Ließen die Verhältnisse eine weitere Pflege durch die Angehörigen nicht mehr zu, musste ein Platz in einer geeigneten Einrichtung irgendwo zwischen „Zimmer mit Gesellschaft“ und „vollstationärer Pflege“ gefunden werden. Die Konzepte dafür wandelten sich mit der Zeit (12):
In den 40-er Jahren bis Anfang der 60-er wurden Einrichtungen als Verwahranstalt geplant, in der der pflegebedürftige Insasse verwahrt wurde
In den 60-er bis 70-er Jahren herrschte das Leitbild „Krankenhaus“ vor, und hier wurde der pflegebedürftige Patient behandelt
seit den 80-er Jahren hat sich das Leitbild „Wohnheim“ durchgesetzt, wo der pflegebedürftige Bewohner nun aktiviert wird.
In den letzten beiden Jahrzehnten änderten sich Blickwinkel und Bedürfnisse erneut. Der Idee von Hilfe jederzeit und später Hilfe bei Bedarf folgten andere. Auch das Konzept des Betreuten Wohnens ging auf Dauer nicht auf, da es nicht alle Bedürfnisse der Senioren berücksichtigt. In dem Maß, in dem die ältere Generation ein neues Selbstbewusstsein entwickelt und unabhängig von Familie und Staat leben will, entstehen derzeit Konzepte, in denen Leben, Wohnen und gegenseitige Hilfe statt Abhängigkeit und Verpflichtung in den Vordergrund rücken. Die Idee des Gemeinschaftlichen Wohnens beginnt sich zu verbreiten.
Auch dies wird nicht bis in alle Ewigkeit halten. Irgendwann kommen andere Strömungen und Entwicklungen.
Blutsbande – Pflege durch die Angehörigen
Frau A. lebt allein und ist halbtags berufstätig. Mittags kümmert sie sich um die Kinder ihrer berufstätigen Tochter, abends fährt sie zu den eigenen Eltern. Um die Pflege des Vaters sicherzustellen, hat sie vor einiger Zeit einen ambulanten Pflegedienst zugezogen, doch ihrem Vater fällt es schwer, fremde Menschen in seiner Wohnung zu ertragen. Frau A. überlegt nun, ob sie ganz zu den Eltern ziehen soll.
Die Versorgung eines alten Menschen ist noch immer vorwiegend Aufgabe der Angehörigen, vor allem der Frauen. Da sie aber meist selbst zum Familieneinkommen beitragen und sich zudem um die Kinder kümmern, ergibt sich für sie ein Bündel von Diensten, die im Alltag schwer zu vereinbaren sind. Daraus erwächst die Gefahr, dass die Pflege überfordert und das Hilfeversprechen sich in Hilflosigkeit wandelt. Besonders die Pflege eines dementen oder in seiner Persönlichkeit veränderten Angehörigen kann schwer belasten.
Die Unterstützung älterer Familienmitglieder durch die Angehörigen lässt sich in vier Gruppen unterteilen:
gelegentliche Hilfe bei der weitgehend selbstständigen Haushaltsführung
gelegentliche Hilfe im gemeinsamen Haushalt
umfangreiche Hilfe bei getrennter Haushaltsführung
umfassende Vollpflege im eigenen Haushalt
Während gelegentliches Putzen, Waschen, Kochen, Einkaufen und ab und zu Unterstützung bei der Körperpflege sich noch in den eigenen Tagesablauf integrieren lassen, sind umfangreichere, manchmal tägliche Pflegeleistungen in getrennten Haushalten kaum noch zu erbringen. Hier entlastet der professionelle Pflegedienst, dessen Fachkräfte schnell und effektiv die tägliche Pflege oder andere Hilfestellungen meistern und zusätzlich Beratung anbieten.
Mit Einführung der Pflegeversicherung ist diese Leistung erschwinglicher geworden. Ob und in welchem Ausmaß Hilfen möglich sind, erläutert die zuständige Pflegekasse. Reicht die Hilfsbedürftigkeit für zumindest Pflegestufe I nicht, muss nötige Unterstützung selbst finanziert werden. Ist das Geld dafür nicht da und sind die Hilfen dennoch notwendig, um Gefahren abzuwenden oder einen Pflegeheim-Aufenthalt zu vermeiden, kann unter bestimmten Bedingungen das Sozialamt einspringen.
Viele Senioren, besonders die im Alter weiter vorangeschrittenen, nehmen die Hilfe ihrer Familie dankbar an. Aber immer mehr wollen im Alter nicht von ihren Kindern versorgt werden, sich weder emotional noch räumlich oder finanziell abhängig machen. Sie wollen ihren eigenen Lebensrhythmus und -stil beibehalten und sich nicht an die Erfordernisse eines Pflegeverhältnisses anpassen. Untersuchungen belegen (13):
Senioren wollen heute so lange wie möglich selbstständig wohnen.
Immer mehr von ihnen sind auch im Alter noch umzugsbereit.
Der Bedarf an selbstbestimmten Wohnformen wächst.
Vor allem die Jungen Alten suchen frühzeitig nach Alternativen, um es gar nicht erst zu einer solchen Situation kommen zu lassen. Sie möchten oft lieber in den eigenen vier Wänden bleiben und sich von professionellen ambulanten Diensten helfen lassen, als die Familie in die Versorgung einzuspannen.
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