Tomas Espedal - Gehen

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Gehen, um zu verstehen
Ein Mann verlässt seine Frau, sein Kind, sein Haus. Er beschließt zu gehen, das Leben eines Landstreichers zu führen, und macht sich auf den Weg, der ihn zu sich selbst bringen soll. Er scheitert, trinkt, beginnt von Neuem. Den Leser nimmt er mit auf diese delirierenden, existenziellen und besessenen Reisen zu Fuß von Norwegen durch Deutschland nach Frankreich, nach Griechenland, durch ein Europa der Kunst, der Mythen, der Städte. Bestimmt vom Rhythmus harten Gehens, von der Dunkelheit der Trunkenheit und der vollständigen physischen Erschöpfung, tritt er in Dialog mit Rousseau, Rimbaud, Satie, Giacometti, Heidegger und erlebt ein Abenteuer des Denkens: Mit nichts als sich selbst, ganz auf sich zurückgeworfen, was bleibt, wer ist man?
Von der norwegischen Öffentlichkeit begeistert aufgenommen, ist Gehen ein hochkonzentrierter Text zwischen Roman, Essay und Reportage, den Paul Berf präzise und rhythmisch ins Deutsche übertragen hat.

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Ein Beruf. Langsam wird es Zeit. Du stehst mitten im Leben, bald ist es zu spät, wenn du nicht heute oder morgen die Chance ergreifst, oder jedenfalls bevor du es dir anders überlegst, ist der Zug abgefahren, oder der Bus, und du wirst dastehen wie ein Sonderling, ein Idiot; ein Mann, für den man in einer Firma oder einem Unternehmen nie und nimmer einen Platz findet.

Aber welcher Beruf? Journalist? Rechtsanwalt? Werbefachmann? Verkäufer? Nein, all das ist nicht nur unmöglich, es ist auch unerträglich: zu viel Geld, zu wenig Skrupel und schlechte Moral. Es gibt zu viele unmoralische Berufe! Aber was ist mit Briefträger, Busfahrer, Lehrer? Nein, du musst doch einräumen, dass diese Berufe dir nicht zusagen, so wie du nie auch nur die geringste Lust verspürt hast, Schauspieler, Politiker oder Redakteur zu werden. So weit waren wir schon. Die Wahrheit lautet, du hast Lust auf einen Beruf, aber es gibt keinen Beruf, auf den du Lust hast.

Was machst du jetzt? Du denkst nach. Du beginnst von Neuem, an einer anderen Stelle: Du beginnst mit der Lust. Worauf hast du Lust? Was tust du am liebsten? Und lässt sich daraus ein Beruf machen? Ja, selbstverständlich. Wer gerne denkt, setzt alles daran, sich Philosoph zu nennen. Wer gerne schreibt, setzt alles daran, sich Schriftsteller zu nennen. Aber ein Schriftsteller bist du bereits, und auf dem Gebiet der Philosophie hast du keinerlei Ambitionen. Außer Schreiben und Denken magst du es, zu gehen. Daraus müsste sich doch ein Beruf machen lassen: ein Vagabund. Herumtreiber. Landstreicher. Wandersmann. Zu allen Zeiten hat es solche Herumtreiber gegeben. Heutzutage ist es allerdings ein würdevoller Beruf, vom Aussterben bedroht. Jedenfalls im Wohlfahrtsstaat Norwegen. Und du denkst: Irgendjemand muss diesen Beruf bewahren. Irgendjemand muss sich dafür verantwortlich fühlen. Jemand muss diese Freiheit, diesen Stolz retten, diesen Beruf und diese Würde wiederherstellen, ja, du willst ein Wandersmann werden.

9

Was schrieb D. H. Lawrence? »Die offene Straße. Die große Heimat der Seele ist die offene Straße. Nicht der Himmel, nicht das Paradies. Nichts ›darüber‹. Nicht einmal etwas ›darin‹. Die Seele liegt weder ›darüber‹ noch ›darin‹. Sie ist ein Wanderer auf der offenen Straße. Nicht durch Meditation. Nicht durch Fasten. Nicht indem sie einen inwendigen Himmel um den anderen erforscht, nach Art der großen Mystiker. Nicht durch Begeisterung. Nicht durch Ekstase. Auf keinem dieser Wege bekommt die Seele ihr angestammtes Recht.

Nur indem sie sich auf die offene Straße begibt.

Nicht durch Nächstenliebe. Nicht durch Opfermut. Nicht einmal durch Liebe. Nicht durch gute Werke. Auf diese Weise verwirklicht sich die Seele nicht. Nur auf der Reise entlang der offenen Straße.

Es ist die Reise selbst, entlang der offenen Straße. Für jede Berührung offen. Auf zwei langsamen Füßen. Allem begegnend, was auf der offenen Straße einherkommt. Gemeinsam mit jenen, die im selben Tempo auf derselben Straße dahintreiben. Ohne Ziel. Immer die offene Straße.«

Dieser höchst feierliche Lobgesang wird von der Philosophie bekräftigt. Søren Kierkegaard schrieb: »Vor allem, verliere nie die Lust zu gehen. Jeden Tag gehe ich mich in einen Zustand des Wohlbefindens, und gehe fort von jedweder Krankheit; ich bin zu meinen besten Gedanken gegangen, und ich kenne keinen Gedanken, der so bedrückend wäre, dass man ihn nicht gehend hinter sich lassen könnte. Aber indem man stillsitzt, kommt man dem Gefühl umso näher, krank zu sein.« Und Ludwig Wittgenstein notierte 1937 in seinem Tagebuch: »Das Christentum sagt: Du sollst hier (in dieser Welt) – sozusagen – nicht sitzen, sondern gehen. Du musst hier weg; & sollst nicht plötzlich weggerissen werden, sondern tod sein, wenn dein Körper stirbt. Die Frage ist: Wie gehst du durch dies Leben? – (Oder: Das sei deine Frage!) – Denn meine Arbeit, z. B., ist ja nur ein Sitzen in der Welt. Ich aber soll gehen & nicht bloss sitzen.«

Schon Aristoteles griff eine griechische Tradition auf, die Denken und Gehen vereinte. Aristoteles ging und dozierte in den Säulengängen im Lykeion, die Schüler dieser Schule wurden Peripatetiker genannt, vom griechischen Peripatos: Wandelgang. Die Sophisten gingen von Stadt zu Stadt und lehrten Rhetorik. Wir wissen von den Spaziergängen eines Sokrates, innerhalb und außerhalb der Stadtmauern, er liebte es, zu gehen und zu reden, zu flanieren und sich zu unterhalten, doch wenn er wirklich in Gedanken versank, hielt er inne, manchmal blieb er lange stehen, einmal rührte er sich eine ganze Nacht nicht von der Stelle. Die Stoiker erhielten ihren Namen nach einem Säulengang in Athen; die Stoa, ein Gehweg, auf dem sie promenierten und diskutierten. Die Verbindung von Denken und Gehen wurde also von der Philosophie etabliert: Immanuel Kant machte täglich nach dem Mittagessen einen Spaziergang durch Königsberg. Wir erinnern uns an Nietzsches Aussage, er setze wenig Vertrauen in die eigenen Gedanken, wenn sie nicht an frischer Luft, auf einem Spaziergang gedacht worden seien. Doch auch die Dichter gingen und schrieben über das Gehen, wir wissen, dass Dante in die Irre ging, Die göttliche Komödie ist eine Wanderung, eine christliche Fortsetzung von Orpheus’ Abstieg in die Unterwelt, ein Mythos, der wiederum bei den Poeten Widerhall fand. Gerade die Dichter haben sich häufig auf den Weg gemacht. Denken wir nur an Hölderlins Wanderungen, an Wordsworths und Coleridges Spaziergänge im Lake District und durch Europa, an Rimbauds frenetische Märsche fort von seinem Heimatdorf, an A. O. Vinjes zahlreiche Ausflüge ins Gebirge. Charles Baudelaire war ein Stadtwanderer, der Vater aller Flaneure (man erzählt sich, dass Baudelaire auf den Straßen in der Nähe des Mietshauses, in dem er wohnte, oft im Nachtgewand beobachtet wurde, er spazierte im Pyjama durch die Straßen und demonstrierte so, dass er draußen zu drinnen gemacht hatte; ihm muss der Gedanke gefallen haben, die Straßen sein Zuhause zu nennen. Zugleich wird berichtet, dass die Wohnung des Dichters den Anschein erweckte, außerhalb des Hauses zu liegen, Leute kamen und gingen, die Räume waren pausenlos von Freunden und Unbekannten bevölkert, Frauen und Männern, zu allen Tages- und Nachtzeiten, und Baudelaire muss der Gedanke gefallen haben, dass er seine Wohnung in eine Straße verwandelt hatte), und in unserer Zeit gibt es kaum einen Schriftsteller, der so viel und so weit gegangen ist wie Bruce Chatwin. Sein ganzes schreibendes Leben träumte er davon, ein Buch über die Nomaden zu schreiben, und in einer der Notizen zu seinem geplanten Hauptwerk weist Chatwin darauf hin, dass das englische Wort für reisen, to travel, gleichen Ursprungs ist wie das französische travail, also: Arbeit.

Ein Beruf. Endlich. Mit Bruce Chatwin ist das Gehen zu einer Arbeit geworden, denke ich; es erfordert keine Bewerbung, keine Zeugnisse, man macht sich einfach auf den Weg, zur Tür hinaus, jederzeit, geradeaus, in irgendeine Richtung, die offene Straße hinab, auf zwei langsamen Füßen. So einfach kann es doch nicht sein. O nein. Lasst mich von meinem ersten Zusammenbruch erzählen.

10

Wales. Swansea. Sommer 98. Ich werde von Laugharne (wo ich das Bootshaus und die Schreibgarage von Dylan Thomas an der Mündung des Taf besucht habe; oh, die Reiher, die Rufe, die Pubs, die Lieder: »Die Dunkelheit ist ein Ort. Das Licht ist ein Weg.«) im Süden bis Conway im Norden gehen, mit anderen Worten The Cambrian Way nehmen, berechnet als eine dreißigtägige Tour, die von Wanderexperten zu den schönsten der Welt gezählt wird. Vorbereitungen: Ich habe mit einem Kameraden Spanien durchquert, unter freiem Himmel geschlafen, im Wald, am Wegrand und am Strand, habe mich darin geübt, mich an allen erdenklichen Orten hinzulegen und zu schlafen. Bin kreuz und quer durch Sogn und Fjordane gegangen, auf Asphalt und Kies und Gras getrottet, auf Waldwegen und Pfaden und Postrouten, habe so manchen Gipfel bestiegen, mich im Anzug zur Berghütte Skålatårnet hinaufgekämpft, habe in Doc Martens-Stiefeln Galdhøpiggen, den höchsten Berg Norwegens, bestiegen. Aber das sind alles Urlaubswanderungen gewesen. Jetzt wird es ernst. Ich bin allein, ohne Zeitplan, ein Monat, zwei Monate, es dauert, so lange es eben dauert, heimzugehen, weiter durch England, mit oder ohne Geld, vielleicht arbeite ich auf einem Hof, in einem Restaurant, was weiß ich, ich will die offene Straße einschlagen. Es regnet. Ich verlasse Laugharne bei Regen, habe den üblichen Anzug und die Doc Martens-Stiefel an, trage einen schwarzen Rucksack, Isomatte und Schlafsack und viel zu viele Bücher. Ich kaufe einen Regenüberzug, werfe ein paar Bücher und die Toilettenartikel weg; allen unnötigen Ballast, nach der Ausschlussmethode, bis nur noch das Allernötigste übrig ist und der Rucksack ein kaum noch spürbares Gewicht hat. Alles ist gut. Aber es regnet. Es regnet sechs Tage lang. Wales ist grün und nass und ich verfluche alles Grüne und Nasse. Der Anzug ist ruiniert, die Stiefel bekommen Risse, die Beine schmerzen, und ich verfluche das harte Vagabundenleben. Ich verfluche Bruce Chatwin, D. H. Lawrence, George Orwell, mich selbst und alle Anderen, die mich auf diese wahnwitzige Reise geschickt haben; gehöre ich nicht an den Schreibtisch? Sollte ich mich nicht am Schreibtisch festbeißen, wie Kafka empfiehlt, ist es nicht meine Bestimmung, Bücher zu schreiben? Habe ich nicht ein Heim und eine Art Familie? Vermisste ich nicht einen Beruf, etwas Sicheres und Normales, ein regelmäßiges Einkommen? Die Geschichte einer meiner Spinnereien. Ich gebe auf. Steige in den Bus nach Aberystwyth, nehme mir ein Zimmer in einem Hotel, finde einen trockenen, naturfreien, grünfreien Pub und trinke, bis ich vergessen habe, dass ich ein Wandersmann bin. Nein. Ich habe nicht die Absicht, aufzugeben. Je mehr ich trinke, desto wilder bin ich entschlossen, es nochmals zu versuchen. Aber nicht in Wales. Nicht hier, wo es unendlich grün ist und ewig regnet, sondern an einem anderen Ort, o ja. Lasst mich von meinem Versuch Nummer zwei erzählen.

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