THEO
Äh … Ach so! Die … äh … Ja, ich würde sagen, dann nehmen wir die zweikreisige, oder?
ANNA
Die kostet dreizehnhundert Euro?!
THEO
Für guten Kaffee.
ANNA
Theo!
HERR KWANT
Sehr gute Wahl, Herr Glass. Gefällt mir. Wenn Sie mir Ihre Kreditkarte geben, kann ich gleich bestellen, dann ist sie übermorgen da.
THEO
Meine … ach so …
Theo holt seine Kreditkarte und gibt sie Herrn Kwant. Herr Kwant geht zu seinem Stuhl und telefoniert.
ANNA
Theo, du spinnst.
THEO
Guck dir das an!
ANNA
Das ist doch viel zu teuer.
THEO
Der bestellt die für uns!
ANNA
Weißt du, wie viel Geld das ist? Und was sollen wir mit so ner Kaffeemaschine. Das schmeckt doch auch.
THEO
Findest du?
ANNA
Hat es bisher immer.
THEO
Ja. Bisher, Anna. Aber jetzt: Jetzt wird alles anders!
II. Klein Pi macht auch Mist
Da ist Herr Kwant. Er macht eine Art Inventur. Er listet alle Gegenstände auf, die er findet, und notiert, wo sie hingehören.
HERR KWANT
Steuerunterlagen 2001 … Picknick-Decke, Erdbeermotiv … Gesamtausgabe Immanuel Kant, ungelesen … ein Vibrator … ohne Batterien … Fahrradhelm … fast wie neu … ein Notizblock … Tube Sekundenkleber …
Irgendwann kommt Anna nach Hause. Sie hat Blumen dabei. Sie sieht Herrn Kwant. Sie nicken sich zu. Sie lächelt. Sie muss genau da hin, wo Herr Kwant gerade ist, weil sie eine Vase für die Blumen braucht.
ANNA
Das haben wir mal als Scherz geschenkt bekommen.
HERR KWANT
Den Fahrradhelm?
ANNA
Nein, den … das da. (Sie zeigt auf den Vibrator.)
Habe ich nie benutzt. Den Fahrradhelm auch nicht, aber … (Sie nimmt eine Vase.)
Ist mir meine Frisur zu schade. Theo nicht da?
HERR KWANT
Herr Glass verlässt im Moment sein Büro.
ANNA
Dass er Sie nicht mitgenommen hat. Der könnte Sie gut brauchen.
HERR KWANT
Und Sie nicht?
ANNA
Im Blumenladen?
HERR KWANT
Das sind Astern.
ANNA
Das weiß ich selber.
HERR KWANT
Ein ersoffener Bierfahrer wurde auf den Tisch gestemmt. Irgendeiner hatte ihm eine dunkelhelllila Aster zwischen die Zähne geklemmt.
ANNA
Was?
HERR KWANT
Als ich von der Brust aus unter der Haut mit einem langen Messer Zunge und Gaumen herausschnitt, muss ich sie angestoßen haben, denn sie glitt in das nebenliegende Gehirn.
ANNA
Iih!
HERR KWANT
Ich packte sie ihm in die Brusthöhle zwischen die Holzwolle, als man zunähte. Trinke dich satt in deiner Vase! Ruhe sanft, kleine Aster!
ANNA
Oh Gott.
HERR KWANT
Ja. Gottfried Benn. Kleine Aster.
ANNA
–
HERR KWANT
Nehmen Sie die Vase. Die kippt Ihnen nicht um. (Er gibt Anna eine größere Vase.)
ANNA
Machen Sie das doch.
HERR KWANT
Klar.
ANNA
Ich brauche Sie trotzdem nicht.
HERR KWANT
Schon okay.
Herr Kwant nimmt ihr die Vase und die Astern ab. Füllt Wasser in die Vase usw. Anna holt sich eine Cola. Herr Kwant stellt den fertigen Strauß hin.
HERR KWANT
Wenn Sie wirklich schwanger werden wollen, sollten Sie Ihren Koffeinkonsum einschränken und ein bisschen auf Ihre Figur achten.
ANNA
Bitte!?
HERR KWANT
Zehn bis zwanzig Minuten am Tag reichen, und Sie kommen wieder in Form.
ANNA
Ich bin in … Wer sagt denn, dass ich schwanger werden will?
HERR KWANT
Die Folsäuretabletten? Im Bad?
ANNA
Das geht Sie überhaupt nichts an!
HERR KWANT
Trinken Sie lieber was mit Eisen. Rotebeetesaft zum Beispiel. Die Firma Rüders macht/
ANNA
Lassen Sie mich einfach in Ruhe, ja.
HERR KWANT
Ich wollte/
ANNA
Kümmern Sie sich um Ihren eigenen Scheiß.
HERR KWANT
Meinen …? Das …
Herr Kwant versteht nicht. Er überlegt, ob Anna will, dass er sich mit seinen Exkrementen beschäftigt? Er schüttelt den Kopf und steht dann einfach nur da. Anna trinkt Cola.
ANNA
Sagen Sie mir mal die Zahl Pi.
HERR KWANT
–
ANNA
Die kennen Sie doch, oder?
HERR KWANT
Ja.
ANNA
Also. Ich höre!
HERR KWANT
(holt ein Blatt Papier hervor) 3 Komma 1 4 1 5 9 2 6 5 3 5 8 9 7 9 3 2 3 8 4 6 2 6 4 3 3 8 3 2 7 9 5 0 2 8 8 4 1 9 7 1 6 9 3 9 9 3 7 5 1 0 5 8 2 0 9 7 4 9 4 4 5 9 2 3 0 7 8 1 6 4 0 6 2 8 6 2 0 8 9 9 8 6 2 8 0 3 4 8 …
(Theo kommt nach Hause.)
… 2 5 3 4 2 1 1 7 0 6 7 9 8 2 1 4 8 0 8 6 5 1 3 …
THEO
Was ist denn mit dem los?
HERR KWANT
… 2 8 2 3 0 6 6 4 7 0 9 3 8 4 4 6 …
ANNA
Ach, Theo?
THEO
Anna?
HERR KWANT
… 0 9 5 5 0 5 8 2 2 3 1 7 2 5 3 5 9 4 0 8 …
THEO
Was macht der? Herr Kwant?
HERR KWANT
… 1 2 8 4 8 1 1 1 7 4 5 0 2 8 4 1 0 2 7 0 1 9 3 8 5 2 1 1 0 5 5 5 9 6 4 4 6 2 2 9 4 8 9 5 4 9 3 0 3 8 …
THEO
Anna, was hast du mit dem gemacht? Herr Kwant. Herr Kwant! Stopp! Sie können aufhören.
HERR KWANT
… 1 9 6 4 4 2 8 8 1 0 9 7 5 6 6 5 9 3 3 4 4 6 1 2 8 4 …
THEO
Halt!
HERR KWANT
… 7 5 6 4 8 2 3 3 7 8 …
THEO
Aus! Ruhe! Herr Kwant!
Theo ohrfeigt Herrn Kwant. Herr Kwant hört auf, die Zahl Pi vorzulesen.
HERR KWANT
Ich bin aber noch nicht ganz fertig.
THEO
Tu so etwas nie wieder, Anna! Hatte schon Schiss, dass er sich aufhängt.
III. Auf Arbeit mit dem Herrn Kwant
THEO
Ja, also das ist das Internationale Institut des allgemeinen Wissens.
HERR KWANT
Ich weiß.
THEO
Sie … Ach so. Jedenfalls ist das mein Arbeitsplatz. Das sind meine aktuellen Projekte. Das sind meine Stifte. Sie können die Tasche da drüben hinstellen. Ich bin/
HERR KWANT
Senior Enzyklopädist Theo Glass. Abteilung römisch drei: Eh bis Jott. Unbefristet angestellt seit sieben Jahren, Bruttogehalt 3289 Euro.
THEO
Ach, das wissen Sie auch?
Herr Kwant hält ein Papier hoch.
HERR KWANT
Hab mir Ihren Arbeitsvertrag mal angesehen.
THEO
Sie haben … Okay, dann …
HERR KWANT
Die Überstundenregelung ist übrigens kurios. Sollten Sie mal nachhaken.
THEO
Ich dachte, ich gebe Ihnen eine kurze Einführung …?
HERR KWANT
Brauche ich alles nicht. Sie sagen mir einfach, was ich tun soll, und ich tu es.
THEO
Ja.
–
THEO
Das weiß ich jetzt auch nicht …
HERR KWANT
Kein Problem.
THEO
Vielleicht, wenn Sie erst mal da warten und mich arbeiten lassen.
HERR KWANT
Gefällt mir.
THEO
Bisschen weiter drüben. Danke.
Theo geht an seinen Arbeitsplatz, ordnet seine Unterlagen, nimmt einen Stift.
THEO
Ah, und sagen Sie mir doch bitte, wenn es 12 Uhr 30 ist.
HERR KWANT
12 Uhr 30. Mache ich.
THEO
Dann ist Mittagspause.
Herr Kwant nickt. Theo fängt an zu arbeiten.
THEO
Wollen Sie vielleicht einen Stuhl?
HERR KWANT
Nicht nötig.
(Theo arbeitet. Sieht ab und zu zu Herrn Kwant.)
Vergessen Sie mich einfach. Ich bin gar nicht da.
Theo nickt. Arbeitet. Dann.
THEO
Das mit Anna und Pi und … gestern Abend tut mir leid.
HERR KWANT
Schon okay.
THEO
Ich werde Sie jetzt immer mitnehmen, dann … Sie ist da …
HERR KWANT
Alles gut.
THEO
Ja. (Theo arbeitet. Irgendwann.) Also ich bin gerade bei F. Genauer bei Fang, F-A-N-G. Ich habe jetzt … Ich lese Ihnen das mal vor. Ist das in Ordnung?
HERR KWANT
Gerne. Gefällt mir.
THEO
Gut. Also: „Bei Fang handelt es sich um einen afrikanischen Volksstamm, eigentlich sogar um eine Ethnie Zentralafrikas, die hauptsächlich auf den Staatsgebieten von Äquatorialguinea, 80%, Gabun, 11,5%, und im südlichen Kamerun, 12% der Bevölkerung, leben.“ Das ist noch ein bisschen ungeschickt formuliert, aber … das wollte ich eigentlich heute abgeben. Wenn ich es fertig habe, können Sie es zu den Alphabetikern zur Einordnung hochbringen. Wäre das okay?
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