Tim Krohn - Die heilige Henni der Hinterhöfe

Здесь есть возможность читать онлайн «Tim Krohn - Die heilige Henni der Hinterhöfe» — ознакомительный отрывок электронной книги совершенно бесплатно, а после прочтения отрывка купить полную версию. В некоторых случаях можно слушать аудио, скачать через торрент в формате fb2 и присутствует краткое содержание. Жанр: unrecognised, на немецком языке. Описание произведения, (предисловие) а так же отзывы посетителей доступны на портале библиотеки ЛибКат.

Die heilige Henni der Hinterhöfe: краткое содержание, описание и аннотация

Предлагаем к чтению аннотацию, описание, краткое содержание или предисловие (зависит от того, что написал сам автор книги «Die heilige Henni der Hinterhöfe»). Если вы не нашли необходимую информацию о книге — напишите в комментариях, мы постараемся отыскать её.

Als Henni Binneweis 1902 das Licht der Welt erblickt, herrscht Wilhelm II. noch über Preußen und Kaiserreich. Die Frauen tragen Krinoline und arbeiten am heimischen Herd. Und ein Mädchen, das im Hinterhof einer Mietskaserne am Prenzlauer Berg aufwächst, sollte nicht zu viel vom Leben erwarten. Aber Henni wird an ihrem vierten Geburtstag geweissagt, dass sie zu Höherem «jeborn» sei, und daran glaubt sie fortan felsenfest. Im Jahr 1914 geht es so richtig los: Der Kaiser erklärt den Serben den Krieg. Das allein ist schon ein Abenteuer. Vor allem aber zerstört der Weltkrieg die alte Ordnung, und eine neue ist nicht in Sicht. Inmitten der revolutionären Tumulte schlägt Henni sich geschickt durch den Alltag. Und weil sie so kess wie hübsch ist, tanzt sie sich schon bald durch die rauschhaften Nächte und hinauf auf die Bühnen der Varietés, wo es munter drunter und drüber geht. Auch zu Hause am Prenzl- berg bleibt kein Stein auf dem anderen. Mama Binneweis ist Jüdin, was nun immer häufiger zur Sprache kommt, die Familie droht zu zerbrechen. Und plötzlich ändert sich auch für Henni alles. Doch Henni wäre nicht Henni, nähme sie nicht den Kampf auf gegen das, was sich unaufhaltsam zu einem bedrohlichen Sturm zusammenbraut.

Die heilige Henni der Hinterhöfe — читать онлайн ознакомительный отрывок

Ниже представлен текст книги, разбитый по страницам. Система сохранения места последней прочитанной страницы, позволяет с удобством читать онлайн бесплатно книгу «Die heilige Henni der Hinterhöfe», без необходимости каждый раз заново искать на чём Вы остановились. Поставьте закладку, и сможете в любой момент перейти на страницу, на которой закончили чтение.

Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

Hendrik machte andauernd Geschäfte. Als der Krieg kam, konnten Frontsoldaten auf Urlaub, die nicht gleich wieder einrücken mochten, bei ihm »Jeschlechtskrankheiten koofen«. Eine Mark kostete eine erfolgreiche Ansteckung mit Tripper, damit landete man für vier Wochen in der Charité – das Honorar der beteiligten Dame wurde separat verrechnet. Für zwei Mark gab es weichen Schanker und sechs Wochen Charité, fünf Mark kostete die Syphilis, dafür war das »jeschlechtliche Vergnügen« gratis, weil die Dame angeblich froh über Besuch war, und mit dem lustigen Soldatenleben war’s ziemlich sicher für immer vorbei.

Als Hendrik selber einrücken sollte, waren die ungesunden Huren vom Reichsgesundheitsamt leider gerade aus dem Verkehr gezogen worden. Er versuchte sich erst mit Geschenken und »guten Kontakten« zu drücken, da war sein Geld aber schnell alle. Deshalb seifte er den linken Arm dick ein, wickelte ihn über Nacht in nasse Tücher und rannte am Morgen, als er einrücken sollte, mehrmals gegen den Türrahmen. Er hatte sich sagen lassen, dass man sich so sehr zuverlässig den Arm brechen konnte. Der brach und brach aber ums Verrecken nicht, also rückte er notgedrungen ein.

»Lass ich mich eben durchlöchern wie mein Alter«, rief er alle paar Meter, während er zur Kaserne marschierte.

Stattdessen war er jedoch schon im Sommer darauf wieder zu Hause, und der linke Arm nicht bloß gebrochen, sondern ganz weg, Handgranate. »So jehts ooch«, sagte er.

An der Front war er schon wieder reich geworden, er hatte mit Sexcoupons gehandelt. Das deutsche Heer hatte nämlich so ein System, damit die Soldaten »nicht den Feind schwängern«. Dazu gehörte neben Dienstbordellen und ärztlich kontrollierten Damen ein Büchlein mit Coupons, die jeder Frontsoldat bekam, das war seine Ration an Vergnügen. Die Dauer der Bordellbesuche, Tageszeit und Güteklasse der Huren errechnete sich aus Dienstgrad, Heereseinheit und Zahl geleisteter Kampfeinsätze. Wie gut sich mit diesen Coupons handeln ließ, begriff Hendrik, als er selbst im Lazarett war, da lagen Hunderte Rationen brach. Er organisierte sich ein Startkapital und einen, den er »Steher« nannte. Der stand im Heerescasino auf der Matte, denn dort verkehrten die, die ihre Ration Sex bereits verfrühstückt hatten, und verkaufte ihnen Extrarationen. Damit der »Steher« Hendrik nicht behumpste, besorgte der ihm Morphium vom Lazarettarzt.

Beim Lazarettarzt wiederum, der ebenfalls mit seinen Coupons nichts anfangen konnte, weil er auf »Knabenliebe« stand, legte Hendrik selber Hand an. »Eene hab ick ja noch.« Darüber kicherten Henni und Kuddl am meisten, und »Eene hab ick ja noch« wurde für eine ganze Weile ihr Spruch.

Hendriks Untergang war, dass er zu ungern ein lohnendes Geschäft ausließ. Er besaß ja noch die Fuhre Gasmasken, die in der Hitze unterm Dach litten, die mussten endlich weg. So schaltete er denn in der Kriegszeitung ein Inserat, wies die »werte Bevölkerung« darauf hin, dass die Franzosen mittlerweile »Giftgas gegen unsere Truppen schleudern«, und riet dazu, den Männern neben dem üblichen Taschenöfchen Marke Vaterland, Kaiser’s Brustcaramellen und Altenhofer Punsch aus der Tube auch eine »Vollgesichtsmaske mit Aktivkohlefilter aus dem Hause Hendrik M.« ins Feld zu schicken. Das Inserat wurde nie gebracht, dafür wurde Hendrik wegen »verleumderischer Volksverhetzung« und Hochverrat verhaftet und doch noch durchlöchert wie weiland im Boxeraufstand sein Alter.

Justus Karnerich fasste den Auftrag, die Gasmasken zu konfiszieren. Henni hätte zu gern eine zum Andenken behalten.

»Sind doch schon ganz morsch«, sagte sie und zog an einem Riemen, der auch gleich brach, dabei zwinkerte sie ihm zu.

Doch Justus nahm ihr noch die kaputte Maske ab, packte sie zu den anderen und sagte: »Nichts da, die kriegen unsere Jungens an der Front.«

Der Krieg geht aus

Mit jedem Kriegsjahr war der Hunger schlimmer geworden. Schließlich gab es nur noch Steckrüben satt, falsche Buletten aus Heringslake und Kartoffelmehl und zu den Geburtstagen Kuchen aus Kunsthonig, mit Sägespänen versetztem Mehl, reichlich Vanillin und Backpulver – die beiden waren immerhin nie knapp – sowie blauer Milch. Bei Papa war jeweils noch eine Prise Kaffeeersatz drin, das hieß dann »Herrentorte«. Ach ja, und einmal ergatterte Mama um einen Wucherpreis ein Kuheuter, anderes Fleisch war sowieso nicht mehr bezahlbar.

Viele starben an der Grippe oder am Hunger, auch in der Mietskaserne. Und weil die Ärzte schlecht zu besserer Ernährung oder wärmeren Zimmern raten konnten, hieß es nun einfach: »Kinder an die frische Luft.« Das war Hennis Glück, denn endlich wagte auch Mama nicht mehr, sie in der dusteren Küche stricken zu lassen. Stattdessen schnappte Henni sich ein paar von Kuddls abgetragenen Hosen und Papas Schirmmütze für die Sommerfrische, schob ihr Haar darunter und zog mit Kuddl und seiner »Bande« um den Block.

Kuddl war es recht, denn die maßgebliche Währung waren immer noch Murmeln, und Henni hatte eine Art, die Jungens zu missachten, dass fast jeder seine beste Murmel gab, damit sie ihn mit ihren moosgrünen Augen mal ansah und so richtig schön fassungslos sagte: »Mensch, hast du eine schöne Murmel – und die ist für mich ?!« Die Murmel gab sie dann Kuddl, und der tauschte sie gegen Tabak oder Zucker.

So wurde das Leben immer bunter, je länger der Krieg dauerte. Nicht nur der Krüppel wegen, von denen es immer mehr gab, und der malerischen Gefangenen, die ab und zu durchs Brandenburger Tor getrieben wurden. Alles fand nun in den Höfen und auf der Straße statt, die Leute verkauften erst ihre Erbsachen, dann klauten sie, zuletzt verkauften sie sich selbst. Je höher der Fleischpreis stieg, desto billiger wurde alles andere. Da waren auf einmal Frauen guter Hoffnung, die ihren Mann seit einem Jahr nicht gesehen hatten, und in vielen Witwenwohnungen wurde die Nächte durchgetanzt. Die alte Frau Meisel meinte ja, es liege alles daran, dass der Schnauzbart aus der Mode sei: »Wirken die Männer nicht viel appetitlicher?« Daran freute sie sich wie Bolle.

Im Winter 17 gab es keine Kohle mehr zu kaufen, und so schliefen die Binneweisens zu viert in einem Bett, Mama noch in der Krinoline. Frau Meisel fanden sie eines Morgens verhungert und erfroren auf dem Etagenklo und mussten sie so in der Hocke zu Grabe tragen, es war nirgends im Haus warm genug, dass man sie hätte auftauen können.

Deshalb nahmen Henni und Kuddl und seine Bande im Frühjahr dann auch an einem Streik gegen den Hunger teil, eine tolle Masse Menschen kam da zusammen. Trotzdem war es keine gute Idee gewesen, denn tausend, hieß es, wurden verhaftet und an die Front geschickt, darunter auch zwei Jungens aus der Bande. Danach war für kurze Zeit sogar Henni nicht mehr national gesinnt.

Im Herbst wurde dann aber in Frankreich Mata Hari erschossen. Frau und Gesellschaft brachte einen achtseitigen Artikel, der sehr romantisch war, und Henni hatte wieder Träume. Spionin wäre sie ja immer noch zu gern gewesen, und mit ihren moosgrünen Augen und ihrem »und die ist für mich ?!« rechnete sie sich gute Chancen aus.

Doch ganz plötzlich, ohne jeden Tusch, ohne Endsieg, ohne auch nur wenigstens eine Rede vom Kaiser war der Krieg vorbei. Die Deutsche Kriegszeitung war wegen Papiermangels schon vor ein paar Monaten eingestellt worden, und an einem nasskalten Novembermorgen blieb auch der Heeresbericht plötzlich aus. Am nächsten Tag war bei Wertheim das Schaufenster mit dem Frontverlauf verhängt, und es hieß, der Kaiser habe abgedankt und sei in Holland. Jemand rief anscheinend die Republik aus, jemand anderer widerrief. Es hieß, auch die Deutschen machten jetzt Revolution, und vor dem Schloss wurde erstmals geschossen. Später hörten sie, Revolution sei nun doch nicht, die Revolutionäre hätten sich gegenseitig niedergemacht. (Das hieß es noch mehrmals.) »Waffenstillstand« stand in fetten Lettern auf den Sonderausgaben, und darunter eine ellenlange Liste mit Bedingungen, die das Deutsche Reich zu erfüllen hatte.

Читать дальше
Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

Похожие книги на «Die heilige Henni der Hinterhöfe»

Представляем Вашему вниманию похожие книги на «Die heilige Henni der Hinterhöfe» списком для выбора. Мы отобрали схожую по названию и смыслу литературу в надежде предоставить читателям больше вариантов отыскать новые, интересные, ещё непрочитанные произведения.


Отзывы о книге «Die heilige Henni der Hinterhöfe»

Обсуждение, отзывы о книге «Die heilige Henni der Hinterhöfe» и просто собственные мнения читателей. Оставьте ваши комментарии, напишите, что Вы думаете о произведении, его смысле или главных героях. Укажите что конкретно понравилось, а что нет, и почему Вы так считаете.

x