Bernhard Schlink - Der Vorleser

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Sie ist reizbar, rätselhaft und viel älter als er ... und sie wird seine erste Leidenschaft. Sie hütet verzweifelt ein Geheimnis. Eines Tages ist sie spurlos verschwunden. Erst Jahre später sieht er sie wieder. Die fast kriminalistische Erforschung einer sonderbaren Liebe und bedrängenden Vergangenheit.

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»Berg, daß Sophia ein griechischer Name ist, ist kein Grund, daß Sie im Griechischunterricht Ihre Nachbarin studieren. übersetzen Sie!«

Wir übersetzten die Odyssee. Ich hatte sie auf deutsch gelesen, liebte sie und liebe sie bis heute. Wenn ich drankam, brauchte ich nur Sekunden, bis ich mich zurechtfand und übersetzte. Als der Lehrer mich mit Sophie aufgezogen und die Klasse zu lachen aufgehört hatte, stotterte ich wegen etwas anderem. Nausikaa, den Unsterblichen an Wuchs und Aussehen gleichend, jungfräulich und weißarmig — sollte ich mir dabei Hanna oder Sophie vorstellen? Es mußte eine von beiden sein.

14

Wenn bei Flugzeugen die Motoren ausfallen, ist das nicht das Ende des Flugs. Die Flugzeuge fallen nicht wie Steine vom Himmel. Sie gleiten weiter, die riesengroßen, mehrstrahligen Passagierflugzeuge eine halbe bis Dreiviertelstunde lang, um dann beim Versuch des Landens zu zerschellen. Die Passagiere merken nichts. Fliegen fühlt sich bei ausgefallenen Motoren nicht anders an als bei arbeitenden. Es ist leiser, aber nur ein bißchen leiser: Lauter als die Motoren ist der Wind, der sich an Rumpf und Flügeln bricht. Irgendwann sind beim Blick durchs Fenster die Erde oder das Meer bedrohlich nah. Oder der Film läuft, und die Stewardessen und Stewards haben die Jalousien geschlossen. Vielleicht empfinden die Passagiere den ein bißchen leiseren Flug sogar als besonders angenehm.

Der Sommer war der Gleitflug unserer Liebe. Oder vielmehr meiner Liebe zu Hanna; über ihre Liebe zu mir weiß ich nichts.

Wir haben unser Ritual des Vorlesens, Duschens, Liebens und Beieinanderliegens beibehalten. Ich habe »Krieg und Frieden« vorgelesen, mit allen Darlegungen Tolstois über Geschichte, große Männer, Rußland, Liebe und Ehe, es müssen vierzig bis fünfzig Stunden gewesen sein. Wieder ist Hanna dem Fortgang des Buchs gespannt gefolgt. Aber es war anders als bisher; sie hielt sich mit ihren Urteilen zurück, machte Natascha, Andrej und Pierre nicht zum Teil ihrer Welt, wie sie das mit Luise und Emillia getan hatte, sondern betrat ihre Welt, wie man staunend eine ferne Reise tut oder ein Schloß betritt, in das man eingelassen ist, in dem man verweilen darf, mit dem man vertraut wird, ohne doch die Scheu je völlig zu verlieren. Was ich ihr bisher vorgelesen hatte, hatte ich davor schon gekannt. »Krieg und Frieden« war auch für mich neu. Wir taten die ferne Reise gemeinsam.

Wir haben Kosenamen füreinander erdacht. Sie begann, mich nicht mehr nur Jungchen zu nennen, sondern auch, mit verschiedenen Attributen und Diminutiven, Frosch oder Kröte, Welpe, Kiesel und Rose. Ich blieb bei Hanna, bis sie mich fragte: »An was für ein Tier denkst du, wenn du mich im Arm hältst, die Augen schließt und an Tiere denkst?« Ich schloß die Augen und dachte an Tiere. Wir lagen aneinandergeschmiegt, mein Kopf an ihrem Hals, mein Hals an ihren Brüsten, mein rechter Arm unter ihr und auf ihrem Rücken und mein linker auf ihrem Po. Ich strich mit Armen und Händen über ihren breiten Rücken, ihre harten Schenkel, ihren festen Po und spürte auch ihre Brüste und ihren Bauch fest an Hals und Brust. Glatt und weich fühlte sich ihre Haut an und ihr Körper darunter kraftvoll und verläßlich. Als meine Hand auf ihrer Wade lag, fühlte sie ein stetiges, zuckendes Spiel der Muskeln. Es ließ mich an das Zucken der Haut denken, mit dem Pferde Fliegen zu verscheuchen versuchen. »An ein Pferd.«

»Ein Pferd?« Sie löste sich von mir, richtete sich auf und sah mich an. Sah mich entsetzt an.

»Magst du das nicht? Ich komme drauf, weil du dich so gut anfühlst, glatt und weich und darunter fest und stark. Und weil deine Wade zuckt.« Ich erklärte ihr meine Assoziation.

Sie sah auf das Muskelspiel ihrer Waden. »Pferd«, sie schüttelte den Kopf, »ich weiß nicht.«

Das war nicht ihre Art. Sie war sonst völlig eindeutig, entweder in Zustimmung oder in Ablehnung. Ich war unter ihrem entsetzten Blick bereit gewesen, wenn's sein mußte, alles zurückzunehmen, mich anzuklagen und sie um Entschuldigung zu bitten. Aber jetzt versuchte ich, sie mit dem Pferd zu versöhnen. »Ich könnte Cheval zu dir sagen oder Hottehüh oder Equinchen oder Bukeffelchen. Ich denke bei Pferd nicht an Pferdegebiß oder Pferdeschädel oder was immer dir nicht gefällt, sondern an etwas Gutes, Warmes, Weiches, Starkes. Du bist kein Häschen oder Kätzchen, und Tigerin — da ist was drin, was Böses, was du auch nicht bist.«

Sie legte sich auf den Rücken, die Arme hinter dem Kopf. Jetzt richtete ich mich auf und sah sie an. Ihr Blick ging ins Leere. Nach einer Weile wandte sie mir ihr Gesicht zu. Sein Ausdruck war von eigentümlicher Innigkeit. »Doch, ich mag, wenn du Pferd zu mir sagst oder die anderen Pferdenamen — erklärst du sie mir?«

Einmal sind wir zusammen in der Nachbarstadt im Theater gewesen und haben »Kabale und Liebe« gesehen. Es war Hannas erster Theaterbesuch, und sie genoß alles, von der Aufführung bis zum Sekt in der Pause. Ich legte meinen Arm um ihre Taille, und mir war egal, was die Leute von uns als Paar denken mochten. Ich war stolz darauf, daß es mir egal war. Zugleich wußte ich, daß es mir im Theater in meiner Heimatstadt nicht egal gewesen wäre. Wußte sie es auch?

Sie wußte, daß mein Leben im Sommer nicht mehr nur um sie, die Schule und das Lernen kreiste. Immer öfter kam ich, wenn ich am späten Nachmittag zu ihr kam, aus dem Schwimmbad. Dort trafen sich die Klassenkameradinnen und -kameraden, machten zusammen Schulaufgaben, spielten Fuß- und Volleyball und Skat und flirteten. Dort fand das gesellschaftliche Leben der Klasse statt, und es bedeutete mir viel, dabeizusein und dazuzugehören. Daß ich, je nach Hannas Arbeit, später als die anderen kam oder früher ging, war meinem Ansehen nicht abträglich, sondern machte mich interessant. Ich wußte das. Ich wußte auch, daß ich nichts verpaßte, und hatte doch oft das Gefühl, es passiere, gerade wenn ich nicht dabei war, Wunder weiß was. Ob ich lieber im Schwimmbad wäre als bei Hanna, habe ich mich lange nicht zu fragen gewagt. Aber an meinem Geburtstag im Juli wurde ich im Schwimmbad gefeiert und nur bedauernd gehengelassen und von einer erschöpften Hanna schlecht gelaunt empfangen. Sie wußte nicht, daß mein Geburtstag war. Als ich nach ihrem gefragt und sie mir den 21. Oktober genannt hatte, hatte sie mich nach meinem nicht gefragt. Sie war auch nicht schlechter gelaunt als sonst, wenn sie erschöpft war. Aber mich ärgerte ihre schlechte Laune, und ich wünschte mich weg, ins Schwimmbad, zu den Klassenkameradinnen und -kameraden, zur Leichtigkeit unseres Redens, Scherzens, Spielens und Flirtens. Als auch ich schlecht gelaunt reagierte, wir in Streit gerieten und Hanna mich wie Luft behandelte, kam wieder die Angst, sie zu verlieren, und ich erniedrigte und entschuldigte mich, bis sie mich zu sich nahm. Aber ich war voll Groll.

15

Dann habe ich begonnen, sie zu verraten.

Nicht daß ich Geheimnisse preisgegeben oder Hanna bloßgestellt hätte. Ich habe nichts offenbart, was ich hätte verschweigen müssen. Ich habe verschwiegen, was ich hätte offenbaren müssen. Ich habe mich nicht zu ihr bekannt. Ich weiß, das Verleugnen ist eine unscheinbare Variante des Verrats. Von außen ist nicht zu sehen, ob einer verleugnet oder nur Diskretion übt, Rücksicht nimmt, Peinlichkeiten und Ärgerlichkeiten meidet. Aber der, der sich nicht bekennt, weiß es genau. Und der Beziehung entzieht das Verleugnen ebenso den Boden wie die spektakulären Varianten des Verrats.

Ich weiß nicht mehr, wann ich Hanna erstmals verleugnet habe. Aus der Kameradschaft der sommerlichen Nachmittage im Schwimmbad entwickelten sich Freundschaften. Außer meinem Banknachbarn, den ich aus der alten Klasse kannte, mochte ich in der neuen Klasse besonders Holger Schlüter, der sich wie ich für Geschichte und Literatur interessierte und mit dem der Umgang rasch vertraut wurde. Vertraut wurde er bald auch mit Sophie, die wenige Straßen weiter wohnte und mit der ich daher den Weg zum Schwimmbad gemeinsam hatte. Zunächst sagte ich mir, die Vertrautheit mit den Freunden sei noch nicht groß genug, um von Hanna zu erzählen. Dann fand ich nicht die richtige Gelegenheit, die richtige Stunde, das richtige Wort. Schließlich war es zu spät, von Hanna zu erzählen, sie mit den anderen jugendlichen Geheimnissen zu präsentieren. Ich sagte mir, so spät von ihr zu erzählen, müsse den falschen Eindruck erwecken, ich hätte Hanna so lange verschwiegen, weil unsere Beziehung nicht recht sei und ich ein schlechtes Gewissen hätte. Aber was ich mir auch vormachte — ich wußte, daß ich Hanna verriet, wenn ich tat, als ließe ich die Freunde wissen, was in meinem Leben wichtig war, und über Hanna schwieg.

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