
Informationsplakat des Bundesministeriums für Gesundheit und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.
Bildungs- oder Informationsmaterial von Centers for Disease Control and Prevention (U.S. Department of Health & Human Services).
14 Prozent der Fälle waren schwer (mit Kurzatmigkeit, Sauerstoffsättigung unter 94 % oder Lungeninfiltrate in mehr als der Hälfte der Lunge), aber nicht lebensbedrohlich und bei 6 % war der klinische Verlauf lebensbedrohlich mit Lungenversagen, septischem Schock oder multiplem Organversagen. Außerhalb von Wuhan / Hubei und außerhalb Chinas gibt es einige Beobachtungen, dass der Anteil der milden Verläufe höher als 80 % ist. Der Anteil der schweren Krankheiten hängt auch davon ab, wie die Fälle identifiziert wurden. In 3 % wurden schwere Fälle berichtet, nachdem sie durch Kontaktverfolgung entdeckt wurden. 59Das Durchschnittsalter der chinesischen Erkrankten liegt bei 51 Jahren; rund 78 % der Fälle waren zwischen 30 und 69 Jahren. Unter 20 Jahren sind Patienten mit 2,4 % kaum betroffen. Das Infektionsrisiko in China ist bei Männern und Frauen in etwa gleich. 60
Risikogroppen und schwere Krankheitsverläufe
Grundsätzlich können alle Bevölkerungsgruppen infiziert werden (vgl. sinngemäß 61): Von den Infizierten waren 72 % 40 Jahre alt oder älter und 64 % männlich. 40% der Patienten hatten chronische Erkrankungen wie Diabetes mellitus und Bluthochdruck. Das bestätigt der Bericht der Gemeinsamen Mission WHO-China, die weiterhin Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronische Atemwegserkrankungen und Krebs auflistet. Darüber hinaus haben Menschen über 60 Jahren ein höheres Risiko, einen schweren Krankheitsverlauf zu entwickeln. 62Infizierte Menschen im Alter zwischen 70 bis 79 Jahren versterben noch häufiger als der Durchschnitt. 63Eine Folgestudie zu der ähnlich schweren Viruserkrankung MERS, die hauptsächlich in arabischen Ländern aufgetreten ist und auch die Lunge angreift, identifizierte das Rauchen als Risikofaktor. 64In seiner jüngsten Zusammenfassung zu COVID-19 zieht das Robert Koch-Institut (RKI) die gleiche Bewertung („Risikogruppen für schwere Verläufe“). 65Obwohl schwere Verläufe oft auch bei Menschen ohne Vorerkrankungen 66auftreten, haben die folgenden Personengruppen ein erhöhtes Risiko 61:
Ältere Personen (mit stetig steigendem Risiko für schweren Verlauf ab etwa 50–60 Jahren)
Raucher
Personen mit bestimmten Vorerkrankungen:
des Herzens (z. B. koronare Herzerkrankung),
der Lunge (z. B. Asthma, chronische Bronchitis),
Patienten mit chronischen Lebererkrankungen),
Patienten mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit),
Patienten mit einer Krebserkrankung,
Patienten mit geschwächtem Immunsystem (z. B. aufgrund einer Erkrankung, die mit einer Immunschwäche einhergeht oder durch Einnahme von Medikamenten, die die Immunabwehr schwächen, wie z. B. Cortison).
Kinder jeden Alters sind anfällig für die Krankheit, haben aber wahrscheinlich mildere Symptome und eine viel geringere Wahrscheinlichkeit für schwere Krankheitsverläufe als Erwachsene. Bei den unter 50-Jährigen liegt das Sterberisiko unter 0,5 %, bei den über 70-Jährigen bei über 8 %. 67 , 68Bei einigen Patienten kann COVID-19 eine Lungenentzündung beeinflussen. COVID-19 kann schnell in ein akutes Atemnotsyndrom (ARDS) übergehen, das Ateminsuffizienz, septischen Schock oder Multiorganversagen verursacht. 69 , 70Komplikationen sind Sepsis, abnormale Gerinnung, Schäden an Herz, Nieren und Leber. Blutungsanomalien, insbesondere eine Erhöhung der Prothrombin-Zeit, wurden bei 6 % der Krankenhauspatienten beschrieben, während anormale Nierenfunktion bei 4 % zu finden sind. 71Leberschäden, die sich durch Blutmarker offenbaren sind häufig. 72Viele der sterbenden Menschen haben bereits bestehende Erkrankungen, einschließlich Bluthochdruck, Diabetes mellitus und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. 73Das italienische Istituto Superiore di Sanità berichtete, dass von über 2.000 Todesfällen 99,8 % mindestens eine Vorerkrankung hatten, bei einem durchschnittlichen Patienten sogar 2,7. 74 , 75Die mediane Zeit zwischen Auftreten der Symptome und Eintritt des Todes war acht Tage mit einem Unterschied von einem Tag zwischen Patienten, die auf einer Intensivstation lagen, im Vergleich zu denen, die nicht behandelt wurden. 76In einer Studie über frühe Fälle betrug die mittlere Zeit von der Anzeige der ersten Symptome bis zum Tod 14 Tage, mit einer Bandbreite von 6 bis 41 Tagen. 77In einer Studie der National Health Commission (NHC) in China hatten Männer eine Sterblichkeitsrate von 2,8 %, während Frauen eine Sterberate von 1,7 % hatten. 78Histopathologische Untersuchungen von postmortalen Lungenproben zeigen diffuse Alveolarschäden mit sogenanntem zellulär-fibromyxoiden Absonderungen (Exsudaten) in beiden Lungenhälften. Virale zytopathische Veränderungen wurden in den Pneumozyten, den funktionellen Zellen der Lunge, beobachtet. Das Lungenbild ähnelte dem akuten Atemnotsyndrom (ARDS). Bei 11,8 % der von der Nationalen Gesundheitskommission Chinas gemeldeten Todesfälle wurden Herzschäden und erhöhte Troponinwerte oder ein Herzstillstand festgestellt. 79Die Verfügbarkeit medizinischer Ressourcen und die sozioökonomischen Gegebenheiten einer Region können sich ebenfalls auf die Sterblichkeit auswirken. 80
Derzeit gibt es keine Daten über die Anfälligkeit für SARS-CoV-2-Infektion bei Schwangeren 81: Aufgrund der physiologischen Anpassung und immunologischen Veränderungen während der Schwangerschaft kann eine erhöhte Empfänglichkeit für Infektionen nicht ausgeschlossen werden. 82 , 83In einer Studie mit neun Patienten, die im letzten Drittel der Schwangerschaft an einer SARS-Cov2-Infektion erkrankten, waren alle neun Kinder nach der Geburt per Kaiserschnitt virenfrei. Daraus kam man zum Schluss, dass die Übertragung des Virus nicht im Mutterleib stattfand. 84Zum Schweregrad des Krankheitsverlaufs bei Schwangeren gab es bisher nur wenige Studien, in denen Schwangere mit COVID-19 untersucht wurden. 85 , 86
Es gibt bisher nur sehr wenige Daten zur Wirkung auf ungeborene Kinder, insbesondere keine Langzeitdaten, daher können zu dieser Fragestellung keine verlässlichen Aussagen gemacht werden. Grundsätzlich dürfte hohes Fieber während des ersten Trimenons der Schwangerschaft das Risiko von Komplikationen und Fehlbildungen erhöhen.
Nach bisherigen Studien scheinen die Verläufe bei Kindern eher mild und unspezifisch zu sein. 87Bislang liegen keine Informationen zu Langzeitfolgen von COVID-19 vor.
Unter den gemeldeten Symptomen waren Husten (58 %), Fieber (43 %) und Schnupfen (38 %). 88
Infektiosität und ihre Infektionsdauer
Die Infektiosität beschreibt die Fähigkeit eines Erregers, einen Wirt zu infizieren. Sie ist daher abhängig von der Fähigkeit eines Erregers, in einen Wirt einzudringen und sich zu Vermehren 89: Die Infektiosität wird unter anderem bestimmt anhand der im Labor ermittelten Anzahl neugebildeter Erreger pro Zelle, der minimalen Infektionsdosis und dem sogenannten epidemiologischen R 0-Wert, Basisreproduktionszahl oder Grundvermehrungsrate, des Pathogen. Diese Zahl gibt an, wie viele Menschen eine infektiöse Person im Durchschnitt ansteckt. Der Begriff Kontamination hingegen beschreibt, wie leicht oder schwer ein Erreger auf den verschiedenen für den Erreger typischen Infektionswegen übertragen werden kann. Die Kenntnis der Infektiosität der für eine Krankheit verantwortlichen Krankheitserreger ist wichtig, um abschätzen zu können, wie sich eine Krankheit im Falle eines Ausbruchs verhalten kann und ob hygienische oder krankheitshygienische Maßnahmen (z. B. Quarantäne) erforderlich sein könnten.
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