Rebecca Solnit - Die Kunst, sich zu verlieren

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Geschichten des Verschwindens, des Sich­Verlierens, des Verloren­Gehens und des Sich- Wiederfindens. Trost und Anleitung zu einem freieren Leben. Rebecca Solnit erzählt die Geschichte des spanischen Konquisitadors Cabeza de Vaca, der sich auf dem amerikanischen Kontinent verliert, um als anderer Mensch und in neuer Haut zu sich selbst zu finden; sie schreibt über das Leben ihrer Urgroßmutter, die erst zwischen dem Russischen, Polnischen und Jiddischen und dann auf ihrem Weg von Osteuropa an die amerikanische Westküste verloren geht; sie berichtet von sich und ihrer Welt. Immer geht es um Verlassenheit und Hingabe, um Geschichten als Pfade, um das Einschla­ gen unbekannter Wege. Sanft verführt sie uns zum Abschweifen. Wie in Wanderlust, ihrer Kulturgeschichte des Gehens, beweist die Autorin auch in Die Kunst, sich zu verlieren ihre glasklare Beobachtungsgabe, mit der sie unsere Bereitschaft weckt, zufälligen und überraschenden Entdeckungen nachzugehen. Wie keine Zweite versteht sie es, Lebensgeschichte als das zu erzählen, was sie ist: eine Ansammlung von persönlichen, erlebten, erträum­ten, gefundenen und erfundenen Geschichten, die Rebecca Solnit gleich einer Goldgräberin birgt und mit uns teilt.

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Ich möchte jetzt von einem seltsamen Phänomen berichten, das unter den Pit-River-Indianern auftritt. Die Indianer nennen es auf Englisch »wandering«. Sie sagen über einen bestimmten Menschen: »Er wandert gerade« oder »Er hat angefangen zu wandern«. Für manch einen scheint es bei bestimmten seelischen Belastungen einfach zu schwer zu sein, das Leben in der gewohnten Umgebung auszuhalten. Solch ein Mensch beginnt zu wandern. Ziellos streift er durchs Land. Hier und dort verweilt er kurz in den Lagern von Freunden oder Verwandten, doch dann zieht er weiter, bleibt nirgendwo länger als ein paar Tage. Nie drückt er seinen Schmerz, seinen Kummer oder seine Sorge äußerlich aus … Der Wanderer, ob Mann oder Frau, meidet Lager und Dörfer, bleibt lieber in wilden, einsamen Gegenden, auf den Gipfeln der Berge, am Grund der Canyons.

Dieser Wanderer ist gar nicht so weit entfernt von Woolf – auch sie kannte die Verzweiflung und den Wunsch nach dem, was die Buddhisten »Erlöschen« nennen, ein Wunsch, der sie schließlich, die Manteltaschen voller Steine, in einen Fluss trieb. Hier geht es nicht darum, dass man sich verirrt hat, sondern darum, dass man sich verlieren will.

De Angulo schreibt weiter, dass das Wandern zum Tod, zur Hoffnungslosigkeit, zum Wahnsinn, zu verschiedenen Formen der Verzweiflung führen kann, aber auch zu Begegnungen mit anderen Mächten in den entlegeneren Gegenden, in die ein Wanderer ziehen kann. Er endet mit den Worten:

Wenn man selbst schon ziemlich wild geworden ist, dann kommen vielleicht einige der wilden Wesen und schauen sich einen an, und eins von ihnen wendet einem vielleicht seine Aufmerksamkeit zu, nicht, weil man leidet und friert, sondern einfach, weil es zufällig mag, wie man aussieht. Wenn dies geschieht, ist das Wandern vorbei, und der Indianer wird Schamane.

Man verliert sich, weil man den Wunsch hat, sich zu verlieren. Doch dort, wo man sich verliert, findet man seltsame Dinge, merkt de Angulos Herausgeber an: »Die Alten sagen, alle Weißen sind Wanderer.«

Während jener langen Zeit, als die Geschichten nur so auf mich einprasselten, gab ich eine Lesung in einer Bar in einer Straße, die früher einmal am Wasser entlang verlief, bevor das Ufer aufgefüllt wurde, um an der Nordküste der Halbinsel, auf der San Francisco liegt, noch ein paar Häuserblöcke herauszuquetschen. Ich las ein kurzes Stück, das mit einem Wolkenbruch endete, und ein zweites über die See, und dann ging ich mir einen Drink holen. Carol, die Frau des Mannes, der mich zu der Lesung eingeladen hatte, winkte mich zu dem Barhocker neben sich herüber und erzählte mir schließlich von dem Tätowierkünstler, der über viele Jahre ihr Nachbar gewesen war. Er war jahrzehntelang ein Junkie gewesen, und irgendwann hatte sich dann an seiner Hand, dort, wo er sich einen Schuss gesetzt hatte, Schorf entzündet. Er landete mit einer fast tödlichen systemischen Infektion im Krankenhaus, und es musste ihm der Arm, der rechte Arm, der Arm, mit dem er arbeitete, amputiert werden. Doch am Ende jener langen Zeit, als er bis an den Rand des Todes gegangen und wieder zurückgekehrt war, meinte der Arzt zu seiner Verwunderung, er sei von seiner Abhängigkeit geheilt. Er wurde zwar ohne sein Handwerk, aber »clean« aus dem Krankenhaus entlassen und musste bei null anfangen, ein ebenso abruptes und überwältigendes In-die-Welt-geworfen-Werden wie die Geburt. Auf den Arm war ein Drache tätowiert gewesen, der jetzt bis auf den Kopf völlig verschwunden war.

Meine Freundin Suzie erzählte mir, während ich sie von jener Bar nach Hause fuhr, von der wahren Bedeutung der Figur der Justitia, die mit verbundenen Augen eine Waage in der Hand hält. Suzie malte ihre eigenen Tarotkarten und durchdachte dabei jede Karte neu. Justitia stand, laut einem Buch über die antike Mythologie, vor den Toren des Hades und entschied, wer hineindurfte; in den Hades einzugehen bedeutete, auserwählt zu sein für eine Verfeinerung durch Leiden, Abenteuer und Verwandlung, ein Weg der Bestrafung, dessen Belohnung das verwandelte Selbst ist. Das warf ein anderes Licht auf den Gang in die Hölle. Und es legte nahe, dass die Gerechtigkeit viel komplizierter und unberechenbarer ist, als wir es uns oft vorstellen, dass das Ende weiter weg als erwartet und viel schwerer abzuschätzen ist, wenn am Ende alles ausgeglichen sein soll. Außerdem legt es nahe, dass ein behagliches Leben zu führen bedeuten kann, auf der Strecke geblieben zu sein. Geh in die Hölle, doch wenn du dort bist, geh weiter und komm am anderen Ende wieder heraus! Schließlich malte Suzie eine Gruppe am Lagerfeuer, ihr Bild der Gerechtigkeit, und meinte, für sie sei Gerechtigkeit, wenn man sich auf dem Weg gegenseitig hilft. An einem anderen Abend erzählte mir ihr Partner David von einem seiner Bekannten, einem Biologen auf Hawaii, der neue Arten entdeckt, indem er sich absichtlich im Regenwald verirrt. Das dichte Blattwerk und der bedeckte Himmel machen einem diese Aufgabe dort leichter als auf dem Hochplateau der Wintu.

David fotografierte schon seit Jahren im Regenwald von Hawaii und anderswo gefährdete Arten, und seine Bildersammlung und Suzies Tarotkarten schienen irgendwie zusammenzupassen. Da viele Arten verschwinden, wenn ihr Lebensraum verschwindet, fotografierte er sie vor dem Nichts eines schwarzen Hintergrunds (was manchmal bedeutete, dass er an den unmöglichsten Orten und im unerbittlichsten Klima ein schwarzes Samttuch aufhängen musste), wodurch jedes Tier, jede Pflanze, allein vor dem Dunkel, wie für eine Porträtaufnahme arrangiert schien. Und die Bilder sahen auch aus wie Karten, Karten aus dem Kartenspiel der Welt, wo jedes Tier eine Geschichte beschreibt, eine Art des Daseins in der Welt, ein Bündel von Möglichkeiten, ein Spiel, aus dem ständig Karten weggeworfen werden, eine nach der anderen. Pflanzen und Tiere sind auch eine Sprache, selbst in unserem reduzierten, domestizierten Englisch, wo Kinder wie Unkraut wachsen oder auf Rosen gebettet sind, wo der Markt aus Bullen und Bären besteht und die Politik aus Falken und Tauben. Wie Karten, so kann auch die Flora und Fauna immer wieder gelesen werden, nicht nur für sich allein, sondern im Zusammenhang, in den sich endlos verändernden Zusammenhängen einer Natur, die ihre eigenen Geschichten erzählt und die unseren färbt, eine Natur, die wir zunehmend verlieren, ohne überhaupt das Ausmaß dieses Verlusts zu erkennen.

Tatsächlich hat der Begriff des »Verlierens« zwei verschiedene Bedeutungen. Dinge zu verlieren hat damit zu tun, dass Bekanntes wegfällt; sich zu verlieren hat damit zu tun, dass Unbekanntes auftaucht. Es gibt Dinge und Menschen, die verschwinden, und dann sieht, kennt oder besitzt man sie nicht mehr – man verliert ein Armband, einen Freund, einen Schlüssel. Aber man weiß immer noch, wo man selbst ist. Alles ist vertraut, nur dass da ein Gegenstand weniger ist, ein fehlendes Element. Verliert man dagegen sich, ist die Welt größer geworden als das Wissen, das man von ihr hat. So oder so entsteht ein Verlust an Kontrolle. Man stelle sich vor, man strömt durch die Zeit und legt Handschuhe, Schirme, Schraubenschlüssel, Bücher, Freunde und Freundinnen, Wohnungen, Namen ab. So sieht die Welt aus, wenn man sich mit dem Rücken zur Fahrtrichtung in einen Zug setzt. Blickt man nach vorn, erfährt man ständig Momente der Ankunft, Momente der Erkenntnis, Momente der Entdeckung. Der Wind weht einem die Haare zurück, und man wird von Dingen begrüßt, die man noch nie gesehen hat. Das Materielle fällt angesichts der auf einen einstürmenden Eindrücke von einem ab. Es schält sich ab wie die Hüllen einer sich häutenden Schlange. Die Vergangenheit zu vergessen bedeutet natürlich, das Gefühl von Verlust zu verlieren, das auch eine Erinnerung an einen fehlenden Reichtum darstellt und eine Reihe von Anhaltspunkten liefert, mit deren Hilfe man sich in der Gegenwart orientieren kann; die Kunst besteht nicht darin, zu vergessen, sondern darin, loszulassen. Ist alles andere verschwunden, so kann man durchaus reich an Verlusten sein.

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