“Das ist es also? Du bist ein Kopfgeldjäger, der auf seine eigene Spezies Jagd macht?” sprach sie, ohne ihn anzublicken. Sie marschierte weiter hin und her. “Du willst mich ausliefern, mir einen Gnadendeal oder so aushandeln?”
“Nein. Das würde nicht mal ansatzweise deine Probleme lösen. Wenn du zum Staatsanwalt gehst und um eine Verständigung bittest, dann würde diese nur eine der vielen Parteien ansprechen, die dich verfolgen und die wollen dich wahrscheinlich im Knast sehen. Das wäre nur eine Verschwendung deiner Talente. Deiner Schönheit.”
Darauf blieb sie stehen, ihr Blick sprang zu ihm.
“Meine Schönheit? Soll dieser Deal eine Art Anmache sein?” fragte sie entsetzt.
“In gewisser Weise schon. Ich gebe zu, ich habe dich ausfindig gemacht. Dich beobachtet, deine Vergangenheit durchleuchtet. Du bist interessant, Aurelia. Aus mehreren Gründen, aber bleiben wir einfach dabei, dass du zu meiner Art gehörst und dazu noch total umwerfend bist … das hat definitiv dazu beigetragen, dass du es bis ganz oben auf meine Liste geschafft hast.”
“Und wie kommt es, dass du Listen aufstellst und Deals anbietest?” fragte sie.
“Ich bin Geschäftsführer von Lunacorp,” sprach er. Wie erwartet erkannte sie den Namen sofort. Sie musste lächeln.
“Ich wusste, dass Lunacorp von Wölfen geführt wird,” sprach sie leicht triumphierend. Kurz darauf verflüchtigte sich jedoch ihr Lächeln.
“Du bist also der Boss. Was bringt mir das?” wollte sie wissen.
“Wie du weißt, ist Lunacorp in den vergangenen Jahren exponentiell gewachsen. Wir haben mehr Geld, als wir jemals ausgeben könnten, als unsere Enkelkinder jemals ausgeben könnten und wir langweilen uns. Wir sind einsam. Von Menschen umgeben und von anderen Wölfen isoliert. Das möchten wir gerne ändern.”
“Wir? Wer sind bitteschön wir ?”
“Ich bin der Federführer, wenn man so will. Aber Ben und Walker befinden sich auf demselben Weg wie ich und sind genauso isoliert. Wir haben nur uns drei.”
“In den Staaten gibt es tausende Wölfe. Du könntest einfach nach New York fliegen und etwas sagen. Hunderte Weibchen würden sich dir an den Hals werfen und sich um deinen Lifestyle reißen. Ich aber … ich bin in Indien. Ich werde gesucht. Warum ausgerechnet ich?”
“Wie gesagt, deiner Talente wegen. Und wegen deiner Schönheit.”
“Dann spuck es aus,” sprach sie. “Wie lautet dein Angebot?”
Lucas nickte, er leckte sich die Lippen.
“Ich will dich. In meinem Haus, hier. In meinem Bett. Ich möchte dir eine Reihe an Verträgen anbieten. Einen für deine Computerkenntnisse. Damit du mit Ben zusammenarbeitest und neue Programme entwickelst. Einen Vertrag, um meine Geliebte zu sein, oder eine davon. Ich möchte mehreren Weibchen diese Art von Deal anbieten, einen Deal, der ihnen zugutekommt und mich oder einen der anderen Jungs involviert. Wir wären nicht exklusiv, es sei denn, es ergibt sich ganz von selbst.”
“Du willst mich mit ihnen teilen? Sie könnten sich nehmen, was immer sie wollten, wann immer sie wollten?” sprach sie neugierig und beleidigt zugleich.
“Du könntest mit ihnen anbandeln oder nicht. Deine Wahl. Im Vertrag wird nur festgelegt, dass du bei mir bleibst und dass ich dich verführen darf.”
“Und was würde dabei für mich herausspringen?”
“Ich sorge dafür, dass deine Kopfgelder widerrufen werden und dass jede Organisation, die hinter dir her ist, auf andere Weise zufriedengestellt wird. Nach Ende deines Vertrags könntest du dich frei in den USA bewegen. Du wirst nie in einer Gefängniszelle einsitzen. Und solange du mit mir zusammen bist, wirst du alles bekommen, was du begehrst. Kleider, Schmuck, Wellness, was immer du willst. Zugang zur neuesten Technologie, ich weiß, dass dir das gefehlt hat.”
Aurelia musterte ihn, ging zur Couch zurück und setzte sich.
“Und wenn ich ablehne? Was, wenn ich meine Tasche schnappe und verschwinde?” fragte sie und neigte den Kopf zur Seite.
Lucas griff in seine Hosentasche und holte sein Smartphone raus. Er öffnete die Fotogalerie und reichte ihr das Telefon. Zu sehen waren dutzende Bilder von ihrem Bruder, ihrer Schwägerin und den beiden Kindern.
Aurelia atmete scharf ein. Wut brodelte so rasant in ihr auf, dass sein Wolf ihre Emotionen wahrnahm.
“Du wagst es, meine Familie zu bedrohen?” hisste sie und hielt ihm das Handy hin. Das Foto zeigte ihren Bruder Edgar, wie er seine kleine Tochter auf dem Arm hielt.
“Nein, du verstehst nicht. Ich habe diese Fotos vom Laptop eines Polizeiagenten in Dubai kopiert.”
Aurelia beruhigte sich leicht und biss ihre Lippe.
“Ich war sicher, dass ich unsere Verbindung vergraben habe. Ich habe monatelang jeden digitalen Hinweis gelöscht, der zeigte, dass wir uns je begegnet waren,” flüsterte sie, als sie durch die Fotos scrollte.
“Leider ist er ein Softwareingenieur bei einem führenden Tech-Unternehmen und ihr habt denselben Namen. Abgesehen davon und der Tatsache, dass er weiter über dich redet und deinen vollen Namen benutzt … kannst du ihn unmöglich verstecken,” erklärte Lucas höflich.
“Wenn ich also nein sage, dann wirst du ihnen meinen Bruder ausliefern?” fragte sie.
“Nein, ganz und gar nicht,” sprach Lucas und rückte näher. Er streckte die Hand aus und hob ihr Kinn, sodass sie ihm in die Augen blickte.
“Nehmen wir an, du bist einverstanden und deine Schulden werden beglichen. Genau das biete ich dir an, zusammen mit einem ständigen Security-Team für deinen Bruder und seine Familie. Solange du bei mir bleibst, wird ihm niemand Schaden zufügen können, um so an dich heranzukommen.”
Aurelias Lippe bebte, ihre Hände zitterten leicht, als sie das Telefon auf dem Sofa ablegte.
“Werde ich meinen Bruder sprechen können?” fragte sie.
“Wir können ihn für einen Besuch herholen. Wenn dein Vertrag vorbei ist, kannst du dir in seiner Nähe ein Haus kaufen, wenn du möchtest.”
Aurelia entzog sich seiner Berührung und presste den Handrücken an ihr Auge. Sie fuhr mit den Händen über ihre von der Reise zerdrückten Haare, atmete tief ein und machte den Rücken gerade. Fast musste Lucas lächeln, als er beobachtete, wie sie ihre Haltung ausrichtete, um eine Entscheidung zu treffen.
Sie blickte ihm in die Augen, dann reichte sie ihm die Hand.
“Einverstanden,” sprach sie mit gestählter Stimme.
Lucas nahm ihre Hand, er schätzte ihren festen Griff. Die Berührung ließ seinen Wolf hervorkommen, der sich überaus für die atemberaubende Frau interessierte.
“Wenn das so ist,” sprach er. Er ließ ihre Hand los, beugte sich vor und atmete ihren Duft ein. Er konnte ihre Wölfin spüren, ihre wachsende Aufgeregtheit und Unruhe, das Flattern ihres Herzschlags in seiner Nähe.
Seufzend atmete er aus.
“Ich muss zugeben, mein Wolf steht auf dich,” sprach er mit einem Grinsen.
Aurelia schenkte ihm ein unsicheres Lächeln und Lucas wurde klar, dass sie überwältigt und müde war.
“Na schön. Wir werden Folgendes tun,” sprach er und übernahm wieder die Kontrolle. “Ich werde dir dein Zimmer zeigen und deinen Koffer bringen. Ich werde dir Essen und den Vertrag bringen. Du kannst schlafen oder ein Bad nehmen. Was immer du willst. Du kannst dir das Kleingedruckte ansehen und mir alle nötigen Fragen stellen …” Er verstummte und winkte mit der Hand.
“Okay,” sprach Aurelia. Sie war sichtlich ermüdet.
“Dann werde ich dich zu unseren Suiten führen.” Er stand auf und reichte ihr die Hand. Sie nahm sie und er zog sie auf die Füße hoch. Statt wieder loszulassen, verschränkte er die Finger in ihre und führte sie zum hinteren Ende des Hauses.
Er führte sie nach oben bis zum Abschnitt, wo zwei Flure waren.
“Du und ich sind auf dieser Seite,” erklärte er ihr. “Mein Zimmer ist ganz am Ende. Zwischen unseren Schlafzimmern gibt es große Bäder und Wohnzimmer, alles miteinander verbunden. Die erste Tür ist für dich.”
Читать дальше