«So ist denn nicht mehr zu helfen, «sagte der Herzog,»die reichste, schönste Erbin in Burgund muß das Weib eines rohen Mietssoldaten werden oder ihre Tage im einsamen Kloster beschließen, und gleichwohl ist sie das einzige Kind unseres treuen Reinhold von Croye! Ich habe zu voreilig gehandelt!«Eine düstere Wolke legte sich auf seine Stirn, zum großen Erstaunen seiner Pairs, die ihn selten auch nur das geringste Zeichen von Reue über einen einmal gefaßten Entschluß hatten von sich geben sehen… — »Halt, noch einen Augenblick!«sagte Lord Crawford,»die Sache ist wohl besser, als Ew. Hoheit vermutet. Hört nur, was dieser Kavalier hier zu sagen hat. Sprich, Freund — daß Dich die Pest — «raunte er Balafré zu.
Allein der tölpelhafte Soldat mochte sich wohl noch dem Könige, an dessen Vertraulichkeit er gewöhnt war, verständlich machen, aber im gegenwärtigen Falle war es ihm rein unmöglich, seinen Entschluß vor einer so glänzenden Versammlung kund zu tun. –
«Ew. Majestät und Ew. Hoheit halten zu Gnaden, «sagte Crawford,»ich sehe schon, ich muß für meinen Landsmann und alten Kameraden das Wort nehmen. Ihr müßt wissen, daß ihm durch einen Seher seines Vaterlandes prophezeit worden ist, daß das Glück seines Hauses durch eine Heirat gemacht werden würde, nun aber geht's ihm wie mir — er ist über diese Zeiten hinüber, — und sitzt lieber im Weinhaus, als bei einer Dame im Sommergemach, — kurz und gut, er hat seine wunderlichen Eigenheiten und Gelüste, die ihm seine neue Hoheit nur unbehaglich machen würde, und hat sich deshalb meinem Rate gefügt und verzichtet auf die Ansprüche, die er durch Erlegung Wilhelms von der Mark erworben hat, zugunsten dessen, durch den der wilde Eber der Ardennen eigentlich zu Fall gebracht worden ist, und das ist kein andrer denn sein Neffe mütterlicherseits.«
«Ich kann den guten Diensten und der Klugheit dieses Jünglings das Wort reden, «sagte Ludwig, hocherfreut, daß das Schicksal diesen schönen Preis jemandem zuteil werden ließ, auf den er einigen Einfluß zu haben glaubte.»Ohne seine Klugheit und Wachsamkeit wären wir heute verloren gewesen, — er war es, der uns auf den nächtlichen Ausfall aufmerksam machte.«—»So bin ich ihm, «sagte der Herzog,»einige Entschädigung dafür schuldig, daß ich an seiner Wahrhaftigkeit gezweifelt habe.«—»Und ich kann seine Tapferkeit als Waffenmann bezeugen, «sagte Dunois. — »Aber, «unterbrach ihn Crevecoeur,»wenn auch sein Oheim schottischer Edelmann ist, so macht das doch nicht seinen Neffen dazu.«—»Er ist aus dem Hause Durward, «sprach Crawford,»und stammt von Allen Durward ab, Oberkämmerer von Schottland.«—»Ja, wenn es der junge Durward ist, «sagte Crevecoeur,»so schweige ich. Fortuna hat sich zu seinen Gunsten erklärt, und mit so einer launenhaften Dame lasse ich mich in keinen Streit ein.«—»Wir haben nur zu untersuchen, «sagte Karl nachdenklich,»wie die schöne Dame diesem glücklichen Abenteurer gesinnt ist.«—»Beim heiligen Meßopfer!«sagte Crevecoeur,»ich habe nur zu viel Grund, zu denken, daß Ew. Hoheit sie diesmal weit gehorsamer und unterwürfiger finden wird als früher. Aber warum sollte ich dem jungen Manne sein Glück nicht gönnen? Geht doch aus allem hervor, daß Verstand, Festigkeit und Tapferkeit ihn in den Besitz von Reichtum, Rang und Schönheit gesetzt haben!«
Mag eines besseren Barden Mund besingen,
Wie zu Bracquemont die Tore aufgingen,
Wie dem Schotten die holde Gebieterin
Gab Schönheit und Grafschaft zu eigen hin!
— Ende . –