Ben wirkte wie vor den Kopf gestoßen, während Walkers steinerne Miene ungerührt blieb.
“Du willst, dass wir alle Weibchen miteinander teilen?” sprach Walker. “Wölfe teilen normalerweise nicht gerne miteinander. Fressen, Frauen, ihr Territorium …”
“Ich denke, mit jeder Frau wird es anders laufen. Letzten Endes wird es von ihr abhängen, ich kann mir aber vorstellen, dass es auch von unserem persönlichen Level der Anziehung abhängen wird. Wenn ich eine Frau wähle, um mich mit ihr zu paaren, dann würde ich erwarten ihr einziger Partner zu sein.”
“Und wenn wir alle uns auf jeweils eine Frau einigen, was wird dann mit dem Rest?” fragte Ben.
“Wir könnten sie finanziell absichern und versuchen ihnen einen akzeptablen Partner zu finden, sollten sie dafür bereit sein,” entgegnete Lucas.
Ben schwieg eine Zeit lang, dann fing er an zu schmunzeln.
“Du findest das witzig?” sprach Lucas und zog eine Augenbraue hoch.
“Naja, schon. Als ob du deinen eigenen Dating-Service einrichtest,” entgegnete Ben.
“Hast du einen besseren Vorschlag? Oder willst du etwa für immer Single bleiben? Oder nur mit Menschenfrauen ausgehen und deinen Wolf vor ihnen verstecken?” sprach Lucas herausfordernd.
“Nein,” entgegnete Ben knapp und lehnte sich mit finsterer Miene in seinen Stuhl zurück.
“Oder wir könnten alle ledig bleiben, wie andere Wölfe?” bot Lucas an und warf Walker dabei einen eindringlichen Blick zu.
“Ich traue den Frauen nicht,” verkündete Walker achselzuckend.
“Das ist ja das Schöne an der Sache,” erläuterte Lucas. “Es wird einen Vertrag geben, in dem festgelegt ist, dass die Weibchen unsere Bedingungen erfüllen und unsere Identitäten wahren. Im Gegenzug erhalten sie einen finanziellen Ausgleich und Schutz. Sollten sie gegen den Vertrag verstoßen, dann werfen wir sie schnurstracks wieder in ihr altes Chaos zurück.”
Ben und Walker blickten einander an. Sie hatten offensichtlich Vorbehalte.
“Das klingt wie …” begann Ben und hielt inne.
“Gekaufter Sex,” ergänzte Walker unverfroren.
“Ich habe nicht vor den Sex vertraglich zu regeln. Nur ihre Begleitung. Ich gehe nämlich davon aus, dass wir alle in der Lage sind unser Äußeres, unseren Charme und unsere Dominanz zu unserem Vorteil einzusetzen. So bleibt alles legal. Sicher.”
Walker entspannte sich sichtlich und Ben nickte. Lucas wusste, dass er sie immer überzeugen würde.
Er stand auf und ging durch die Fotos auf seinem Schreibtisch, bis er eines fand, das Aurelia voll bekleidet zeigte. Er überreichte es Walker und sprach weiter: “Dieses Weibchen hat einen außergewöhnlichen Verstand. Sie ist gutaussehend. Ich bezweifle nicht, dass sie eine Menge Temperament hat. Und zu unserem Glück steckt sie auch noch ganz schön in der Scheiße. Ein dutzend mehr Frauen befinden sich in einer ähnlichen Lage und es gibt andere, die wir noch gar nicht aufgespürt haben. Zuerst möchte ich Aurelia zu uns holen, denn ihre Situation ist prekär.”
Die Männer nickten und Lucas fiel ein Stein vom Herzen. Er nahm sein Mobiltelefon und schickte dem Bodenteam eine Nachricht, damit sie mit dem Plan fortfuhren.
Dann blickte Lucas zu seinen besten Kumpels und Businesspartnern und grinste.
“In zwei Tagen treffen sie uns auf dem Anwesen. Ich schlage vor, wir fliegen raus und machen alles klar.”
“Na schön. Lasst uns loslegen,” sprach Ben, diesmal voller Enthusiasmus.
Walker erhob sich und streckte Lucas die Hand aus. Sie packten gegenseitig ihre Hände, ihr Einvernehmen war ohne Worte aber mächtig.
Lucas lehnte sich über seinen Schreibtisch und drückte den Intercom-Knopf.
“Leila, mach den Helikopter klar. Walker und Ben begleiten mich zum Berganwesen. Wir werden mehrere Tage dort bleiben.”
Ohne auf eine Antwort zu warten schnappte er sich sein Jackett und führte sie aus dem Büro hinaus.
Ein Knurren kam aus Lucas’ Schnauze, als seine Pfoten im selben Takt seines Herzschlags auf dem weichen Nadelteppich des Waldbodens aufsetzten. Bens riesiger Grauwolf trabte nur wenige Meter zu seiner Rechten, Walkers gelbgrauer Timberwolf zu seiner Linken. Ben zog an ihnen vorbei und entlockte Lucas und Walker ein einvernehmliches Knurren. Der Grauwolf raste weiter voraus und als sie die Lichtung durchbrachen und die grasigen Hügel erreichten, auf denen ihr Haus stand, legte er unerwartet noch einmal an Kraft und Geschwindigkeit zu.
Ben wurde auf halbem Wege durch den Vorhof langsamer, Lucas und Walker taten es ihm gleich. Sie alle machten Halt, setzten sich und ließen ihre Zungen heraushängen.
Lucas fragte sich, warum sie nicht jedes verdammte Wochenende hier oben verbrachten. Das weitläufige Anwesen lag in den Blue Ridge Mountains versteckt, ungefähr zwanzig Minuten außerhalb von Asheville, North Carolina. Mit atemberaubenden, kiefernbedeckten Hügeln so weit das Auge reichte, winzigen Bächen mit kristallklarem Wasser und kaum Menschen weit und breit … es war eine Art Wolfsparadies.
Das Haus an sich war bereits außerordentlich, mit Wänden aus Glas und Zedernholz, die in den Himmel ragten und sechshundertfünfzig Quadratmetern, die sich auf drei Etagen verteilten und dennoch von der hochragenden Kieferkulisse in den Schatten gestellt wurden. Lucas hatte einen Pool und eine Grotte einbauen lassen, sozusagen als Wink an Hugh Hefners verschrobenes Genie.
Lucas stand gähnend auf und schüttelte seinen Pelz aus, ehe er die Gestalt wechselte.
“Ich bin am Verhungern,” sprach Ben und lief splitterfasernackt die Stufen der Veranda hoch. Er ging direkt in die Granit- und Edelstahlküche und machte sich am Kühlschrank zu schaffen.
“Wie wär’s, wenn du dir erstmal eine Hose anziehst, bevor du das Essen anrührst?” murrte Walker.
“Du bist doch nur sauer, weil ich schneller war,” stichelte Ben, als er ein paar Sandwichs aus dem Kühlschrank holte und sie auf den Tresen warf.
Lucas las seine Kleider vom Boden auf. Er war lässig gekleidet, mit eng geschnittenen Jeans und einem grauen Karohemd, für das die Frauen ihm oft Komplimente machten. Keine Schuhe, denn Wölfe kamen mit ein paar Stöcken und Steinchen unter der Sohle ziemlich gut zurecht.
“Wenn du ein Sandwich machst, dann mach gleich mehrere,” sprach Lucas. “Mit doppelt Fleisch.”
Ben schnaubte, machte sich aber an die Arbeit und ein paar Minuten später lungerten alle drei, Sandwich in der Hand, wieder komplett bekleidet in ihrem überdimensionierten Bau. Ben, er war bei Weitem der häuslichste der drei, brachte sogar Teller, Bier und Servietten. Sie aßen schweigend.
Als Lucas gerade sein Sandwich herunterschlang, klingelte sein Telefon. Einmal. Zweimal. Ein drittes Mal.
“Scheiße, das muss unser Mann sein,” sprach er und sprang auf, um sein Telefon vom Küchentresen zu schnappen. Das Klingeln verstummte und er blickte stirnrunzelnd auf sein Telefon. Als er sich umwandte, blickte er in zwei überaus selbstgefällige Gesichter.
“Was?” sprach er.
“Jemand ist aufgeregt,” verkündete Walker.
“Sollte dieses Weibchen auch nur ansatzweise mitbekommen, wie Luc sie gestalkt hat, dann wird sie das Weite suchen,” sprach Ben und lachte.
“Oder schlimmer. Sie wird ihn um den Finger wickeln. Lucas wird ihr Fotzenknecht werden,” sprach Walker und grinste. Die Vorstellung gefiel ihm offensichtlich.
“Halt’s Maul. Ich bin wuschig und sie ist scharf, das ist alles. Abgesehen davon werde ich der einzige sein, der ihr irgendetwas über mich verklickert, denn ihr beide werdet euch verdünnisieren, wenn ich mit ihr rede. Klar?” erklärte Lucas und warf ihnen einen eindringlichen Blick zu.
“Ich möchte sie wenigstens kennenlernen,” sprach Ben und grinste. “Wenn sie dermaßen toll ist. Wir alle sollten eine Chance bei ihr bekommen.”
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