Schließlich ist besser informierten Zeitgenossen bekannt, dass es in Zeiten Hildegards von Bingen über viele Klimaperioden deutlich wärmer war als heute. Es handelte sich um die globalweite mittelalterliche Warmzeit (s. unter 2.4.4). Man hat vermutlich davon gehört, dass die Wikinger im mittelalterlichen Grönland von der Landwirtschaft leben konnten. Man kennt aber auch umgekehrt die berühmten Winterbilder holländischer Genremaler, wie z.B. Pieter Breughels Heimkehr der Jäger in Schnee und Eiseskälte und vermutet zutreffend, dass diese Zeitperiode (kleine Eiszeit) wesentlich kälter als heute war. Dann stellt sich die wichtigste Frage: War die relativ geringfügige globale Erwärmung des 20. Jahrhunderts natürlich, oder wurde sie durch anthropogene CO 2-Emissionen verursacht? Und weiter: Ist es überhaupt sinnvoll und wünschenswert, gegen diese Erwärmung etwas zu unternehmen – vorausgesetzt, dies wäre überhaupt möglich ? Schließlich waren die letzten 45 warmen Jahre vielen von uns als angenehm und keineswegs als katastrophal in Erinnerung.
Die korrekten Antworten auf solche Fragen erscheinen angesichts der Komplexität des Klimas nicht einfach. Es wird sich aber zeigen, dass sie dennoch möglich sind. Voraussetzung dafür ist, dass sie auf dem heutigen Stand der Klimaforschung basieren sowie möglichst verständlich und nachvollziehbar sind. Dies ist möglich, weil wir uns im Buch im Wesentlichen auf die Beantwortung folgender Kernfragen beschränken wollen:
Liegen die gemessenen Temperaturen oder ihre Änderungsgeschwindigkeiten nach der Industrialisierung im natürlichen Bereich der Klimavergangenheit, oder waren sie in jüngster Zeit ungewöhnlich?
Gab es seit Beginn der Industrialisierung klimahistorisch ungewöhnliche und schädliche Entwicklungen, wie beispielsweise zunehmende oder stärkere Extremwetterereignisse, Gletscherschmelzen, Meeresspiegelanstiege?
Was sagt die Physik über die erwärmende Wirkung des anthropogenen CO2 aus?
Können Klimamodelle die zukünftigen Klimaentwicklungen zuverlässig vorhersagen?
Was steht eigentlich in den Sachstands-Berichten des IPCC27 wirklich, denn kaum jemand scheint sie ernsthaft zu lesen?
Und schließlich am wichtigsten: Sind die Maßnahmen der Bundesregierung zum Klimaschutz –falls er denn überhaupt möglich wäre – verhältnismäßig?
Die hier im Buch gegebenen Antworten basieren auf Publikationen der begutachteten wissenschaftlichen Klima-Fachliteratur, zum Teil auch auf korrekten Aussagen des IPCC, einer politischen Organisation, die sich den von ihr selbst ausgesuchten Ergebnissen der Wissenschaft bedient: Nicht alle Aussagen des IPCC sind daher korrekt! So gut wie alle genannten Publikationen sind heute im Internet frei zugänglich. Die Quellen werden angegeben.
2.1 Klimavariabilität, Klimakatastrophen und der Mensch
Die Menschen können nicht sagen, wie sich eine Sache zugetragen, sondern nur, wie sie meinen, dass sie sich zugetragen hätte
(Georg Christoph Lichtenberg)
Die Natur kennt keine Katastrophen. Die Frage nach „Klimakatastrophen“ betrifft daher nur uns Menschen. Stellvertretende Beispiele sind die Missernten und Hungersnöte in der schon erwähnten „kleinen Eiszeit“, die von Mitte des 15. Jahrhunderts bis Mitte des 19. Jahrhunderts andauerte. In den kalten Wintern des 17. Jahrhunderts war oft die Ostsee komplett zugefroren. Damals verfügten die Menschen noch nicht über eine mit fossilen Brennstoffen angetriebene Technik, um mit solch harten Umweltverhältnissen fertig zu werden. Eine andere Klimakatastrophe fand im Zentralamerika des neunten Jahrhunderts statt und führte zum Untergang der Mayas infolge Jahrzehnte anhaltender Dürren. Diese beiden Beispiele mögen genügen, es sind fast beliebig viele weitere möglich.
Aktuell ist aber etwas ganz anderes mit „Klimakatastrophen“ gemeint: Es ist von zukünftigenKatstrophen die Rede, die wir Menschen selber durch unsere industriellen CO 2-Emissionen in recht unbestimmter Zeit verursachen würden. Nun ist der Fußabdruck des Menschen auf der Erde tatsächlich nicht zu übersehen. Fast schon 8 Milliarden Menschen haben auf unserem Planeten endlose landwirtschaftliche Anbauflächen und ausufernde Städte zurückgelassen. Naturlandschaften mussten weichen. Bei klarem Himmel sind Kondensstreifen von Düsenjets erkennbar, aus Aerosolen entstandene Wolken, die den Durchgang des Sonnenlichts beeinflussen. Die Weltmeere verkommen an vielen Stellen zu Müllkippen und sind in ganzen Regionen bereits leergefischt. Der bei uns früher reichlich vorhandene Kabeljau ist zur Rarität geworden, und im Mittelmeer ist der Thunfisch von Ausrottung bedroht. Schließlich wurde im 20. Jahrhundert eine Zunahme der globalen Mitteltemperatur beobachtet.
Mit alleiniger Beachtung des letztgenannten Ereignisses sind freilich nur noch die Begriffe „Klimawandel“ und „globale Erwärmung“ zu vernehmen. Dabei werden immer wieder die Berichte des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) 27als Zeugen bemüht, einer UN-Institution für das Thema „Klima“, die im Buch immer wieder erwähnt und zitiert wird. Das IPCC kommuniziert mit der Öffentlichkeit über seine schriftlichen Berichte, die alle frei im Internet abgreifbar sind. Es handelt sich dabei um die wissenschaftlich gehaltenen IPCC-Sachstandsberichte und die davon sorgsam zu unterscheidenden IPCC-Berichte für Politiker. Wo liegt der Unterschied zwischen den beiden Berichtstypen? Ganz einfach: Die IPCC-Berichte für Politiker werden von den jeweiligen Regierungen mitgeschrieben! Als Folge davon fehlen in den politischen IPCC-Berichten diejenigen Aussagen der Sachstandsberichte, die nicht in die Politik des betreffenden Landes passen. Somit widersprechen die IPCC-Berichte für Politiker oft den IPCC-Sachstandsberichten. Das vorliegende Buch bezieht sich deswegen vorwiegend auf die IPCC-Sachstandsberichte. Leider werden insbesondere die IPCC-Sachstandsberichte von Medien-Redakteuren und politischen Entscheidungsträgern kaum beachtet, geschweige denn sorgfältig gelesen, woran sicher auch ihr exorbitanter Umfang Schuld ist. Andererseits sollte die heutzutage mögliche digitale Suchhilfe auch das Lesen sehr umfangreicher Schriften erleichtern. Wer die sehr umfangreichen IPCC-Sachstandsberichte daher dennoch liest, stellt überrascht fest, dass in ihnen gar keine „Klimakatastrophen“ vorkommen. Er entdeckt aber noch etwas Entscheidendes:
Es gibt keine einzige Stelle in den IPCC-Sachstandsberichten, in der „eine erhebliche menschgemachte Klima-Beeinflussung“ belegt wird.
Der wohl wichtigste Punkt der öffentlichen Diskussion ist die Befürchtung einer zukünftigen Zunahme von Extremwetterereignissen, wie Hurrikanen, Starkregen, Überschwemmungen, Dürren sowie weiteren Schadenswettern und ihren vermuteten Folgen wie beispielsweise Wald- und Tundrabränden. Über die Zukunft ist gut spekulieren, aber wir können zumindest für den Zeitraum bis heute, in denen doch bereits maßgebende menschgemachte CO 2-Emissionen stattfanden, einmal nachfragen, ob Extremwetter denn zugenommen hätten. Unter 2.3.1 wird die detaillierte Antwort gegeben, sie ist negativ. In der vorindustriellenVergangenheit allerdings gab es sehr einschneidende Klimaänderungen, die den heutigen Klimawandel an Stärke und Schnelligkeit weit übertrafen – und dies ganz ohne Zutun des Menschen. Steter Wandel des Klimas in allen Klimazonen der Erde ist naturgesetzlich. Der immerwährende Klimawandel hält für die Menschheit günstige und ungünstige Zeiten bereit, das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Konstantes Klima gab es noch nie. Man denke dabei nur an die vielen Eiszeiten der letzten 2,5 Millionen Jahre (s. unter 2.4.2). In den Temperaturminima dieser Eiszeiten waren die skandinavischen Gletscher jedesmal bis weit nach Norddeutschland vorgerückt, und ein Großteil der Nordhemisphäre war unbewohnbar. Wir werden gute wissenschaftliche Gründe für eine Wiederkehr solcher Klimakatastrophen kennenlernen.
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