Unser Erfahrungshorizont wurde auf eine harte Probe gestellt. Wie war es nur möglich, etwas zu sehen, das sich Hunderte oder gar Tausende Kilometer entfernt von uns abspielte?
Heute, ein halbes Jahrhundert später, erscheint es unvorstellbar, kein Farbfernsehen zu haben. Ebenso undenkbar wäre es, vom problemlosen Zugang zu unzähligen Programmen abgeschnitten zu sein. Es gibt eben zahllose Fernsehkanäle – ganz zu schweigen von damit einhergehenden Finessen, wie etwa der hohen Auflösung. Wir würden uns doch wie Dinosaurier fühlen, wenn wir nicht in diesen Genuss kämen.
Ich mache mir allerdings weniger Sorgen um die ‘Dinosaurier der Technik’, als um unsere Welt, die der Entwicklung hinterherhinkt, lieber herumtrödelt und die Augen verschließt, als sich mit ihrem ureigensten Wesen zu beschäftigen. Wir verhalten uns wie Künstler oder Schauspieler eines einzigen Fernsehkanals …, der die einzig mögliche Lebensform wäre. Das habe ich ja schon öfter gesagt. Welche Ahnungslosigkeit und Blindheit wir in dieser Hinsicht doch an den Tag legen! Das erscheint mir dermaßen kindisch. Es ist fast als würden wir noch immer gelehrten Doktrinen folgend glauben, die Erde sei der Mittelpunkt des Universums.
Die alten Debatten sollten auf diesem Gebiet schon längst überwunden sein – sind es aber leider nicht.
Wir weigern uns standhaft in Betracht zu ziehen, dass im Universum ebenso viele ‘Lebenskanäle’ existieren können, wie es Fernsehkanäle gibt – im Prinzip also unendlich viele.
Als Argument ins Feld zu führen, wir hätten keine wissenschaftlichen Beweise dafür, ist wenig hilfreich. Die Wissenschaft entwickelt sich ja ihrerseits weiter. Ihre Begriffe und Vorstellungen unterliegen einem ständigen Wandel. Gerade in der Physik werden unablässig neue Gesetze entdeckt, die alte Vorstellungen ablösen. Wir sollten die Wissenschaft also nicht zu einer neuen, absoluten Gottheit erklären. Es wäre völlig verkehrt, sie zu einem so unerbittlichen, doktrinären Herrscher zu erheben, wie manche Kirchen ihn auf Erden errichten wollten. Viel sinnvoller ist es, uns ihre Erkenntnisse zu eigen zu machen, weil sie uns helfen, über unsere menschliche Verfasstheit nachzudenken. Ganz entscheidend dabei ist das Prinzip der Analogie. Warum ausgerechnet dies? Nun, weil es wohl eines der grundlegendsten Gesetze des Universums ist.
Ausgehend von diesen Überlegungen, möchte ich euch nahelegen, einmal über die folgenden Fragen nachzudenken:
•Könnte nicht gerade das menschliche Bewusstsein das erhabenste ‘technische Instrument’ überhaupt sein, nämlich ein Werkzeug, das unzählige ‘Schwingungsfrequenzen des Lebens’ aufeinander abstimmen kann?
•Um noch einen Schritt weiterzugehen: Warum sollte das menschliche Bewusstsein nicht in der Lage sein, die ‘Sendungen’ – nicht nur seines , sondern all seiner – Leben selbst zu generieren?
•Könnten nicht Veränderungen der Schwingungsfrequenz oder Wellenüberlagerungen eine Erklärung für das Weiterleben der Seele nach dem Tode des physischen Körpers … und vieler anderer Berührungspunkte mit dem Ungreifbaren sein?
Man könnte eine lange Liste von Phänomenen erstellen, die nicht einzuordnen sind, doch ganz gleich wie lang die Liste ist … und zu welchen Annahmen und Fragen sie Anlass gibt, auf jeden Fall sollte sie dazu führen, unsere Haltung gegenüber den möglichen Manifestationen des Lebens gründlich zu überdenken.
Diese Übung ist nicht etwa ein Schritt ins Irrationale, sie bewirkt gerade eine erweiterte Wahrnehmung des ‘Rationalen’ .
Um gleich aus der Abstraktion herauszukommen und nicht nur ‘allgemein’ zu sprechen, möchte ich euch zwei wahre Geschichten erzählen. Ich war darin Handelnder und Zeuge zugleich.
Die Erste liegt schon viele Jahre zurück. Ich war damals höchsten sechzehn oder siebzehn Jahre alt.
Im Rahmen sonntäglicher Familienausflüge verbrachte ich oft ganze Nachmittage in einem Dorf in der Picardie, das inmitten einer hügeligen Landschaft im Grünen lag.
Ein paar urwüchsige Gehöfte gruppierten sich um eine fünf- oder sechshundert Jahre alte Kirche und eine halb verfallene Mühle herum, die mindestens ebenso alt war. Es war keine Wind-, sondern eine Wassermühle. Was von dem Gebäude übrig war, lag am Ufer eines kleinen Baches, den man ohne Schwierigkeiten durchwaten konnte. Ich war fasziniert von diesem poetischen Ort. Die alten Balken und moosigen Mauern der Mühle berührten meine jugendliche Seele tief. Wenn es nur möglich war, machte ich mich alleine dorthin auf – und sei es nur für ein paar Augenblicke. Von einem solchen Moment möchte ich nun erzählen … Der Wasserstand war an jenem Tag nicht sehr hoch und so entschloss ich mich, meine Schuhe auszuziehen, um endlich einmal den Bach zu durchqueren und am anderen Ufer auf dem Pfad umherzugehen, der etwa zwanzig Meter weiter unter Bäumen durchführte. Kaum hatte ich, ohne mich umzuwenden, die Hälfte der Strecke durch den Bach zurückgelegt, als mich plötzlich eine seltsame Klangerscheinung überkam – oder genauer gesagt, war es eher das Fehlen des Klanges. Ich nahm das Plätschern des Baches nicht mehr wahr und auch nicht den Wind in den Bäumen. Nicht einmal das Vogelgezwitscher oder die Schreie der paar Kinder, die unweit von mir herumplanschten, drangen noch zu mir durch.
Ich machte ein paar Schritte in diese seltsame Abwesenheit einer Klangkulisse hinein, ohne zu begreifen, was eigentlich geschah. Unfähig stehen zu bleiben, starrte ich auf meine Waden, die sich langsam den Weg durch das fließende Wasser bahnten. Plötzlich hörte ich wieder etwas und blickte endlich auch auf. Doch was ich vor mir sah, versetzte mir einen Schock. Meine Füße waren noch immer im Wasser, doch die Umgebung hatte sich völlig verändert. Es war nicht mehr das gegenüberliegende Ufer jenseits der Wasserfurt. Es war auf einmal ein ganz anderer Fluss. Er war ziemlich breit. Das Ufer war mit Binsen und einer Art Wasserhyazinthen bewachsen. Außerdem waren menschliche Gestalten zu sehen, die gerade Schalen aus geflochtenem Schilf, in denen je eine kleine Flamme brannte, aufs Wasser setzten, um sie vom Fluss forttragen zu lassen. Ich weiß noch genau, welche Gefühle die Schönheit dieser Szene und der intensive Duft, den sie verströme, in mir auslösten. Ich setzte meinen Weg fort. Auch daran erinnere ich mich gut. Während ich immer tiefer in die Kulisse eindrang, fiel mir plötzlich auf, wie seltsam die Wesen aussahen, auf die ich mich zubewegte. Einige von ihnen blickten mich an … Ihre Gesichter waren lang und bleich. Alle sahen außergewöhnlich jung aus und hatten weder eindeutig weibliche noch männliche Züge. Sie waren von hoher, graziler Gestalt und wirkten dadurch sehr elegant. Auch die Kleidung versetzte mich in Erstaunen. Die meisten Gewänder waren zartgelb und leicht, wie ganz weiche, durchschimmernde Seide. Wenn ich heute daran zurückdenke, so möchte ich sie am ehesten mit Irisblättern vergleichen. Eines der Wesen deutete, als es mich sah, mit dem Finger auf mich und äußerte etwas, voller Erstaunen … wohl ein paar Worte, die ich nicht verstand. Sie klangen in meinen Ohren überstürzt und sehr hell.
Ich glaube, allmählich wurde mir klar, dass ich hier nichts verloren hatte. Wahrscheinlich war ich ohne es zu bemerken auf einem Filmset aufgekreuzt. Jedenfalls war ich überzeugt, zu stören. Also drehte ich mich lieber am Absatz um. Ich wollte gehen, bevor man mich dazu auffordern musste. So blickte ich wieder ins Wasser und hielt Ausschau nach den Steinen am Grund, um nicht zu stolpern. Kaum hatte ich ein paar Schritte gemacht, nahm ich auch schon wieder das merkwürdige Fehlen aller Klänge wahr, das ich wenige Augenblicke zuvor erlebt hatte. Erneut drang nicht der leiseste Laut in mich ein. Allerdings hatte ich gar keine Zeit, mir Sorgen zu machen, schließlich musste ich mich erst einmal orientieren und blickte mich nach meinem Ausgangspunkt um.
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