Tomas Espedal - Gehen

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Gehen, um zu verstehen
Ein Mann verlässt seine Frau, sein Kind, sein Haus. Er beschließt zu gehen, das Leben eines Landstreichers zu führen, und macht sich auf den Weg, der ihn zu sich selbst bringen soll. Er scheitert, trinkt, beginnt von Neuem. Den Leser nimmt er mit auf diese delirierenden, existenziellen und besessenen Reisen zu Fuß von Norwegen durch Deutschland nach Frankreich, nach Griechenland, durch ein Europa der Kunst, der Mythen, der Städte. Bestimmt vom Rhythmus harten Gehens, von der Dunkelheit der Trunkenheit und der vollständigen physischen Erschöpfung, tritt er in Dialog mit Rousseau, Rimbaud, Satie, Giacometti, Heidegger und erlebt ein Abenteuer des Denkens: Mit nichts als sich selbst, ganz auf sich zurückgeworfen, was bleibt, wer ist man?
Von der norwegischen Öffentlichkeit begeistert aufgenommen, ist Gehen ein hochkonzentrierter Text zwischen Roman, Essay und Reportage, den Paul Berf präzise und rhythmisch ins Deutsche übertragen hat.

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11

Deutschland. Staufen im Breisgau. Frühjahr 99. Ein Kamerad und ich werden durch den Schwarzwald wandern, von Staufen (wo Faust den Pakt mit Mephistopheles unterschrieben haben soll) im Westen bis Todtnauberg (wo Heideggers berühmte Berghütte liegt) im Osten. Ich habe mir einen neuen alten Anzug gekauft, einen Zigeuneranzug mit Bügelfalte an den Hosenbeinen, silberblauen Streifen im blauen Stoff, neue Doc Martens-Stiefel, eine Sonnenbrille sowie Verbandszeug und Pflaster; wir sind gut ausgerüstet, gut vorbereitet; zwei Flaschen trockener deutscher Wein gegen die Hitze, eine Flasche Schnaps für den Schlaf, ein Sortiment an Tabletten − gegen alles. Von dannen! Auf! Von Staufen aus bergauf bei dreiunddreißig Grad. Bis der Schweiß durch die Stofffasern dringt und wir Stoff nicht mehr von Haut unterscheiden können, bis die Füße eins sind mit den Stiefeln und dem Weg: Geh in den Wald, werde ein Teil von ihm, leere die Flaschen, fülle deine Sinne, lausche den Vögeln, erblicke die Schatten, rieche die Bäume, werde nichts und verlaufe dich!

Wir essen. Deutsche Würste und Bauernbrot. Trinken Wein aus den Flaschen, die in nasses Zeitungspapier eingeschlagen sind. Das gute Gespräch. Wir sprechen über Heidegger. Heidegger und seine Berghütte in Todtnauberg, in der Paul Celan und René Char zu Gast waren. Heidegger und der Nationalsozialismus. Ich sage: Sartre irrte sich links. Heidegger irrte sich rechts, was nicht heißt, dass wir uns die politischen Zwischenlösungen zu eigen machen sollten, wir werden Extremisten, Radikale sein, vor Ideologien müssen wir uns jedoch hüten. Ja. Aber wo sollen wir schlafen? Wir gehen weiter hinauf, erreichen den höchsten Punkt; Aussicht in alle Richtungen, der dunkle Wald, der See, die Wege, Deutschland, o Deutschland, wir rollen unsere Isomatten aus, kriechen in die Schlafsäcke, trinken Schnaps, reden, und gründen hier, im Herzen Europas, in der Höhe, die Partei der Langsamkeit. Wir sind gegen alles, was schnell geht. Wir sind gegen Flugzeuge, Autos, übereilte Gedanken, Rennboote und Schnellzüge. Wir sind für alles, was langsam geht, und nach einigen Schlucken Schnaps wird uns bewusst, wie radikal diese Partei in Wahrheit ist; wir formulieren ein Programm, erwählen die Schnecke zu unserem Emblem. Für die Langsamkeit und das Lachen. Gute Nacht.

Wir werden von Vögeln geweckt. Von der Wärme der aufgehenden Sonne. Wir frühstücken gut, gehen weiter, abwärts, und wieder aufwärts, zum Feldberg, auf dem uns die Karte eine Gaststätte verheißt. Wir folgen den Wegen, überqueren die Wiesen, die gelben Grasflächen, die Lichtungen im Wald und erhaschen einen flüchtigen Blick auf Hase und Reh. Wir reden und gehen, schweigen und gehen, denken und gehen, über Zäune, durch Tore, an Bächen entlang. Ein dreitägiger Marsch nach Todtnauberg. Wir erreichen das Bergdorf am Nachmittag, im Nebel, und geben den Plan auf, die Berghütte des Philosophen alleine finden zu wollen. Fragen zufällig vorbeikommende Passanten: Heidegger? Kenne ich nicht. Nie von ihm gehört. Sie haben noch nie von Deutschlands vielleicht wichtigstem Philosophen seit Kant und Nietzsche gehört. Wissen nicht, wer er war, hier in diesem Dorf, in dem er sich aufhielt, wenn er nicht in Freiburg lehrte. Martin Heidegger? Wir fragen die Wirtin der Pension, in der wir ein Zimmer genommen haben, um zu duschen und unseren Füßen etwas Ruhe zu gönnen. Ja, ja, der Martin, sagt sie, der hat meinem Vater mal eine Zigarette geschenkt, mein Vater war dreizehn. Möchten Sie meinen Vater sprechen? O ja, das wollen wir. Her mit einer Flasche Wein. Herein mit dem Vater. Er sagt: Die Berghütte steht leer, niemand nutzt sie. Vor ein paar Jahren war ein englisches Fernsehteam hier, seither ist es still geworden. Kein Mensch fragt mehr nach Martin Heidegger.

Am nächsten Morgen finden wir die Hütte. Sie liegt auf einer Hügelkuppe, zwischen Bäumen und Sträuchern versteckt, aber wir erkennen sie von den Fotografien. Zu unserer großen Überraschung sehen wir, dass die Fensterläden und die Tür offen stehen. Wir machen kehrt. Nein. Wir sind drei Tage gegangen und jetzt weniger als fünfzig Meter von der berühmten Berghütte entfernt. Wir steigen weiter hinauf, mein Kopf pocht wie ein Herz: Und wenn nun ein Verrückter herausstürmt und uns verjagt? Und ganz recht. Als wir uns der Hütte nähern, sehen wir eine Gestalt im Türrahmen. Ich rufe, dass wir aus Norwegen stammen und von Staufen kommend zu Fuß gegangen sind, dass ich Schriftsteller und Wandersmann bin. Die Gestalt tritt einen Schritt vor, streckt uns die Hand entgegen und sagt: Heidegger.

Es ist der Enkel. Wir stellen uns vor, werden zu einem Glas Wasser aus dem berühmten Bach eingeladen, setzen uns auf Steine, unterhalten uns über Norwegen und das Gehen; über die Spaziergänge des Großvaters, später auch über Philosophie und vor allem über Dichtkunst und Literatur. Aber ja, natürlich kennt er Safranskis Heidegger-Biographie. Er kennt Bernhards Beschimpfung Heideggers in Alte Meister. Diese Beschimpfung müssen wir als großes Kompliment betrachten, sagt er und beendet das Thema. Und wohin wollen Sie jetzt, fragt er. Wir wollen weiter, sage ich.

Weiter. Wir gehen weiter. Wie in einem Märchen. Aber die Beine tun weh, und es wird allmählich anstrengend, im Freien zu schlafen. Ich schlage vor, in einem Hotel zu übernachten. Mir fehlen Bett und Fernseher, Wände und Vorhänge; mir fehlt die Abwesenheit von Natur und Vögeln. Doch der Wandersmann vor mir, Narve, mein Kamerad, macht den Gegenvorschlag, auf Höhe der Dolomiten die Grenze nach Italien zu überschreiten. Er will in den Bergen wandern, die irrwitzigen Gebirgsformationen sehen, in der Höhe gehen, in der Höhe schlafen, endlich ernsthaft gehen. Wir streiten uns. Ich muss zugeben, dass ich erschöpft und längst noch kein richtiger Wandersmann bin, und dies ist mein zweiter Zusammenbruch. Es endet damit, dass wir den Zug über die Grenze nach Italien nehmen. Aber nach zwei Tagen Reglosigkeit in einem Hotel spüre ich die Unruhe und das Kribbeln; das Gehen ist mir in Fleisch und Blut übergegangen, ich will wieder auf die Straße hinaus.

Jetzt aber weiß ich, dass es nicht im Handumdrehen getan ist, so zu leben, dass es nicht einfach ist, ein Wandersmann zu werden. Es erfordert Training und Mut, Gewöhnung und Zeit.

Wir gehen durch die Wälder nach Asolo, zu dem Haus, in dem ich zwei Monate bei meinem Freund Harold Costello wohnte, dem Schriftsteller, der niemals schrieb. In diesem Haus brachte ich Teile meines ersten Romans zu Papier, und während wir an Rebstöcken, Olivenbäumen, Bienenkörben und Weißdornhecken vorbei bergab gehen, denke ich: Der Kreis hat sich geschlossen. Der Kreis hat soeben begonnen. Das sind die ersten Schritte. Die ersten Schritte auf dem langen Weg, ein besserer Wandersmann zu werden.

12

Ich verlasse das Lokal, die Spelunke in Åsane, gehe zur Tür hinaus, in neuen Stiefeln der Marke Garmont, sie sind hellgrün und passen hervorragend zu meinem Anzug, einem dunkelblauen Anzug mit hellen Streifen und weiten Hosenbeinen. Ein neues weißes Hemd, und am auffallendsten, ein neuer Sportrucksack, orangefarben, er leuchtet. Ich bin zufrieden mit der Figur, die ich abgebe, gehe zielstrebig zur Kirche von Åsane hinauf, wo ich erneut auf den Postweg stoße. Es heißt, Rousseau habe bei seinen Ausflügen eine Art armenisches Gewand getragen; Pelzmütze und Pelzschal, einen Lodenpullover. Es gibt ein Porträt von ihm in diesem Aufzug, gemalt von Allan Ramsay. Die selbstbewusste Pose, die Verrücktheit, die man in seinem Blick erahnt, entspricht dem Selbstporträt, das er in der Einleitung zu seinen Bekenntnissen skizziert: »Ich plane ein Unternehmen, das kein Vorbild hat und dessen Ausführung auch niemals einen Nachahmer finden wird. Ich will vor meinesgleichen einen Menschen in aller Wahrheit der Natur zeigen, und dieser Mensch werde ich sein.«

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