Bernd Neumann - Uwe Johnson

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Bernd Neumann legte 1996 nach jahrelangen Recherchen eine detaillierte, äußerst materialreiche und fundierte Biografie des Schriftstellers Uwe Johnson vor. Sie erregte seinerzeit große Aufmerksamkeit und sorgte für kontroverse Diskussionen. 2014 im Juli wäre Johnsons 80. Geburtstag gewesen und im Februar ist sein 30. Todestag. Anlass, sich mit Werk und Leben, des «Dichters der beiden Deutschland», ein Kennwort, welches die Literaturkritik für ihn geprägt hat, erneut auseinanderzusetzen.

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»Für wenn ich tot bin« erzählt Gesine Cresspahl ihrer Tochter Marie ihre eigene und die Geschichte der Familie, ihre eigene und die Geschichte Deutschlands.

Der Tod ist der letzte Anlaß für alles Erzählen – und der erste. Biographie, denkt man über sie nach im Rahmen der lebensphilosophischen Poetik Max Frischs, »besiegelt« das Schicksal eines Menschen. Sie mag sein Leben und Werk haltbar machen, sie schneidet dennoch die Wahl anderer Existenz-Varianten ab. Sie macht, nolens volens, eindeutig; stiftet »Sinn«; versperrt Möglichkeiten und stellt das Leben selbst still. Die Biographie modifiziert notwendig ihren Gegenstand, indem sie das Leben erblickt, wie es nur vom Tode her überblickt werden kann. Der Tod ist unumgänglich der Standpunkt, von dem her der Biograph das Leben angeht – um es unsterblich zu machen. Das macht das Paradoxon des Genres aus.

Nach erfolgter staatlicher Vereinigung der Deutschen und dem nachfolgenden, jüngsten »deutsch-deutschen Literaturstreit«: Uwe Johnson als der exemplarische und recht eigentlich einzige Autor beider deutscher Staaten? Ein »Sozialist«, wie manche gerade in neuester Zeit zu erkennen meinen, oder nicht doch eher ein marxistisch gebildeter Verfechter liberaler Modernität, wie sie in den Jahrestagen als Resultat auch von Johnsons Liebe zum multikulturellen Leben in New York zum Ausdruck kommt? Uwe Johnson jedenfalls als einer der wenigen Vertreter der DDR-Literatur, der diesem Staat seine diktatorischen Strukturen nicht in der Hoffnung auf die Verwirklichung sozialistischer Utopien nachgesehen hat. Uwe Johnson als einer, der, in seinem Leben wie in seiner Literatur, die Verspätung des »tiefen« (nord)deutschen Gemüts diagnostizierte, der sie schreibend korrigierte, darin ein sich emanzipierender Adept Thomas Manns. Einer aus Güstrow, der Heimatliteratur als Weltliteratur schrieb und der zugleich als einziger deutscher Nachkriegsautor die »westlichen« und die »östlichen« Literaturkonzepte diskursiv verschränkte aus gelebter Sicht. – Der Autor, der wohl unter allen, die seit 1945 geschrieben haben, die gültigste »Archäologie« des deutschen Stalinismus geliefert hat, gehalten im Geist der Hannah Arendtschen Totalitarismustheorie. – Nicht von ungefähr hat in den Jahrestagen die »Gesellschaft zum Studium der DDR« die reale Adresse der jüdischen Philosophin zugeschrieben bekommen.

Uwe Johnson wäre also ein Exempel, an dem die nun wieder neu zu begründende »Nationalliteratur« der Deutschen eine Art Orientierungshilfe finden könnte; um so mehr, als deren wohl erster Auftrag in der Diagnose und der Überwindung einer post festum eingetretenen Spaltung zwischen »Wessis« und »Ossis« liegen muß. Der zu seinen Lebzeiten in beiden Teilen exemplarisch Fremde letztlich als der Sachwalter eines »gemeinsam Nationalen«: in diesem Sinne Uwe Johnson redivivus?

Johnson meinte 1968 in der Realität New Yorks die zukünftige seines Heimatlandes wahrzunehmen – die heutige Entwicklung mit ihrer zentralen Fragestellung nach Möglichkeiten und Grenzen einer multikulturellen Gesellschaft gibt ihm recht. Johnsons Jahrestage müssen neu gelesen, können vielleicht erst heute wirklich verstanden werden.

Und einzig die Biographie vermag zu rekonstruieren, wie dieser Autor sich der Realität angenähert hat, schrittweise und mit spannungsvoller Intensität. Gesine Cresspahl in New York: In der Ausgestaltung dieses literarischen Komplexes manifestiert sich – verflochten mit allen übrigen Topoi des Werkes – auch Uwe Johnsons poetologische Vorstellung von »Autobiographie«. Keinen anderen Ausgangsort konnte dieser literarischbiographische Anamneseprozeß haben als New York, »Heimat der Heimatlosen« und Zentrum der Modernität zugleich. Hier wird, wiederum nicht von ungefähr, unter dem Aspekt der »jüdischen Frage« die Figur Gesine Cresspahl zum »realen« Statthalter, ja: Auftraggeber ihres Autors. Hier nun, in der »jüdischen Stadt« New York, kann das Gespräch zwischen Gesine und dem »Genossen Schriftsteller« stattfinden, mit dem die beiden pragmatisch erkunden, was als existentielle Frage immer noch über allem steht: die Frage nach den Bedingungen eines Schreibens nach Auschwitz.

Auf solche Weise wurde bei Uwe Johnson der immanente biographische Diskurs zu einem repräsentativ literarischen – und umgekehrt. Und alles dies: »Für wenn ich tot bin« – wie Gesine Cresspahl zu Marie, ihrer Tochter, sagt.

Trondheim, im Juli 1994

I.

ÜBER DIE BALTISCHE SEE

AN DIE NEBEL UND DIE MÜRITZ

ERSTES KAPITEL

SCHWEDISCHE VORVÄTER.

AUS DEM SCHWEDISCHEN LJUDER

NACH ANKLAM IN POMMERN.

EIN VORSPIEL IM 19. JAHRHUNDERT

_____________

LEBENSDÄMMERUNG.

WASSER ALS ANFANG UND ENDE

»Die Biographie in ihrer gediegeneren Form, die sich auf das abgeschlossene Leben der Treuen und Tapferen beschränkt, darf wohl als der schönste Lohn für menschliche Tugend gelten, der ganz uneigennützig gegeben und empfangen wird: denn weder kann der Biograph auf den Dank seines Helden hoffen, noch vermag dieser selbst aus der ihm erwiesenen Auszeichnung Nutzen zu ziehen.« Diese Sätze stehen am Anfang des Israel Potter von Herman Melville. Uwe Johnson übersetzte sie im Jahr 1959 ins Deutsche. Der Text des Melvilleschen Seefahrerromans fährt fort: »Israel Potter verdient diese Ehrung durchaus.« Was dem Seefahrer Potter zustand, gebührt Uwe Johnson.

Dessen Leben und Schreiben vollziehen sich in gewisser Weise unter der immerwährenden Dominanz von Flüssen und Meeren. In Mecklenburg aufgewachsen, stammte Uwe Johnson gleichwohl aus Pommern. Die Bezeichnung »Pommern« aber meint, der ursprünglichen wendischen Wortbedeutung nach: »die, die am Meer wohnen«. Das wiederum tat Uwe Johnson sein Leben lang – selbst in seinen Berliner Tagen.

Anfang und Ende seines Lebens besitzen als unmittelbare Nähe ein sehr weites und sehr dunkles Wasser. Uwe Klaus Dietrich Johnson wurde am 20. Juli 1934 im Pommerschen Cammin an den Ufern der sich zum Bodden erweiternden Dievenow geboren. Er starb in der Nacht vom 23. zum 24. Februar 1984 im englischen Sheerness-on-Sea an den Ufern der Themse, die sich dort bereits in die Weiten der Nordsee öffnet.

Der außerordentliche Stellenwert des Wassers hilft zudem in diesem Fall, Biographie und literarisches Werk zusammen zu sehen. Johnson wird sich 1977, in einem Text mit der nicht von ihm gewählten, dennoch programmatischen Überschrift Ich über mich selbst definieren durch die Summe der Flüsse und Seen, die er bis dahin in seine Erfahrung gebracht hatte. Das Schwimmen als einen Akt der Selbstidentifikation hat der Autor Johnson mit der dominierenden Figur, mit der hauptsächlichen »Person« seiner Erzählwelt, Gesine Cresspahl, gemeinsam. In Jahrestage erinnert sie sich, schwimmend mit ihrer Tochter Marie, an all die Gewässer, die ihr Leben bestimmt haben.

20. April, 1968 Sonnabend

Das Wasser ist schwarz. Über dem See ist der Himmel niedrig zugezogen, morgendliche Kiefernfinsternis schließt ihn ein, aus dem Schlammgrund steigt Verdunkelung auf. [...] Die Stille macht den See düster. Die Fische, die Vögel zu Wasser und zu Lande mögen nicht wohnen in der ausgebaggerten Senke, in den kümmernden Bäumen, der chemisch behandelten Landschaft, hergerichtet für zahlende Menschen. [...] – Dein wievielter See ist dies, Gesine? sagt das Kind, sagt Marie, sagt der fremde Fisch, der aus langer Tauchfahrt hervorstößt. – How many lakes did you make in your life now ... In der Ostsee zum erstenmal schwamm das Kind das ich war, vor dem Fischland und in der Lübecker Bucht, an den Seegrenzen Mecklenburgs, ehemals Provinz des Deutschen Reiches, jetzt Küstenbereich des sozialistischen Staates deutscher Nation. Schwamm mit Kindern, die tot sind, mit Soldaten der geschlagenen Marine, die das große mächtige Ostseemeer die überschwemmte Wiese unter den Ozeanen nannten. Aber in den Geographiebüchern dieses Landes heißt sie Baltic Sea. ( Jahrestage , S. 1017)

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