Nor honn eich moh Luftballons draan uffgehonk
Unn mit de Fletsch dann abgeschoß.
De Baam steht ganz allän uff de Wies,
Er gehört eigentlich gar nitt dohien.
Awer eich honn en wachse gesiehn,
Unn mit de Zeit war er größer wie eich.
Nau bau eich mer en Haus
Do hinne uff de Wies.
Nau komm eich in Bredullje,
De Baam steht mer im Weech.
De Baam is ganz gewöhnlich,
noch nitt emoh extra schön.
De Baam is mein.
De Baam bleibt stehn.
Kapitel B:
Wie se schwetze, so sinn se, Hunsrücker Leit.
Us Dorf
In usem Dorf, in usem Dorf
Do ware lauter Bau’re
Mit bisje Vieh, mit bisje Feld
Unn enge hohe Schau’re
Im ganze Dorf, im ganze Dorf
Do horr-et frisch geroch
Noh Mischthaaf, Gaul unn fette Säi
verworscht mit Knuweloch
Am Enn vum Dorf, am Enn vum Dorf
Hot’s neilich bees gestunk
Die honn do so en nählich Brie
Die is wie Schwefeltunk
Am Enn vum Dorf, am Enn vum Dorf
Leit en gewaltig Werik
Das fillt us nou es Portmannee
Unn micht die Nas us starik
Nitt weit vum Dorf, nitt weit vum Dorf
Stehn lauter neie Häiser
Mit Goldbeschläch unn Silwerglas
Am Rase proper Reiser
Die Mitt vum Dorf, die Mitt vum Dorf
Is hout jo ganz modern
Mit Mehrzweckhall unn Gastlichkät
For Leut aus Noh und Fern
Im Eck vum Dorf, im Eck vum Dorf
En Spielplatz hom-mer aach
Die Kinner such mer weile doch
Do sinn kän all die Daach
Das ganze Dorf, das ganze Dorf
Beguckt en Kommission
Unn säht was schön soll sin
Medallich is de Lohn
In usem Dorf, in usem Dorf
Noh paar so hählich Fau’re
Do sinn nou als die Arweter
Beamte unn kä Bau’re
Restposte
Die folgende Szene mag sich vor gut drei Jahrzehnten so oder so ähnlich abgespielt haben.
Stellen wir uns also vor:
Ein alter Hunsrücker, alt gleich im doppelten Sinn des Wortes, also einer, wie man ihn sich gemeinhin vorstellt: wettergegerbtes, faltiges Gesicht, Pfeife im Mundwinkel, Schirmmütze auf dem Kopf, schlurfender Gang, wortkarg, aber im Ausdruck schnörkellos direkt, so einer hat mal wieder in der Stadt zu tun.
Er betritt ein Textilcenter. Dort war er bereits Stammkunde gewesen, als an dieser Stelle noch ein kleiner, kaum mehr als kammergroßer Laden war.
Er ist nicht zum ersten Mal dort, doch an die neue Größe und Ordnung kann (und will) er sich (vielleicht) nicht recht gewöhnen. Es fällt ihm schwer, sich in den Gängen zurechtzufinden. Mehrmals muss er fragen, entsprechend ist seine Laune, als er endlich die Abteilung gefunden hat, die er sucht.
Ein nach neuester Mode gekleideter junger Verkäufer spricht ihn an: Guten Tag, der Herr, womit kann ich Ihnen behilflich sein?
Hunsrücker: Eich brauch en Bux unn en Wammes!
Verkäufer: Wenn Sie einen preiswerten Anzug suchen, wir haben da gerade ein sehr günstiges Angebot, wenn Sie mir …
Hunsrücker: Noh ’me Anzuch honn eich nitt gefroht. Wäßt dou nimmee, was en Bux unn e Wammes is?
Verkäufer: Ah, ich verstehe, Sie möchten eine Kombination haben. Darf ich fragen, zu welcher Gelegenheit Sie sie tragen möchten, wissen Sie …
Hunsrücker: (fällt ihm erneut ins Wort) Schwetz doch kä Repp, eich ziehe mich morjens aan unn omends aus.
Verkäufer: (lächelt nun etwas verlegen, weiß wirklich nicht, was der Alte will.) Schauen Sie bitte mal hier? Welche Farbe hatten Sie sich denn vorgestellt?
Hunsrücker: (betrachtet kurz die Reihe Hosen vor ihm) Host de kä Leine- ore Manschesterbuxe do?
Verkäufer: (ist jetzt leicht verärgert, aber auch froh über die Gelegenheit, den unbequemen Kunden loszuwerden.) Wie Sie wünschen, der Herr, dort drüben finden Sie unsere Auswahl an Cordhosen. Dort können Sie in Ruhe wählen. Bitte bedienen Sie sich. (Er lässt den Mann stehen, wendet sich einem neu angekommenen Kunden zu.)
Hunsrücker: ( trottet zum angegebenen Ständer und nimmt, ohne näher hinzusehen eine Hose in die Hand, verheddert sich aber mit dem Klemmbügel, an dem die Hose hängt. Nach mehreren vergeblichen Versuchen ruft er:) Dou! Komm moh her! Mach mer moh die Klemm do uff, eich kriehe die Bux jo nitt ab lo! – Kennt jo aach gleich es Gescherr aanbinne!
Verkäufer: (kommt eine Spur zu langsam heran) Bitte sehr! Aber die Hose ist Ihnen sicher zu klein. Welche Größe haben Sie denn, wissen Sie das zufällig?
Hunsrücker: Wie, wat, was for Größ? E Meter achtzich, siehst de das nit?
Verkäufer: (lächelt mitleidig, sucht eine andere Hose) Probieren Sie die doch mal an. Dort drüben ist die Kabine.
Hunsrücker: (blickt in die angegebene Richtung und wieder den Verkäufer an, nimmt die Hose zur Hand) Mach so kä Ferz, vor was dann! Lo guck, so micht mer das! (Er misst die Beinlänge mit der Armspannweite, indem er die Hosenbeine am Aufschlag fasst und spreizt.) Siehst de, se passt! Warum nitt gleich so?! Eich nemme se.
Verkäufer: Kommen Sie dann bitte mit zur Kasse?!
Hunsrücker: Mach moh langsam! Sah, was soll se dann koste, eich will jo aach noch e Wammes honn.
Verkäufer: Diese Hosen sind um 20 Mark herabgesetzt und kosten jetzt 50 Mark.
Hunsrücker: Fufzich Mark? Dou bist verrickt! – Meh wie 40 kriehst de nitt!
Verkäufer: Tut mir sehr leid, der Herr, aber unsere Preise werden von der Direktion festgesetzt. Ich kann Ihnen da leider nicht helfen.
Hunsrücker: (mit leiser Resignation) Aanstännich hannele kannst de aach nitt. Komm, pack se in. (Während er mit dem Verkäufer zur Kasse geht:) Kam-ma die Bux noch emoh umtausche?
Verkäufer: Leider nein, dies sind Restposten und daher vom Umtausch ausgeschlossen.
Hunsrücker: So?! Wäßt de was, dann kannst de deine Krempel behalle!
(Er dreht sich abrupt um, wendet sich zum Ausgang. Kopfschüttelnd:) Wenn das de alt Matthes noch erlebt hätt!
Epilog:
Inzwischen ist unser Hunsrücker verstorben. Das ist auch ein Grund, weswegen er nicht wieder kommt.
Selbst der Verkäufer ist in die Jahre gekommen. Vor einiger Zeit wurde ihm bewusst, dass er wieder Mundart spricht, und sieht darin keine Ursache mehr, warum es ihn Mühe kostet, sich in der Welt zurechtzufinden. Er bedauert es nun, dass seine Kinder in der Mundart nicht bewandert sind und ist einer Vereinigung zur Rettung der Mundart beigetreten.
Maije
Personen: Er und Sie, beide schon im etwas fortgeschritteneren Alter.
Ort: Das Wohnzimmer, die gute Stube der Frau
Die Szene funktioniert ohne jede Dekoration – am besten als Hörspiel.
Es ist Sonntagnachmittag. Er und Sie sitzen am gedeckten Kaffeetisch.
Also, Eva, eich wäß gar nitt, wie eich der das awei sahn soll. Guck emoh, eich komme schun so lang bei deich maije. Awer beim Kaffi trinke krieht mer aach als Appetit, ebbes ze esse.
Unn eich will emoh so sahn: Mer zween, mer honn jo doch schun so allerhand im Lewe mitgemach. Mer sinn jo nou schun alle zween so bisje zwische knusprich unn zäh. Unn so klä bisje hört mer jo doch noch vum Lewe ze honn. Unn do daacht eich, werd’s dann doch emoh Zeit, dass eich der das emoh sahn.
Eich män, dass eich for deich ebbes iewerich honn, eich män, das wäßt de.
Unn wenn dou, eich män, wenn dou meich aach so klää bisje maast –
Sah, solle mer nitt es Friehjohr die Krumbeere mitsamme ins selwe Stick setze?
Eine Antwort der Frau ist in dieser Szene nicht vonnöten.
Sachen sprachen
Ich war in Urlaub und besuchte, wie ich das gern tue, das Heimatmuseum. »Genau wie bei us«, war mein erster Gedanke. Vorn am Eingang stand ein hölzerner Wagen. »Och, en Pluchskarre«, dachte ich und erinnerte mich, wie ich mit Opa zusammen auf dem Bock in den Acker und nach Hause gezockelt war. Bei Opa hatten es die Kühe gemütlich, nie trieb er sie mit der Peitsche an. Ich strich mit der Hand über das Holz, da kam aus dem Wagen eine Stimme: »Fahre mer in de Acker? Lad de Pluch uff, häng es Sielschäd in, hul die Lein unn die Geischel unn spann die Lies aan!«
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