Dann stieß ich auf einen Clip der Königin Kondo persönlich, und urplötzlich war es um mich geschehen. Die bildschöne Japanerin mit der umwerfend sympathischen Art erklärte, wie sie ihren Kleiderschrank organisierte, und ich fand, dass dies eines der interessantesten Videos war, das ich je gesehen hatte. Der Hype hatte mich gepackt. Ich wollte nur noch eins: aufräumen, aufräumen, aufräumen! Und zwar alles. Während ich in Gedanken Pläne für mein neues, minimalistisches Leben schmiedete, setzte ich meine Recherche fort. Jetzt war ich endgültig baff. Die Autorin war Jahrgang 1984, genau wie ich. Sie war sogar nur zwei Tage älter. Warum bloß sah sie zwanzig Jahre jünger aus als meine nicht mehr ganz so taufrische Wenigkeit? Kriegt man vom vielen Aufräumen etwa auch schöne Haut? Magic Cleaning fürs Gesicht? Das war noch ein Grund mehr, direkt nach meiner Ankunft mit dem Entrümpeln zu beginnen.
Stunden später erreichte ich meine Wohnung. Der ICE hatte mal wieder einige Überraschungen in Sachen Signalstörung bereitgehalten. Als ich die Tür öffnete, schämte ich mich ein bisschen. Hier sah es gar nicht kondoesk aus. Im Flur stapelten sich die Anziehsachen auf einem undefinierbaren Haufen, der Fußboden war flächendeckend mit Orchesternoten bedeckt, auf dem Klavier stand eine angebrochene Flasche Hugo, und mein Lieblingsbikini hing über dem Mikrofonständer. Ich ließ das Stillleben eine kurze Zeit auf mich wirken und spürte, wie ein wohlig warmes Daheimgefühl in mir aufstieg. Es war unordentlich, aber immerhin sauber. Ich bahnte mir einen Weg zum Piano, gönnte mir einen großen Schluck Aldi-Sprudel, der auch ohne Kohlensäure exzellent schmeckte, und spielte drauf los. Bei den leidenschaftlichen Passagen schaukelte der baumelnde Bikini sanft hin und her. Strand-Feeling in den eigenen vier Wänden – es war verdammt schön in meinem geliebten Zuhause. Ich fand mein Chaos voll in Ordnung. Das Ausmisten verschob ich auf das bevorstehende Wochenende.
Tipp 1: Aufräumen ist verdammt cool – vor allem, wenn man viel Tagesfreizeit, keine Freunde und keine Hobbys hat.
Tipp 2: Nein, deine Wohnung wird nicht gemütlicher, indem du sie einrichtest wie eine Zahnarztpraxis für Privatpatienten.
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