Hilde Link - Indisches Drama

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Wie erlebt eigentlich eine Ethnologin ihre Feldforschung? Unter welchen Umständen werden die Daten gesammelt, die später in geordneter Form, z.B. in einem Buch, präsentiert werden? Hilde Link erzählt von der chaotischen Welt Indiens, in der sie fast zwei Jahre das sakrale Theater auf den Dörfern in Tamilnadu (Südindien) erforschte. Vor den Tempeln verschiedener Gottheiten werden des Nachts die großen indischen Epen szenisch umgesetzt – von professionellen Schauspielern oder Laien-Darstellern –, begleitet von Ritualen am Tag. Die Autorin berichtet von Nöten und Freuden im Alltag mit zwei kleinen Kindern, von interkulturellen Missverständnissen, von Liebe und Gewalt. Sie vermittelt damit ein vielschichtiges Bild vom Leben auf dem indischen Dorf.

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Das Dorf, in dem wir Schauspieler zu finden hofften, war natürlich nicht „ganz in der Nähe“, sondern nach mehrstündiger Fahrt immer noch nicht in Sicht. Nach einer halben Stunde Hauptstraße bogen wir ab und fuhren auf endlosen einspurigen Wegen dahin. Die Hitze und der Gestank im Auto waren wegen der langsamen Fahrt und des damit verbundenen Mangels an frischer Luft eine ausgesprochen unglückselige Verbindung eingegangen. Hielt ich den Schal vor Mund und Nase, wurde mir wegen Sauerstoffmangels schwindelig. Atmete ich ganz normal, wurde mir ebenfalls schwindelig. In kurzen Abständen ließ ich anhalten. Sollten die doch denken, was sie wollten, schließlich war ich keine indische Frau. Abseits des Autos setzte ich mich auf die heiße Erde, sobald Schlangen, Skorpione und sonstiges Getier Reißaus genommen hatten, und genoss für ein paar Minuten die grandiosen Aussichten auf das weite, flache Tamil-Land mit seiner roten Erde. Ich nahm mir vor, einen Bildband herauszugeben mit dem Titel: „Die schönsten Pinkelplätze Südindiens.“

Irgendwann am Nachmittag waren wir in der Nähe von Kanchipuram, mitten in der Pampa. Shivan machte den Vorschlag, wir sollten einkehren. Geschickt steuerte Ganeshan das Gefährt in die Nähe eines Tempels, wo unter einem Palmblatt-Verschlag Bananenblätter mit einem scharfen Reisgericht für ausgehungerte Pilgerreisende dargeboten wurden. In meiner Kultur isst man nicht mit den Fingern, und so stellte ich mich wegen mangelnder Übung dementsprechend dämlich an. Aber immerhin war es mir gelungen, den einen oder anderen Happen des Spinat-artigen Gemüsereises außer auf meinen Punjabi Dress und den Tisch auch in den Mund zu befördern. Die Speise war höllenscharf, was mir egal war, Hauptsache überhaupt was zu essen. Endlich hatte ich alles brav aufgegessen, meine Mutter wäre stolz auf mich gewesen, da kam ein alter Mann mit einem Kübel und schüttete mit Hilfe einer halben Kokosnussschale Rasam, das ist eine Art klare Suppe, auf das Bananenblatt. Dieses scharfe Gewürzwasser wird zusammen mit den restlichen Reiskörnern des Hauptgerichtes mit der flachen Hand verrührt, die Finger werden zu einer Art Löffel geformt, und schon kann der Tamile (die Tamilin natürlich auch) die Brühe mit lautem Schlürfen zu sich nehmen. Die Sache war mir keinen Versuch wert. Nicht dass ich etwa anderen Kulturen unaufgeschlossen gegenüberstehen würde, sowas darf man von mir nicht denken, aber ich habe mich über all die Jahre hindurch, die ich noch in Indien arbeiten sollte, konsequent geweigert, mir diese Tischsitte anzueignen, nämlich mit den Fingern Suppe zu essen, nachdem man zuvor die ganze Hand darin gebadet hat. Den linken Ellbogen auf den Tisch zu stemmen und die linke Hand lässig herabhängen zu lassen hingegen schon. So kommt man nicht in Versuchung, mit der linken, der unreinen Hand (Toilettenpapier ist in Indien unhygienisch) Nahrungsmittel zu berühren. Wie oft musste ich meine Kinder bei Einladungen in Indien ermahnen: „Ellbogen auf den Tisch!“

In den restlichen zwanzig Minuten der Fahrt, Essen stärkt ja bekanntlich die Nerven, rief ich nur noch ab und zu „Careful!!!“ Dem Ziel nahe, quälte ich mich mit dem Gedanken, von dem wohl jeder Ethnologe zu Beginn seiner Arbeit „im Feld“ geplagt wird, nämlich: Wie werde ich aufgenommen? Wollen die Leute mich überhaupt dabeihaben? Werden sie mich als Eindringling sehen? Nehme ich womöglich Einfluss auf das kulturelle Geschehen? – Das schlimmste Verbrechen, dessen sich ein Ethnologe schuldig machen kann. Verändere ich gar allein durch meine Anwesenheit den Ablauf der Dramen? Was übrigens, dies sei schon jetzt gesagt, so war: Die Darsteller erfanden originelle Einlagen, in denen eine weiße Frau mit Kladde unruhig auf ihrer Sitzmatte herumzappelt, weil ihr dauernd die Beine einschlafen, die mit der Videokamera nicht zurechtkommt und die immerzu Tee trinkt, um wach zu bleiben. Ganzen Dörfern bleibe ich in lustiger Erinnerung. Man gibt ja gerne was zurück, wenn man was bekommt. Auf eine Gabe folgt eine Gegengabe.

Shivans Ankündigung, dass wir gleich da seien, ließ mich nervös in meiner Tasche kramen und die fertig frankierten, mit meiner Adresse beschrifteten Postkarten suchen. Waren sie auch wirklich dabei? Werden die Schauspieler sie überhaupt annehmen, Ort und Datum ihrer Vorführungen darauf notieren und die Nachricht an mich schicken? Werden sie die Karten auch an ihre Kollegen verteilen? Vor meinen Augen sah ich ein Netz, ein Spinnennetz, gesponnen von den Schauspielern, jeder Knoten eine Aufführung.

Aus lauter Angst vor einer Abweisung konnte ich mich kaum noch auf den Verkehr konzentrieren. Offensichtlich lässt die menschliche Psyche nicht mehrere Ängste gleichzeitig zu und setzt automatisch Prioritäten. Der Straßenverkehr war mir plötzlich egal.

Ganeshan bog beherzt, ohne die Handbremse zu ziehen – er hatte den Wagen wirklich voll im Griff –, von der einspurigen „Hauptstraße“ in eine sandige Nebenstraße und ließ das Auto genau vor dem Haus ausrollen, in dem seine Schauspielerbekannten wohnten. Vor lauter Aufregung hatte ich feuchte Hände. Wie gut, dass man sich in Indien nicht die Hand gibt. Drei ernst dreinblickende Männer in Lunghi und Unterhemd kamen auf das Auto zu und falteten die Hände vor der Brust zum Gruße. Wir befreiten uns aus den klebrigen Sitzen und grüßten ebenso. Ganeshan stellte uns die Schauspieler Dakshinamurti, Devan und Babu vor und beteuerte ihnen eifrig, dass wir ungeheuer bedeutende und wichtige Leute von der Universität seien und dass diese weiße Frau da extra ihretwegen angereist sei, aus einem Land weit, weit weg. Die Männer musterten mich aufmerksam. Ich glaube, sie wussten nicht so recht, was sie von dem Ganzen halten sollten. Mein bettelnder Blick, am liebsten hätte ich wie ein Kleinkind, das Schokolade will, „bitte, bitte“ gesagt, schien sie dazu zu bewegen, mich zu empfangen und uns sogar zu einem Tee einzuladen. Ganeshan hatte seine Mission erfüllt und verschwand mit dem Beifahrer im Nachbarhaus bei seinen Verwandten.

Wir stellten unsere Schuhe draußen ab und betraten den kleinen Vorraum des traditionell gebauten Hauses mit einem Innenhof. Eine ältere Frau im einfarbigen, dunkelgrünen Sari mit schmaler Goldborte begrüßte uns freundlich. Sie hieß Kamala und war, so würde man das bei uns etwas altmodisch sagen, die Dame des Hauses. Ihre schwarzen Haare hatte sie zu einem strengen Knoten zusammengebunden und mit Jasminblüten geschmückt. An den zahlreichen Armreifen, den schweren Ohrsteckern, dem fein gearbeiteten Nasenschmuck, alles aus Gold, konnte ich sehen, dass Kamalas Eltern ihr eine ordentliche Mitgift gegeben hatten und dass ihr Mann, der offensichtlich lebte, diese nicht versoffen hatte.

Man hört und liest immer wieder, die indische Frau habe nichts zu sagen und sei dem Mann untertan. Das stimmt zwar in der Regel für junge, verheiratete Frauen, nicht aber für ältere Frauen mit Söhnen, denn diese genießen ein hohes gesellschaftliches Ansehen. Das Problem ist, dass es nur wenige Frauen bis zu dieser Lebensphase schaffen. Mädchen werden oft schon nach der Geburt umgebracht oder bei Krankheit vernachlässigt, weil ihr Vater schon zu diesem Zeitpunkt weiß, dass er eine Mitgift nicht wird aufbringen können.

Frau Kamala jedenfalls hatte es geschafft – fünf Söhne sind eine sichere Kletterhilfe –, den Gipfel des sozialen Ansehens zu erklimmen. Sie begleitete uns in den Atrium-Innenhof des Hauses. Es war relativ kühl unter dem von geschnitzten Holzsäulen gehaltenen Ziegeldach, das wie der Kreuzgang eines Klosters den besonnten, freien Innenhof umgab. Wir wurden gebeten, auf Eisenstühlen Platz zu nehmen. Eine junge Frau mit duftenden Jasminblüten im hüftlangen Zopf und grell-buntem, blau-rosafarbenen Blumensari, vermutlich eine von Frau Kamalas Schwiegertöchtern, brachte uns Tee. Mit anmutigen Bewegungen stellte sie die Edelstahlbecher auf dem Holztisch ab, lächelte freundlich und ging. Die drei Schauspieler setzten sich zu Shivan und mir, Frau Kamala blieb stehen und wollte wissen, ob ich Söhne hätte. „Zwei Töchter!“, sagte ich mit dem Stolz der Mutter, woraufhin mir Frau Kamala ihr tiefstes Beileid bekundete und mich mit einem mitfühlenden Blick bedachte, bevor sie sich diskret zurückzog. Kinder scharten sich um unseren Tisch, beobachteten uns neugierig und kicherten verlegen.

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