Im Übrigen ist Pater Pio nicht der einzige Fall. Im Orient gibt es unzählige Beispiele für dieses Phänomen, vor allem im Hinduismus und Buddhismus … und schließlich ist dieser Teil der Welt nicht weniger glaubwürdig, nur weil er weit von uns entfernt ist. Freilich soll es hier nicht darum gehen, irgendetwas ‘zu glauben’, sondern zunächst einmal, sich mit Phänomenen auseinanderzusetzen, die unsere Alltagslogik ein wenig auf den Kopf stellen und unseren Geist herausfordern … Da muss er sich schon ein bisschen verbiegen. Dennoch kann ‘Gehirntraining’ als Selbstzweck natürlich nicht das Ziel sein. Es geht vielmehr darum, unseren Neuronen andere Wege zu erschließen, um uns neuen Dimensionen zu öffnen und in sogenannte ‘höhere Regionen des Geistes’ 1aufzuschwingen. Bisher war ja nur von ‘Phänomenen’ die Rede. Ich aber möchte euch zu ihrem Ursprung führen, zum Geiste.
Ein verwirrendes Erlebnis
Kommen wir nun zur zweiten Geschichte, die ich euch erzählen möchte. Darin kommt keine ‘romantische’ alte Mühle vor und auch keine Wasserfurt. Sie ist in einem ganz alltäglichen Umfeld angesiedelt, im Hinblick auf die Wellenüberlagerung aber ebenso aufschlussreich.
Es ist noch gar nicht so lange her … Ich war mit meiner Lebensgefährtin auf der Autobahn unterwegs. Wir fuhren nicht besonders schnell, so um die 110 km/h. Plötzlich erschien auf dem Mittelstreifen der Autobahn ein Polizeiwagen, an dem wir einfach vorbeifuhren, da wir uns ja nichts hatten zu Schulden kommen lassen.
Oje … schon wenig später sahen wir zu unserer größten Überraschung das Polizeiauto mit Blaulicht im Rückspiegel direkt hinter uns auftauchen. Hatte das etwas mit uns zu tun? Als der Polizeiwagen dann auch noch genau auf unserer Höhe links neben uns herfuhr, konnte kein Zweifel mehr daran bestehen. Ganz offensichtlich wollte er uns auf dem Standstreifen zum Halten bewegen. Das taten wir natürlich auch … und fragten uns, was wir falsch gemacht hatten. Kaum standen wir, zeigte ein Blick in den Rückspiegel, dass auch das Polizeiauto wenige Meter hinter uns stehen geblieben war.
In der festen Überzeugung, dass jeden Moment ein Uniformierter mich auffordern würde, das Wagenfenster herunterzulassen, hielt ich, wie es sich gehört, meine Papiere bereit. Es kam aber niemand. Also drehten wir uns kaum zehn Sekunden später um … und hielten Ausschau nach dem Polizeiwagen. Wo war er nur hingekommen? Vor uns … hinter uns … rechts, links …? Alsbald mussten wir einsehen, dass nichts und niemand mehr da war … vor allem kein Polizeiwagen, weder mit noch ohne Martinshorn. Seltsam …
Wir blickten uns an und versuchten zu verstehen, was geschehen war. Doch alles Grübeln war vergebens. Wir hatten beide genau dasselbe gesehen – Irrtum ausgeschlossen! Ich hielt noch meine Brieftasche in der Hand. Es war ja alles so schnell gegangen … Links von uns fuhren vereinzelt Wagen auf der Autobahn vorbei. Fast hatte ich Lust, auszusteigen, um den Asphalt zu untersuchen, auf dem wir stehen geblieben waren. Nach drei oder vier Minuten fuhren wir schließlich weiter, machten uns aber immer noch Gedanken.
Was war uns da widerfahren? Waren wir in eine andere Zeit geraten … mitten in ein vergangenes Ereignis, in das andere Leute verwickelt waren? Oder handelte es sich um eine sogenannte ‘kollektive Illusion’? Mir ist dieser Ausdruck zu einfach. Ich finde ihn viel zu klischeehaft und als Erklärung völlig unzureichend. Es genügt ja nicht, etwas Unbegreiflichem einen Namen zu geben und es mental ‘in eine Schublade zu stecken’. Damit hat man es noch lange nicht verstanden – auch wenn diese Ansicht weit verbreitet ist.
Klischeehafte Zuschreibungen überwinden – ein dringendes Anliegen
Bisher wurde uns beigebracht, das menschliche Bewusstsein könne aufgrund seiner ungezügelten Fantasie und exzessiven Gefühlswelt leicht ins Schleudern geraten – allerdings auch durch körperliche Entgleisungen, etwa Hormonschwankungen.
Ich möchte nun nicht behaupten, das sei falsch. Man darf nur nicht dabei stehen bleiben, das wäre allzu einseitig … Es ist zu leicht, etwas als ‘Illusion’ abzustempeln, vor allem, wenn diese Etikettierung auch noch mit dem Beiwort ‘kollektiv’ ausgeschmückt wird. Meist dient sie lediglich dazu, etwas Unbequemes zu verbergen, die tiefe Unsicherheit ihrer Nutzer zu vertuschen und ihnen Bestätigung zu geben.
Um unseren Gedanken wieder aufzugreifen – was hier ‘stört’, ist natürlich die Möglichkeit, dass es andere Universen geben könnte, deren Gesetze sich unserem Verständnis entziehen. Das ist überaus unbequem. Es stellt eine ‘Realität’ und ‘Wahrheit’ infrage, die wir gerne festschreiben würden, weil wir befürchten, andernfalls die Orientierung zu verlieren – mit all ihren Annehmlichkeiten, selbst wenn wir mit dem Leben oftmals unzufrieden sind.
Was mich betrifft, so ist es mein erklärtes Ziel, dazu beizutragen, derlei Orientierungspunkte aufzulösen – sowohl durch meine Methoden als auch mit dem Zeugnis dieses Buches. Nicht, um eine Leere zu schaffen, die Panik auslöst, sondern um dazu anzuregen, den Wirklichkeitsbegriff neu zu fassen und im Zuge dessen die Schönheit und Unendlichkeit des Lebensgeistes zu ermessen, der uns beseelt – durch den wir sind .
Sein ist jedoch etwas ganz anderes als bloßes ‘Kopfdenken’, das kann man drehen und wenden wie man will. Es ist schöpferisch … Es bedeutet etwas zu erschaffen – jenseits all dessen, was wir klar von uns erfassen oder ermessen können. Schaffen, als Ausdrucksform unserer Bewusstseinsstufe – um diese zur Sprache zu bringen und erstrahlen zu lassen. Schaffen aber auch, indem wir uns endlich das riesige Kraftreservoir und all die Möglichkeiten bewusst machen, die in uns schlummern. Ich denke dabei an unser unentdecktes schöpferisches Potenzial, an die uns tief innewohnende Göttlichkeit.
Wie lange wird es wohl noch dauern, bis wir einsehen, dass wir unendlich viel mehr sind als eine weise Ansammlung von Haut und Knochen, die von Neuronen in Gang gehalten wird? Dreißig Jahre Recherche auf diesem Gebiet haben mir deutlich vor Augen geführt, dass unsere körperliche Erscheinung, also die ‘messbare’ Seite, nur der sichtbare Teil eines riesigen Eisberges ist. Nur sie zu sehen, ist eine grobe Verkürzung.
Verstehen beginnt mit Versenkung in sich selbst – bis hinein in das tiefste Innere unserer feinstofflichen Konstitution. Bevor wir unsere Untersuchung aufnehmen, möchte ich daher etwas zu meinen Arbeitsinstrumenten sagen, zum Heraustreten aus dem Körper und der Projektion des Bewusstseins in andere Räume. Diese Methode zur Untersuchung des Lebens setzt zunächst einmal eine Selbstuntersuchung voraus. Das muss man sich klarmachen, so widersprüchlich es auch erscheinen mag. Doch sobald die Seele ihre leibliche Hülle verlassen hat, muss sie zunächst einmal in sich selbst eintauchen. Erst dann kann sie aus sich herausgehen. Man wird das schnell begreifen. Die Entdeckung des Universums und seiner Welten wird alsbald zur Erkundungsreise der intimsten Winkel unserer selbst. Diese Aussage ist kein rhetorisches Stilmittel, sondern eine Tatsache, etwas völlig Selbstverständliches, das letztlich zu tiefer Ruhe und Gelassenheit führt.
Daher möchte ich euch einladen, mit mir in den Ozean des Lebens einzutauchen, auf der Suche nach der Pracht und Herrlichkeit jenes Geistes, der uns alle belebt. Die Reise führt durch Welten, die wir selbst erschaffen, Welten des Traums, des Todes, veränderter Bewusstseinszustände – ganz allgemein gesagt, Welten der Maya … zu der auch unser Sein im inkarnierten Zustand nun einmal gehört.
Auch die Welten des Gebets und der Meditation dürfen wir bei unserer ‘Rundreise’ nicht vergessen, ebenso wenig wie das Reich der Elementarwesen, der Archetypen und Engel …
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