnung auf der Pfaueninsel, am 19. Juli 1810, ist die junge Königin Luise tot – und der kleinwüchsige Christian und seine Schwester Marie leben fortan weiter mit dem entsetzten Ausruf der Königin: »Monster!«
Damit ist die Dimension dieser Geschichte eröffnet. Am Beispiel von Marie, die zwischen den Befreiungskriegen und der Restauration, zwischen Palmenhaus und Menagerie, Gartenkunst und philosophischen Gesprächen aufwächst und der königlichen Familie bei deren Besuchen zur Hand geht, erzählt Thomas Hettche von der Zurichtung der Natur, der Würde des Menschen, dem Wesen der Zeit und der Empfindsamkeit der Seele und des Leibes.
Dabei geht es um die Gestaltung dieses preußischen Arkadiens durch den Gartenkünstler Lenné und um all das, was es bevölkerte: Palmen, Kängurus und Löwen, Hofgärtner, Prinzen, Südseeinsulaner, Riesen, Zwerge und Mohren – und es geht um die Liebe in ihren mannigfaltigen Erscheinungsformen.
Thomas Hettche ist das Kunststück gelungen, mit dem historisch verbürgten Personal seiner Geschichte von uns Heutigen zu erzählen. Atmosphärisch, detailgetreu und voller Lust an der phantasievollen Ausschmückung.

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Jenes Jahr 1816, in dem der König in den preußischen Landen als Gedenktag für die Gefallenen der Napoleonischen Kriege den Totensonntag einführte, war nicht nur kühl, sondern eines ohne Sommer, denn im Herbst davor hatte der Vulkan Tambora auf Java Millionen Tonnen Staub und Asche in die Atmosphäre gespuckt, die sich wie ein Schleier um den ganzen Erdball gelegt hatten. Mißernten und Frost, selbst Schnee im August, waren die Folge, und ebenso wie Marie fror auch ein anderes junges Mädchen, das zudem denselben Vornamen wie sie trug und das jenen Sommer, der keiner war, mit Shelley, seinem Freund, in Lord Byrons Villa Diodati am Genfer See zubrachte. Statt über den See zu fahren und Sommerfeste zu feiern, blieb man im Dauerregen zu Hause, diskutierte über die gerade entdeckte Elektrizität und las sich so lange am lodernden Kamin Gespenstergeschichten vor, bis das Mädchen selbst zu schreiben begann, eine Geschichte, deren Helden sie Frankenstein nannte.

Währenddessen regnete es auch auf der Pfaueninsel fast die ganze Zeit. Die Gärtner fluchten, und Christian trieb es aus dem Wald zurück ins Haus. Ohne daß Marie ihn jemals hörte oder auch nur davon erwachte, schlüpfte er nachts lautlos zu ihr ins Bett, und was sie weckte, waren seine kalte Haut und sein intensiver Geruch nach nasser Erde. Er sprach nie. Seine Umarmungen hatten in ihrer Stummheit etwas Gewaltsames, ohne gewaltsam zu sein. Nur tat er ihr offenkundig nichts zu Gefallen. Doch sie genoß es, wie er sie sich zurechtlegte, und ließ alles geschehen, solange er sie nur betrachtete. Sie gierte nach seinem Blick. Er küßte sie nie auf den Mund. Meist ging er wortlos am Morgen. Doch heute hatte er etwas gesagt. Das graue Licht hatte gerade erst fahl in der Dachkammer zu glimmen begonnen. Sie war davon aufgewacht, daß er die dicke Daunendecke anhob und aus dem Bett stieg.

»Du liebst ihn«, hatte er gesagt.

Doch bevor sie ihn noch hatte fragen können, was er damit meine, hatte Christian die Tür schon hinter sich zugezogen und war die Treppe hinab, hinaus in den Regen dieses Tages, wohin auch immer.

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Rubinglas fängt das Licht selbst dort, wo keines ist, und faßt es, wie Geschmeide, zum Feuer. In seiner Ars Vitraria Experimentalis von 1679 kommentierte und ergänzte Johann Kunckel nach eigenen Versuchen die verschiedenen Mischungen der Schmelze, die der Priester Antonio Neri 1612 in Florenz veröffentlicht hatte. Die Rezeptur aber für jenes rotleuchtende Glas, das ihn berühmt machte, gab Kunckel niemals preis.

Gustav tippte mit dem Zeigefinger gegen das Glas und sah zu, wie es sich auf dem Fensterbrett zwischen den Pelargonien drehte, gefangen darin, dunkel und warm, das rote Licht. Ein halbes Jahr war es jetzt her, daß Marie und er zusammen im See geschwommen waren und er sie geküßt hatte. Mit jenem Kuß war ihre Zeit zu dritt endgültig vorüber gewesen. Marie wurde sechzehn in diesem Jahr. Christian, inzwischen achtzehn, half seitdem beim Vieh. Und er? Er war noch nicht einmal konfirmiert. Wie so oft spürte er auch jetzt ihren Blick und wußte, sie wartete darauf, daß er etwas sage, aber er konnte nicht. Sicherlich war es ihr peinlich, ihn so zu sehen. Daß er immerzu ihre Nähe suchte, um dann in schweigendem Brüten zu versinken. Daß für ihn alles an einem Lachen von ihr hing. Sie mußte wissen, daß er sie liebte.

Um das Schweigen zwischen ihnen zu beenden, fragte Marie irgendwann, ob er inzwischen mehr über jenes Glas wisse.

»Der einzige«, antwortete Gustav zögerlich, »der darüber Bescheid weiß, ist der alte Gundmann.«

»Dann gehen wir zu Gundmann!« Sie lächelte ihn triumphierend an, als er überrascht aufsah.

»Zur Meierei? Aber es regnet!«

»Aber es regnet doch immer.«

Schon griff Marie sich ihr Kapuzenmäntelchen, das sie beim Hereinkommen über einen Stuhl geworfen hatte. Gustav zögerte, doch als sie ihn neckte, er sei langweilig, löste er sich endlich vom Fenster im Arbeitszimmer, nahm im Flur die Jakobinerjacke vom Haken, die er seit einer Weile und sehr gegen den Protest des Onkels trug, und die beiden machten sich auf den Weg.

Mochte die angebliche Klosterruine der Meierei auch ebenso künstlich und kulissenhaft entworfen worden sein wie das Schloß, orientierte sie sich doch an jenen in der Mark damals durchaus anzutreffenden Bauernhöfen, die sich nach der Säkularisierung in ruinösen Klosteranlagen eingenistet hatten. Und als man die Wälder auf der Insel rodete und das Land unter den Pflug nahm, wurde aus ihr das, was sie bis dahin nur vorgegeben hatte zu sein. Der prunkvolle Raum im Obergeschoß mit seinen gotischen Spitzbogenfenstern, dem erlesenen Parkett, der Trompe-l’œil-Malerei und den böhmischen Bleikristallüstern verwaiste, der Stall aber füllte sich, was überraschenderweise dem alten Gundmann entgegenzukommen schien, der den Bauern bis dahin mehr hatte spielen müssen, als der entsprechenden Arbeit tatsächlich nachzugehen. In kürzester Zeit wurde er wieder das, was er, bevor er auf die Insel kam, gewesen war. Als Kinder waren Marie und ihr Bruder oft mit Gustav bei ihm gewesen, er hatte sie die Kälbchen streicheln lassen und ihnen Milch ausgeschenkt, und Marie vermutete, daß ihr Bruder die Scheunen jetzt mitunter als Nachtquartier nutzte.

Der Regen war kalt, und alles troff vor Nässe, auf den Feldern stand das Wasser. Die Saat war spät und dann auch nur spärlich aufgegangen, überall schimmerte die nackte Erde naß zwischen den kümmerlichen Halmen. Im Wald krachten die Kiefern im Wind mit einem hellen, schreienden Geräusch aneinander, und in den Eichen rauschte es bedrohlich. Marie hatte überlegt, ob ihnen wohl Christian begegnen würde, und obwohl sie gar nicht wußte, weshalb das eine Rolle spielte, war sie froh, daß er sich nicht zeigte, meinte nur einmal seinen Blick in ihrem Rücken zu spüren, doch als sie sich umsah, war da nichts in der Wand aus regenschwarzen Stämmen und tropfenden Blättern, und dann lagen die sumpfigen Wiesen vor ihnen, die den nördlichen Teil der Insel bildeten. An dem kleinen Bach, der sie durchzog und das Wasser in die Havel brachte, vereinzelt alte Weiden. Jenseits der Wiesen, unter dem düsteren tiefen Himmel, die Meierei, zu der ein gewundener Sandweg hinführte. Sie fanden den alten Gundmann im Stall bei seinen Kühen.

»Marieken!«

Kaum hatte er die beiden durchnäßten Gestalten an der Tür entdeckt, nahm er die Zwergin ohne Umstände hoch und hielt sie lachend vor sich hin, um sie besser mustern zu können. Dann setzte er sie mit einem Schwung auf dem hohen Tisch ab, der ansonsten voller leerer Milchkannen stand. Auch sie mußte lachen, denn das tat er, seit sie ein Kind war, und für einen Moment gefiel ihr, daß er das immer tun konnte, während Gustav längst zu groß für derlei war, weshalb ihm Gundmann wie einem Erwachsenen einen guten Tag wünschte. Wie stets trug der Bauer trotz der Kälte nur ein einfaches flachsenes Wams, das weit offenstand und die weiße Brustbehaarung des alten Mannes zeigte. Unter dem knielangen Kittel lugten grobe Hosen hervor, die in weiten Stiefeln steckten, an denen Mist klebte. Auf dem bis auf einen mächtigen weißen Schnäuzer gänzlich kahlen Kopf schief ein rotes Käpsel.

Gundmann hatte die Zwergin immer besonders gemocht, so, wie ihm eines seiner Tiere besonders am Herzen liegen mochte. Er kam selten zum Kastellanshaus, und auch wenn er natürlich Fintelmann und die Gärtner ständig traf, wollte er doch zunächst von Marie wissen, was es Neues dort vorn gebe, wie er sich ausdrückte. Marie tat dem Alten den Gefallen und erzählte von der Tante und von Lehrer Mahlke und von den Sorgen des Onkels wegen des Regens, bis sie endlich auf das rote Glas zu sprechen kam.

Sie dabei genau betrachtend, schlug Gundmann Stahl und Stein aneinander und entzündete seine Pfeife. Für einen Moment war es still bis auf das malmende Kauen der Kühe und das Klirren ihrer Ketten. Um den Tabak in Brand zu bringen, paffte der Alte so sehr, daß der Rauch sie alle fast ganz einhüllte, und begann dabei die Geschichte von Johann Kunckel zu erzählen, wie er sie wußte und wie er sie offensichtlich schon oft erzählt hatte.

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