Grigori Bjelych - SCHKID. Die republik der strolche

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SCHKID. Die republik der strolche: краткое содержание, описание и аннотация

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Titel der Originalausgabe: Республика ШКИД.
Übersetzung aus dem Russischen von Lieselotte Remane.

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„Vielen Dank! Ich bin Ihnen außerordentlich verbunden. Eine sehr geistreiche Idee.“

„Natürlich, was denn sonst! Mit dem Sparen fangen wir gleich jetzt, in diesem Augenblick, an. Paß auf, dann haben wir bei unserer Entlassung eine anständige Summe zusammen.“

Jankel springt aus dem Bett, nimmt seine Hose vom Schemel und wühlt sachlich in den Taschen. Dann fördert er zwei Geldscheine zutage und zeigt sie dem Blutsbruder.

„Da. Vom Wort zur Tat. Dies ist mein erster Sparbeitrag. Zwei 'Eier'. Wenn du auch welche hast, dann zahl sie in die gemeinsame Kasse.“ Ljonka zahlt drei Millionen Rubel in die gemeinsame Kasse. „Der Grundstein ist gelegt“, erklärt Jankel feierlich und steckt die fünf Millionen Rubel in eine zerschrammte Streichholzschachtel. Um der noch größeren Feierlichkeit willen bestätigen die Blutsbrüder ihre Abmachung mit einem kräftigen Händedruck. Lange tuscheln sie noch in der Stille, lange bleiben sie noch wach, um alles zu besprechen, um Pläne zu schmieden und von der Zukunft zu träumen. Zuweilen wird ihre Unterhaltung von Hundegebell unterbrochen, vom Pfiff eines Milizionärs oder vom Grölen eines Trunkenboldes, der sich im Rausch hierher verirrt hat.

Immer häufiger bemerkten die Schkider, daß sich die Blutsbrüder Jankel und Ljonka absonderten und dann miteinander flüsterten. Sie hockten in einem verlassenen Winkel und führten endlose, leidenschaftliche Gespräche. Anfangs kümmerte sich niemand darum. Es waren schließlich Blutsbrüder — warum sollten sie nicht gemeinsame Interessen haben. Aber es wurde immer schlimmer mit ihnen — sie zogen sich vollständig vom Kollektiv zurück. Ja, es kam so weit, daß beide bei einer Sitzung des ZK fehlten.

Das ZK bestand aus fünf Personen, und es machte sich natürlich bemerkbar, wenn fast die Hälfte fehlte. Die Jungen waren empört und rügten die Blutsbrüder, stießen jedoch auf vollständige Gleichgültigkeit.

Jankel und Ljonka entfremdeten sich dem „Junkom“ immer mehr. Ihre „Idee“ hielt sie gänzlich gefangen.

„Es wird Zeit, unsere 'Junkom'-Zeitung herauszugeben“, mahnte Japs mehrmals den Redakteur Jankel. „Schon seit zwei Wochen ist sie nicht mehr erschienen. Auf der Versammlung kriegen wir eins auf den Deckel.“

Aber Jankel hörte nur mit halbem Ohr hin.

„Gut, ich mache das schon irgendwann“, antwortete er und guckte in die Gegend.

Die Blutsbrüder wurden immer zerstreuter und streitsüchtiger. Die Zirkel des „Junkom“ besuchten sie schon längst nicht mehr. In ihren Köpfen hatte nur ein Gedanke Platz: Wir müssen Geld für die Entlassung sammeln und dann nach Süden reisen, zum Filmstudio! Abends hockten sie in ihrem Winkel und träumten. Im „Junkom“ wuchs unterdessen die Unzufriedenheit — dumpf, aber drohend.

„Was heißt das? Soll das noch lange so weitergehen?“

„Sie sabotieren die Arbeit.“, Undisziplinierte Mitglieder! „Und sitzen außerdem noch im ZK!“ Die Zelle war in heller Aufregung.

Eines Tages wurde in einer allgemeinen Versammlung der Jungkommunarden über die Aufnahme neuer Mitglieder diskutiert. Unter den Neuhinzugekommenen gab es viele Unreife, über die man sich unbedingt erst eine Meinung bilden mußte, bevor man sie im „Junkom“ arbeiten ließ. Bei der Diskussion über die Aufnahmeanträge sprachen sich die meisten Jungkommunarden in diesem Sinne aus. Die andere Seite — sie bestand aus Jankel, Ljonka und Dse, der sich ihnen angeschlossen hatte — verfocht energisch den entgegengesetzten Standpunkt.

„Ihr habt unrecht, Genossen!“ rief Jankel hitzig. „Unsere Organisation ist doch an sich noch ganz unvollkommen. Wir selbst sind noch unreif.“

„Wie man's nimmt. Vielleicht meint Jankel damit sich selber“, spottete Japs giftig.

„Nein, ich meine nicht nur mich, sondern alle. Wir sind unreif, wenn auch entwickelter als die übrigen. Deshalb haben wir die Aufgabe, so viele neue Mitglieder wie nur möglich heranzuziehen, wenn sie auch noch wenig wissen. Hauptsache, sie wollen arbeiten. Hier bei uns, in unserer Organisation, bekommen sie dann den richtigen Schliff.“

„Und wer soll sie schleifen?“ piepste Falke ironisch dazwischen. Jankel fuhr herum.

„Natürlich nicht Falke mit seinen vorsintflutlichen Anschauungen“, parierte er. „Die Umwelt und das gemeinsame Streben nach einem Ziel werden die neuen Mitglieder entwickeln. Dafür haben wir ja schon ein Beispiel.“

„Zeig es!“ rief einer von den Sitzenden.

„Bitte!“ Jankel drehte sich zu Ljonka um. „Ljonka, berichte mal vom Nackten.“

Ljonka erhob sich und schnupfte auf.

„Das ist Tatsache“, bestätigte er. „Der Nackte hat sich gut entwickelt. Von Kutschers Abenteuern bis zum, Junkom' war ein weiter Weg. Und ihr wißt alle, daß er diesen Weg erfolgreich zurückgelegt hat. Guckt euch den Nackten an — da sitzt er. Kann man sich jetzt noch vorstellen, daß er einmal Kaffee geklaut hat? Nein, das kann man nicht. Er gehört jetzt zu unseren besten Mitgliedern. Was soll ich noch lange darüber reden.“ Der Anblick des verlegenen Nackten Herrn überzeugte im Moment alle, daß die Meinung der Minderheit richtig war. Doch Japs und Sascha Pylnikow, die anschließend sprachen, widerlegten Jankels und L jonkas Beweise gründlich.

Die Versammlung faßte folgenden Beschluß:

„Die Aufnahme von Mitgliedern ist zu beschränken. Jeder Antragsteller muß einen Probemonat durchmachen. Dann wird er mit den Empfehlungen von drei Mitgliedern für einen Monat Kandidat, und schließlich muß er sich vor der endgültigen Aufnahme noch einen dritten Monat im Politunterricht vorbereiten.“

Aus Ärger über ihre Niederlage stimmte die Minderheit dagegen. Dann kletterten alle drei auf die Fensterbank, zogen Zigaretten aus der Tasche und weigerten sich, an der Versammlung weiterhin teilzunehmen.

„Das ist verkehrt! Das ist eine Schwächung der Zelle, eine gewaltsame Einengung!“ protestierte Jankel. Er verlor vor Wut beinahe die Nerven, biß ein Stück von seiner Zigarette ab und spuckte es direkt auf die Straße. Dse und Ljonka pflichteten ihm bei. Anschließend wurde über eine Theateraufführung am Tage der Oktoberrevolution diskutiert. Nachdem alle ihre Meinung dazu gesagt hatten, machte Japs einen Versuch, die Minderheit zu versöhnen.

„He, ihr da auf dem Fensterbrett! Was denkt ihr über den Abend?“

„Wir enthalten uns jeder Meinung“, brummte Ljonka. „Und raucht lieber?“

„Allerdings.“

Japs versuchte, sich seinen Zorn nicht anmerken zu lassen. „Übrigens glaube ich“, sagte er scheinbar gleichgültig, „daß man sich einmal überlegen sollte, ob im 'Junkom' geraucht werden darf, ob die Mitglieder unserer Organisation nicht überhaupt das Rauchen lieber lassen sollten.“

„Ach, du Idiot!“ Jankel kicherte höhnisch. „Raucht selbst nicht und will es uns abgewöhnen. Der Trick zieht nicht. Entscheidet meinetwegen, wie ihr wollt — wir rauchen trotzdem.“

„Ja, wir werden eine Entscheidung treffen“, versetzte Japs gedehnt. Jankel riß die Geduld. Er verließ den Raum. Ljonka folgte ihm. Dse blieb einen Augenblick unentschlossen stehen, trat seinen Zigarettenstummel dann mit dem Absatz aus und setzte sich an den Tisch. Die Rauchfrage wurde auf die Tagesordnung gesetzt. Ein Mehrheitsbeschluß bestimmte, daß im Raum des „Junkom“ nicht geraucht werden dürfe.

„Also Rauchverbot! Na gut, dann werden wir im 'Junkom' eben nicht rauchen“, knurrte Ljonka wütend, als er das Protokoll der Versammlung an der Wandzeitung gelesen hatte.

„Das geht speziell gegen uns. Japs will seinen Einfluß deutlich machen und uns einschüchtern“, brummte Jankel.

Beide ärgerten sich dermaßen über die Entschließung, daß sie vor lauter Wut ihre „Idee“ vergaßen.

„Dagegen muß man sich zur Wehr setzen. Sie sollen erkennen, daß wir ein Recht haben, unseren Mund aufzumachen. Wir werden ihnen beweisen, daß sie im Unrecht sind“, rief Jankel hitzig. „Richtig!“ pflichtete ihm Ljonka bei. „Wir müssen den Mund aufmachen. Und seine Meinung überlegt und nachdrücklich vertreten kann man nur durch ein Presseorgan, folglich…“

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