Abb. 8
Abb. 9
Ist ein hypnotisierender Blick nötig ?
Bei diesem Versuch müssen Sie der VP längere Zeit ruhig und fest in die Augen sehen. Sie brauchen deshalb aber keinen so genannten hypnotisierenden Blick haben. Es genügt, wenn Sie sich hin und wieder darin üben, zwei oder drei Minuten lang ganz ruhig und fest auf einen Punkt zu sehen. Dazu können Sie eine Punkt an der Wand fixieren oder sich im Spiegel selber auf die Nasenwurzel sehen. Da normalerweise der Blick des Menschen nicht sehr stetig ist, helfen Ihnen solche Übungen dazu, einen festen, ruhigen und stetigen Blick zu bekommen.
Die Vielfältigkeit des Ausdrucks
Wenn ein kleiner Junge vor Ihnen steht und mit einer Wasserpistole auf Sie zielt, welches Gefühl haben Sie dann? (Bitte stellen Sie sich das lebhaft vor!)
Wenn Sie im Theater auf der Bühne stehen und vor Ihnen Ihr Rivale die Platzpatronenpistole auf Sie richtet, was für ein Gefühl haben Sie da? (Bitte vorstellen!)
Und wenn im halbdunklen Zimmer ein Einbrecher seine Pistole auf Sie richtet. Was fühlen Sie dann? (Vorstellen!)
Bitte versetzen Sie sich ganz deutlich in diese verschiedenen Situationen hinein. Sie erkennen daraus, dass derselbe Ausdruck (jemand zielt auf Sie mit der Pistole) jedes mal eine andere Wirkung auf Sie hat. Wenn hundertmal das gleiche geschieht, es ist nie das gleiche. Es kommt nicht auf den Ausdruck einer Sache alleine an, sondern auf den Sinngehalt, auf den Videengehalt.
So kann auch ein scheinbar toter Gegenstand, zum Beispiel ein Kleid, die verschiedensten Videen ausdrücken, die beim Betrachter tatsächliche Gefühle (ideomotorische Aktionen) auslösen und damit die Stimmung und sein Verhalten beeinflussen. So kann ein Kleid u.a. folgende Gefühle auslösen: traurig - jugendlich -schlampig - nett - schön - reizend - hässlich – schlank machend – dick machend - anstößig usw.
Wenn Sie es sich zur Gewohnheit machen, alles in Videen zu betrachten und auszudrücken, dann haben Sie bei den Versuchen die besten und sichersten Erfolge. Aber nicht nur bei den Versuchen, sondern überall im Leben.
Der sechste Suggestionsversuch
Fixieren Sie die vor Ihnen stehende VP und sagen Sie: „Nehmen Sie jetzt die Füße eng zusammen, so dass sich Fersen und Zehen berühren ( Abb. 6 Abb. 6 Abb.7
) --- Nun stellen Sie sich lebhaft vor, dass Sie sich nicht mehr gerade halten können --- dass Sie immer hin- und herschwanken müssen --- nach vorne - nach links - nach rechts - nach hinten und so weiter. --- Stellen Sie sich das ganz lebhaft vor. Ich zähle jetzt bis drei --- wenn ich die Zahl Drei erreicht hab, ist es unmöglich, dass Sie gerade stehen blieben. --- Eins --- zwei --- drei! Sie schwanken --- Sie schwanken wie ein Betrunkener hin und her --- (Bitte sorgen Sie dafür, dass hinter der VP jemand steht, der sie im Falle, dass sie umfällt, sicher auffangen kann. Auch Sie seien immer auffangbereit, denn bei VPs, die sehr leicht auf Videen ansprechen, könnte es vorkommen, dass das Gleichgewicht verloren wird.) --- Jetzt schwanken Sie nach vorne --- nach vorne --- jetzt nach rechts --- nach rechts --- nach hinten --- nach hinten ---“ usw.
Wenn Sie den Versuch beendigen wollen, sagen Sie zur VP: „Jetzt zähle ich von drei rückwärts. --- Wenn ich bei eins angekommen bin, können Sie wieder ganz normal und gerade stehen. Drei --- zwei --- eins! Sie sind wach und fühlen sich wohl und munter!“
Bei diesem Versuch kann es vorkommen, dass sich Ihre VP nachher noch betrunken fühlt. Sollte das der Fall sein, sehen Sie ihr in die Augen und sagen: „Jetzt sind Sie wieder wie vor dem Versuch --- Sie fühlen sich ganz nüchtern!“
Die zweckmäßige Reihenfolge bei Versuchen
Im Interesse gesteigerter Erfolgsaussicht ist es ratsam, die in den Lektionen 1 bis 6 beschriebenen Versuche, solang Sie noch ein Anfänger sind, in der Reihenfolge zu machen, wie beschrieben. Die Versuche sind so aufgebaut, dass sie nach ihrer Schwierigkeit aufeinander folgen. Wenn Ihnen der erste Suggestionsversuch mit einer VP nicht gelungen ist, wäre es sinnlose Zeitverschwendung, daraufhin zum Beispiel den vierten oder fünften Versuch mit derselben VP zu machen. Bleiben Sie zuerst bei der beschriebenen Reihenfolge, und wenn Sie einige Erfahrungen haben, machen Sie die Versuche nach folgender Reihenfolge: 1. Den ersten Suggestionsversuch mit dem Pendel. 2. Den dritten Suggestionsversuch mit dem Rückwärtsfallen. 3. Den vierten Suggestionsversuch mit dem Vorwärtsfallen. 4. Den siebten Suggestionsversuch mit dem Händeschluss. 5. Den achten Suggestionsversuch mit dem Augenschluss. Nachfolgend können Sie zu den beschriebenen Versuchen der nächsten 6 Lektionen (7 bis 12) übergehen. Alles mit derselben Versuchsperson.
6. Lektion
Die Theorie der Bewegungen
Es gibt beim Menschen verschiedene Arten von Bewegungen. Davon interessieren uns hier vor allem die folgenden drei: 1. Willkürliche Bewegungen. 2. Suggerierte Bewegungen. 3. Reflektorische Bewegungen. Um den Vorgang, der sich dabei abspielt, zu verstehen, müssen wir wissen, dass jede Bewegung vom ideomotorischen System ausgelöst wird und dass zu jeder Bewegung eine Videe nötig ist. Ferner müssen wir die Funktion des ICH verstehen. Das ICH des Menschen kann eine Videe entweder in das ideomotorische System eintreten lassen (gewollte Bewegung) oder aber durch Erzeugung einer Gegenvidee die erste Videe schwächen oder gänzlich neutralisieren, sie also unwirksam machen (Nichtwollen einer Bewegung).
Bei den uns interessierenden drei Arten von Bewegungen geschieht folgendes:
1. Bei willkürlichen Bewegungen taucht zuerst die Videe auf (durch Reize oder Notwendigkeit angeregt). Will das ICH die Bewegung, dann erzeugt es keine Gegenvidee und die der Bewegung entsprechende Videe kann sich über das ideomotorische System realisieren.
2. Bei suggerierten Bewegungen wird das ICH entweder teilweise oder für eine kurze Zeit ganz aus dem Mittelpunkt des Bewusstseins verdrängt. Da das ICH aber nur im Mittelpunkt des Bewusstseins die Fähigkeit hat, Gegenvideen zu erzeugen (selber Videen zu verursachen), ist es am Rande des Bewusstseins unfähig, eine Videe zu hemmen oder zu neutralisieren. Die Videe der Bewegung kann sich so verwirklichen.
3. Bei reflektorischen Bewegungen wird durch die so genannten Reflexbögen das ICH einfach umgangen (und/oder für einen kurzen Moment kurzgeschlossen). Die Videen können also auf schnellstem und kürzestem Weg ungehemmt in des ideomotorische System kommen und sich dort verwirklichen.
Theorie in Praxis verwandeln
Theoretische Gedankengänge haben für Sie nur dann einen Sinn, wenn Sie dieselben in die Praxis umsetzen. Wie Sie das können, deute ich hier an:
1. Verhindern Sie bei Ihren Versuchen, dass die VP Gegenvideen erzeugt. Dies erreichen Sie durch Wiederholung Ihrer Suggestionen. Aus diesem Grunde werden bei den Versuchen bestimmte Wörter immer wiederholt.
2. Versuchen Sie stets durch Ihre dynamischen und intensiven Suggestionen das ICH der VP aus dem Mittelpunkt des Bewusstseins zu drängen.
3. Verwenden Sie zu den Versuchen immer solche Personen, die zumindest durchschnittlich intelligent sind. Denn diese können sich das, was Sie durch Videen ausdrücken, gut und lebhaft vorstellen. Dadurch werden Ihre Videen gut und intensiv genug aufgenommen. Bei beschränkten und unintelligenten Versuchspersonen können Ihre Suggestionen nicht lebendig genug aufgenommen werden und haben daher wenig oder gar keine Wirkung.
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